Making Mags: Videogames

Heute erschienen für Unterstützer auf Steady/Patreon: die neue Folge von Making Mags.

Diesmal geht es in Making Mags um die Anfänge von Deutschlands erstem Videospiele-only-Magazin. Die Video Games erschien erstmals am 27. März 1991 im Markt & Technik Verlag – zunächst als Sonderheft der Power Play.

Als Stargast der Sendung begrüßen Benedikt und Sönke den Branchenveteran Winnie Forster, der direkt an der Konzeption des Hefts beteiligt war und die ersten Jahre von Video Games maßgeblich prägte. Winnie plaudert munter aus dem Nähkästchen, skizziert Redaktionsabläufe im Detail, erklärt Besonderheiten einzelner Rubriken und verrät mehr über die Zusammenarbeit mit bekannten Kollegen wie Anatol Locker, Heinrich Lenhardt, Martin Gaksch, Michael Hengst, Julian Eggebrecht und Stephan Englhart.

Außerdem erklärt Winnie, warum er das Magazin im Sommer 1993 verließ und im November des gleichen Jahres zusammen mit Martin Gaksch, Andreas Knauf und Ingo Zaborowski das Konkurrenzmagazin Man!ac (seit 2008 M!Games) aus dem Boden stampfte. Dazu gibt’s viele spannende Anekdoten und ein ausführliches Update, an welchen Projekten er mit seinem Buchverlag Gameplan derzeit* arbeitet.

PDFs der im Podcast besprochenen Hefte zum Mitblättern: 1/91, 6/92, 7/92, 12/92, 1/93, 6/93. Hier geht’s zu allen weiteren Ausgaben: klick.

Die Video Games: Erschienen von: 1/91 bis 2/2001
Herausgeber: Markt & Technik Verlag, Magna Media Verlag, DMV-Verlag, Weka Verlag, Future Verlag Leseranrede: „Ihr“
Wertungssystem: 100er-Prozentsystem
Weiterführende Informationen: Wikipedia, Kultboy.com, Kultpower.de, #29: Zum Zwanzigsten der Video Games (Spieleveteranen-Podcast)

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Also so langsam werd ich, so aus dem nichts heraus und für jemanden der nur die 64er und da kaum den Spieleteil gelesen hat, ein großer Fan des „Deutsche-Spieleredaktionen-verse“ mit diesen Folgen. Ich weiß zwar jetzt zum Beispiel immer noch nicht wer Heinrich Lehnert ist, aber dass der seinen festen Platz in der Lore der Spieleredaktionen hat ist mir mittlerweile schon klar.

Und, Spaß beiseite, heidenei ist das alles unerwartet interessant mit den damaligen Arbeitsmethoden, den persönlichen Werten, den Hierarchien, und den Personenkulten.

Weiter so. Ich glaube das ist schon ein Lob, wenn jemand, den das eigentlich gar nicht belangt, dann traurig ist, dass der Abwasch vorbei ist, obwohl der Podcast doch noch läuft.

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Das war eine sehr gute Folge. Danke dafür. Wieder ein komplett anderer Blick auf den Markt und das Handwerk als bei Gamstar oder ASM. Außerdem fand ich den Teil über Gameplan auch recht interessant. Freue mich auf die nächste Ausgabe des Podcasts.

„Ob damals auch Tränen flossen glaube ich nicht. Wir hatten ja keine Mädels in der Redaktion.“

Uff.

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Interessante Folge, wie eigentlich immer :smiley:

Die Video Games war für mich am ansprechendsten in ihrer letzten Inkarnation um 2000 herum, also eher nach der hier besprochenen Zeit und kurz bevor ihr der Stecker gezogen wurde. Trotzdem höre ich unglaublich gerne von der Arbeitsweise damals und den Faktoren, die letztlich zur Gründung der MAN!AC geführt haben. Das Verlagswesen hat sich, soweit mein Eindruck, in der Zwischenzeit kaum geändert - aus unbeweglichen Dampfern werden keine Sportboote mehr - aber immerhin gibt es das Magazin in Form der M!Games noch.

Und weil ja viele unserer Lieblingsmagazine von einst mehrere, teilweise grundunterschiedliche Phasen durchlebten, bietet sich ja die Möglichkeit, auch mehrere Folgen zu den jeweiligen Heften machen, vielleicht sogar mit unterschiedlichen Gesprächspartnern. Mit der weiteren Folge zur Video Games und dem umfangreichen Rückblick auf die Fun Generation habt ihr ja schon zwei epische Werke in petto. Und die Stimmung in der Pionierzeit der Magazine dürfte sich doch stark genug von der gegen Ende der großen Multiformat-Magazinwelle unterscheiden. Wobei ja durchaus noch genügend Magazine übrig sind, die auf ihre Erstbesprechung warten :smiley:

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Hey, ich war einer von denen, die zwar „nur“ einen Game Boy hatten aber trotzdem die Videogames gekauft haben. :smile:

Dieses von Winnie erwähnte Verhalten von Heini, Spiele mit Hammergrafik und Hammerpräsentation von Psygnosis und anderen Firmen mehr oder weniger automatisch als sogenannte „Grafikblender“ herunterzumachen, war glaube ich eine Erfindung von Heinrich Lenhardt, die dann von anderen übernommen wurde. Das gab es in anderen Ländern nicht. Es war damals typisch Deutsch.

