Spiele gerade die „Tales of Monkey Island“. Fehlt mir halt noch in der Sammlung.
Bin sprachlos, wieviel Bodyshaming in den Dialogen sitz.
Vor allem über die Voodoo-Lady echauffiert sich Guybrush bei jeder Gelegenheit.
Beim Körpertausch in der (ich nenne es mal) Idle-Animation hebt er zB immer wieder ihren Bauch an und lässt ihn nach unten plumpsen, findet es eine absolut ekelhaft Vorstellung das sie einen Liebhaber hat und bei allem was mit ihrem Körper zu tun hat kommt ein „Ehhh!“ oder „Ekelhaft!“.
Ich meine, wenn ein Autor jemanden erschafft und sagt „das ist sein Charakter, ich gestallte ihn so“ finde ich es auch legitim es so auszuschreiben, aber hier war ich wirklich entsetzt was und in welchem Außmaß ihm hier über die Lippen kommt. Das war für mich einfach nicht der Guybrush wie ich ihn aus Teil 1+2 in Erinnerung hatte (oder Spielt mir da die Erinnerung einen Streich?).
Das ich mich jetzt beim durchspielen auch noch fremdschäme habe ich nicht erwartet… ![]()
Wie seht ihr das, und könnt ihr euch an ähnliche Situationen in anderen Games erinnern?
Gutes Thema!
Ist mir zufälligerweise auch die Tage so ergangen. Spiele gerade zum ersten Mal Resistance Retribution auf der PSP und stolpere immer wieder über die vielen abwertenden Kommentare über Frauen in dem Spiel.
Beispielsweise sind die Chimera-Frauen (Boilers) ja willenlose Selbstmordattentäterinnen, denen der Kopf explodiert, wenn sie sich unserem Protagonisten nähern. So weit, so gut, I guess. Das wird dann aber von einem Soldaten beschrieben (frei übersetzt): „Die sind wie unsere Frauen, potthässlich und nur am rumjammern. Und wenn man sie ignoriert, explodieren sie.“
Uff…
Was mich zuletzt komplett weggehauen hat, war Atomic Heart. Zum Glück war das zu der Zeit nur im Game Pass. Aber meine Güte, war das eine einzige Fremdschäm-Veranstaltung. Robotergegnerinnen = (weiblich) sexualisiert, dieser Upgrade „Kühlschrank“ = (weiblich) sexualisiert und schmeißt sich dem Protagonisten gerade um den Hals mit anzüglichen Kommentaren. Und ständig dieses Macho-/Chauvigewirre.
Gab mal ein PS Vita Spiel in dem man halbnackte Minderjährige rubbeln musste bis sie stöhnen. Ich hab das in der Bahn gespielt. Nee, keine Scham.
Ich hab vor kurzem mal wieder Shadow Warrior (das Reboot) ausgepackt und war sehr schnell an der Stelle, wo ich dachte „Ich glaub ich mag keine Lo Wang-Witze“.
Ich bin noch nichtmal per se gegen sexualisierten oder grenzüberschreitenden Humor - ganz im Gegenteil. Aber ich merke im Alter in bisschen: wenn sowas gemacht wird - dann gibts da auch einen hohen Standard. Das muss sich das Spiel verdienen.
Uh, Criminal Girls… kenne es bislang nur von Screenshots, aber das war schon grenzwertig. Hierzulande kam es auch bereits gezielt mit einem… passend gesetzten Nebel der Schamgrenze und die Stöhngeräusche sind entfernt. ![]()
Steht wegen Vollständigkeit der Standardrelease genauso wie der Nachfolger bei mir im Regal, hab mich aber noch nicht getraut es zu spielen. ![]()
Ich bin da ambivalent, weil Humorgeschmack sehr individuell ist, und auch meines sich mit den Jahren verändert hat.
Ich glaube, dass man fast jedes Thema durch den Kakao ziehen kann, solange der Autor eine gute (humanistische) Gesinnung hat.
Ich habe z. B. über Ricky Gervais’ Beschreibung des rassistischen Rollstuhlfahrers Timmy Tränen gelacht, weil das eindeutig absurd gemeint war, und der Autor Kinder-Charities unterstützt.
Blondinenwitze und Erotikanspielungen aus den 90-ern sind wiederum aus heutiger Sicht peinlich, weil sie die schlichte Gedankenwelt der Autoren blosslegen.
zum Thema gibt es glänzende Videos von Anita Sarkeesian, die sind schon Klassiker:
The Lady Sidekick - Tropes vs. Women in Video Games
mit ihren Videos hat sie seinerzeit vom wirklich ekligen Teil des Internets und seiner Teilnehmer (gendern wohl unnötig…) viel Hass auf sich gezogen, weil mal jemand bewußt hinsah, das beschrieb und als das benannte, was es ist.
