Ist das ein bewusstes Vorhaben? Ich meine, klar, nicht alle Oscar-Gewinner sind verdient oder auch gut. Aber ist der bloße Gewinn eines oder mehrerer Oscars ein Grund diese Filme aktiv zu meiden?
Nein das war überspitzt. Aber grundsätzlich halte ich relativ wenig von Hollywood Filmen. Die sind (meistens) an Banalität und Trivialität (was aber legitim ist) nicht zu überbieten. Bin einfach Fan des europäischen Films.
Von den nominierten Filmen für de Beste Film habe ich Bugonia gesehen (der mir außerordentlich gut gefallen hat) und Sentimental Value (der war gehobener Durchschnitt).
Ich diskutiere das öfters (gebe auch Seminare zu Filmen an Schulen/Unis) kurz runtergebrochen, Filme sind für mich keine Unterhaltung, sondern sollen mich herausfordern. Bin ein großer Fan von Ulrich Seidl (hab mich auf der letzten Con auch mit Christian Genzel darüber unterhalten), das ist wirklich eine schwer zu ertragene Herausforderung (im besten Sinne).
Ich finde Deinen Ansatz interessant, ich bin auch schwer gesättigt vom US-Kino. Hast Du vielleicht mal Tipps zu Links, Magazinen, Podcasts etc., die mich diesbezüglich auf dem Laufenden halten können?
Die Oscars waren und sind nach wie vor ein Marketing-Instrument, hat sich ein bißchen verselbständigt, weil alle mitmachen. Am Ende bedeutet der Oscar nicht viel, zumal es einfach ein amerikanischer Preis für amerikanische Filme ist.
Ich habe da keine Dünkel, ich liebe es, mich im Kino vom voll knalligen Popcornkino überwältigen zu lassen, wenn es gut und gut gemacht ist und mal auch nur, weil es einfach überwältigend ist.
Natürlich gibt es da viel Blingbling und Blender und dann ist es wie ne FeSaZu-Bombe als Komponente der cineastischen Ernährung…
Ich mag das aber auch immer nicht festmachen, am amerikanischen, am europäischen, am Autoren- oder Blockbusterfilm oder was auch immer wir noch an Schubladen im Ablagesystem aufmachen wollen, ich möchte halt immer sagen: guckt doch hin! Und dann isses eben auch mal nicht so gut oder nur so hübsch nett, was weiß ich, in der öffentlichen Wahrnehmung sind die Oscars auf jeden Fall klar schwer überschätzt.
Ne leider nicht.
Bei mir läuft das so ich hab mir das vorgenommen und immer mehr Leute waren angetan inzwischen sind wir so ne Gruppe von 15 Leuten. Am Freitag schau ich in das Programm vom Kino unserer Stadt und wähle einen Film für Dienstag (einfach weils von der Arbeit gut passt) aus, schreibe das dann in die Gruppe und für alle die sich bis Sonntag Abend melden besorge ich Karten.
Schau mir da am Freitag einfach alle Trailer an und entscheide nach Bauchgefühl. Jetzt gehts gleich in “Nouvelle Vague”. Aber wenn Interesse daran besteht, kann ich gerne nach jedem Kinobesuch berichten.
Sehr gerne.
So komme gerade aus dem Kino.
Diese Woche wars Nouvelle Vague
Tolle Kamera, super tolle Schauspieler, liebenswerte Hommage an einen Filmklassiker.
Synchronisation gewöhnungsbedürftig. Eine Liebeserklärung an das Filmemachen. Kann man ohne schlechtes Gewissen anschauen.
Ich gebe 6 von 10 Sternderln
So eine Woche rum und zurück aus dem Kino.
Heute wars ein Italienischer Film: “La Grazia”
Er handelt von dem letzten halben Jahr im Amt des italienischen Staatsoberhaupts, der sich entscheiden muss ob er ein Gesetz zur Liberalisierung der Sterbehilfe, sowie zwei Gnadengesuche unterschreiben soll. Dazu quält ihn eine 40 Jahre alte Familiengeschichte und die Distanz zu seinen Kindern.
Am Ende mit über 2 Stunden vielleicht etwas zu lang, dafür aber tolles Timing, lange Einstellungen messerscharfe Dialoge auf den Punkt präzise, kein Wort zu viel oder zu wenig. Und die obengenanntes ethischen Dilemmata. Dazu unvergesslich der Mopedfahrende Rastafari-Papst. Ganz großes Kino.
