Anfang der 1990er versuchte Commodore, den nächsten großen Schritt nach dem Amiga zu gehen: Mit dem CDTV (1991) und später dem CD32 (1993) sollten Multimedia-Systeme und CD-basierte Spiele den Massenmarkt erobern. Was als visionäre Weiterentwicklung der Amiga-Technik begann, blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück – aufgrund unklarer Positionierung, schwacher Vermarktung und einem Unternehmen, das bereits am Abgrund stand. Trotzdem markierten beide Systeme wichtige Etappen: beim Übergang von Disketten zu optischen Medien, beim frühen Versuch einer „Wohnzimmer-Multimedia-Konsole“ und als Vorboten der CD-Ära im Gaming.
Henner und Chris sprechen über die Entstehung, die Technik und die Rollen von CDTV und CD32 innerhalb der Amiga-Historie – und warum die Geräte trotz ihres kommerziellen Scheiterns bis heute faszinieren. Dies ist Folge 1 von 2, Teil 2 erscheint in Kürze.
Oha, da bin ich schon sehr gespannt drauf! Ich war einer der wenigen Käufer des CD32 hierzulande, weil ich nicht einsehen wollte, dass mein geliebter Amiga-Kosmos am Ende ist. Also habe ich das CD32 und allerhand Spiele dafür gekauft, statt für einen PC zu sparen. Immerhin waren Microcosm, AlienBreed 3D und ein paar andere Spiele echte Hingucker.
Auf diese Doppelfolge freue ich mich sehr! Ich gehörte zu den Kids, die im Kaufhaus um den Stand herumschlichen, die Videos „direkt von CD“ bestaunten, sich vom Preis abschrecken ließen, aber irgendwie glaubten „Da steht gerade die Zukunft vor uns!“
Hmh Herr Schmidt hat sich also die Sauren Würmer vom Mund abgespart um ein CD-ROM Laufwerk und Rebel Assault zu kaufen.
Ich weiss auch Herr Lott hat keine so hohe Meinung von Rebel Assault. (Und Herr Lott hat, vermutlich, recht.)Trotzdem würde ich deswegen zu gerne doch irgendwann eine Rebel Assault Folge sehen. Pretty Please
Rebel Assault ist ein Phänomen aus der Kategorie “Muss man erlebt haben”. Mich hat das damals, vom Atari ST kommend, auf dem PC meines Vaters weggeblasen.
Allerdings kam das nicht fürs CDTV raus, also zurück zum Thema
Sehr gute Folge zu einer tragischen Geschichte. Im Grunde hat Commodore mit dem CDTV genau den selben Fehler gemacht wie beim Amiga 1000. Während die Welt auf einen Nachfolger des C64 aus dem Hause Commodore wartete, hat man sich geweigert, die entsprechende Zielgruppe zu adressieren. So vergingen 2 wertvolle Jahre, bis mit dem Amiga 500 endlich der Rechner erschien, auf den die Masse (zumindest in Europa!) gewartet hat!
Hätte man also statt einer Hybrid-Lösung, mit der die Masse kaum was anfangen konnte, von Anfang an auf ein CD-basiertes Spielesystem gesetzt und die Spielehersteller offensiv mit ins Boot geholt, hätte man das System vermutlich etablieren können. Stattdessen sind wieder 2 Jahre ins Land gezogen, bevor mit dem CD32 genau das realisiert wurde, zu spät, wie sich herausstellte. Da war der Zug nämlich bereits abgefahren und die Playstation stand in den Startlöchern!
Ich denke das auch - allerdings waren die Kosten für CD-Laufwerke 1991 noch sehr hoch und zugleich war der AGA-Chipsatz noch nicht fertig, ein 1991er CD32 wäre also teurer und gleichzeitig schwächer gewesen als das, was 1993 auf den Markt kam. Aber klar, sicher hätte das dem Absatz trotzdem geholfen.
Wir greifen hier schon etwas vor, in Teil 1 ging es ja eigentlich ums CDTV. Macht aber nichts.
Ich glaube, die Konsole hätte selbst 1993 noch einen gewissen Erfolg haben können, wenn sie genügend zugkräftige Spiele gehabt hätte. Natürlich machte das Medium gerade den Schritt in die 3. Dimension, aber man konnte zu dieser Zeit auch mit 2D-Spielen noch Erfolg haben. Die erfolgreichsten Arcade-Titel des Jahres 1993 waren Street Fighter II, Mortal Kombat und NBA Jam - alles 2D-Spiele. Die CD-Revolution auf dem PC wurde im gleichen Jahr befeuert von Myst, Rebel Assault und 7th Guest - ebenfalls alles 2D-Spiele, wenn auch mit Videosequenzen. Donkey Kong Country hat als 2D-Spiel dem SNES noch Ende 1994 einen Schub verliehen (und die Konsole blieb sogar noch 1995 die weltweit meistverkaufte, vor der PlayStation). Für diese oder ähnliche Spiele war das CD32 mit 32-Bit-Technik, CD und Video-Erweiterung gut geeignet.
