Abmahnung wegen (online) genutzter Schriftarten

Hallo zusammen,

Ich habe heute etwas erfahren, das mich die Ohren schlackern ließ!
Es gibt da ein Unternehmen (monotype), das andere Firmen wegen unrechtmäßiger Nutzung von Schriftarten abmahnt!

Kurzes Beispiel, so einem befreundeten Unternehmer passiert: über Office ist die Nutzung der implementierten Schriftarten erlaubt, man verschickt E-Mails, macht ne Powerpoint, alles schick.
Macht jetzt jemand aber ein PDF draus, und Adobe zaubert automatisch Arial, bekommt man schon ein Problem, wenn die Lizenz für Arial fehlt.
Noch schlimmer: man hat die Lizenz zur Nutzung, aber nicht zur Onlineverwertung. Wird jetzt irgendetwas irgendwo veröffentlicht, ist man bereits am Arsch. Im genannten Fall ist sogar die gesamte Website betroffen und musste rasch runtergenommen werden. Sogar das seit 30 Jahren eingetragene Firmenlogo stellt ein Problem dar.

Ein KI Tool ( Kann man die Scheiße eigentlich noch abschalten? durchforstet das Netz nach Zuwiderhandlungen und ist wohl recht treffsicher.
Es geht bei meinem Bekannten um 2x 18.000 Strafe, der Mutterkonzern hat eine Abmahnung von rund 200.000 auf dem Tisch.

Folge daraus ist, dass jetzt bis 1. März alles auf links gedreht werden muss, um konform zu sein, da ab dem Tag weitere Klagen eintrudeln könnten. In dem Laden geht gerade vermutlich die Post ab …

Ich will gar nicht werten, was ich von dem Raubrittertum halte, aber vielleicht ist das nur die Spitze des Eisbergs und da rollt etwas Großes auf alle zu.
Ich wollte nur darauf aufmerksam machen, vielleicht besteht beim einen oder anderen ebenfalls Handlungsbedarf :hear_no_evil_monkey:

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Das ist doch der fucking Wahnsinn! Wegen einer Schriftartlizenz ein Gerichtsverfahren aufrollen? Darauf würde ich im Traum nicht kommen

Das kenne ich leider schon aus dem Berufsleben. Gab es vor 15 Jahren schon. Spezialschriftarten müssen dediziert lizensiert werden.
Ich frag mich nur, ob die Abmahner auch dem Rechteinhaber was bezahlen oder komplett eigenmächtig und nur in ihren Geldbeutel handeln.
Weiß der Rechteinhaber nichts davon, würde ich erstmal nicht bezahlen. Bin jetzt kein Anwalt aber ich glaube so läuft das dann doch nicht.
Falls der Rechteinhaber mit drin hängt, würde ich in der Konstellation zumindest bei den „Kleinbeträgen“, natürlich mit dem Konzern im Rücken, vor Gericht ziehen. Einfach um auszuloten, ob die genannten Beträge real oder Fantasie sind.

Aber Arial ist doch für jegliche Veröffentlichungen von Dokumenten und ähnlichen Dingen, sowohl privat als auch gewerblich, freigegeben?! Deswegen wird es ja von vielen tools als standard-font genutzt. Ich verstehe das nicht.

Ja lernt halt einen anständigen Beruf! :stuck_out_tongue:

Alter, ich hab mir gestern mit nem Kreuzschlitz in die Hand gestochen, als ich einen Switch aus dem Rack bauen wollte. Handwerk wäre für mich Selbstmord… Oder ein ewiger Urlaub auf BG Kosten :wink:

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Wegen Arial habe ich das auch nicht gelesen… Microsoft oder Adobe Produkte haben doch eigentlich die Lizenz dafür (https://fonts.adobe.com/fonts/arial - steht zumindest bei Adobe auf der Seite…) Aber online Nutzung ist schon ein Problem? Dieses Lizenzthema ist leider recht komplex immer…

Hier gibts ne Arial Lizenz für ~50€ - Webseite sollte nach dem Kauf ja wieder für die Zukunft dann ok sein?: Arial Font | Webfont & Desktop | MyFonts

Ich hatte letztens auch Anwaltspost, wegen einem Onlineshop, den ich betreibe. Nicht wegen der Schriftarten (Die habe ich mir mit Open Font License fürs Logo usw. besorgt gehabt…) Im Schreiben gings um Bilderrechte - die ich nachweislich besitze. Es ging um einen kleineren Betrag, aber wenn man so eine Mail erstmal liest, ist schon mal der Abend versaut. :face_with_spiral_eyes:

Es hängt wohl tatsächlich mit Onlinenutzung und Veröffentlichung zusammen.