edit: Link zu beliebigem schnell herausgesuchtem Video als Teil der Reihe
So heiß das von die kritisiert übrigens bei Mundfish, dem Entwickler: „Das Spiel beeindruckte viele durch seine visuelle Qualität, cineastische Inszenierung und ein markantes Retro-Futurismus-Design. Kritiker lobten die provokante Erzählweise und den eigenständigen künstlerischen Stil.“ Da es ein Verkaufserfolg war ist Teil 2 schon in der Mache, mit mehr „provokanter“ Erzählweise" und mehr von dem „eigenständigen künstlerischen Stil“.![]()
Naja, der Autor ist da zweitranging. Aber das macht ja ein Spannungsfeld auf. Auf der einen Seite kriegen wir eingeimpft: Uh, Behinderte. Keine Witze drüber. Alles heisses Eisen. (Verkürzt hier…) Auf der anderen Seite: Rassisten. Lachhaft. Ganz schlimme Menschen. Das kämpft in uns und ein guter Komiker kann da was draus machen! Her damit!
Gerade deswegen muss Humor meiner Meinung nach kritisiert werden. Weil kritische Auseinandersetzung heisst ja genau zu überlegen, was da eigentlich passiert.
Gutes Beispiel hier finde ich Christian, der in der No One Lives Forever-Folge mal einfach die Frage stellt, ob das Spiel eigentlich so feministisch ist wie es tut und ob Cate Archer eigentlich als starke Frau daraus hervorgeht… mit spannenden Antworten. Die Diskussion wäre aber ohne die Witze garnicht möglich.
Ich will dem Spiel, von meinen Punkten abgesehen, ja auch gar nicht mal absprechen ansonsten kompetent zu sein. Für mich war das aber dann echt genug um es beiseite zu legen. Wobei ich bei den Durchschnittswertungen auch nicht so ganz ihren Enthusiasmus nachvollziehen kann ![]()
Ich spiele nach langer Zeit mal wieder Mass Effect. Und dieses chauviehafte Gebagger von Male-Shep gegenüber seinen Mitarbeiterinnen und Untergebenen finde ich heutzutage sehr fremdschämig. Damals hat man das, glaube ich, noch als charmant-rauhbeinig empfunden, aber heute nach Me-Too u.a…. Au weia! ![]()
Naja, es geht auch in die andere Richtung. Ich spiele es gerade als weibliche Shepard. Wie sie den armen Kaidan in die Ecke drängt ist schon auch grenzwertig. ![]()
Mir fällt spontan Deponia ein. Simon (the sorcerer) war im dritten Teil schon nur schwer zu ertragen, mit seiner ätzenden Art, aber Rufus hat das nochmal massiv unterboten und bei der einen Stelle, mit dem Drehorgelspieler …, habe ich abgebrochen und mir den Rest der Handlung in Let’s Plays angesehen, weil ich wissen wollte, wie die Story ausgeht. Das soll kein Diss gegen Poki sein, weil er, mit seinem neuesten Werk (Die letzten Tage der Vernunft) deutlich zeigt, dass er ein sehr reflektierter Mensch sein kann, aber bei Deponia ging das (für meinen Geschmack) gründlich daneben, obwohl ich das Setting und die Prämisse, mit den kongenialen Wortspielen, absolut großartig finde.
Ein anderes Spiel, das ich total gerne gemocht hätte aber an dem ich so richtig hart abgeprallt bin, ist Dustborn. Die Charaktere sind allesamt so übertriebene Edgelords, dass ich es nicht ausgehalten habe und abbrechen musste, weil es mir nicht gelungen ist, zu den Charakteren Zugang zu finden. Bitte nicht falsch verstehen, ich bin sehr für Gleichstellung aber hier war es mir zu sehr Tokenism und Virtue Signalling.
Was Humor angeht, kommt es für mich darauf an, worauf er abzielt. Plumpe Komiker machen es sich leicht und treten nach unten, indem sie persönlich werden. Ein Beispiel dafür sind lebende Altherrenwitze, die sich nicht weiterentwickeln wollen. Der Witz ist, dass die sich im Grunde über ihr Publikum lustig machen, weil sie dem altbackene Scherze präsentieren, die sie lediglich aufwärmen. Comedians, die diesen Namen verdienen, machen sich dagegen über Situationen lustig und entlarven dadurch Eulenspiegel-artig Missstände, ohne die Menschen direkt anzugreifen.
Deshalb halte ich die Behauptung, dass man sich angeblich über nichts mehr lustig machen dürfe, für eine Ausrede, von Leuten, die sich keine Gedanken machen wollen, intelligenten Humor zu produzieren. Denn so wie Diamanten unter hohem Druck und großer Hitze entstehen, sind eng gesteckte moralische Grenzen eine Herausforderung, die richtig gute Ergebnisse hervorbringen kann, wenn sich Leute ihr stellen und sie nicht einfach nur umgehen.
