Brauchen wir Game-Reviews 2026 überhaupt noch?

Mal ein Ausflug in das Thema Game-Reviews - vielleicht lässt sich eine interessante Diskussion drumherum spinnen, oder ich kann meinen persönlichen Blog hier ablegen :wink:

Die Website „VideoGameCritic“ - gebaut von Thomas Mahler (Ori, No Rest for the Wicked), nicht ganz unumstritten (sowohl von der Person als auch von den zu erwartbaren, beißreflex-artigen Reaktionen der Spielepresse auf Twitter).

Ich finde das Experiment eigentlich ganz spannend, wenn ich mir auch Mahlers Motivation hier durchaus als „Den Spiegel vorhalten“ vorstellen kann. So ähnlich wie Bewertungsportale wo man Hausärzte (Yameda) oder generell alles mögliche (Trustpilot) bewerten kann. Hier zur abwechslung also mal die Reviewer „reviewen“.

Das Prinzip: Spielerwertungen zählen zwei Drittel, Presse ein Drittel, und jedes Outlet bekommt einen „Trust Score“ dafür, wie oft es mit dem Publikum lag. Die Website wirkt ziemlich vibe-coded und legt im Kern User- und Presse-Wertungen übereinander. Ich bin ehrlich, manchen Bewertungen einiger Medienhäuser und Video-Game-Magazine bin ich heutzutage wirklich negativ eingestellt, weil man oft ein „gefühltes“ Marketinginteresse sieht (Publisher Deal für Werbung, Verpflegung für Preview-Termine, etc. - man kennt ja die alten Kamellen).

Braucht es die Zahl noch? Die Disksussion ist so alt wie manche Amiga-Zeitschrift: Früher war die 87 Prozent im Heft eine echte Kaufhilfe, ich hatte ja sonst nichts. Heute sehe ich vorher zwei Stunden Gameplay und kann notfalls refunden. Oder ich schau den Youtuber des Verauens, oder einen generischen Schnitt von Metacritic oder Opencritic an.

Messen beide Seiten überhaupt dasselbe? Der Kritiker schreibt einmal, zum Launch, unter Deadline. Der Spieler schreibt nach 40 Stunden Langspielerfahrung oder nach 90 Minuten Bug-Frust.

Dazu das Review-Bombing-Problem, das die Seite strukturell erbt: Wenn nachträglich DRM reinkommt, Server abgeschaltet werden oder Pay2Win eingeführt wird, ist die Welle völlig berechtigt, bewertet aber die Geschäftspolitik und nicht das Spiel. Und daneben stehen die rein politisch motivierten Bombings, wo mit dem Spiel gar nichts los ist. Beides zieht den Schnitt runter, gegen den die Presse dann „falsch“ gelegen haben soll.

Wertung als Klickmaschine. Mein Eindruck ist, dass Zahlen inzwischen bewusst reißerisch gesetzt werden. Beispiel Mixtape: von IGN eine glatte 10, insgesamt gefeiert als Liebesbrief an die 90er, während einzelne Stimmen mit 5 von 10 dagegenhielten, das Ding sei eigentlich ein Indie-Film, der sich nur widerwillig daran erinnert, ein Spiel zu sein. Dazu ist dem Spiel ein „Indie“ Label gegeben worden, obwohl es Nepo-Baby-Mäßig von der Tochter von Oracle-Gründer Elisson durchfinanziert wurde.

Und dann auf der anderen SeiteMouse: P.I. for Hire, das von IGN eine 6 kassierte, unter anderem mit der Begründung, es gebe zu viele Käse-Witze. In einem Spiel über Mäuse, in einer Stadt mit Käse-Prohibition. Das ist „too much water“ 2.0, und das Netz hat entsprechend reagiert. Kurios: Genau dieser Verriss war für viele erst der Grund, sich das Spiel anzuschauen. Wenn eine Wertung mehr Klicks bringt, je weiter sie vom Konsens weg ist, dann ist die Zahl kein Urteil mehr, sondern eine Überschrift.

Was kommt danach? weg von der Zahl, hin zur Passung. Stay Forever vergibt keine Punkte und ordnet trotzdem besser ein als jede Skala, da will ich mal ein Lob da lassen. Auch wenn Reviews jetzt nicht der Haupt-Aspekt von SF sind, liebe ich diese. REVIEW Defender of the Crown: The Legend Returns | Stay Forever die war wieder mal super :slight_smile:

Was mich umtreibt: Wenn ich Outlets nach Abweichung vom Publikumsgeschmack ranke, erziehe ich sie dann nicht dazu, genau diese Abweichung zu vermeiden? Ein Score, der Konformität belohnt, killt die abweichende Meinung, also genau das, wofür ich Kritik lese. Ebenso finde ich es bis heute befremdlich, dass man Bonus-Zahlungen und teilweise Bestehen von Studios von irgendwelchen kumulierten Review-Scores abhängig macht, selbst im Jahr 2026.

Guckt ihr noch auf Punkt-Wertungen? Lest ihr noch Reviews heutzutage? Was ist eure Meinung dazu?

// Interessant fand ich auch den Beitrag von Decode zu dem Thema:

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Nein. Brauche ich nicht. Ich weiß nach einem Trailer ob ich Bock habe oder nicht. Und im Zweifelsfall werde ich schon merken wenn ein Spiel so besonders ist, um sich das doch nochmal anzusehen.

Also insgesamt überflüssig - weil wir alle individuell sind und jeder andere Vorlieben hat, das ist alles so hart subjektiv.