Von mir 9 von 10 Sternderl.
Da Leo beinahe wieder einen Oscar gewonnen hätte ^^; Oscar-Gewinner"One Battle after another" Ich war damals drin und ich weiß nicht, ob es an mir liegt, aber das war schon die zweite DiCaprio-Erfahrung bei der ich am liebsten einfach aufgestanden und gegangen wäre.
Ich fand schon „Killers of the flower moon“ absolute Folter. Das ist genauso wie der Bürgerrechts-Aspekt bei „One battle after another“ ein wichtiges Thema, aber das waren so unfassbar quälende 3+ Stunden. Scorsese hat am Ende von KOTFM eine Szene in der er (berechtigterweise) die mehr massentaugliche Schau-Darstellung dieser Vorkommnisse parodiert und unterstreicht, dass dieser Film sich davon los sagt, ein Spektakel zu sein.
Aber meeein GOTT… Bei beiden Filme wird jedes kleinste Detail in quälenden, die Handlung nicht voran bringenden Szenen abgespult. Polizei will X abholen, Polizei steigt ins Auto, Polizei fährt zur Person X, Polizei holt Person X ab. Person X ist irrelevant. 10 Minuten Film ohne, dass es einen Einfluss auf die Handlung hat. DiCaprios Frau die langsam vergiftet wird, liegt einfach in vielen Szenen nur leidend im Bett. Wir erleben ihren Arztbesuch und das Eheleben zwischen den beiden. Dass er sie für DeNiro hintergeht wird nie klar, ob bewusst oder unbewusst. Seine Beziehung zu ihr erscheint absolut vage.
Bei OBAA stolpert DiCaprio nur bekifft durch die Handlung, während Dinge um ihn herum passieren. Vielleicht hat da Jemand besser aufgepasst, aber für mich hatte er keinerlei Auswirkung auf die Handlung. Alles passiert auch ohne ihn. Er fährt seiner Tochter nach. Sie managed das vollkommen ohne ihn. Sean Penn wird vom Kult unspektakulär angeschossen und am Ende genauso unspektulär entsorgt.
Ich war so verwirrt, ob das für mich überhaupt Filme waren und was an diesem Nicht-Film und Nicht-Rollen oscar-prämierungswürdig war. Benicio del Toro hilft ihm, an ein Auto zu kommen und war gefühlt 6 Minuten im Film! NOMINIERT DEN MANN
Es wirkt - für mich - eher wie ein Statement. Ein wichtiges Statement, aber kein richtiger Film.
Das sind so Filme, in die gehe ich sonntags allein. Liebäugel gerade mit der Flatrate, die schon seit einiger Zeit von den Programmkinos angeboten wird. Der referenzierte Außer Atem ist einer meiner Lieblingsfilme.
Ich war so verwirrt, ob das für mich überhaupt Filme waren und was an diesem Nicht-Film und Nicht-Rollen oscar-prämierungswürdig war.
Mh, der Film wird ein Klassiker werden. Das, was wir dort sehen, sollte dann retrospektiv unsere Zeit beschreiben. Dieses Jahr wollten das einige nominierte Filme. Und alleine die Inszenierung der Verfolgungsjagd gegen Ende war mir der Kinobesuch wert.
Das gibt es bei uns auch. Sogar aus einem Verbund aus 3 Kinos. Aber abgesehen davon, dass ich die Kinos gerne erhalten möchte und so einen kleinen Beitrag leisten kann, ist das Abo für uns nicht praktikabel, da mann die Abo Karten nicht reservieren kann sonder ab eine Stunde vor Film an der Kinokasse abholen muss. Für ne Gruppe von 6-10 Leuten zu riskant.
Bei uns lief am WE Außer Atem auch noch im Kino. Ganz faszinierender Film auch wenn für mich das Frauenbild nur schwer zu ertragen war. Und ich habe normalerweise keine Probleme Werke in ihrem zeitlichen Kontext zu sehen.
das mußt Du doch auch erstmal so schön spielen, daß Du durch den Film treibst und eher Objekt der Handlung bist und nichts selbst in der Hand hast, dabei aber verzweifelt und emotional so investiert bist!
Ich überlege gerade ob der Dude im Lebowski irgendwann etwas in der Hand hatte, wir sind uns aber einig, oder…?!
