Jobsuche für IT-Deppen

Erstmal möchte ich hier ein ganz großes Shoutout an die SF-Community richten. Ab dem Tag 0, an dem ich gesagt habe, dass ich arbeitslos bin, kamen echt viele offene Stellen rein, die auf den Jobbörsen quasi nicht auffindbar waren.
Momentan hab ich vier realistische Stellen offen, von denen drei im Militärsektor angesiedelt sind, und die ich einfach nicht wahrnehmen mag, wenn ich nicht muss. Alternativ warte ich seit 10 bis 14 Wochen noch auf Feedback von Kliniken, Landratsämtern und öffentlichen Einrichtungen, im TVöD 12/5 bis 13/4 Bereich. Und ein Nein würde mir da schon reichen.
Ist das echt so dünn?

3 „Gefällt mir“

Falls sich deine Frage auf die Lage allgemein bezieht kann ich sie aus meiner begrenzten Perspektive bestätigen: ich habe im September 2024 angefangen, nach einem neuen Job in der IT zu suchen und habe nach 98 Bewerbungen eine Zusage erhalten.

Ein ehemaliger Mitarbeiter von mir sucht seit ungefähr einem Jahr einen Job und hat auf 1300 Bewerbungen noch keine einzige Zusage bekommen!

1 „Gefällt mir“

Meine Frage ist nach der IT allgemein. Ich hab mal den FiSi gemacht und danach den Dipl-Inf. Ich war danach endlos (25 Jahre) im Automotive Sektor (Prime hab ich 82900 + Überstunden verdient. Immerhin konnte ich so meine Bude renovieren und meine Ex-Frau ausbezahlen.
Heute leb ich nur noch mit meinem Hund und brauch nur noch ne schmale Mark.

Kommt wahrscheinlich auf den Job an. Ich hatte letztes Jahr 3 Bewerbungen, 3 Vorstellungsgespräche und 2 Zusagen. Aber ich höre auch allgemein, das es gerade schlecht sein soll. :man_shrugging:

1 „Gefällt mir“

Wer Bewerbungen schreib anstatt den letzten zehn Recruitern auf LinkedIn / Xing zu antworten, macht im IT-Sektor etwas falsch. In welchem Bereich suchst Du denn und was kannst Du? Kurzes Feedback (als jemand, der IT-Personal einstellt): Wer sich “IT-Depp” bezeichnet, der ist raus.

Ah. Sind die denn echt? Mir kam das bisher immer wie automatisierter Spam vor.
(Was u.a. daran liegt, dass ich mal in einer Firma gearbeitet habe, die genau solche Bots geschrieben hat. Hust.)

1 „Gefällt mir“

Es gibt viele schwarze Schafe aber auch tolle Recruiter in jedem Sektor.

2 „Gefällt mir“

Ich bin mir relativ sicher, dass er diese humoristische Selbstzuschreibung nicht im Vorstellungsgespräch benutzen würde.

Das Werben für die eigenen Kompetenzen findet bestimmt zielgerichtet im Gespräch statt. Würde er diese hier selbstbewusst aufführen, würde das vermutlich als unpassend wirken.

Tatsächlich bin ich aber mit den Gepflogenheiten im IT Sektor nicht vertraut, in sozialen Unternehmen herrscht oft eher eine gewisse angenehme Hemdsärmeligkeit vor. Insofern vermute ich, dass du hier mehr Verständnis für den Kontext aufbringst. :+1:

7 „Gefällt mir“

Da muss ich leider sagen, dass die Recruiter oft Stellen anbieten, die einfach nicht interessant sind. Warum sollte ich mein Wohneigentum nahe München aufgeben, um als SAP Berater nach Düsseldorf zu ziehen?
Viele halte ich außerdem für Bots, die quasi jeden anschreiben, um das Portfolio aufzustocken.

Natürlich nicht. Auch nicht bei einer Bewerbung.
Das Problem ist auch nicht eine Stelle zu finden, sondern eine Gute. Wohnortnah, am Besten in einer Firma, die auch noch was Sinnvolles macht, usw.
Dazu war ich die letzten 17 Jahre in leitender Position unterwegs und nochmal im 1st-Level-Support oder als Techniker zu starten, muss jetzt auch nicht unbedingt sein.
Wobei mir die Kohle inzwischen nicht mehr so wichtig ist. Interessant und sinnhaft soll es halt sein.

3 „Gefällt mir“

Man merkt halt auch oft dass die Recruiter auf LinkedIn und Xing verzweifelt sind und keine Ahnung haben von dem, was sie da suchen und wen sie da anschreiben, wenn sie alle sagen, daß man doch prima passen würde.

Grenzt halt schon arg an Spam.

Ich vermute, die Kombination macht es tatsächlich nicht ganz einfach. Für Positionen mit viel Erfahrung und/oder Personalverantwortung war das Angebot ja schon vor dem “KI-Knick” schmaler als das für Einsteiger, und man sollte ja idealerweise auch relevante Erfahrung mitbringen.

Wobei ich jetzt vermutet hätte, dass München eigentlich etwas besser dasteht (die Dichte großer Arbeitgeber im IT-Bereich ist ja vergleichsweise hoch).