Und für Produktqualität reicht auch einfach ne Meldung wie „Spiel ist unfertig“. Aber ich kaufe nur noch in absoluten Ausnahmefällen was zum Release, in der Regel erst wenn Kram gut abgehangen und deutlich im Preis gefallen ist.

4 „Gefällt mir“

Ich setzte inzwischen nichts mehr auf Wertungen, seh mir aber vor dem Kauf Gameplay an.
Inzwischen kann ich das auch gut einordnen. Ich halte Abstand von den überdrehten YouTubern, achte darauf ob es ein Werbevideo ist und fälle dann meine Entscheidung.
Gerade im von mir präferierten (Grand)Strategie/Sim/4X Sektor ist es halt schwer, schlechte Mechaniken und schlechtes Spiel durch lautes Geschrei und Fun Content zu überspielen.
Auf Magazine, bzw. deren Webseiten gebe ich inzwischen gar nichts mehr.
Früher habe ich jeden Autor quasi gekannt. Ich wusste, Mick, Loibl, Beserkerkitten (ich nenne den Namen jetzt absichtlich nicht, aber ich hoffe sehr, ihm und seiner Frau geht es gut. Das ist echt der Mensch, mit dem ich mich bisher am besten offline relaten konnte. Und der hat nicht mal einen Wiki Artikel.), Maurice und Heiko haben zu mir gepasst. Anatol z.B. nicht, was ja auch okay ist. Einige haben aufgehört, manche sind gestorben und manche haben den Fokus verlagert (von Heiko und Maurice nehme ich inzwischen z.B. Abstand, wenn es um Reviews geht, aber so ist halt das Leben.).
Heute fühle ich mich in der Spielepresse nicht mehr repräsentiert, weil es auch keine/meine Spielepresse mehr gibt.
Schau dir eine beliebige Seite an. Die Tests unterliegen immer den Lego, Staubsauger und Soundbar Reviews. Previews gibt es seit EarlyAccess nicht mehr. Die Zeit war schön, aber ist halt tot.

2 „Gefällt mir“

Wir brauchen.

Jedes Medium benötigt eine Presse, die sich sowohl mit ihm als Ganzen als auch mit einzelnen Werken kritisch auseinandersetzt, es zur Reflexion und der Erweiterung des eigenen Horizonts zwingt. Nicht umsonst haben Buch-, Theater- und Film-Rezensionen eine lange Tradition und an Bedeutung bis heute kaum abgenommen.

Was sich überlebt hat, sind klassische Produkttests im Stile der 80er und 90er. Das funktionierte damals, weil es für die Kundschaft wirklich nicht leicht war, die Spreu vom Weizen zu trennen - aber auch, weil es stabile Redaktionen gab, in denen man die Schreibenden einigermaßen kannte, und glaubte, sie würden sich am Ende des Monats tatsächlich ins Konklave zurückziehen, bis irgendwann weißer Rauch aufstieg und Jörg Langer „Habemus consensum!“ verkündete. Oder Olli Menne mit dem Rechenschieber auch die letzte Motivationskurve akribisch ausgewertet hatte. (Oder jemand nochmal im Vertrag nachschaute, ob für die Exklusiv-Demo jetzt 80 oder 85 % notwendig waren. Zwinkersmilie.)

Solche Tests sind in meinen Augen seit mindestens 20 Jahren obsolet und auch wenn es in der Hinsicht - nicht zuletzt einst angestoßen durch Kieron Gillens „New Games Journalism“ - Versuche zur Weiterentwicklung gab, geht das in den meisten Fällen kaum darüber hinaus, dass in heutigen Reviews das vormals verpönte Wort „ich“ fällt. Mehr nicht.

Bei GameStar, dem vermeintlichen Leitmedium, hab ich, überspitzt gesagt, das Gefühl, man schäme sich, zwischen Streamingserien und Rasenmähern überhaupt noch über Spiele schreiben zu müssen. Und in den Feuilletons der traditionellen Medien rangieren Spiele ohnehin unter ferner liefen.

Gleichzeitig bekommt jedes Publikum aber natürlich auch die Presse, die es verdient. Solange einzelne abweichende Reviews von den Kunden - nicht von den Herstellern! - als persönlicher Affront verstanden werden, ist sowieso Hopfen und Malz verloren. Das gibt’s sonst, glaube ich, auch nirgends. Außer vielleicht bei Star-Wars-Fans.

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Zur Grundsätzlichkeit siehe Snoops.

Subjektiven Erlebnisberichten kann ich allerdings selten was abgewinnen, weil die Kunst zu schreiben, wie es mir gefällt, nur wenigen gegeben ist. Bevor ich mir minutenlang Assoziationsketten von Autoren antue, die ich nicht teile, bin ich über eine Beschränkung auf die Fakten eigentlich ganz froh. Und am Ende ist es doch genau das, woran Spielspaß bei mir scheitert: ist die Steuerung intuitiv, arbeiten die Designer mit künstlich unsichtbaren Levelgrenzen, wie groß ist die Auswahl wirklich? Ich brauche keine Sonderseite mit Übersicht aller Einheitentypen, aber eine ungefähre Quantifizierung finde ich schon gut. Das haben PC Games und Gamestar immer zuverlässig geliefert und solche eher faktenbasierte, einordnenden Reviews weiß ich in einer Zeit, die an Meinungsbeiträgen nicht gerade arm ist, sehr zu schätzen. Daneben nutze ich auch Wertungen gerne zur Orientierung und finde sie ganz praktisch als Lesehilfe, ohne sie als den Heiligen Gral der Zusammenfassung zu betrachten.