Also mit der Wirkung auf die Handlung, wenn das überhaupt irgendwo ein Kriterium ist, darf man eine schauspielerische Leistung wirklich nicht beurteilen.
Ja klar, nimmt die Tochter das selber in die Hand, die brauch doch den alten Zausel nicht mehr, Sean Penn ist doch alles andere als unspektakulär, der ist so eine ständige Implosion.
Spitzenschauspiel bemisst sich ja nun wirklich nicht am Impact der Rolle auf ihre Umgebung.
Ich stimme Wishbringer zu, daß der Film über den Tag hinaus Bedeutung haben und wahrscheinlich Klassiker werden wird. Der hat uns auf mehreren Ebenen etwas und ganz doll auch über die (unsere) Zeit zu sagen.
Insgesamt war ich wirklich sehr sehr angetan von One battle after another, ob die Filme, die ich mag, und die Schauspieler, die meiner Meinung nach toll waren, einen Oscar bekommen, das ist für mich sehr nebensächlich, ich habe mich dran gewöhnt, daß ich, wie jeder andere, das wirklich besser beurteilen kann, wer die hätte bekommen sollen, als die Oscarjuries.
Killer of a flower Moon habe ich leider immer noch nicht gesehen, deshalb hab ich dazu auch keinen Senf.
Dabei wurde das dort dargestellte Frauenbild als etwas revolutionäres gefeiert.
Ja schon klar. Und die Frauen sind auch nicht nur irgendwelche Puppen wie beispielsweise in James Bond Thunderball, aber schon stark als Sexobjekt für Männer dargestellt.
So sachen wie einer Passantin einfach den Rock hochheben um zu sehen was sie darunterträgt etc.
Aber Jean Seberg war, insbesondere modisch, aber auch wie sie in diesem Film lebt, in dieser Rolle eine der feministischen Ikonen jener Zeit.
Auch das Shirt ist in die Popkultur eingegangen. Eigentlich für die Zeit eine fortschrittliche Figur. Belmondo übrigens auch.
In Anna Karina war ich durch ihre Filme in meinen Teenager Jahren ganz schön verknallt.
Um James Bond geht es weder in dem Artikel, es geht konkret um die Rolle der Heldinnen in der Nouvelle Vague, und der von dir genannte Film ist dafür ein Vertreter. Das wurde von unzähligen Feministinnen und Cineastinnen zu geschrieben.
Ich war noch nie in eine Filmfigur verliebt, dieses positive Bild fehlt mir leider. Es gibt aber einige Schauspieler bei denen ich einen Widerwillen bekomme, unabhängig von der Rolle. Irgendwie beneide ich Cineasten wie dich.
Das habe ich auch. Ich kann es nicht erklären, aber bei Claire Danes empfinde ich immer die totale Aversion. Das geht mir schon seit Willkommen im Leben so. Scheint gentisch mein Antipart zu sein.
Mit 6 war ich übrigens in Romy Schneider verliebt. Ich sage aber nicht in welchem Dreiteiler.
Ja ich schreibe, doch dass Außer Atem in der Darstellung der Patricia 1960 schon fortschrittlicher war, als es in anderen Filmen der Fall war, so wie 1965 in Thunderball.
Aber dennoch, finde ich das Frauenbild in Außer Atem problematisch.
Wenn Belmondo Seeberg nötigt anzuhalten um aus dem Auto auszusteigen um einer unbekannten Frau den Rock hochzuziehen um zu sehen was sie drunter trägt, und das so inszeniert ist als wäre das ein harmloser Streich.
Etwas später in Patricias Zimmer, streift Belmondo Seeberg gegen deren Willen ebenfalls den Rock hoch, und auch hier weiß Patricia sich nicht zu wehren sondern wird als Sexobjekt Belmondos dargestellt.
Auf der anderen Seite spielt sie die junge taffe Frau die sich alleine durchschlagen kann ohne auf Männer angewiesen zu sein und am Ende ja auch Entscheidungsmächtig wird.
Die sexualisierte Darstellung von Frauen bleibt aber dennoch problematisch auch wenn andere Aspekte der Rolle feministisch erzählt werden.
Dies ist aber auch das nächste Problem: Nur die Hauptrolle wird so bedacht, alle anderen Frauen im Film werden dargestellt, wie es der patriarchalen Gesellschaft Ende der 50er eben entsprach.