Ich habe inzwischen 13 Jahre Personalverantwortung (30 bis 80 Kollegen) auf der Uhr und Budgetverantwortung von etwa 3Mio.€ p.a.. Noch dazu war ich im Automotive-Prototypen-Sektor und habe, projektverantwortlich für die IT, Komplettanlagen an wirklich 90% aller Fahrzeughersteller geliefert.
Gerade entpuppt sich das als Eigentor. Der Automotive Sektor ist tot, Recruiter bieten mich branchenfremd irgendwo zwischen 80k und 125k an und falls ich mal eine Bewerbung auf eine weniger dotierte Stelle schreibe, kommt meist ein: Dafür sind Sie doch überqualifiziert und Sie gehen doch innerhalb von 12 Monaten wieder.
Ich könnte grad so kotzen. Ich brauch die Kohle nicht mehr. Ich hab ein Haus, drei Mietwohnungen (ein Äffchen und ein Pferd zwar nicht, aber einen Hund.) und niemand glaubt mir, dass ich auch für 55k bis 60k arbeiten würde, sofern die Stelle sinnig im weitesten Begriffsrahmen ist.
Am Schlimmsten ist es echt im öffentlichen Dienst. Mir kommt es echt so vor, als würden die Stellen nur ausgeschrieben werden, weil man es muss. Meist sind die Anforderungen so gestrickt, dass es eh nur auf Beamte passt.
Heute kam mal ein Gespräch zustande, in dem es im weitesten Sinn um eine IT Security Position im Gesundheitssektor ging. In 120 Minuten kam nicht eine Frage zu Technologien (SIEM, SOC, NAC, XDR, PAM etc.) sondern ich wurde quasi nur über Regularien die man kennen sollte (BSI-Grundschutz, ISO27001, etc.) für 30 Minuten und total wilde Sachen (BayKrG, SGB V, etc.) für 90 Minuten ausgequetscht. Ich würde jetzt mal behaupten, dass niemand, außer er/sie/es kommt aus dem Sektor und ist Jurist, sich das für ein Erstgespräch alles draufschafft.
Ich hab noch kein Feedback aber ich bin selber unzufrieden mit meiner Leistung. Gleichfalls hätte ich aber, sogar mit dem Wissen was für Fragen kommen, versagt. Den Stoff hätte ich mir innerhalb von 4 Tagen nie aneignen können. Kam mir vor wie im 2ten Staatsexamen, nur ohne die Gesetze zur Hand nehmen zu dürfen.
Naja, hoffen wir mal dass es besser wird. Hab die Woche noch 6 Termine.

1 „Gefällt mir“

Würde mich ehrlich gesagt auch skeptisch machen, wenn jemand plötzlich bereit ist für die Hälfte zu arbeiten (vor dem Hintergrund Deiner persönlichen Vermögenssituation versteh’ ich’s zwar, aber die sieht der Mensch auf der anderen Seite des Bewerbungsprozesses ja nicht).

Ich kenne den ÖD aus erster Hand nur aus der Promotionszeit. Da traf das aber in der Tat nicht immer, aber oft genug zu. Entsprechend waren die Stellenausschreibungen dann auch auf den Wunschkandidaten optimiert.

Dann viel Erfolg! Es würde ja reichen, wenn’s einmal passt.

Das ist doch eine spannende Vita. Ich bin IT-Dienstleister aus Hamburg, arbeite aber mit meinen 15 Kollegen bundesweit. Wir machen viele Dinge, aktuelle Herausforderung: Kunde sucht einen neuen Hypervisor, unterliegt aber strengen regulatorischen Anforderungen (DORA, BAFIN etc). Außerdem bauen wir aktuell HCI Cluster auf Basis Microsoft S2D, aber auch Netzwerke (bis zu Totalerneuerungen). Einen Security Specialist für XDR/SIEM (Cynet, Azure) könnte ich auch gebrauchen. Wir machen noch viele weitere Dinge…

Bei Interesse sende mir per PN kurz Deinen Lebenslauf oder Skillset inkl Do und Dont’s zu.

2 „Gefällt mir“

Leider geht PDF/DOCX nicht über das Forum, was auch vollkommen okay ist. Passt es, wenn ich dir mein LinkedIn Profil via PN schicke?

Kleines Update: Laut Personalvermittler hab ich weit überdurchschnittlich abgeliefert. Ich kann das gar nicht glauben, da ich mich selber eher dünn aufgestellt fand, was das BayKrG, SGB V, BSI-KRITIS-V usw. angeht. Die Dame aus dem HR hat sogar nachgefragt, ob ich mit TVöD 13/4 einverstanden bin, da ich ja eher bei TVöD 14/5 bis 15/4 angesiedelt wäre. So hätte ich mich nie eingeschätzt. Vielleicht wird es ja was.

6 „Gefällt mir“

Klar!

ÖD ist zurzeit auch nicht überall einfach, da z.B. die Bundesbehörden dazu angehalten sind Stellen einzusparen. Da fallen auch einfach viele Stellen weg die vorher ausgeschrieben worden wären.

Hinzu kommt, dass auf den nun wenigen Stellen auch viel mehr Bewerber auftreten als vorher.

1 „Gefällt mir“

Und gleichzeitig fährt man massive Digitalisierungsoffensiven. Es ist echt, gelinde gesagt, schwierig.
Was mich mehr stört, ist das man Bürokraten sucht und keine „Macher“.

1 „Gefällt mir“

Da kann ich aus der anderen Perspektive aber auch sagen, dass die “Macher” leider häufig auch nicht in der Lage oder Willens sind, sich in bestehende Verwaltungsstrukturen und -anforderungen (bis hin zu gesetzlichen Rahmenbedingungen) einzufügen, die in vielen Fällen eben doch durchaus ihre Notwendigkeit bzw. Berechtigung haben. Da liegen auf beiden Seiten immer wieder Hindernisse. Es wird leider viel zu oft übersehen, dass ohne “die Bürokratie”, die heute praktisch nur noch abwertend und synonym zu Dysfunktionaliät und Rückständigkeit gesehen wird, vieles einfach nicht funktionieren würde. Damit will ich keineswegs sagen, dass hier nicht dringender Reformbedarf besteht - aber das unreflektierte Bürokratie-Bashing ist eben auch allenfalls die Hälfte der Wahrheit.

5 „Gefällt mir“