4 „Gefällt mir“

Ich frage mich allerdings warum das bei Spielen so gar nicht klappt oder, falls das irgendwie und irgendwo auf Entwickler-Cons stattfindet, einfach nahezu unsichtbar bleibt. Dafür, das diese Branche soviel Geld bewegt, erscheint mir die kulturelle Auseinandersetzung damit extrem unterentwickelt.

Oder fehlt es am Ende doch an der nötigen Substanz und mangelnder Tiefe? Ich finde viele der besprechenswerten Themen rund um Spiele sind weniger die Spiele selbst, als Metathemen drumherum (Arbeitsbedingungen, politische Einflüße, psychologische Auswirkungen, Monetarisierung usw.).

Erschwerend kommt hinzu das ein Großteil der Spiele ja nur Literatur-, Film- und Musik emulieren. 98% der Spiele fehlt IMO ein wirklich eigener Ausdruck. Will sagen: in der Besprechung scheinen mir Videospiele dichter am Brettspiel als am Roman, Film oder Musikalbum.

4 „Gefällt mir“

Guter Punkt, das ist natürlich ein Problem: Es braucht Autoren, die so etwas überhaupt schreiben können, dafür bezahlt werden - und man muss für sich jemanden finden, mit dem man ungefähr auf einer Wellenlänge ist. Oder der so interessant schreibt, dass man bereit ist, sich für andere Perspektiven zu öffnen.

Bei TV-Serien zum Beispiel bin ich deshalb lange Alan Sepinwall und Emily St. James von Job zu Job gefolgt, aber sich auf einzelne Magazine festzulegen, ist schwer bis unmöglich.

Ja, das spielt sicher auch eine Rolle.

Bei, keine Ahnung, FIFA/EA FC Teil 35 oder wo wir mittlerweile sind, kann man vermutlich nichts allzu Intelligentes über das Spiel an sich mehr schreiben, höchstens über dessen Monetarisierung. (Wobei: Man könnte zusammen mit einem Trainer, einer Trainerin oder einem aktiven Fußballer wirklich tief ins „Gameplay“ einsteigen und Spielablauf, Tempo und Taktiken im Detail mit der Realität vergleichen - herausarbeiten, was wie warum funktioniert oder nicht funktioniert.)

Grundsätzlich gibt aber nicht jedes Spiel irgendwelche deepen Think Pieces her, keine Frage.

Ich weiß auch nicht, ob eine intensive kulturelle Auseinandersetzung mit dem Medium wirklich immer gewollt ist, weder von Seiten der Entwickler noch von Seite der Spielenden. Die Reaktionen auf „‚Gamers‘ don’t have to be your audience.“ und Tropes vs. Women in Video Games hat ja jeder noch im Kopf, und das ist mittlerweile zwölf Jahre her. Viel geändert hat sich seitdem mutmaßlich nicht.

3 „Gefällt mir“

Ich finde, da wirfst du gerade einiges zusammen: Zum einen Wertungen für Spiele; zum anderen die Spielepresse an sich.

Streit über Wertungen in Form eine Zahl ist so alt wie das Medium. Und wahrscheinlich auch andere, die es damit versucht haben. Wertungssysteme gibt es ja wie Sand im Meer und alle haben ihre Stärke und Schwächen. Ich bin kein Freund davon, weil ich denke, dass sie die Sache zu stark vereinfachen. Sie suggerieren Vergleichbarkeit, wo gar keine ist. Eine 5/10 für ein Spiel kann aus völlig anderen Gründen vergeben werden, als dieselbe Wertung für ein anderes Spiel.

Auch der Vorwurf an die Spielepresse, nur der verlängerte Arm des Publisher-Marketing zu sein und „gekauft“ ist, ist so alt wie die Presse selbst. Beweise gibt es wenig. Auf der anderen Seite lassen sich „Youtuber meines Vertrauens“ oft viel einfacher beeinflussen, weil sie im Endeffekt Laien ohne fachliche Ausbildung als Redakteur sind. Gut, dass sind mittlerweile auch viele Redakteure in eigentlich großes und professionellen Magazinen.

Ich glaube, ein Grund für den Eindruck ist schlicht, dass das Medium Videospiele so jung und vor allem komplett durchkommerzialisiert ist. Ältere Medien wie Musik und Literatur gibt es schon so lange, dass da eine andere Tradition dahinter steht. Film finde ich so ein Grenzfall, weil auch noch „relativ“ jung. Die kritische Auseinandersetzung mit Videospiele beginnt gerade erst. Die ersten Spiele waren vor allem technisch geprägt, weil man vieles erstmals überhaupt erstellen konnte. Mittlerweile sind die technischen Hürden soweit überwunden, dass man sich damit auch tiefer befassen kann, Spiele mit mehr Ausdruck erschaffen kann. Das passiert aber aktuell größtenteils im Indie-Bereich. Ähnlich wie bei Filme sind die Großproduktionen vor allem kommerziell getrieben, deshalb müssen sie ein möglichst breites Publikum ansprechen und experimentieren eher weniger.

Auch das Spiele heutzutage „lebende“ Objekte sind ändert die Dynamik. Weil Spiele weiterentwickelt, gepacht komplett ungekrempelt werden. Kommt bei Büchern oder Musik eher selten vor (wäre mir zumindest nicht bekannt, zumindest in der Neuzeit), bei Filmen scheint es nur George Lucas zu machen. Deshalb scheint mir das Projekt prinzipiell eine gute Idee - allerdings muss ich schon sagen, dass ich ob der Personalie Thomas Mahler etwas skeptisch bin. Weil er insbesondere im Hinblick auf die Presse mehr als nur streitbar ist. Da muss sich zeigen, ob das Projekt wirklich so unabhängig und rein datengetrieben ist oder da auch eine Agenda irgendwo vergraben ist.

