Extreme Off-Topic: Rasur or fuck it?

Ich hab mal den provokantesten Titel gewählt, der mir eingefallen ist. Im Endeffekt geht es mir aber um ein altes Thema. Warum rasiert m(M)an(n) sich „andere“ Körperstellen und vielleicht das Gesicht, lässt aber den Rest stehen oder nicht? Und warum haben Frauen teilweise das Bedürfnis ihre Körperbehaarung komplett zu eliminieren.
Meine Position, für mich allein, als Mann, war immer Achselhaare und Schambehaarung ab, weil man sich dann „gepflegter“ fühlt. Das waren halt die Stellen wo es echt wuchert. Mit Ü45 kommen auch noch Nase, Augenbrauen, unterer Rücken und Arschfalte dazu. Nicht cool, aber ist halt so.
Mit meiner letzten Partnerin war das ein ewiger Diskussionspunkt. Und nicht deshalb, weil ich wollte, dass sie sich rasiert. Im Gegenteil: Sie wollte nicht angefasst werden, wenn Stoppel an Beinen etc. zu spüren waren. Woher kommt das? Meine Stieftochter (23) hat sich sogar die Arme rasiert, da ihr leiblicher Vater aus dem Kosovo kam und sie daher „mehr“ dunkle Haare hatte. Ich liebe doch niemand weniger, wenn er oder sie nach Job und Leben mal keine Lust hat sich 90 Minuten in der Dusche zu rasieren oder 200€+ für Waxing auszugeben. Ganz im Gegenteil: Wenn ich jemand liebe, ist es doch egal ob es hier oder da mal stoppelt und sich trotzdem berühren lassen zu können ist doch genau der Beweis, dass man die Person und nicht den Körper liebt.
Ich brauch das jetzt nicht für eine Studie oder so, aber mich würden verschiedene Beweggründe und Verhaltensweisen brennend interessieren, obwohl das Thema so nebensächlich und augenscheinlich doch so relevant ist.

EDIT: Und ja, es hat heute sicher mit den perfekt inszenierten Körpern auf Insta, TikTok und Shorts zu tun. Aber das kann ja nicht alles sein. Meine leibliche (sogar für mich schlimmes Wort. Mir ist das zu wertend. Ich behandle beide mit gleicher Liebe) Tochter (14) scheißt da (noch) drauf. Ich finde das mehr als gut, weil dann wird sie als Person geschätzt und nicht als „Objekt“. Aber wie lang kann sie den „Status“ halten und was soll ich ihr sagen, damit sie sich nicht abgehängt fühlt? Darum stelle ich mir die Frage, woher diese (ich wollte jetzt Stereotypen schreiben) sozialen Konstrukte (?) kommen. Was soll ich ihr sagen, wenn sie mal frägt? Dazu brauche ich mehr Perspektiven als nur meine. Also legt bitte los.

EDIT EDIT: Ja, ich habe ein Kind adoptiert, obwohl ich mich von der Mutter getrennt habe. Für mich hat das Eine nichts mit dem Anderen zu tun. Mir ist klar, dass das vielleicht schwierig klingt. Aber das ist es nicht.

Ich kann da auch nur eine eingeschränkte Sichtweise anbieten, plädiere hier weder auf Richtigkeit noch auf Vollständigkeit, aber:

Ich denke, es liegt nicht (nur) an TikTok und Instagram. Perfekt inszenierte Körper gab es auch davor schon und sie waren durch Werbung, Film und Magazine auch genauso erstrebt wie heute.
Ich glaube eher an den „Male Gaze“.
Von dem was ich höre, ist Körperbehaarung eine Sache in der patriarchale Blickwinkel das weibliche Selbstbild formen können und Frauen das Gefühl haben sich insbesondere Beinhaare rasieren zu müssen um feminin zu wirken. Ich glaube, dass relativ wenig Menschen zu ihren Partnerinnen sagen, sie sollen sich rasieren. Aber das weibliche Bild, das in den Medien perpetuiert wird, ist m.E.n. extrem stark. Und das ist eben schlank, ganzkörperrasiert (oder gewaxt), sonnengebräunt und immer nett.