Anstatt großartige Grafik zu feiern wurde es als Manko gesehen. Ziemlich verrückt. Nicht nur Killing Game Show und Lemmings war von Psygnosis grandios. Es gab einige andere gute Spiele, zum Beispiel Nitro.

Das ist die Krux der Deutschen in der Spieleindustrie: Es wird stets nach tieferem Anspruch und pädagogischen Werten gesucht. Dabei sollte es eigentlich um Spaß gehen. Grade in den 80’ern waren Spaß und Anspruch ja noch ein Argument um einem frivolem Vergnügen wie dem Videospiel überhaupt gesichtswahrend frönen zu dürfen - wenn man kein Kind mehr war. Das drückt sehr viel über das Verhältnis der damalig westdeutschen Gesellschaft zum Thema Spiel aus.

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Nicht nur Video- und Computerspiele, auch Spielhallenspiele hatten in Deutschland ein schlechteres Image als in anderen Ländern. Als Kinder konnten wir die immer nur im Urlaub spielen. In Deutschland waren die ab 18.

Dadurch habe ich jetzt eine ziemliche Wissenslücke. Zum Glück kann man es mit Mame und FBANeo alles nachholen. Aber ich hätte damals gerne mehr Spielhallenspiele gezockt, nicht immer nur im Frankreich- oder Hollandurlaub :slight_smile:

Interessant, dass es offenbar sogar damals schon einen gewissen „Redakteurskult“ gab. Das ist mir bis heute absolut unverständlich, bin ich wohl nicht der Typ für. :see_no_evil: Ich hab mir die Namen der Redakteure nicht mal richtig gemerkt.

Verständnisfrage: Gunnar hat geschrieben, dass die Videogames das erste Videospiele-only-Magazin in Deutschland war. Aber die ASM und offenbar auch die Powerplay waren doch schon früher auf dem Markt? Oder zählen die nicht, weil die ASM auch Anwendungssoftware besprochen hat (und die Power Play anscheinend auch)?

Das hat Gunnar schon korrekt geschrieben: Die Video Games war das erste Spielemagazin in Deutschland, das ausschließlich über Konsolen/Handhelds/Videospiele berichtet hat. In Power Play und Co. wurden ja auch Spiele für Heimcomputer und PC besprochen.

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Ah, dann ist also gemeint, dass sie das erste Magazin für Konsolenspiele waren. PC-Spiele oder Heimcomputerspiele sind ja auch Videospiele. :slightly_smiling_face:

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Im deutschen Zeitschriftenjargon waren Videospiele (oder Telespiele) stets Konsolenspiele. Spiele für Heimcomputer und PC wurden hierzulande eigentlich immer als Computerspiele und später als PC-Spiele bezeichnet.

War damals völlig klar, dass ein Heft namens Videogames keine PC-Spiele bespricht.

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Ich habe die Begriffe immer sinngleich verwendet – Duden sowie Wikipedia sehen das genauso: Videospiele = Computerspiele. War mir nie aufgefallen, dass es da in der Branche der Videospielzeitschriften (ha!) eine Spezialdefinition gab. :wink:

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Diese Trennung zwischen Video Games und Computerspiele ist mir auch in der Folge das erste Mal aufgefallen, war mir da aus dem Kontext heraus aber gleich klar. Frag mich, woher das kommt, war im englischsprachigen Raum ja glaube ich nicht so (oder doch?), und mein C64 hing am selben Monitor, also Videoeingang, wie mein NES.

Vielleicht ist das einfach wieder eine Instanz davon, dass man in Deutschland ein Faible für englische Lehnwörter hat, aber dann oft gerne mal mit einem englischsprachige Menschen verwirrenden Twist.

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Ja, ein viel schlimmeres glaube ich sogar, zumindest aus meiner Warte damals. Dass Arcade Games in Deutschland praktisch mit Glücksspielautomaten (die m.E. wirklich eher wegreguliert gehören) in einen Topf geworfen wurden, war nicht nur eine der weltfremderen Ideen, es hatte auch den entsprechenden Effekt.

Meine Mutter hat mich genau aus dem Grund keine 5 Meter an einen Arcade Automaten rangelassen, das sei ja eben Glücksspiel. Und Glücksspiel ist, genau wie Kredite aufnehmen, erstens ein Magnet für finstere Gestalten, und zweitens der Anfang der persönlichen Abwärtsspirale. Lektionen, für die ich ihr ja im Grundsatz tatsächlich auf ewig dankbar bin, aber der arme SEGA-Automat wurde da wohl ein bisschen missverstanden…

Flipper ging manchmal als Ausnahme. Ich glaube, da war das mechanische Spielprinzip klar genug, dass es von den echten Glücksspielautomaten klar abgezeichnet wurde. Man legt eine Mark ein, und darf dafür dann eine Kugel umherschleudern, weiter nix. (Dadurch ist dann auch klar, dass es ihr weniger um die Kosten des Spiels ging, sondern wirklich um den Glücksspielaspekt von Geldgewinn durch Zufall).

Echt schade, weil dadurch ist ja glaube ich nie so eine richtige Arcade-Kultur in Deutschland entstanden, wie man sie vom Ausland manchmal mitbekommt. Also wo sich junge Leute in der Arcade getroffen haben und mit Pizza und Cola rumhingen.

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