3 „Gefällt mir“

Von Bewertungen halte ich nichts. Ich bewerte zwar selber Spiele auf Kultboy, aber das ist nur ein Ranking für mich selbst. Mir selber würden auch 5 Sterne reichen und ich lach mich immer kaputt, wenn jemand meint, dass ein Spiel mit 90% Bewertung aussagekräftig besser sei als eines mit 89%.

Ich lese noch Reviews. Vor allem Scans aus alten deutschsprachigen Magazinen zu Retro-Spielen auf Kultboy und zu Retro-Spielen und aktuellen Spielen für Retro Systeme in der Retro-Gamer und der Return. Ab und zu lese ich mal online ein Review aus der englischsprachigen Computer Gaming World, wenn die deutschen Magazine mal wieder ein interessantes altes SSI, Avalon Hill, etc. Spiel aus den 80ern „übersehen“ haben. Selten lese ich mal ein Review auf Gamers Global, wenn mich doch mal was Neueres interessiert. Obwohl ich da gerne auch das Video schaue, wenn einem dabei das Review quasi vorgelesen wird, was ich eine gute Kombination finde.

P.S.
Kleiner persönlicher Disclaimer. Diesen Thread und einige der Kommentare hier finde ich sehr lesenswert. Das Video aus dem ersten Kommentar habe ich mir aber nicht bis zu Ende angeschaut. Ist halt nicht mein Ding.

2 „Gefällt mir“

Ein paar Gedanken zu der Frage ob wir noch Reviews benötigen:

Ich verstehe die Frage so, dass damit Tests gemeint sind.

Ich meine, dass Tests heute mehr als früher eine wichtige Hilfe bei der Kaufentscheidung sein könnten. Ich persönlich bin darauf bei größeren Releases (vor allem Triple-A) zwar nicht mehr zwingend angewiesen, weil ich dem Hobby schon lange genug verfallen bin (mich auskenne) und mir auf vielen anderen Wegen einen Eindruck verschaffen kann.
Das ist aber eine Sichtweise abhängig von meinem persönlichen Standpunkt und meiner Situation. Ich denke, dass gerade Einsteigern und unerfahreneren Gamer:innen Tests auch heute noch eine Hilfe sein können, um zu entscheiden, ob Spiel X etwas für sie ist oder nicht.
Was ich nicht weiß ist, ob das noch so angenommen wird wie früher oder ob gerade jüngere Leute sich z.B. eher über Streamer informieren. Eine Nachfrage muss es noch immer geben, sonst hätte sich die diversen Webseiten und Magazine bestimmt schon angepasst.

Gerade für den Indie-Bereich - und ich würde auch sagen im Double-A-Bereich - würde ich mir mehr Tests wünschen. Es gibt so viele Neuerscheinungen, dass es unmöglich sein dürfte sich im Alltag einen eigenen Überblick zu verschaffen. Eine gut kuratierte Vorauswahl in Form von Tests wäre mir persönlich wichtig. Der Steam-Algorithmus hilft mir bspw. nur begrenz weiter. Für jedes interessante Spiel ignoriere ich mehrere uninteressante. Der Algorithmus versteht dabei aber offensichtlich meinen persönlichen Geschmack nicht. Denn dieser Umstand ist schon seit Jahren unverändert.

In meiner Bubble habe ich für eine gut kuratierte bzw. vorgefilterte Spieleauswahl aus dem Indie- und Double-A-Bereich kein gutes Angebot.
Der Triple-A Anteil in Magazinen ist nach meiner Wahrnehmung weiterhin erheblich. Für kleinere Titel ist nicht genug Raum vorhanden. Das liegt wahrscheinlich auch an der eingeschränkteren Nachfrage. Ich nehme an, dass kleinere und unbekannte Spiele eher weniger Klicks generieren.
The Pod und OK Cool haben auch den Indie-Sektor im Blick. Da ist für mich sehr häufig aber nichts interessantes dabei (das ist nicht ausschließlich, aber auch eine Genre-Frage).

Vielleicht ist das Angebot auf dem Spielemarkt mittlerweile auch einfach zu groß, so dass man einen umfassenden, kuratierten Überblick über alle Genres hinweg als einzelnes Magazin oder einzelner Podcast gar nicht abbilden kann.

Die Diskussion zur Notwendigkeit von Zahlenwertungen finde ich müßig. Entscheidend ist doch, dass für Leser:innen erkennbar wird, ob sich ein Kauf lohnt oder nicht. Das kann ich auf vielen Wegen erreichen. Zahlenwertungen sind ein bewährtes Mittel. Sobald man das Wertungsgefüge eines Magazins kennt fungiert das als zusammenfassendes Kriterium. Lasst uns dankbar sein, dass es unterschiedliche Herangehensweisen gibt, um das zu erreichen. Wenn ich mich kritisch mit dem Medium auseinandersetzten möchte kann ich mich ja auch breitflächig informieren. Es muss ja nicht immer nur der Test des Stamm-Magazins oder der Stamm-Webseite sein. Und wenn ein Test mal mehr Clickbait ist als Review hilft uns die Fähigkeit das erkennen zu können weiter.

