Zweimal Horror (Ich habe mit dem Gedanken gespielt, einen eigenen Thread zum Thema Horror aufzumachen, war mir aber nicht sicher, ob das zu redundant ist, weil wir eigentlich mittlerweile zu jedem Medium mindestens einen fruchtbaren Thread haben. Da braucht es vielleicht nicht zu jedem Genre noch einen. Meinungen?):
The last House on the Left (1972, von Wes Craven) aka Mondo Brutale
Absoluter Oberschrott! Ich habe mich beim Gucken (wieder mal) gefragt, ob es jemals einen Punkt in der Filmgeschichte gab, wo dieser ganze Rape-Revenge-Strang (und andere Ausprägungen des Extremkinos) irgendeine Form von kultureller Berechtigung hatte, die über reinen Voyeurismus hinaus geht.
Immer wieder lese ich dann vermeintliche Begründungen oder noch besser künstlerische Aufwertungen solcher substanzloser filmischer Grausamkeiten a là „symbolische Systemkritik“ und bla bla bla. Und noch nie haben die mich überzeugt. Auch Craven soll wohl sowas gesagt haben wie, dass er Gewalt weniger beschönigend bzw. glamourisierend darstellen wollte als zum Beispiel in den zeitgenössischen Western, auch in Bezug auf den Vietnamkrieg. (hab’ ich bei Wikipedia gelesen) Womit er ja dann einige Jahre zu spät nach beispielsweise The Wild Bunch oder den Leone-Western kam, um sich das noch auf die Kappe zu schreiben.
Auch die intendierte Aussage, dass selbst „normale“ Menschen zu Mördern werden können, wenn sie nur weit genug getrieben werden, wird durch das gefühlt zwei Seiten starke, praktisch plotlose Drehbuch nicht vermittelt. Die ersten zwei Drittel des Film werden dafür genutzt, um das Martyrium der Frauen zu zeigen. Der letzte Akt ist dann für die Rache da. Ende. Gleich zu Beginn wird betont, dass Mary (eines der Opfer) jetzt 17 ist und sich ja entwickelt hat, nur um sie unmittelbar danach in einer unnötigen Duschszene zu sexualisieren. Fick’ dich selbst, du dummer Film!
Darüber hinaus lässt sich The last House on the Left auch zu unpassend albernen Szenen hinreißen, sieht billig aus und ist schlicht langweilig. Einige wenige Momente lassen erahnen, dass Craven später noch ein fähiger Regisseur wurde. Die können aber auch nichts retten. Das hier ist filmisch und moralisch gealtert wie Joghurt.
P.S.: Ich wurde bei Letterboxd darauf hingewiesen und es ist teilweise bei Wikipedia nachzulesen, dass die Drehuumstände für die beiden jungen Frauen so schrecklich waren, dass zum Beispiel eine auffällig ehrliche und ergreifende Szene, während der ganzen Folter-, Vergewaltigungs- und Erniedrigungsorgie tatsächlich improvisiert war, weil sie sich wahrhaftig schrecklich gefühlt haben, unter anderem dadurch, dass sie in einem krankhaft fehlgeleitetem Verständnis von (allgemein gnadenlos überschätzem) Method-Acting von einem der Darsteller wirklich bedroht und psychisch fertig gemacht wurden. Zum Kotzen!
Resident Evil (2026, von Zach Gregger)
Ich bin klar im Team „Ein großer Spaß und die beste Videospielverfilmung, ever“. Zach Gregger kennt eindeutig die Resident Evil-Spiele und hat sich ernsthaft Gedanken gemacht wie er das Spielerlebnis adäquat in eine Filmhandlung umsetzen kann: Er bleibt konstant an der Hauptfigur, baut Hindernisse, Schocks, Ressourcenknappheit, Waffenprogression und stetige Eskalation ein, wie sie auch dort stattfinden, ohne dass es künstlich wirken würde. Es gibt noch weitere Elemente und unauffällig eingebaute Easter Eggs aus den Spielen, die ich nicht vorwegnehmen möchte, weil sie auch nicht im Trailer auftauchen.
Handwerklich ist der Film wie üblich für Gregger nicht nur einwandfrei, sondern hin und wieder auch originell. Man hätte sich visuell noch mehr an den Spielen anlehnen können, die ihren Mix aus altmodischen Herrenhaus- und Kreaturenhorror mit hochtechnologisierten Laboren noch etwas besser umsetzen. Die Monster sind hier auch ihr eigenes Ding und eher weniger aus den Vorlagen genommen. Aber das ist schon Kritik auf hohem Niveau.
Weniger kleinlich bemängelt ist allerdings die Abwesenheit von Figuren, deren Schicksal einen kümmern könnte. Selbst Protagonist Bryan (Austin Abrams) ist schon grenzwertig. Fast alle anderen sind als absolute Witzfiguren gezeichnet, wodurch deren splatteriges Ableben, gerade zum Ende, eher zur ermüdenden Genre-Pflichtarbeit ausartet, anstatt noch irgendeinen emotionalen Effekt zu erzeugen. Es ist in diesem Fall wieder mal kein Segen, dass inzwischen jede Form von Verstümmelung irgendwelcher Körper easy am Computer hingetrickst werden kann, wodurch ihr Auftreten inflationär und der Eindruck auch oft viel zu fragil und gewichtslos ist. Dabei hätten zu Resident Evil (soweit es geht) praktische Effekte super gepasst, um auch den Trashfaktor zu bedienen.
Abgesehen davon hätte ich auch extrem gut damit leben können, wenn in dem Film keine kleinen Kinder und sogar Babys getötet werden. Das gibt’s in den Spielen nicht und hätte es auch hier nicht gebraucht. Und wenn’s unnötig ist, finde ich das auch immer scheiße. Kein absoluter Dealbreaker. Darf jedoch als Triggerwarnung verstanden werden.
Aber der Film ist ein extrem unterhaltsamer, oft wahrhaft gruseliger, durchweg positiv stressiger Trip, angenehm fokussiert und manchmal sogar ernsthaft witzig. Wie Greggers bisherige Horrorfilme in Teilen genial, aber in seiner Gesamtheit am Meisterwerk vorbei.