Mooncalve

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Jede gute Reise beginnt mit einem Moment, der alles verändert. Bei mir war das ein Schaufenster in Würzburg, 1984. Dahinter lief auf einem C64 The Hobbit – ein Text-Adventure. Ich stand mit meinem besten Freund davor und begriff zum ersten Mal, dass man nicht nur auf einen Bildschirm schaut, sondern in eine digitale Welt eingreifen kann. Das Spiel zog mich hinein. Eigentlich bin ich bis heute nicht wieder herausgekommen.

Die ersten Level hießen Atari 2600, C64, Atari ST und Amiga. Spielen war nur der Anfang. Ich wollte wissen, wie das alles funktioniert. Wir versuchten, Yars’ Revenge auf dem C64 nachzubauen. Fertig wurde es nie, aber ich lernte Grafik, Programmierung und etwas, das mich bis heute begleitet: Wer etwas wirklich verstehen will, muss anfangen, es selbst zu bauen.

Nach der Schule zog es mich fast täglich in den Schöll in Würzburg. Homecomputer, Konsolen, Software – alles, was mich faszinierte, stand dort. Irgendwann beriet ich Kunden, bis der Chef meinte: „Du bist sowieso immer hier. Dann bezahle ich dich jetzt auch dafür.“ So kam ich in diese Welt. Nicht mit einem Plan, sondern weil ich nie wieder wegging.

1989 gründete ich mit Freunden unsere Multimedia-Agentur Binärdesign. Rückblickend war das wohl das größte Abenteuer. Es gab kaum Handbücher. Wenn etwas nicht funktionierte, musste man herausfinden, warum. Wenn es keine Lösung gab, baute man eben eine. So entstanden eigene 3D-Konverter, selbst geplante Netzwerke, Server, Software auf NeXT-Rechnern und frühe digitale Projekte für Kunden wie Würzburg Foto Versand, s.Oliver oder Audi. Für die Mega Fun entstanden komplette Ausgaben, oft in Nächten, in denen wir Belichter reparierten, statt zu schlafen. Wir hatten nie das Gefühl, Pioniere zu sein. Wir machten einfach.

Dann platzte die Dotcom-Blase. Meine Firma ging unter. Game Over? Eigentlich nicht. Nur ein neues Level.

Ich wechselte zu JoWooD beziehungsweise Neon und wurde vom Spieler zum Producer. Dort entstanden Game-Boy-Color-Titel wie Keep the Balance, Happy Hippos und die Ottifanten. Als das Studio später fast geschlossen wurde, ging die Reise wieder weiter.

Heute arbeite ich im digitalen Marketing eines Maschinenbauunternehmens. Der C64 steht trotzdem wieder auf meinem Schreibtisch. Nicht aus Nostalgie, sondern als Erinnerung daran, wo alles begann.

Die Faszination ist dieselbe geblieben. Nur das Spielfeld hat sich verändert. Heute baue ich an meinem eigenen AI-Brain-System – einer Art persönlichem Betriebssystem fürs Denken. Mich interessiert nicht Technik um ihrer selbst willen. Mich interessiert der Moment, in dem aus etwas Unbekanntem etwas Verstandenes wird.

Parallel läuft gerade die bislang härteste Partie meines Lebens: Darmkrebs. Runde für Runde. Ich bin mittendrin.

Das hier ist kein Rückblick. Es ist ein Spielstand.

Stay Forever bringt mich mit jeder Folge zurück zu diesem Schaufenster in Würzburg.

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