Das ist mal wieder ein echter Retro-Titel, diesmal von Programmierlegende Dan Bunten. Leider hatte ich auf dem C64 The Seven Cities of Gold damals ebenso wenig wie Heart of Africa. Beide Titel habe ich wegen ihrer besonderen Ähnlichkeit oft miteinander verwechselt. Anders als in den meisten geschlossenen Strategiespielen mit historischem Bezug und definiertem Ziel, spielt hier auch die Erkundung und Entdeckung eine tragende Rolle und verknüpft das Gameplay dadurch mit Adventure-Elementen. Das ist bis heute eine seltene und besondere Kombination, die so gut wie ausgestorben ist. Zugleich zeigt sich hier, dass diese unsägliche Einordnung in Schubladenkategorien schon damals nicht sehr gut funktionierte.
Derartige Strategie-Adventures welche die Kolonialzeit thematisieren und die Komplexität auf ein so ausgefeiltes System herunterbrechen, sind mir dann erst viel später mit „Pirates!“ begegnet. Dabei wird mir der besondere Einfluss, den das Spiel auf „Pirates!“ hat aber erst jetzt klar. Wenn ich so ein Spiel mit so vielen taktischen Möglichkeiten vorher gehabt hätte, dann hätte es bestimmt auch zu meinen Favoriten gezählt, vor allem auch wegen der Möglichkeit zufallsgenerierter Maps. Für mich blieb The Seven Cities of Gold aber ein Buch mit 7 Siegeln - nichts weiter als namhafter Titel, der irgendwie an mir vorbei gegangen ist. Das Spiel erschien eben noch in einer Zeit vor der ich anfing, für Computerspiele Geld auszugeben.
Bei Strategiespielen und Simulationen ist man auf der Abstraktionsebene des C64 und seiner 8-Bit Verwandten ohne eine Spielanleitung halt nicht sehr weit gekommen. Von einer Amiga-Version wusste ich bislang überhaupt nichts. Erstaunlich, dass das Spiel für den Amiga sogar noch im Erscheinungsjahr des Amiga portiert wurde. Das ist extrem früh und damit liegt es in der Zeit sogar noch vor Defender of the Crown, das wohl hauptsächlich durch seine spektakulären Grafiken einen höheren Bekanntheitsgrad erreichen konnte.
Manche sind ja heute noch auf der Suche nach El Dorado. Jedenfalls bin ich angenehm überrascht, dass das Spiel zur Besprechung gewählt wurde und finde es gut, zu erfahren wie man solche gemütlichen Klassiker aus moderner Sicht bewertet und auch kontrovers diskutieren kann. Erkennbar ist für mich hier vor allem die Ambition, Realismus in Form von historischen Bezügen in einem Spiel möglichst gut umzusetzen und das war für das Jahr 1984 schon sehr einfallsreich.
Der Publisher ECA stand damals noch für Innovation und Qualität und brachte eine ganze Menge anspruchsvolle und für mich unvergessene Titel auf den Markt, darunter auch The Seven Cities of Gold. Auf jeden Fall gäbe es auch noch einige andere gelungene ECA-Spiele von damals zu besprechen. The Seven Cities of Gold ist nur eines von ihnen, aber es ist schon mal ein guter Anfang!
Die Spiele von ECA waren aber nicht gerade billig und man musste sich schon genau informieren und überlegen, was man sich da kauft. Zum Glück hatte man da mit Leuten wie Heinrich Lenhardt die passenden Ratgeber. Ich frage mich auch gerade, ob Heinrich das Spiel damals getestet hat. Seine Urteile waren beliebt und gefürchtet, aber fast unverzichtbar wenn man sich ein Spiel kaufen wollte und das sind sie hier wohl auch am Ende des Podcasts. Schön, dass ihr hier auch mal einen Veteranen zu Wort kommen lasst! 