ABSOLUT! :laughing:

Wie ich das verstanden habe, IST monotype der Lizenzgeber und verfolgt eben Nutzung, die nicht vorher lizensiert wurde.

Es geht übrigens um ein Milliardenschweres Unternehmen mit eigener Rechtsabteilung, ich hoffe doch mal, die wissen was sie tun.
Erstmal wird wohl gezahlt und größerer Schaden abgewendet. Ich würde so etwas aber auch direkt an die Gerichte geben.

Kommt darauf an, bei einem Zivilprozess zahlt die unterlegen Partei die gesamten Kosten, d.h. würde man das genausten prüfen, bevor man Klage einreicht, die eventuell durch mehrere Instanzen geht und man am Ende einen hohen sechsstelligen Betrag zahlen darf. Das macht auch jede Rechtsschutzversicherung, weil bei eindeutiger Rechtslage gibt es auch von denen einen negativ Bescheid. Kosten so gering wie möglich halten ist halt die Devise im Zivilrecht. Deswegen versuchen ja Schlawineranwälte möglichst immer ins Strafrecht abzubiegen :smiley:

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Ich hatte eigentlich nicht vor, mich groß in das Thema einzugraben, aber googelt man allein „Monotype Abmahnung“, kommt da schon so einiges hoch:

Monotype hat uns gerade mit einer Schriftlizenzgebühr von über 30.000 Dollar pro Jahr für eine Schriftart abgezogen. Ich bin sprachlos und verloren. : r/graphic_design

und es geht schon seit mindestens 10 Jahren:

und auch Google ist wohl ein kräftiger Abmahner:

Vorsicht: Neue Abmahnwelle wegen Google-Schriftarten (Fonts) in Websites

Ich krieg schon wieder Puls :roll_eyes: :grinning_face_with_smiling_eyes:

Das mit Google hat einen anderen Hintergrund. Man kann Google-Fonts derart in seine Website einbinden, dass sie beim Aufrufen der Seite im Hintergrund von einem Google-Server geladen und an den Besucher ausgespielt werden. Dabei wird die IP-Adresse des Website-Besuchers an Google übermittelt. Das wiederum haben Datenschützer erfolgreich als Verstoß gegen die DSGVO vor Gericht eingeklagt, da die IP-Adresse als persönliche Information gilt, deren Weitergabe und Verarbeitung der Besucher im Vorfeld ausdrücklich zustimmen müsste. Das Urteil haben dann Abmahntrolle als Gelegenheit genutzt, mit entsprechenden Abmahnwellen Kasse zu machen.

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Das war auch schon vor “KI” ein ernsthaftes und bekanntes Thema, entsprechend hat hier jemand geschlafen … Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

Es ist wichtig, dass man die richtigen Lizenzen (kommerzielle Nutzung, Online-Nutzung, etc.) hat oder halt Open License Schriftarten benutzt. Ich war an Projekten beteiligt, um die Webinhalte entsprechend aufzuräumen und die Firma nachhaltig dafür zu sensibilisieren.

Jeder, der mal im Bereich von Design und Marketing unterwegs war, wird das wissen. Wurde da mit einer Agentur gearbeitet, die das verpennt hat?

Gleiches gilt für Bildmaterial und ja, auch das wird gerne ignoriert und es werden einfach wild Bilder im Netz gesammelt, um sie dann auf der eigenen Homepage zu veröffentlichen.

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Bingo, so isses.