Diese letzten Gedanken würde ich auch in der Frage anführen, ob die Tests unabhängig genug sind. Gleichzeitig würde ich die Unabhängigkeit im Produktjournalismus nicht zu schwarz sehen.

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Ich würde sie nicht vermissen. Früher waren Previews und Tests in Spielezeitschriften neben Produktempfehlungen auch immer noch Sehnsuchtserfüller. Bewegtmaterial war wie Taschengeld auch kaum vorhanden. Die Texte waren dann der Ersatz zum Spielen.

Heute schaue ich mehr auf Steam Reviews. Da werden dann ja auch - anders als bei der Spielepresse damals - Bugs offen angesprochen und entsprechend in die Wertung einbezogen.

Durchschnittswertungen schaue ich mir von Spiele, die mich interessieren, aber manchmal auch noch an. Lesen tue ich die Texte bis auf Bulletpoints aber nicht mehr.

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Danke für die vielen tollen Beiträge! Ich kritzel ein paar Antworten mal hin, weitere folgen noch :slight_smile:

@Fischonkel Ich finde auch, dass Zahlenwertungen inzwischen ziemlich überflüssig sind. Von den Medienhäusern und etablierten Kanälen würde ich mir stattdessen mehr Einordnung und Themen-Specials wünschen, vor allem aber einen echten Fokus auf Indies. Da würde ich sogar mehr in den Paywall-Hut werfen. In der Flut an Indie-Games gehen viele Goldstücke unter, schlicht weil niemand über sie schreibt. Ebenso Retro-Releases. Genau die bräuchten mehr Bühne, statt auf eine Prozentzahl reduziert zu werden. Ich weiß, auch die Jungs von der GameStar haben schon argumentiert, dass es ohne populäre Themen wirtschaftlich nicht geht. Ein Widerspruch ist das für mich aber nicht, beides schließt sich ja nicht aus.

@ChSchäffler80 Ja, Heiko ist eigen geworden. Bei Maurice sollte man aber dazusagen, dass er seit 2022 kein Redakteur mehr ist, sondern Creator im selben Konzern. Genau darin liegt für mich das eigentliche Problem. Dass sich die GameStar finanzieren muss, verstehe ich. Reichweite ist dort inzwischen aber keine Nebensache mehr, sondern das Produkt. Mit FYNG stellt man die Bühne für die Publisher und testet dieselben Spiele anschließend selbst.

Cralon ist dafür das beste Beispiel. Ein Spiel, das in weiten Teilen aus unveränderten Unreal-Store-Assets besteht, Games Aktuell vergibt 4 von 10, und trotzdem gibt es Weltpremiere, Gameplay-Videos und Patch-Berichterstattung. Heiko hat die Begründung selbst geliefert: weil es die Leute interessiert. Der Artikel lief besser als die eigene Weltpremiere. Drova dagegen: sechs Entwickler, 97 Prozent positive Reviews, 78 Punkte, erst nach viel Genöle im Nachtest 81.

@Snoops Zu den Rasenmähern habe ich ein Beispiel, das ich immer noch absurd finde: Vor einem Review zu einem Cyberpunk-Spiel lief Werbung für einen KI-Mähroboter. Und das war kein zufällig ausgespielter Spot, sondern eine Partnerschaft, also bewusst so gesetzt. Da wird die Grenze zwischen Test und Vermarktung nicht verwischt, da ist schlicht keine mehr.

@Avantenor Genau deshalb würde ich mir sogar mehr Technik in den Tests wünschen. Das ist ja der Teil, der sich wirklich quantifizieren lässt.

Konkret: Unreal Engine 5. Viele Spiele darauf sind gut, objektiv wie subjektiv. Aber ich würde vor dem Kauf gerne wissen, ob ich mir Traversal Stutter einhandle, ob beim ersten Start eine halbe Stunde Shader Caching ansteht und was Lumen und Nanite an Performance kosten. Das steht so gut wie nie im Test.

Es gibt Technik-Checks, und PCGH benchmarkt fleißig. Nur läuft das getrennt vom Test und getrennt von der Wertung. Dazu kommt, dass Benchmarks meist Durchschnitts-FPS zeigen. Genau da verschwindet Stutter aber, weil ein Hänger von 200 Millisekunden den Schnitt kaum bewegt. Sichtbar wird er nur in Frametimes und 1-Prozent-Lows.

Ausgerechnet Digital Foundry, also die englischsprachige Konkurrenz, macht das seit Jahren zum Standard. Die deutschen Magazine könnten das auch, es fällt aber offenbar hinten runter.

Das wäre für mich übrigens die beste Verteidigung der Wertung. Wenn eine Zahl schon eine Lesehilfe sein soll, dann sollte sie auch abbilden, ob ein Spiel technisch sauber läuft.

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Ich wollte jetzt gar nicht so explizit auf die GS eindreschen, aber die Seite ist inzwischen wohl eins der Paradebeispiele von „wie man überlebt“ und neben 4P (die ja dann gestorben ist), die einzige, die ich über Jahrzehnte gelesen hab. Also kann ich auch nur hier wirklich mitreden.
Ich war sehr lange auch Plus Abonnent und als Langzeitleser hat mir der Wandel sehr missfallen. Und ich wollte mir jetzt gar kein so persönliches Urteil über die Mitarbeiter bilden, da ich sie ja nicht persönlich kenne. Aber wenn man Leuten lange folgt, kommt dann doch so eine Art persönliches Verhältnis auf und mir hat das ehrlich gesagt weh getan, wie Heiko sich langsam Richtung „neue“ Monetarisierung gedreht hat. Muss er vielleicht, um das Produkt am Leben zu halten, oder vielleicht weil es ihm diktiert wird, oder vielleicht weil er das so wollte. Mir hat es nicht gefallen, dann kommentiere ich halt unter ein paar „besonders schlimmen“ Artikeln und dann bin ich halt weg, wenn es kein sinnvolles Feedback dazu gibt.
Damit lass ich es jetzt aber auch gut sein, wenn das okay ist. Sonst machen wir hier das nächste Fass auf.

