Seit einiger Zeit erfahre ich Spannendes über meine Familie in Texas – und ich dachte, das könnte vielleicht auch euch interessieren, besonders weil es eine Verbindung zu IBM gibt, über die es ja hier auch schon einen Podcast bei Stay Forever gab.
Im Jahr 1999 erhielten meine Eltern einen Brief von einer gewissen Alice, einer entfernten Verwandten aus den USA. Sie hatte Nachforschungen über ihre Familie angestellt – ein Zweig, der Anfang des 20. Jahrhunderts aus Deutschland ausgewandert war. Mein Urgroßvater hatte mehrere Geschwister, von denen einige in die Vereinigten Staaten auswanderten. Leider war der Kontakt über die Generationen hinweg verloren gegangen.
Alice wollte damals mehr über ihren Großvater erfahren, und sie hatte gehofft, dass sich jemand aus der Familie noch an ihn erinnern könne. Meine Eltern hatten zwar einen Antwortbrief vorbereitet – ich habe ihn bis heute – aber aus Vorsicht oder Unsicherheit wurde er nie abgeschickt.
Mich selbst hat dieser Kontakt nie losgelassen. Und erst durch die heutige Technologie, ChatGPT, Online-Genealogie und ein Institut in Texas fand ich 26 Jahre später heraus: Alice lebt noch immer – an derselben Adresse in Austin. Heute ist sie über 74 Jahre alt, und ich habe tatsächlich wieder Kontakt zu ihr aufnehmen können.
Sie erzählte mir, dass sie nach ihrem Masterabschluss 1976 bei IBM in Austin anfing und dort über 30 Jahre als Softwareentwicklerin arbeitete. Das hat mich besonders fasziniert – nicht nur wegen der persönlichen Verbindung, sondern weil ich mich auch sehr für die Geschichte von IBM interessiere. Der Stay Forever-Podcast hatte mich schon vorher auf diesen Pfad gebracht – und plötzlich wurde das Ganze für mich persönlich greifbar.
Alice arbeitete an der Entwicklung von Textverarbeitungssoftware – unter anderem DisplayWriter (auf eigener Hardware) und später DisplayWrite für den IBM PC. Für 18 Monate war sie mit ihrem Mann (ebenfalls IBM-Mitarbeiter) in Dallas, um die Software dorthin zu überführen. Danach arbeitete sie bis 2007 in verschiedenen Projekten rund um Datenbanken und AIX (IBM’s UNIX-Variante).
Sie schrieb mir, dass sie den Wandel von IBM zum „Domain“-Areal in Austin noch miterlebt hat – eine Straße dort (Century Oaks) ist nach dem früheren IBM-Mitarbeiterpark benannt. Sie wohnt nur einen Kilometer entfernt und hat bewusst damals ein Haus in der Nähe des IBM-Campus gekauft, da sie jeden Tag zur Arbeit lief.
Es ist irgendwie irre – was als private Familiengeschichte begann, führte mich zu einem tiefen Einblick in die Arbeitswelt bei IBM in den 70ern bis 2000ern. Und das alles durch einen lange vergessenen Brief, der nie abgeschickt wurde.
Wenn jemand von euch auch Fragen rund um IBM aus dieser Zeit hat – ich kann sie gerne an Alice weiterleiten!
Ich finde es erstaunlich, dass sich mein Interesse für Technik- und Computergeschichte über meine Familie bis nach Austin erstreckt – und ich wollte euch einfach mal daran teilhaben lassen.



