Birkenwälder in alten Spielen

Die Birke scheint bei Pixelkünstlern sehr populär gewesen zu sein. Weiss jemand, warum so viele alte Spiele Birkenwälder enthalten?

Hier sind ein paar Beispiele von links nach rechts: Unreal (Amiga), Agony (Amiga), Ishar (Amiga)

Ich habe nichts dagegen. Ich finde Birkenwälder irgendwie atmosphärisch.

Kennt Ihr andere Beispiele mit wunderschönen Birken?

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Interessant. Spontan hätte ich das jetzt mit der Umgebung, in der die Spiele entwickelt wurden, verbunden. Zwei der Spiele scheinen von französischen Entwicklern zu kommen, das andere von einem britischen. Gibt’s dort viele Birken? Vermutlich mehr als in Kalifornien zumindest… und dann kann ich mir vorstellen, dass so ein schwarz-weiß-gefleckter Birkenstamm interessanter ist als so manch anderer heimischer Baum.

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Das stimmt, der Grafiker von Unreal hat auch Agony gemacht.

Es könnte natürlich sein, dass die Birke mehr auffällt und im Gedächtnis bleibt, andere Bäume aber ähnlich häufig vorkommen. Wie das Zebra im Verhältnis zu Pferd. Das Unterscheidungsmerkmal Stamm mit seinem Farb- und weniger Reliefmuster (es gibt auch viele Bäume in Pixelgrafik mit tiefem Relief?) bietet sich für Panoramen vielleicht auch leichter an als etwa ein Ahornblatt oder, ich weiß nicht, ein Buchenstamm? Und Stämme sind außerdem das, wo die Menschen meist sind. Vielleicht sind Großaufnahmen von Blättern in Spielen bestimmter Regionen auffällig häufig ein bestimmtes Blatt? Aber dass sie eine birkeneigene Stimmung erzeugen, finde ich schon auch. Den Screenshot von Ishar möchte ich in der Spielegeschichte nicht missen. Danke für die Anregung, ich habe Ishar für DOS in der ersten Gold Games-Compilation, glaube ich.

Und dann noch eine ästhetische Frage: Sind das überhaupt Birken? Also die Birke ist sichtbar, aber ist sie alles, was der Baum ist? Eine Spielewelt muss ja nicht unmittelbar abbilden oder an etwas gebunden sein. Was sonst bislang gesagt wurde, leuchtet auch alles ein. Schöner Thread. Ich halte Ausschau.

(@Chris @Gunnar_Lott: die Gold Games-Reihe auf PC war ja schon spektakulär damals, was Compilations angeht, taugen Compilations etwas für eine Historie? sie beinhalten in meiner Erinnerung irgendwie beides gleichzeitig, die Sehnsucht nach Zugänglichkeit und Bezahlbarkeit; und die Melancholie, dass ein Spiel alleine nicht reicht)

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Ich frage mich, ob das wirklich so stimmt. Ich kann mich noch an ein Bilderrätsel zu Ishar erinnern, wo ich dann überlegt habe, in welchem Spiel denn tatsächlich Birken vorkommen. Und außer Might & Magic IV ist mir nichts wirklich weiter eingefallen (Screenshot unten, die Birken da sehen aber nicht hübsch aus).

Birken gibt’s nicht in Amerika, und die westliche Spieleentwicklung ist halt sehr stark amerikanisch geprägt, besonders seit diesem Jahrhundert. Im Norden von Japan soll es auch Birken geben, aber mir fällt jetzt kein japanisches Spiel ein, wo ich Birken gesehen habe.

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Macht ihr solche Screenshots selbst?

Interessantes Thema!

Ich denke, man sollte erstmal klären was genau mit Birken gemeint ist. Wenn man in Mitteleuropa von „Birke“ spricht meint man meistens die Hänge-Birke (botanisch Betula pendula), die häufigste einheimische Art der Gattung Birke (Betula), die durch ihre charakteristische schwarz-weiße Borke auffällt. Die Art ist in großen Teilen des nördlichen Eurasiens (also auch in Frankreich, Großbritannien und auch in Japan) verbreitet. Andere Arten (insgesamt ca. 60) der Gattung kommen auch in Nordamerika vor, darunter die Gelb-Birke (Betula alleghaniensis, gelb-braune Borke, östliches Nordamerika) und die Zucker-Birke (Betula lenta, ähnlich wie die heimische Hänge-Birke schwarz-weiße Borke, ebenfalls östliches Nordamerika). In Kalifornien gibt es auch Birken, z. B. die Wasser-Birke (Betula occidentalis, Strauch oder kleiner Baum, rot-braune Borke, hauptsächlich westliches Nordamerika). Insofern gibt es auch in den USA passende Arten, die als Vorbild für Birkenwälder gedient haben können.

