Metal Gear Solid Delta - Remake oder Remaster?

Hallo zusammen,

ich habe gestern MGS Delta: Snake Eater durchgespielt. Kein schlechtes Spiel, aber nahezu identisch zum Original, lediglich die Grafik ist besser, die Charaktere sehen anders aus (irgendwie aufgedunsen) und es gibt ein paar leichte Quality of Life Verbesserungen, z.B. eine modernere Steuerung.

Aber kann man dann von einem Remake sprechen? Z.B. die Resident Evil Remakes (2-4) sind wirklich neue, moderne Spiele, die die Essenz der Originale haben. Ich hätte mir so etwas von MGS3 auch gewünscht, das ich schon weit über 100 mal durchgespielt habe. Statt der gleichen Zwischensequenzen am Anfang, die exakt gleich geschnitten sind und die exakt gleichen Pseudoladezeiten haben, z.B. den gesamten Fallschirmsprung am Stück, direkt ins Gameplay übergehend. Wie cool wäre das denn gewesen? Oder massig neue Waffen und Tarnungen. Neue Bosskämpfe?

Alles Fehlanzeige. Dafür Wachen, die während ihrer Patrouille an Bäumen hängen bleiben. Ist mir im Original nicht einmal untergekommen…

Wie sehr ihr das?

Erstmal danke für die Info, ich hatte vor 2 Jahren MGS 1-3 durchgespielt und hatte mir überlegt, ob ich Snake Eater nochmal mit in der Delta-Version durchspiele. Ich finde MGS 3 auch um längen besser als 2, das ich ehrlich gesagt ernüchternd fand (und damit meine ich nicht die Raiden-Sache - Raiden ist cool).

Ich hatte ein bisschen Sorge, dass man bei den MGS-Spielen mit vielleicht zu viel Respekt vor dem Original drangeht und es mir deswegen nicht gekauft. Und das scheint sich zu bestätigen. Ich find das verwirrend, denn als jemand, der das erst jetzt nachgeholt hat: das sind interessante Erfahrungen, aber da ist so viel Luft nach oben.

Generell finde ich, dass Kojima zu sehr auf ein Podest gehoben wird. Sein Wille, sehr freizudrehen und Spiele zu bauen, die richtig viele Sachen vor- und mitdenken ist super. Abwechslung wird gross geschrieben. Seine Geschichten sind auch zumindest mal anders. Aber seine Stories brauchen dringend einen Editor und die Spiele könnten etwas mehr Feinschliff verdienen. Witizigerweise finde ich zum Beispiel Death Stranding am besten, wenn man einfach mal 2 Stunden hat, in denen man die Welt erkundet und der gute mal den Rand hält. Und ich halte das für ein grandioses Spiel - aber da ist so viel offenbare Luft nach oben.

Sorry, das ist jetzt zu einem Kojima-Kommentar geworden, aber ja - ein MGS-Remake im Stile von RE2/3, das von einem besseren Geschichtenerzähler gemacht wurde, würde ich mir sofort kaufen.

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Ja, bin ich bei dir, bin mittlerweile auch nicht mehr der große Fan von Kojimas Geschichten. Aber die meisten MGS Spiele machen mir immer noch sehr viel Spaß und ich hatte mich dermaßen auf ein Remake von 3 gefreut. Aber ja, Delta hat SEHR viel Respekt vor dem Original, zu viel, um ehrlich zu sein.

Ja, ganz klar: ich hatte richtig viel Spass, die drei zu spielen! Aber das als perfekte Meisterwerke zu verklären bringt halt keinem was und hält die Industrie zurück. Wir sollten als Spieler mehr als das wollen.

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Auf mich wirkt es eher wie ein Remaster, auch wenn ein paar Dinge wohl anders gemacht wurden.

Kojima wäre imho das Pendant zu einem guten Dungeon Master. Ihm gelingt es immer wieder Abwechslung reinzubringen und erinnerungswürdige Momente zu kreieren, so dass man mit Blick auf die Kampagne bereit ist Schwächen bei der Konsistenz hinzunehmen.

Bei MGS3 reden wir von der PS2-Ära 2004. Da war er einer der wenigen Designer, der mit den Mitteln und den Branchenstandards der Zeit emotionale Momente erzeugen wollte und konnte, während die meisten Studios im Actionbereich auf der Konsole primär noch unhinterfragt mit großem Bohei Gegner vermöbelt und Dinge in die Luft gejagt haben. Sein Abwechslungsreichtum kommt da noch on top. Für PS2 war es daher durchaus eines der herausragenden Spiele, aber dafür muss man es vermutlich auch in der Zeit gespielt haben. Das Game Design hat tatsächlich enorme Fortschritte gemacht, aber das Problem hat Ocarina of Time auch.

Wenn die Immersion dadurch natürlich zurücktritt und sich die Betrachtung dann verstärkt auf das Gameplay richtet, dann stößt man schnell auf weitere Abbruchkanten, weil es a) schon damals nicht smooth war und b) unter heutigen Usability-Gesichtspunkten imho gnadenlos veraltet ist. Andererseits ist es mit Kojimas Narration stark verbunden. Kojima wollte meinem Eindruck nach auch kein Werk für die Ewigkeit erschaffen, sondern hat sich einfach Features rausgepickt, die er in diesem Augenblick für unterhaltsam hielt, und darum dann ein Spiel gestrickt. Damit ist es ein Kind seiner Zeit, kein Versuch einer neuen Ulysses-Erzählung.

Daher halte ich ein grafisches Upgrade ohne eine grundsätzliche Überarbeitung der Gesamtvision für schwierig, denn die Visualität hat im ursprünglichen Werk natürlich immer auch Einfluss auf das restliche Game Design. Ähnlich wie das Remaster von Oblivion verändert Delta das ursprüngliche Werk damit sehr stark, ohne es in eine neue Zeit zu transferieren. Ich bin mir sicher, dass die starken Momente des Spiels auch mit Unreal Engine noch stark sind (The Sorrow, The Boss). Aber das ganze drumherum passt nach allem, was ich bislang dazu mitbekommen habe, nicht mehr. Darum hab ich bislang auch einen Bogen darum gemacht, obwohl es auf meiner Liste steht. Aber mein Vertrauen in Konami, größeren Aufwand in sowas zu stecken, war auch von Anfang an begrenzt. Die verdienen meines Wissens immer noch mehr mit Glücksspiel als mit Core Gaming, und da wissen wir, wo dann die Prioritäten liegen.

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