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Ja absolut, GS ist hier nur ein Teil der Betrachtung, würde da auch nicht weiter bohren. :slight_smile: Jörg Lubils „Spielvertiefung“ finde ich auch ein interessantes Konzept wo ich einen kleinen Oblus beisteuere. Vermisse seine 4Players-Reviews. https://spielvertiefung.de/

Wobei das aber wieder so eine absolut nischige Behandlung wäre. Sicherlich geil, wenn man was damit anfangen kann - aber das kann eben nicht jeder. Und ich glaube hier liegt die große Crux bei Videospielen. Wenn sie nicht vollkommen mechanisch sind wie ein FIFA, dann unterliegen sie aufgrund ihrer spielerischen Natur immer der Dramaturgie einer linearen Erfahrung des Buches, Filmes oder auch der Art und Weise wie ein Album konzipiert ist. Gerade bei narrativ getriebenen Spielen nervt mich das gameplay oft - oder so Mischformen: ich kann bspw. den Storymodes in modernen Fighting Games nichts abgewinnen, wenn du 2-3h Film hast und da dann hin und wieder ein Kampf eingestreut wird. Das passt nicht zusammen und bedeutet am Ende das sowohl der narrative als auch der spielerische Teil leiden. Das Schlechteste aus zwei Welten sozusagen.

Ich glaube tatsächlich aber auch das viele Leute gar nicht so sehr auf tiefes gameplay abfahren und das nur die absolute Elite in jeweiligen Titeln oder Genres da Spaß und Gewinn draus zieht.

Die wenigsten Spiele tun das, aber wenn da mal was um die Ecke kommt wie bspw. ein Disco Elysium - dann sollte das eigentlich ein viel größeres Echo erfahren (außerhalb der Spielebubble) als es das bekommen hat. Stattdessen versucht sich SPON auch an einem Spielelistical und da frage ich mich ernsthaft ob es am Publikum liegt oder was? Ich meine, Bücher schaffen ja auch den Sprung aus ihren Nischen heraus und man empfiehlt lesenswerte Titel, gleichzeitig habe ich das Gefühl Spiele sind da viel, viel sperriger und man kann (gerade heutzutage) kaum noch von einem Red Dead 2 zu einem Stellaris zu einem Street Fighter 6 zu einem Soulsbourne oder MMO / Diablo-like springen weil jedes davon quasi eine Wissenschaft für sich ist - da bin ich nach dem Download schon mit der halben Buchempfehlung fertig.

Wenn wir das nicht wollten, dann bliebe ja nicht viel übrig außer Querbezüge herstellen wo/wie/was in welcher Ahnenlinie steht oder nur Technologie zu bewerten. Archivare einer großen Zeitverschwendung?

Sind wir dann nicht wieder gefährlich nahe am Waschmaschinentest und letztlich der Frage ob es überhaupt Sinn macht sich mit Spielen großartig zu beschäftigen, über die Eckpunkte ihrer Features hinaus?

Was meinst du hier mit Einordnung?

Auf jeden Fall. Bin da mit der Unübersichtlichkeit über die Releases auch total unzufrieden und glaube hier könnte aus dem einen oder anderen Projekt auch wirklich tolle und lesens/hörens/sehenswerte Beiträge entstehen die eben mehr sind als Erklärung vom Spielablauf. Etwas das bspw. total wenig stattfindet ist so die Reise in die Gedankenwelten hinter einem Spiel, warum dies so, warum das so - was wurde probiert, was ging aus irgendwelchen Gründen schief und usw. usf. - ich finde es wird sich einfach viel zu sehr mit dem Endergebnis beschäftigt und zu wenig mit dem Designaspekt bzw. der Entstehung (und zwar über - jo, ham wa halt UE5 genommen und gut is - hinaus). Ich fand Dom’s Beitrag zu Signalis bspw. total faszinierend und habe mir das PSN sei Dank auch direkt installiert, am eigentlichen Spiel habe ich wenig Bock - aber auf diese „Theaterbühne“-Inszenierung freue ich mich.

Da bräuchte es mMn erstmal Experten die sich damit wirklich auskennen. In jetziger Form brauch ich da ehrlich gesagt gar nichts zu - weil das maximal Schulhoflevel ist was da teils geschrieben wird. Das geht deutlich anders, wie StayForever ja zeigt. Aber diesen Tiefgang, wollte man diese Spiele würdig besprechen, gibt es kaum und macht in Anbetracht der Nischen in denen sich diese Releases bewegen finanziell sicher gar keinen Sinn. Ich meine, warum soll Jens Jedermann nochmal die alten Mortal Kombats spielen, wenn er das neueste Mortal Kombat haben kann (oder das zweitneueste zum Bestpreis und deutlich günstiger als die Re-Release der Oldies).

AA und AAA Produkte gehören ja auch zur Welt der Spiele dazu und auch wenn man die Marvel Filme vielleicht doof findet, muss man die Fanbase natürlich bedienen das gilt für kinostarts.de genauso wie für gamestar.de.

