Deadline (1996)

Im Zuge der noch recht aktuellen Folge 162 Rainbow Six fühlte ich mich an ein anderes Spiel erinnert, welches heute kaum noch einer auf dem Plan hat.
Deadline wurde 1996 von Millennium Interactive entwickelt und von Psygnosis/Nova Spring/Astron Publishing veröffentlicht und war ein Echtzeit-Taktikspiel in dem man eine Sondereinheit steuert und in 18 Missionen zumeist Geiseln aus den Händen von Terroristen befreien muss. Irgendwas zwischen XCOM, Jagged Alliance und eine Prise Syndicate. Jedoch mit echten CD Zwischensequenzen, Schauspielern und in Echtzeit . Eigentlich alles, was auch das damalige Command & Conquer hatte und dann musste es doch gut sein, oder?.. oder?
Ich habe damals den Trailer des Spieles auf einer CD gesehen und dachte: " Das muss ich haben!"
Hier der Trailer:

Ich habe es dann günstig bei einem Karstadt erwerben können und nach der Installation ging es dann endlich los.
Der Introbildschirm fängt Deadline leider gut ein. Jede Menge Knöpfe, die wahrlich NICHT selbsterklärend sind. Man musste mit dem Cursor über die Schaltflächen hovern, damit man zumindest eine Minimalerklärung erhält.

Zu Beginn jeder Mission gibt es eine Einweisung durch die Chefin der Einheit per Video, gefolgt von einem komplexen Planungsmodus, wo man die Mannschaften einteilte und ausrüstete, Blaupausen der Gebäude erkundete, um dort Wege und Aktionspunkte zu planen und wieder jede Menge Buttons, bunte Punkte, Linien und Symbole, die leider mehr schlecht als recht erklärt wurden. Hier mal ein Bild aus dem Planungsmodus:

Doch nun los! Schließlich lief ein Countdown runter und die Chefin drängte. Man konnte u.U. auch mit den Geiselnehmern telefonieren und versuchen durch Verhandlung weitere Informationen zu gewinnen. Wenn dann alles durchgeplant war, wechselte man in den Live Modus und konnte den Plan soweit ausführen lassen. Jedoch stieß man oft auf Hindernisse. Türen waren verschlossen oder der Gegner hat einen der eigenen Mannschaft aus dem Spiel genommen. Spätestens jetzt musste man selber in das unübersichtliche Geschehen eingreifen und 8(!) Leute gleichzeitig in Echtzeit steuern, schließlich befreien sich Geiseln nicht von selbst.

Die isometrische Ansicht versperrte so manches mal die Sicht und die Steuerung war nicht sonderlich innovativ. Wenn man zum Beispiel eine Treppe hinauf wollte, reichte es nicht sie einfach anzuklicken. Man musste erst unten das Zielstockwerk anklicken und dann an die richtige Stelle der Treppe klicken. So verhielt es sich mit den meisten Situationen. Eine am Boden liegende, gefesselte Geisel konnte nicht mit einem Klick befreit werden oder ein umgeworfener Gangster mit einem Klick gefesselt werden. Das musste immer noch erst einen umständlichen Extraweg über den „Use“ bzw. den „Capture“ Button erledigt werden. Ist man dabei zu langsam, konnte der Gegner wieder aufstehen und sich erneut zur Wehr setzen. So manches mal hat die KI auch Aussetzer gehabt und so wurde der Terrorist am Boden einfach erschossen. In dem Gewusel aus Spezialeinheiten, Terroristen und Geiseln, sowie der Unübersichtlichkeit bei der Ansicht passierte das öfter als einem lieb war.
Es gibt nur wenige Videos mit Let’s Plays des Spieles im Netz zu finden (Ich habe nur ZWEI gefunden, die jeweils das erste Level spielen), aber hier kann man ab Minute 3:00 das heillose Chaos ganz gut sehen. Türen werden verfehlt, die Leute stehen sich gegenseitig im Weg und es ist gefühlt alles eher zufällig und gut Glück.