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Ich kenne kein anderes Pixelrollenspiel mit so unglaublich schöner Oberwelt wie die Crystals of Arborea und Ishar Spielereihe. Wenn man auf die Bäume zugeht, werden sie riesig gross. Gebäude auch. Es wird nicht wie bei Eye of the Beholder 3 oder Might and Magic gemacht, wo eine Oberwelt mit den gleichen rechteckigen „Wänden“ gestaltet ist wie die Dungeons. Die Oberwelt in Ishar wird stattdessen mit Grafikstempeln von Objekten in unterschiedlichen Grössen dargestellt. Man bewegt sich zwar schrittweise, aber es wirkt nicht wie ein Dungeon, der zur Oberwelt umfunktioniert wurde. Im Gegenteil, man hat das Gefühl von endlosen erforschbaren Weiten, hier ein See, dort ein Busch, dort ein Wald, in den man auch reingehen kann.

Bei Starblade, Colorado und Metal Mutant hat Silmarils übrigens eine ähnliche Technik mit Grafikstempeln benutzt, um abwechslungsreiche Hintergründe aus wenigen Elementen zu gestalten. Grosse und kleine Grafikelemente werden immer neu zusammengestellt und übereinander gelegt, so dass jeder Raum aussieht, wie ein einzeln gepixeltes Bild. Wahnsinn! Hier sieht man das an einigen Beispielbildern (aber keine Birken): https://retrotalk.coolatoms.org/retrotalk_002/

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Wusste ich nicht. Aber in der Google Bildersuche sind die alle nicht so schwarz-weiß gemustert wie unsere Hänge-Birken (edit: bis auf die in Kalifornien und Kanada), fallen deshalb nicht so sehr auf.

Ich hab mal noch weiter geschaut. Betula papyrifera (Papier-Birke) und Betula cordifolia (keinen deutschen Namen gefunden) sind zwei weitere nordamerikanische Arten, bei denen die schwarz-weiß gefärbte Borke ausgeprägt ist.

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Die Birke ist ein Baum, der in vielen Kulturen Eingang in Kultur und Brauchtum gefunden hat, und das bereits relativ früh. Vor allem für Germanen und slawische Völker hat(te) die Birke eine große Bedeutung. So ist der Brauch des Maibaums als erstes für Birken belegt, später nutzte man dafür auch andere Baumarten. Als Symbol wird sie sehr häufig mit Fruchtbarkeit und Frühling assoziiert, aber auch mit Schutzeigenschaften. Nicht zu letzt gibt es Birkenarten (z. B. die auch bei uns heimische Moor-Birke), die aufgrund ihres Vorkommens (in … naja, wer hätte es gedacht, Mooren) und der mit diesen Landschaften verbundenen Assoziationen (Unheimliches, Spuk) auch eher negative Emotionen wecken.

Gibt also genügend kulturellen Hintergrund, der erklären könnte, warum Pixelkünstler sich ausgerechnet an der Birke vergriffen haben :smiley:

Bei Quellenbedarf bitte melden, war jetzt zu faul.

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Aber halt dann echt… Nord-Nord-Amerika. Ubisoft heute, dann. :sweat_smile:

Die cordifolia sieht finde ich übrigens ganz anders aus.

Übrigens:

Ich gehe in den Birkenwald, denn meine Pillen wirken bald.

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Jedenfalls fehlen uns momentan in der Tat noch eine Menge Daten (Spiele! :grinning:), um eine Popularität der Birke begründen zu können.

Ich würde mal pragmatisch die zu Verfügung stehende Farbpalette pro System ins Rennen werfen. Schwarz, Weiß und wer sich den Luxus leisten kann auch Farben zu benutzen, Grün. :nerd_face:

Sofort an den Rifton-Wald aus Skyrim gedacht.

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Denke auch das es daher kommen dürfte.

Gerade mit wenig Pixeln (und Farben) ist es schwer in einen normalen Baumstamm Struktur reinzubringen. Dann wirkt er schnell wie ein Brauner Klotz.

Mit der Birke umgeht man das elegant.

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Würde jetzt mal aus der hohlen hand behaupten, dass es für Grafiker vom Kontrast her spannend ist: Brauner Boden und Braune Stämme sehen halt weniger gut aus als Brauner Boden mit weiß-schwarzen Bäumen. Grundsätzlich hast du ja auch nicht so viele Möglichkeiten weiß einzusetzen.

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dürfte sich ungefähr folgendermaßen abgespielt haben:

Artist zeigt Art Director einen braunen Baum auf braunem Boden.

Art Director: „Birch, please“.

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Um es noch etwas komplizierter zu machen: Ich behaupte mal, bei den gefühlt 25 Pixeln pro Baum auf einigen Screenshots ist eine Birke kaum von einer Espe zu unterscheiden, und auch davon gibt es amerikanische Varianten

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