Hätte das Gerät derartige Spiele exklusiv bekommen, unterstützt von einer globalen Marketing-Kampagne (und natürlich ohne Produktions- und Vertriebsprobleme), dann würden wir heute vielleicht vom CD32 als Schwanengesang des 2D-Spiels sprechen und nicht als jene Konsole, die den 3D-Trend verpasste. Na ja, ein besserer Controller hätte auch geholfen
Bei meiner ehemaligen Arbeit hatten wir mal einen Archivraum, der gleichzeitig auch so ein bisschen eine Rumpelkammer für alte Konsolen und Zubehör war. Dort lag eine ganze Weile auch ein CD32 rum. Irgendwann hatte ich die Aufgabe, dort ein wenig auszumisten. Leider war die Konsole da schon nicht mehr da. Ein Kollege war in den Tagen zuvor verdächtig oft in dem Raum, um sich umzusehen..
Und noch eine Bemerkung zum Philips CD-i, das Henner in der Folge anspricht. Gibt es denn eine Quelle, dass der portable Player von Sony bereits 1990 in Japan rauskam? Meines Wissens ist die Infolage dazu sehr spärlich. Wie auch immer, das allererste CD-i-Gerät auf dem Markt war es jedenfalls nicht. Philips und Kyocera haben bereits 1988 den 180er rausgebracht, der sogar mit Diskettenlaufwerk erweitert werden konnte, so wie es beim CDTV auch möglich war.
Schon richtig, die Gründe für den Niedergang Commodores sind sicherlich vielfältig, aber ich denke schon, dass die kontraproduktive Modelpolitik da seinen Anteil hatte! Mit dem Amiga 500 konnte man sich ja zumindest in Europa über einen längeren Zeitraum gegenüber den Konsolen von Nintendo und Sega behaupten. Letztendlich kommt es mir aber auch so vor, dass der Werdegang von Commodore quasi immer ein Ritt auf Messers Schneide war, die Firma stand ja des öfteren kurz vor dem Abgrund, sei es Aufgrund der aggressiven bis selbstmörderischen Preiskämpfe, der Weigerung angemessen in die Technologieentwicklung zu investieren oder der ständigen Wiederaufbereitung veralteter Systeme. Firmen wie Microsoft, Sony oder Nintendo waren schon damals finanziell ganz anders aufgestellt, sich dagegen zu behaupten, wäre wohl eh schwer geworden, selbst wenn sie mit einem CD-System tatsächlich nochmal einen (Achtungs)Erfolg hätten erzielen können?!
Das 180er-Modell (meinen Informationen nach 1989 erhältlich) war ein Entwicklersystem, für Endkunden war es nicht gedacht.
Wann genau die Sony-Player (“Intelligent Discman”) auf den Markt kamen, ist tatsächlich nicht zweifelsfrei zu klären, ich fand aber damals einige Quellen aus dem Jahr 1990 (wenn ich mich nicht irre, auch eine Pressemeldung von Sony).
Einige Quellen sprechen von 1988 als Entwicklungs- und gleichzeitig Erscheinungsjahr der 180er-Module. Aber kann natürlich auch 1989 gewesen sein, schwer zu sagen. Jedenfalls deutlich früher als 1990/91. Warum ich das überhaupt erwähne? Weil die 180er-Reihe eben nicht ausschließlich als Entwicklersystem genutzt wurde, sondern für weitere gewerbliche Kunden vermarktet wurde und vermutlich alleine in den Niederlanden Verkaufszahlen in dreistelliger Höhe erzielte. Der Player wurde insbesondere für Bildungs-/Schulungszwecke verwendet.
Das kann schon sein, auf dem Endkundenmarkt spielten die 180er aber keine Rolle, kommerzielle Software gab es auch noch nicht - als CDTV-Konkurrent gab es CD-i also zu dieser Zeit noch nicht.
Die waren keine Konkurrenz für den CDTV und auch nicht für den Endanwender-Markt bestimmt, das ist richtig. Mir ging es nur um die Aussage im Podcast “die allerersten CD-i-Geräte kommen 1990 auf den Markt”. Ist ja auch egal. Schön dass das CD-i überhaupt so oft thematisiert wird bei euch.
Du hast es sehr gut gesagt. Das Laufwerk war einfach zu teuer. Der Caddy hat das Laufwerk zusätzlich verteuert. Die DVD-RAM war später das erneute Scheitern, da es im Endeffekt gar nicht notwendig war und die Kosten in die Höhe getrieben hat.
Die CD bot viel Speicherplatz aber wenn man Filme verkaufen möchte, hatte man plötzlich ein Problem. Aus der CDTV Ära entstand das CDXL Kompressionsformat. Das ist an sich toll aber für z.B. den damaligen Anime Akira mit 124 min. Spielfilmlänge benötigt man in vernünftiger Qualität vier CD’s.
Das CDTV konnte den VHS-Rekorder mit einer Aufnahmefunktion und 240 min. Kassettenlänge schlussendlich nicht ersetzen.
Der Gedanke einer Multimediakonsole zwischen Computer, Fernsehen und Entertainment war verlockend aber eine Geschichte des mehrfachen Scheiterns.
Zum Schluss habe ich einen Trost. Man kann mit einem Amiga 1200 oder Emulation in Verbindung mit WHDload auch CDTV oder CD32 Spiele komfortabel zum Leben erwecken.
Im Sepember 1991 bekam man bei Vobis einen 486 DX33 mit 40 MB Harddisk, 5,25 und 3,5 Floppy, VGA Karte(ob Super Vga kann ich nicht mehr sagen, Ram 1 MB (glaube). Dazu gabs neben Taszatur und Maus noch einen 14 Zoll VGA Monitor und einen 9 Nadeldrucker. Als System glaube ich DOS 5.0.
Für das Paket (2 Jahre Ferialjob+Elternzuwendung) zahlze ich öS 36000,-. Also ca 5000 DM.