Als Unternehmer muss man leider 1.Mio Dinge wissen, die jeder jeweilige Experte für fundamental wichtig hält… Das ist aus der jeweiligen Fachbrille immer leicht gesagt, oft wird aber vergessen, dass die jeweilige Person kein Jurist, Designexperte, BWLer oder Steuerberater ist… Universalgenie zu sein, wäre super :smiley:

Ja, das stimmt natürlich zum Thema Fachbrille. Ich bin auch weiß Gott kein Universalgenie.

Zuerst möchte ich klarstellen, ich bin sicher kein Fan von Abmahnanwälten, und auch ich wurde schon mal abgemahnt. Neben der Wut über die Abmahnung und den Fakt, dass ich erwischt wurde, musste ich allerdings zugeben, ich war am Ende selbst dran schuld.

Als Unternehmer bezahlt man dann eben genau so sein Lehrgeld, hat hoffentlich entsprechende Rücklagen geschaffen, hat sicherlich auch einen Anwalt am Start, um die Kosten auf einen Bruchteil zu drücken, kann die Kosten schön von der Steuer absetzen und streitet sich ggf. jetzt mit der Webagentur, die das verbockt hat - oder sucht sich eine, um da in Zukunft sicherer aufgestellt zu sein.

Eine kleine Schulung zum Thema Urheberrecht wäre vielleicht auch noch angesagt, denn darum gehts hier am Ende des Tages.

Bei Schriften geht es ums Linzenzrecht. Ich bin ja dafür, einfach ein Adobe Abo zu haben und damit auch ein Recht für die Nutzung von Schriften, die dazugehören. Problematish wird es, wenn die Schriften teilweise oder komplett, quasi auslesbar, eingebettet sind, ohne, dass die Druckerei (was eher selten ist), oder ein Dritter die Rechte besitzt. Bei der Google Fonts Geschichte ging es darum, dass die Schriften von einem Server außerhalb der EU geladen werden. Deswegen wurden die Schriften dann DSGVO konform in der Regel auf dem eigenen Webserver gehostet. Wichtig ist auch hier die genauen Lizenztexte mit runterzuladen, um zu sehen, ob sie kommerziell verwendet werden dürfen.

Ging es bei der obigen Abmahnung auch um Schriften, die in Pfade oder Pixel umgewandelt wurden oder um die Einbettung von Schriften in PDFs, die Webseite etc.?

Übrigens, Monotype, ist so mit der größte Player, was gute Schriften angeht. Hat aber auch seinen Preis.

Ich versteh den Anspruch da nicht? Insbesondere im rechtlichen wird von Unternehmern erwartet, dass sie sich da entweder auf der sicheren Seite oder eben Experten anstellen, die sich mit eben sowas auskennen? Wenn da eben eine Agentur für verantwortlich ist, kann man die auch in die Pflicht nehmen.

Meine Reaktion kam aus meiner Kleinunternehmerbrille, wo jeder Euro umgedreht werden muss, damit es passt. Da lernt man halt Schritt für Schritt und lernt auch aus anderer Leute Fehler… (Ist auch ganz spannend eigentlich) :grinning_face_with_smiling_eyes:

Lustigerweise arbeite ich hauptberuflich im Brandmanagement, aber da hat man für die Basics 100 Ansprechpartner oder muss sich darum nie kümmern… Weil das in größeren Firmen alles durch jeweilige Profis / Agenturen gecovert ist. Da bin ich 100% bei „Da muss man sich Experten ranholen oder muss sie haben“…

Interessant wäre mal zu wissen, wie groß die Firma ist, um die es in Post 1 ging (Grobe Eckpuntke reichen ja) @dmoeller81

Ich schrieb ja oben schon, Milliardenumsätze.
Rund 18.000 Mitarbeiter weltweit, hauptsächlich Deutschland.

Die sind meines Wissens auch unheimlich aufgebläht, also eigene Rechtsabteilung, Patentabteilung. Da wird mit Agenturen gearbeitet. Ich schätze, da wird schon nichts dem Zufall überlassen. Dennoch, immer wieder erfindet jemand so ein Geschäftsmodell und räumt dann ordentlich ab.

Ah ok, den Zwischenpost habe ich nicht 100% gesehen. Ok, wow - Bei den Umsätzen sollten die Abmahnbeträge ja aber wirklich Peanuts und verkraftbar sein… :grinning_face_with_smiling_eyes:

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