Ich persönlich schätze ja die Texte der GEE sehr, einfach Spiele als Aufhänger und danach eben verschiedenste Themen beackern - ich denke da könnte die Zukunft liegen.

Was ich persönlich gar nicht mehr abkann ist so umständliche Beschreibung von Spielabläufen und Systemen - das will ich im Detail alles gar nicht wissen und bringt mir in dem Augenblick des Lesens auch nichts.

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Mir sind Wertungszahlen schon lange egal. Was mir wichtig ist sind reviewer welche knapp und prägnant das spiel erklären können, und dann eventuell noch was Sie gestört hat. Besonders am ersten teil kann ich selber schnell herausfinden ob das was ist.

Bei RPG versuch ich oft herauszufinden, was für balancing möglichkeiten hat man. Oder z.b. „Gibt es Zeitdruck missionen“ oder so.

Seit ich meine situativen 4-5 Reviewer gefunden habe kann ich anhand von deren Erzählung relativ gut abschätzen ob das was für mich ist (kommt vlt vom Alter? :smiley: )

Ich denk es ist sehr wichtig auch seine eigen gespielten games für sich zu reviewen, und zwar kritisch. Spielt man das nur respektive findet man das nur gut weil es gerade „FOTM“ ist und durch die decke gehyped wird oder… hat man sich eher gezwungen gefühlt ? Gibt es Features die einem wirklich stören?

Daher ganz klar ja, reviews gerne und auch gerne mit nischen spezialisierung (Fextralife nutz ich gern z.b. fpr CRPG’s). Noten sind wohl wirtschaftlich nötig, für mich aber nicht. Schon als Kind hat mich das bei der PC Player und co eigentlich relativ wenig interessiert sondern eher der text vom Author „hey ok das und das fand ich doof, das gut und darum fühl ich das jetzt so und so“… die zahl war mir immer irgendwie zu… „einfach“.

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Ich meinte damit, dass ich lieber thematische Einordnungen zu Spielekultur, aktuellen Geschehnissen und Releases hätte statt einer Versteifung auf arbiträre Prozent- und 100er-Skala-Wertungen die zum Ragebait verleiten.

Diese Zahlen tun ja so, als wäre ein Spiel messbar, dabei sagt eine 84 nichts darüber aus, warum ein Spiel entstanden ist, unter welchen Bedingungen und was es über die Branche verrät. Die Skala ist längst kein neutrales Werkzeug mehr, sondern Teil des Geschäfts. Wenn Publisher Boni und Meilensteinzahlungen an Metacritic-Schnitte koppeln, wie es bei Obsidian und Fallout: New Vegas passiert ist (und das ist nur ein Beispiel das mal publik geworden ist), wo genau ein Punkt gefehlt hat, dann ist eine Wertung kein Serviceangebot an mich als Leser, sondern ein Hebel in einem Vertrag, an dem Arbeitsplätze hängen. Ich brauche am liebsten einen Text, der mir sagt, wofür ein Spiel steht, weil wir schon so viele Dramas mit diesen Wertungen vor uns hergetrieben haben.

Dabei hätte ich auch gerne mehr Diversität in der Themenwahl, also nicht das x-te „Wie misogyn sind Gamer“-Special, sondern Themen zu tatsächlichen Entwicklungen in der Branche. Ein monatsfüllender Komplex wäre zum Beispiel den Umgang der großen Publisher mit ihren Entwicklern: Microsoft hat 2024 trotz Erfolgen zig Studios geschlossen. Sony hat im selben Jahr ebenfalls zig Leute in ihrem verhunzten Live-Service-Gaming-Wahn entlassen. Hier könnte es eine Korrelation geben zu den kommenden Preis-Steigerungen der Konsolen (es liegt nunmal nicht nur am teuren RAM und Speicher sondern auch an der Unfähigkeit von Sony gute Spiele-Erlebnisse in der heutigen Zeit an den Markt zu bringen).

Und im vergangenen Jahr hat Xbox rund 20 Prozent der Belegschaft gestrichen, also etwa 3.200 Menschen, während Phil Spencer im selben Atemzug erklärt hat, man habe mehr Spieler, mehr Spiele und mehr Spielstunden als je zuvor. Asha Sharma hat jetzt zwar übernommen, den Optimierungskurs (also die weiteren Kündigungen fortgesetzt). Dabei kommt dann so tröpfchenweise raus, dass es bis zu 10 Management-Ebenen in diesen aufgeblasenen Konstrukten gab. Mir fehlt so gänzlich der große Aufschrei der Spielepresse dazu. Wenn Erfolg heutzutage keine Jobsicherheit mehr bedeutet, ist das die eigentliche Geschichte der letzten Jahre, nicht die Frage, ob das Spiel jetzt 88 oder 91 Punkte bekommt. Dabei wenn ich auf IGN und Konsorten gehe, sehe ich nur noch die reißerische Überschrift, eine Prozentwertung im Preview-Bild und (ohne Ublock origin) zig Werbe-Einblendungen. Inzwischen ist mir das wirklich zu stumpf geworden.

Leider fehlt es den aktuellen Spielemagazinen genau da an Biss, weil sie immer abhängiger von den Publishern werden, während diese die Presse gleichzeitig immer weniger brauchen. Review-Codes, Preview-Events samt bezahltem Flug und Hotel, Embargos, die die Berichterstattung terminlich und inhaltlich vorstrukturieren: Das sind alles kleine Abhängigkeiten, die sich summieren. Und wer kritisch schreibt, steht beim nächsten Blockbuster hinten an. Outlets wie Gamers Nexus oder unabhängige Creators wurden hier schon zu genüge abgesägt wenn die gesagte Meinung nicht passt.