Ich persönlich bin für einen natürlichen Haarwuchs, der aber dann begrenzt und gepflegt wird :wink:

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Sexuell sehe ich da das 50/50 Prinzip. Ich will beim oralen Verkehr nicht den Mund fusselig haben und Sie will das bestimmt auch nicht.

Und ich glaube auch an das Reversum. Tendenzen verschieben sich und heute sind Männer mehr in der He-Man Bringschuld. Ich sehe da auch eine starke, ich wollte jetzt Amerikanisierung schreiben, aber vielleicht oder ziemlich sicher gilt das auch für andere Kulturen: Als Mann definiert man sich mehr durch sein Einkommen und Aussehen und daraufhin wird man von einer Frau „ausgewählt“. Das persönliche verschiebt sich also auf das optisch/materialistische. Da könnte man jederzeit sagen „gut so“. Die Frauen wurden endlos nur nach dem optischen bewertet.
Nur die Dopplung beider Eigenschaften ist relativ neu und in meinen Augen fatal.

Sorry, ich bin random und rageant off Topic gegangen. Ich danke dir für deine Meinung aber ich will mich einfach erweitern und mehr Standpunkte kennenlernen.

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Ich glaub das wird einfach stark von der aktuellen Mode bestimmt, das ist ja sogar abhängig vom Land.
Und die bestimmt sicherlich auch bis zu einem gewissen Grad die eigene Einstellung zu dem Thema.

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Naja, vieles davon kommt durch erfolgreiches Marketing: Insbesondere Gillette hat im frühen 20. Jahrhundert bemerkt, dass man mit Männern ja schon einen ganz guten Markt für das eigene Produkt hat; aber noch schöner wäre es, wenn man auch die restlichen 50% der Bevölkerung abgreifen kann (und ihnen idealerweise dasselbe Gerät für einen höheren Preis verkauft). Das ist aber schon ab den 1910ern geschehen und hat ab da immer weiter Fahrt aufgenommen - es gibt ganz spannende Werbeanzeigen aus der Zeit.

TikTok und Co. sind ja irgendwo nur das Ende eines deutlich längeren Rattenschwanzes. Im Kern geht vieles davon auf eine Konsumgesellschaft zurück, bei der vor allem Firmen Trends formen. Dazu zählt beispielsweise auch die Mode oder bestimmte Sport- und Diät-Trends.

EDIT: Es ist aber durchaus auch sehr wichtig, was @Bibliothekar schreibt. Haar ist eine erstaunlich gesellschaftsrelevante, gar politische Sache: Kopfhaare, Bärte, Körperbehaarung - alles Dinge, die Status präsentieren können, Normen vorgeben, bestimmte Gruppen ausgrenzen, usw. Es gibt einen Grund, warum in Filmen mit Make-Over-Montagen (bspw. She’s All That) Haare und gerne auch Körperbehaarung eindeutig Teil der Vom-hässlichen-Entlein-zum-schönen-Schwan-Routine sind.

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Einfach machen wie man Lust hat. Ich hab mit 13 mir damals schon die Achseln rasiert, als das noch kein heterosexueller Mann gemacht hat, aber ich fand es halt schöner.

Ist doch egal was andere Leute denken, mach einfach was dir gefällt. Bei mir in der Dusche liegt ein Venus Divine und der gehört mir, weil es zu dem Zeitpunkt diese Körperrasierer noch nicht für Männer gab.

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Persönliche Meinung: rasiert sieht in den meisten Fällen einfach gepflegter aus und die Gesellschaft erwartet ein gepflegtes Aussehen, sonst haben die Menschen keine Lust auf Interaktion. Zumal es oft auch hygienische Aspekte hat. Dies gilt für beiderlei Geschlechter.

Ich bin mir relativ sicher, dass dies in den Gesellschaften der Welt (Plural) auch vor Marketingkampagnen schon vorgekommen ist.

Um im Duktus des Threaderstellers zu bleiben: Rasur. Sonst sagt das Umfeld (auch im Beruf) „fuck it“.

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Ja, schon im alten Ägypten.