Nachtrag:
Was auch nicht vergessen werden sollte, ist, dass ein einzelner Scherz durchaus als eine harmlos gemeinte Stichelei gesehen werden kann. Für Betroffene, die dem ständig ausgesetzt sind, ist das aber wie unter einer Nähmaschine zu liegen, die ständig in eine bereits wunde Stelle piekst.
Um noch ein Positiv-Beispiel zu bringen: Im Spiel Southpark - Fractured but whole ist der gehbehinderte Timmy der Speedster Fastpass, ähnlich wie Flash oder Quicksilver und Scott ist Captain Diabetes, der im Zuckerschock Hulk-artige Kräfte entwickelt. Beide Figuren machen nicht Behinderungen lächerlich, sondern die Charaktere sind kompetente Mitstreiter und deren Handycaps werden positiv überzeichnet, was ich als großartigen Humor empfinde und auch von (mir bekannten) Betroffenen so gesehen wird, weil es eher inkludierend wirkt.
Wenn deren Andersartigkeit dagegen nur betont worden wäre, um sie von den vermeintlich „Normalen“ abzugrenzen, wäre mir das wie ein Bloßstellen und von oben herab blicken vorgekommen, was mir persönlich unangenehm ist aber anderen vermutlich ein Gefühl von Zugehörigkeit vermitteln kann, wenn sie sich (durch das Othering) als Teil einer In-Group fühlen.
Das was damals eine „neue Spielmechanik“ die wird bis heute kopiert. Beispiel dafür? BG 3 wo Rudelbums quasi von der gesamten Spielepresse gelobt wurde. Rogue Trader, das einzige was vor dem Freihändler sicher ist, sind die Servitoren, der Astarte und die Schwester der Soritas. Die Mechanik wird in erfolgreichen RPG also auch aktuell verwendet.
Stimmt in diesem Fall, aber Inklusion kann in manchen Fällen auch nach hinten gehen. Humor soll manchmal auch Missstände blosslegen, statt sie schönzureden. South Park ist ja grade dafür bekannt. Cartmans Judenhass inkludiert z.B. niemand, zeigt aber die Absurdität seiner Weltsicht.
Da hast du vollkommen Recht. Die Romanzen-Optionen waren in den Bioware-Rollenspielen eine neue, noch nicht so ausgefeilte, aber eben auch wegweisende Mechanik, die von der Sache her auch nicht zu kritisieren ist. Aber - meine Güte! - ist die Ausführung in dem Fall schlecht gealtert.
Bei BG3 ist es ein wenig modernisiert, aber trotzdem immer noch etwas plump. Das hat mich auch aus der Immersion gerissen, als ich plötzlich einen Begleiter nach dem anderen abwimmeln musste, als wäre die allgemeine Brunftzeit ausgebrochen. Als dann mal die Fronten im Lager geklärt waren, ging‘s zum Glück wieder. Und die Romanzen, die ich gesehen habe, waren auch feinfühliger umgesetzt, als noch in Mass Effect. Da merkt man schon, dass die Mechanik inzwischen Zeit hatte, zu reifen, und die Gaming-Landschaft ein wenig woker (im positiven Sinne) geworden ist.
Wie in so vielen Fällen, in denen wir mit veränderten Moralvorstellungen auf historische Artefakte blicken, muss man es eben im zeitgeschichtlichen Kontext bewerten. Dann kann ja immer noch jeder für sich entscheiden, wo die Grenze ist, ab welcher man das Werk gar nicht mehr wertschätzen kann.
Je mehr mir jemand Rollenspiele durch Schilderung der Romance-Optionen schmackhaft machen möchte, umso weiter wandert das entsprechende Werk auf meinem Pile of Shame nach hinten (Baldur’s Gate 3 als aktuelles Beispiel).
Insgesamt darf Humor für meine Begriffe schon viel, ich darf ihn halt dann auch kacke finden und das zum Ausdruck bringen. Fair game. Die angesprochene Stelle in Deponia 3 ließ mich aber tatsächlich auch sprachlos zurück.
Ansonsten packt mich vor allem bei geschwätzigen Adventures der 2000er, die WIRKLICH SEHR LUSTIG SEIN WOLLEN, der Cringe. Jack Keane, Tunguska 2/3 kommen mir da als random kürzlich gespielte Beispiele in den Sinn.
Hab gestern tatsächlich Tunguska 1 angefangen, weil ich meine alten Point and Clicks aus Kindheits/Jugendtagen nochmal spielen möchte.
Da ging es auch direkt cringe los ![]()
…na das kann ja was werden…
Beim ersten Teil fand ich die Stimmung noch einigermaßen ok, da steht ja tatsächlich das zentrale Geheimnis im Vordergrund. Ab Puritas Cordis geht’s aber rasant in Richtung Komödienstadl.
Teil 3 war dann schon schwer zu ertragen. Da konnte man dann minutenlange „Outtakes“ für den Abspann animieren, aber jede (!) Aktion abseits des Standard-Movesets der Figuren wird mit Überblende gelöst. Prioritäten.