Auch wenn ich es damals vielleicht nur bis Mission 4 oder 5 geschafft habe, habe ich es damals gerne gespielt. Die Musik und die Zwischensequenzen waren stimmungsvoll, das Thema realistisch umgesetzt, aber es war einfach zu chaotisch und man wusste selten was man eigentlich machen sollte und wie ein Problem behoben werden konnte. Es hätte dem Spiel so viel besser getan, wenn es auf klassische Rundentaktik statt Echtzeit gesetzt hätte. Doch Rundentaktik war 1996 bereits in die Nische gerückt und alle Welt wollte Echtzeit. Wer weiß, was aus dem Spiel geworden wäre, wenn es rundenbasiert gewesen wäre und noch etwas mehr Feinschliff bekommen hätte. Dann hätte es eventuell das Kult-Potential eines XCOM/Jagged Alliance gehabt.
Schade.

Ich wollte Deadline (1996) hier wenigsten einmal vorstellen, da es im Netz kaum Spuren zu diesem Titel gibt. Es hat irgendwie immer noch einen Platz in meinem Herzen und die unheilvolle Levelmusik hat sich in meinen Kopf eingebrannt.

Das Spiel kann man heute als Abandonware bekommen. Dann allerdings wohl ohne die Videosequenzen. Hier der Link, wo ich auch die Bilder geklaut habe. In den Kommentaren findet man auch Anleitungen, damit es auch unter Windows 11 läuft. Download Deadline - My Abandonware

Kennt ihr noch Deadline? Habt ihr es gespielt? Seht ihr auch das verschenkte Potential?

8 „Gefällt mir“

schöner Post- aus Zeitgründen erstmal nur kurz überflogen, muss ihn mir später nochmal in Ruhe durchlesen, aber wollte eben loswerden: den Trailer habe ich damals ebenfalls auf einer (und vermutlich der gleichen) Demo-CD gesehen, und ich denke seitdem auch hin und wieder an das Spiel :grinning_face:

Schöner Post. Das Spiel sieht auf den ersten Blick wie ein Low-Res Project Zomboid aus. Ich kannte es bisher nicht.

Ich bin in dem Video an die 3:00 gesprungen und ich geh so kaputt.
Zum Einen, dass die Wände eines Raumes nur dann „weggemacht“ werden, wenn wirklich gerade jemand dahinter steht. Es reicht nicht, im Raum zu sein, um den Raum zu sehen. Dafür verschwindet dann auch die ganze Hauswand, wenn man an der richtigen Stelle im ersten Raum steht. Und dann die ganze Steuerung.
Tür geht auf, einer rennt alleine rein, wird umgeboxt und gefesselt, alle rennen wild durcheinander, alle rennen raus, der Geiselnehmer rennt auch raus, wird umgeboxt, dann rennen alle aus dem Haus raus und danach versucht der User erst einmal verzweifelt herauszufinden, wie er seinen eigenen Typen wieder losbinden kann.

Pure Comedy. Ich liebe alles daran.

3 „Gefällt mir“

Kleine Ehrenrettung des Spieles: Der Let’s Player stellt sich auch wirklich wie jemand an, der das Spiel zum allerersten mal spielt. Im echten Leben geht man auch nicht mit 8 Leuten gleichzeitig durch eine Tür. :sweat_smile:
Aber gerade bei der schlechten Übersicht und dem hühnerhaften Verhalten der Figuren gebe ich dir uneingeschränkt Recht. Gerade als sie das zweite kleinere Gebäude gestürmt haben, laufen bei 6:28 zwei SWAT Mitglieder einfach weg, stehen dann irgendwo abseits draußen herum um man müsste die beiden bei einem ernsten Zwischenfall wieder einfangen. :rooster:
Mir sind so schon einzelne, unkontrollierte Leute offen ins Feuer gerannt.

Übrigens habe ich gar nicht erwähnt, dass man nicht einfach alles umballern darf. Man man muss immer einen gewissen Anteil der Terroristen gefangen nehmen und natürlich darf es auch unter den Geiseln nicht zu viele Opfer geben. Schließt man ein Level mit zu vielen Todesopfern ab, gibt Ärger mit der Chefin und man darf das Level wiederholen. Also immer schön Flashbangs einpacken und die Handgranaten nur in Notfällen nutzen. Gegner am Boden nicht erschießen, sondern schnell den Raum sichern und den Bösewicht fesseln.