Gleichzeitig gehen die dicksten Presskits mit Goodies und Geschenken inzwischen an bequeme Influencer statt an Redaktionen, weil ein Creator mit Vertrag planbar liefert und ein Journalist nicht. Die wirtschaftliche Seite macht es nicht besser: Redaktionen werden zusammengelegt, aufgekauft und auf SEO und Affiliate-Links getrimmt. Dass es anders geht, zeigen kleine, lesergetragene Modelle wie Aftermath oder hierzulande Podcast- und Abo-Formate, die keinen Publisher um Erlaubnis fragen müssen.

Genau dahin müsste sich der Rest bewegen, sonst bleibt am Ende eine Presse übrig, die nur noch Trailer nacherzählt und Zahlen vergibt. Die Outlets hätten die einmalige Chance sich herauszuputzen und wirklich wieder „Magazine“ zu sein. Aber wenns so weiter geht, werden sie halt nach und nach verschwinden.

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Ich würde sagen: Die Website braucht es dann nicht :slight_smile:

Es gibt Spiele, da interessieren mich Tests vielleicht, aber ich brauch sie nicht.
Bei einem Like a dragon, Trails of, Xenoblade, Fire Emblem weiß ich was ich bekomme. Natürlich gibt es da Schwankungen, aber die kaufe ich.

Es gibt aber auch Titel bei denen ich nicht weiß was ich erwarten kann, da interessiert es mich definitiv. Die Zahlenwertung ist halt die extreme Kompression, wichtiger ist natürlich der Test (wenn Grundinteresse besteht).

Ich guche z.B. auch auf Metacritic. Da finde ich es tatsächlich interessanter, wenn die Wertungen extrem auseinander gehen als wenn alle im 70er Bereich werten.
Gleichzeitig sind die User Wertungen da der komplette Bullshit. Die einen haten und geben ne 1 und die anderen wollen das ausgleichen und geben ne 10. Kann man direkt nehmen und das Klo runterspülen.

Und heute hat man ja viele Quellen für Meinungen, nicht nur die alte Presse.

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Ja, FIFA war sicher nicht das beste Beispiel dafür. Das ist ja - um den Filmvergleich zu bemühen -, der Ultimate Final Final Director’s Cut v3, jetzt mit 13 Sekunden neuem Material! Überhaupt noch etwas darüber zu schreiben, ist im Grunde Quatsch, da eh alle wissen, was sie erwartet, und sich wirkliche Probleme erst im Multiplayer nach 50 Stunden oder so herauskristallisieren, was Reviewer/innen nicht leisten können.

Bei den Spielen an sich geht’s mir, glaube ich, ähnlich wie dir. Ganz schlimm fand ich diese Phase, in der insbesondere Action-Adventures ständig nahezu nahtlos zwischen Gameplay, echten Cutscenes und Sequenzen mit stark eingeschränktem Input oder QTEs wechselten, um Filme zu emulieren. Das wurde zum Glück wieder etwas zurückgeschraubt - oder ich spiele sowas einfach nicht mehr, kann auch sein.

Eben, gerade im Indie-Bereich gibt es ja viele tolle, besprechenswerte Spiele, bei denen sich Medien geradezu als Entdecker gerieren könnten, weil selbst die durchschnittlichen GameStar-Lesenden von vielen noch nie etwas gehört haben. Und das ist doch eigentlich eine der Stärken des Feuilletons: die Nische beleuchten zu wollen. Passiert halt kaum.

Deshalb find ich’s immer ein bisschen wild, wenn sich Branchenverbände damit brüsten, 60 % der Deutschen (im Alter von X bis Y, kein Bock das nachzugucken) würden spielen - während Spiele in der öffentlichen Wahrnehmung bei Menschen Ü30 kaum zu existieren scheinen.

Weiß nicht, was die Lösung dafür ist. Offenbar besteht auch gut vierzig Jahre nach den ersten „ernstzunehmenden“ Spielen schlicht kaum Interesse an einer Auseinandersetzung oder auch nur intensiven Besprechung.

Allein am Nachwuchs in den Redaktionen kann’s mittlerweile nicht mehr liegen, sporadisch fällt ihnen ja ein, dass es Spiele gibt - die FAZ hatte zum Beispiel einen kurzen Text zu Esoteric Ebb. Bei SZ und Zeit hingegen finde ich unter Kultur und Medien nicht einmal das Wort Videospiele. :person_shrugging:

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Naja, sie bewertet die Auswirkungen der Geschäftspolitik auf das Spiel, die je nach Änderung unterschiedlich viel Gewicht haben. DRM ist hier noch das „harmloseste“ Feature, aber Pay2Win wirkt sich üblicherweise auf den Gameloop aus und kann da durchaus die Freude am Spiel beeinträchtigen. Und eine Serverabschaltung, die Teile oder gleich das gesamte Spiel unspielbar machen, beeinflussen den Spielspaß natürlich auch nicht gerade unerheblich. :wink:

Hier offenbart sich eher das Problem, dass klassische Reviews in der Regel statische Momentaufnahmen sind, während die Bewertungen auf den jeweiligen Shop-Plattformen das Spiel über den gesamten Lebenszyklus begleiten. Wenn ein ursprünglich gutes Spiel durch Geschäftspolitik oder einfach nur einen schlechten Patch verschlimmbessert wurde, ist die aktuelle Nutzerwertung aussagekräftiger als eine einmal festgeschriebene Wertung ohne Nachtest.

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