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Das ist noch ein interessanter Punkt: Beim Venus Divine sind ja wenigstens so Pads dran. Bei klassischen Rasierern schlägt ja gerne mal die Pink Tax zu, obwohl die von Frauen zu bearbeitende Fläche exorbitant größer ist, als die bei Männern.

Ich trage, seit ich 18, bin Bart und hatte da zumindest nie Probleme. Jetzt war es bei mir nie Wildwuchs sondern gestutzt, aber mir waren Rasierer immer zu teuer.
Seit vielen Jahren hab ich einen No-Name-Trimmer und dazu einen Braun Rasierer mit so einer Reinigungsstation, den ich für die Konturen, Achseln, etc. benutze.
Kostentechnisch fahre ich damit am Besten. Der Braun tut seit 20 Jahre seinen Dienst und die Reinigungsflüssigkeit kaufe ich No-Name, wenn sie günstig ist. Kein Vergleich zu Klingen, von denen ich eh immer Rasurbrand bekomme.
In Zukunft wird es interessant, da bei mir das Schiebedach langsam aufgeht. Rüberkämmen oder Haarkränze finde ich furchtbar. Dann werd ich wohl zur Glatze wechseln. Da finde ich, für mich noch attraktiver. Mal sehen ob der Braun da mitspielt.

Kann man so nicht verallgemeinern. Prinzipiell gibt es bei Männern mehr zu rasieren.

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Da hast du Recht. Ich bin da einfach vom jetzt schon oft angesprochenen Männer = Gesicht / Frauen Beine ausgegangen.

Ich habe überlegt, ob ich es bringen kann, ohne das Thema ins Lächerliche zu ziehen aber der Schalk ist stärker als die Selbstbeherrschung. Deshalb hier eine musikalische Auseinandersetzung mit dem Thema rasieren oder nicht rasieren.

Mal im Ernst: Eigentlich sollte die Entscheidung hauptsächlich praktischer Natur sein. Soll heißen, wenn ich es hygienischer/angenehmer finde, mich, wo auch immer (also bspw. in der Badewanne oder Dusche) zu rasieren dann tue ich das und wenn es mir zu viel Aufwand ist, dann lasse ich es machen und wenn mir das zu teuer ist, dann lasse ich es bleiben. Wichtig ist letzten Ende nur, dass ich sauber und gesund bin. Ob mit viel, wenig oder keiner Behaarung ist dabei doch eigentlich zweitrangig aber ich kann verstehen, warum die Diskussion angestoßen wurde.

Das Wohlwollen der Gesellschaft™ hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf unser Wohlbefinden und qua unserer Erziehung (die darauf abzielt, dass wir möglichst brav sein sollen - was auch immer das bedeuten mag) sind wir darauf konditioniert, bestimmten Normen und Werten entsprechen zu „wollen“, um uns zugehörig zu fühlen.

Das Problem dabei ist, dass die Interpretation der Wirkung nicht nur kulturell sondern sogar individuell verschieden ist und sich zudem im Laufe der Zeit auch noch wandelt. Hier einen eigenen Style zu finden, der bestimmte Assoziationen weckt, ist dadurch wie bewegte Ziele treffen zu wollen.

Mein Rat wäre deshalb, einfach das zu tun, was sich gut anfühlt.

Wenn schon Musik zum Thema Rasieren dann doch bitte das hier xD

Als jemand der das Rasieren ursprünglich Mal aufgehört hat weil es für “glatt” zwei Mal am Tag sein müsste.

Bei Schnelleren Haarwuchs (und zumindest bei mir war der immer schneller als bei Partnerinen) für Rasur Vorallen zu stoppeln, die sind meist eher unangenehm.

Wenn das dann auf den gesamten Brust/Rücken (wo man auch noch doof rankommt) Bereich ist…

Bei Beinen/Armen/Achseln geht das einfacher und die Stoppeln sind nicht so schnell nervig.

Dazu noch die Kombination aus sexualisierung des weiblichen körpers und der stärkeren gesellschaftlichen Erwartung das Frau sich eher anpasst und Mann eher rebellieren darf.

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