Mal ein Ausflug in das Thema Game-Reviews - vielleicht lässt sich eine interessante Diskussion drumherum spinnen, oder ich kann meinen persönlichen Blog hier ablegen ![]()
Die Website „VideoGameCritic“ - gebaut von Thomas Mahler (Ori, No Rest for the Wicked), nicht ganz unumstritten (sowohl von der Person als auch von den zu erwartbaren, beißreflex-artigen Reaktionen der Spielepresse auf Twitter).
Ich finde das Experiment eigentlich ganz spannend, wenn ich mir auch Mahlers Motivation hier durchaus als „Den Spiegel vorhalten“ vorstellen kann. So ähnlich wie Bewertungsportale wo man Hausärzte (Yameda) oder generell alles mögliche (Trustpilot) bewerten kann. Hier zur abwechslung also mal die Reviewer „reviewen“.
Das Prinzip: Spielerwertungen zählen zwei Drittel, Presse ein Drittel, und jedes Outlet bekommt einen „Trust Score“ dafür, wie oft es mit dem Publikum lag. Die Website wirkt ziemlich vibe-coded und legt im Kern User- und Presse-Wertungen übereinander. Ich bin ehrlich, manchen Bewertungen einiger Medienhäuser und Video-Game-Magazine bin ich heutzutage wirklich negativ eingestellt, weil man oft ein „gefühltes“ Marketinginteresse sieht (Publisher Deal für Werbung, Verpflegung für Preview-Termine, etc. - man kennt ja die alten Kamellen).
Braucht es die Zahl noch? Die Disksussion ist so alt wie manche Amiga-Zeitschrift: Früher war die 87 Prozent im Heft eine echte Kaufhilfe, ich hatte ja sonst nichts. Heute sehe ich vorher zwei Stunden Gameplay und kann notfalls refunden. Oder ich schau den Youtuber des Verauens, oder einen generischen Schnitt von Metacritic oder Opencritic an.
Messen beide Seiten überhaupt dasselbe? Der Kritiker schreibt einmal, zum Launch, unter Deadline. Der Spieler schreibt nach 40 Stunden Langspielerfahrung oder nach 90 Minuten Bug-Frust.
Dazu das Review-Bombing-Problem, das die Seite strukturell erbt: Wenn nachträglich DRM reinkommt, Server abgeschaltet werden oder Pay2Win eingeführt wird, ist die Welle völlig berechtigt, bewertet aber die Geschäftspolitik und nicht das Spiel. Und daneben stehen die rein politisch motivierten Bombings, wo mit dem Spiel gar nichts los ist. Beides zieht den Schnitt runter, gegen den die Presse dann „falsch“ gelegen haben soll.
Wertung als Klickmaschine. Mein Eindruck ist, dass Zahlen inzwischen bewusst reißerisch gesetzt werden. Beispiel Mixtape: von IGN eine glatte 10, insgesamt gefeiert als Liebesbrief an die 90er, während einzelne Stimmen mit 5 von 10 dagegenhielten, das Ding sei eigentlich ein Indie-Film, der sich nur widerwillig daran erinnert, ein Spiel zu sein. Dazu ist dem Spiel ein „Indie“ Label gegeben worden, obwohl es Nepo-Baby-Mäßig von der Tochter von Oracle-Gründer Elisson durchfinanziert wurde.
Und dann auf der anderen SeiteMouse: P.I. for Hire, das von IGN eine 6 kassierte, unter anderem mit der Begründung, es gebe zu viele Käse-Witze. In einem Spiel über Mäuse, in einer Stadt mit Käse-Prohibition. Das ist „too much water“ 2.0, und das Netz hat entsprechend reagiert. Kurios: Genau dieser Verriss war für viele erst der Grund, sich das Spiel anzuschauen. Wenn eine Wertung mehr Klicks bringt, je weiter sie vom Konsens weg ist, dann ist die Zahl kein Urteil mehr, sondern eine Überschrift.
Was kommt danach? weg von der Zahl, hin zur Passung. Stay Forever vergibt keine Punkte und ordnet trotzdem besser ein als jede Skala, da will ich mal ein Lob da lassen. Auch wenn Reviews jetzt nicht der Haupt-Aspekt von SF sind, liebe ich diese. REVIEW Defender of the Crown: The Legend Returns | Stay Forever die war wieder mal super ![]()
Was mich umtreibt: Wenn ich Outlets nach Abweichung vom Publikumsgeschmack ranke, erziehe ich sie dann nicht dazu, genau diese Abweichung zu vermeiden? Ein Score, der Konformität belohnt, killt die abweichende Meinung, also genau das, wofür ich Kritik lese. Ebenso finde ich es bis heute befremdlich, dass man Bonus-Zahlungen und teilweise Bestehen von Studios von irgendwelchen kumulierten Review-Scores abhängig macht, selbst im Jahr 2026.
Guckt ihr noch auf Punkt-Wertungen? Lest ihr noch Reviews heutzutage? Was ist eure Meinung dazu?
// Interessant fand ich auch den Beitrag von Decode zu dem Thema: