Jobsuche für IT-Deppen

Also ich kann hier nur aus meiner Perspektive als Softwareentwicklerin schreiben (gibt ja verschiedene Arten von “IT-Deppen” :grinning_face_with_smiling_eyes:). Früher haben mich teilweise 10 Recruiter pro Woche bei Xing/Linkedin angeschrieben, obwohl mein Profil nicht auf “suchend” oder so stand. Das ging teilweise schon los, bevor ich mit der Ausbildung durch war. Heute ist es sehr sehr viel weniger geworden. Ich würde sagen vielleicht noch so 2-3 im Monat. Ich weiß natürlich nicht, wieviel davon Spam war/ist und ob die Filter bei diesen Plattformen einfach besser geworden sind, besonders, wenn man nicht explizit auf “suchend” gestellt ist.
Aber von dem, was ich so Kolleg:innen, auch aus anderen Firmen, höre, werden momentan viele Stellen abgebaut. Bei mir in der Firma auch und so wie es aussieht, darf ich mir Anfang nächsten Jahres wohl ebenfalls was Neues suchen.

Aber, um halbwegs positiv zu bleiben, ich hab schon noch das Gefühl, dass man durchaus Stellen, und sogar gute, finden kann. Es ist nur nicht mehr so, dass überall der Rote Teppich ausgerollt und man mit Geschenken überhäuft wird.
Ich erinnere mich an ein Bewerbungsgespräch, wo mir ein Firmen-iPhone, jedes Jahr ein zusätzlicher Urlaubstag und alle 2 Jahre ein neues MacBook (und das alte darf ich privat behalten) versprochen wurde. Also ich glaube diese fetten Jahre, wo der Sektor vielleicht auch ein bisschen “überhypet” war, sind vorbei.
Vielleicht, wenn die Wirtschaftslage sich auf der Welt erholt und die AI-Blase ein bisschen platzt, wird es noch mal wieder deutlich besser werden.

3 „Gefällt mir“

So, kleines Update: Ich habe inzwischen einen unterschriftsfertigen Vertrag als Team-Lead in einem KMU vorliegen (Start 01.01.2026). Gehalt ist rund 20% unter meinem Vorherigen, aber das ist verkraftbar, da die Regelarbeitszeit/Woche 5 Stunden kürzer ist, ÜStd. ab einer Kappungsgrenze von 24h ausbezahlt werden, der Arbeitsweg 20km kürzer ist und Boni bei erfolgreichen Projekten winken. Ich denke die 20% könnte ich, falls es knapp wird, auch über ÜStd. wieder einspielen, aber genau das möchte ich eigentlich vermeiden. Weiterhin gibt es keine Dienstreisen (für mich der beste Bonus). Der größte Nachteil für mich: Kein Firmenwagen. Also werde ich mal nach einer gebrauchten e-Schleuder schauen (Grundvoraussetzung Abstandstempomat), die die 140km hin und zurück am Tag zuverlässig, inkl. Klima und Heizung, schafft und die ich dann über meine PV inkl. Akku am Haus betanken kann. Bis dahin nudel ich den Corsa von meiner verstorbenen Oma tot und nehm die 7l/100km in Kauf. Geschenkter Gaul usw. Den 170PS-Elegance-Diesel-Superb, der bei mir seit über einem Jahr abgemeldet in der Auffahrt steht, stoße ich damit dann endlich mal ab.
Ein wenig poker ich noch und hab mir deswegen auch den Dezember freigehalten. Ich hab zwei, für mich, Traumstellen, bei denen ich in der näheren Auswahl bin. Eine wäre tatsächlich TVöD-K 14/4 und damit ein fast unkündbarer Ruhestandsposten, sofern man die Probezeit übersteht und die andere Ist bei einem Rüstungshersteller und würde schon in der Basis über sechsstellig einbringen. Das sind allerdings Traumjobs, die sicher auch drei bis vierstellige Bewerberzahlen haben.

Der für mich bisher größte Downer: Die allererste Stelle, auf die ich mich beworben habe (fast eineinhalb Monate bevor ich ohne Job war), war bei einem Landratsamt, und ich habe innerhalb von jetzt bald drei Monaten kein Feedback erhalten, obwohl ich sogar aktiv nachgefragt habe. Zumindest ein „Tut uns leid aber…“ sollte drin sein. Die Leute am ausgestreckten Arm verhungern lassen ist halt echt schwach.

Die anderen Stellen, die mir offenstehen, sind leider Downtown München und das Pendeln dahin frisst unendlich Lebenszeit. Auch wenn da 15% bis 25% mehr Gehalt drin wären (und das muss erst mal verhandelt werden), würde das wieder Bahn und ÖPNV bedeuten. Und da bin ich dann raus. Ich hab das 12 Jahre zwischen Erding und Gilching, inkl. Bus, betrieben und das ist einfach nur Stresshölle pur.

Zusammengefasst ging es jetzt doch recht zügig und die HR-Dame wollte echt Nägel mit Köpfen machen. Nach einem erneuten (es war das Dritte) fünfstündigen Interview mit HR, Geschäftsführer und CTO kam die HR Dame, nach fünf Minuten Besprechungszeit mit CEO und CTO, ohne mich, wieder zu mir und sagte Herr X und Herr Y würden Ihnen auch den roten Teppich ausrollen, wenn Sie hier anfangen. Darf ich Ihnen den Vertrag morgen schicken?

Zusammengefasst also alles wie immer: Ich schieb Panik, wenn innerhalb von drei Tagen nichts passiert und wenn ich safe bin, spiele ich selbst auf Zeit. Ich möchte daher den Satz von Herrn Langer, aus dem Quiz, von „Sport halt…“ in „Menschen halt…“ transferieren.

Auf jeden Fall vielen Dank für die aufmunternden Worte und die Angebote. Das hat echt aufgefangen und getragen. Und falls ich doch noch den 100k+€ Job bekomme, werde ich @Gunnar_Lott und @Chris kontaktieren und für die kommenden Cons 102 Tickets erwerben und je 50 kostenfrei nach Nord und Süd vergeben (2 brauch ich im Süden für mich selbst). Das ist ein Versprechen. Ihr seit die beste Community.

5 „Gefällt mir“

Das freut mich von Herzen! :heart:

Eine Erwägung in Hinblick auf den Öffentlichen Dienst:

Man tauscht Freiheit gegen Sicherheit.

Man kann sich darin einrichten, aber viele fühlen sich in einem Top-Down Prozess gefangen, dessen Bürokratie, Innovationsfeindlichkeit und oberflächliches Denken unfassbar erstickend sein kann. Aber es kann auch genau das sein, was du brauchst. Ich wollte es nur gesagt haben.

1 „Gefällt mir“

Wie oben geschrieben, habe ich ein ganz anderes Problem mit dem ÖD. Die Entscheidungsfindung dauert einfach zu lang. Ich bin wahrscheinlich aus einer schlechten Situation gestartet, da ich 5 Wochen post-Bewerbung schon im ALG1 war, aber bis dato (13 Wochen später) habe ich kein Feedback, außer ein automatisiertes „Ihre Bewerbung ist eingegangen“. In der Zeit hab ich schon x Firmen abgeklappert, war in diversen, endlosen Erst- und Zweitgesprächen und hab sogar schon 3 unverbindliche Zusagen und einen Vertrag.
Aber die Verantwortlichen für eine TVöD 10 bis 12 Stelle melden sich bis heute nicht. So dick kommt die Kohle da auch nicht rein, dass ich das bis Ultimo abwarten würde. Ganz im Gegenteil.
Ich würde mich jetzt nicht mal als gut in meinem Job bezeichnen, aber mit der Haltung bekommt man nicht mal Mittelmaß bis Obergrenze schlecht. Und ich weiß nicht warum, weil es mir eigentlich egal sein könnte, aber das frustriert mich ungemein.

War heute nochmal bei einem Gespräch.
Ja, ich hab einen Vertrag aber hatte dem Gespräch schon zugesagt und warum nicht mal noch was anhören und vielleicht noch ein wenig üben und allem eine Chance geben? Ich hab aber offen kommuniziert, dass ich schon eine Zusage habe und es verstehen würde, wenn der Termin abgesagt wird.
Es war wieder eine 2,5 Stunden Runde und eine komplett andere Welt, als ich sie die letzten 15 Jahre aufgebaut habe. Null ISMS-Prozesse, 1 IT-Mitarbeiter auf 100 Angestellte, Hardware die spontan aus dem „MediaMarkt“ gekauft wird und dazu noch Vertrauensarbeitszeit, aber TISAX (AL unbekannt, Reifegrad unbekannt) wird gefordert und das soll so nebenher gemacht werden, während man sich um die Mikrosegmentierung des Netzwerks kümmert und das möglichst mit Hard/Softwarekosten um die einmalig 30.000€.
Das Gespräch hat sich dann relativ schnell (20 Minuten) von einer Einstellungsrunde in eine Beratungsrunde gewandelt.
Es wurden Schnittstellen zum konzerngehosteten-ERP diskutiert, ich bin mal durch den „Serverraum“ (und die Anführungszeichen sind hier echt gerechtfertigt) gegangen und hab mir den Bestand angeschaut, erklärt wie man Change-, Operations- und Problemmanagement konform abbildet. Das war schon echt wild und ich kam mir 20 Jahre jünger vor.
Das klang jetzt sehr negativ, aber so war das gar nicht gemeint. Ich komm ja aus der gleichen Ecke. Aber das man das geschenkt bekommt? Die Zeiten sind dann echt vorbei. Bin mal gespannt ob sie mir ein Angebot schicken.

1 „Gefällt mir“