Seven Cities of Gold (SF 163)

Null Bezug zum Spiel und würde es auch jetzt nicht spielen wollen - aber was für eine tolle Folge das ist. Besonders euer philosophieren über das Design hat mir sehr gefallen, nebst eurer gegenteiligen Meinung zum Spiel - die den cast imo bereichert hat. Auch das der historische Part angenehm kompakt und dafür auch launig ist, ist eine gute Sache (die Historie nimmt mir bei manchen Folgen manchmal zu viel Platz ein und ist aber oft nur leidlich spannend, bzw. ähneln sich viele Dev-Stories dann doch oft).

Für mich auch eine Folge die mir wieder deutlich macht das es (für mich) weiterhin eine Kluft zwischen SF und SFS gibt - sei es durch die Einspieler und nachträglich eingebaute Gags, die Arbeit mit Ingame-Sounds nicht nur als Klangbeispiel sondern auch zum Verstärken der Stimmung, aber auch die breite Themenvielfalt die ihr bearbeitet und die Diskussionen die ihr mit Herzblut und Sachverstand führt - und das bei so einem verhältnismäßig simplen Spiel. Meinem Eindruck nach macht ihr bei SF mehr und traut euch da Sachen bzw. habt da irgendwie höhere production values (bspw. eingesprochene Anleitung), während SSF zwar routiniert und gut ist, aber dieser letzte Funken fehlt um aufzuschließen. Ich persönlich mag diese vollgepackten und nicht nur nacherzählenden Casts jedenfalls sehr gerne, da kann man immer auch was mitnehmen was über das Spiel an sich hinaus geht und das macht ihr, meiner Meinung nach, vorrangig bei SF.

Liegt es an der hemdsärmeligen Natur früherer Computerspiele, während viele Konsolentitel in erster Linie Produkte sind und dementsprechend weniger Ecken / Kanten / Raum für den SF-Ansatz bieten?

3 „Gefällt mir“

Dies war für mich eine emotionale und fesselnde Folge, und dafür möchte ich Euch erst einmal danken :+1:

Super interessant finde ich, wie unterschiedlich Ihr das Spiel bewertet, obwohl Ihr das gleiche Spielerlebnis beschreibt. Ich selbst empfinde es noch anders: Der Reiz des Spiels geht bei mir ähnlich wie bei Gunnar normalerweise spätestens nach zwei Stunden zurück. Aber diese zwei Stunden empfinde ich als so schön, dass ich es immer wieder mal spiele. Das Spielgefühl hat etwas sehr profundes und befriedigendes, und ich kann nach einer Session noch tagelang über die neu erkundeten Teile der Spielwelt träumen. Dass es kein definiertes Ziel hat, gibt mir die Freiheit aufhören zu können, ohne das Gefühl zu haben, noch etwas wichtiges zu verpassen. Von daher muss ich Heinrich widersprechen: Herr Lott hat NICHT Recht.

Spannend fand ich, dass es im 17. Jahrhundert knifflig war, den Längengrad aber nicht den Breitengrad der eigenen Position auf hoher See zu bestimmen. Hatte ich noch nie gehört …und wussten auch meine seefahrenden Freunde nicht :joy:

Und noch ein Nachtrag bezüglich der Rückreise nach Europa: Man muss den Joystick nicht die ganze Zeit nach rechts halten. Man kann die Richtung mit dem Knopf einrasten, und dann fährt die Flotte von alleine weiter.

Gefehlt hat mir eine systematischere Aussage darüber, welche Eigenschaften die unterschiedlichen Portierungen haben. Da möchte ich zumindest aus eigener Erfahrung berichten, dass mich an der C64-Version immer das Ruckeln oder Stehenbleiben der Bewegung während des Nachladens von Kartenteilen irritierte – obwohl es für den C64 schon außergewöhnlich ist, dass das Nachladen quasi nebenläufig erfolgt. Wie eine Offenbarung erschien mir seinerzeit daher die Amiga-Version, die komplett flüssig läuft :blush:

Sehr wertschätzend fand ich übrigens Eure Recherche und Beschreibung über Danielle Bunten – großartig :smiley:

4 „Gefällt mir“

Hat @Henner_Thomsen den Teil aus dem Handbuch mit Seemann-Akzent vorgelesen, oder bilde ich mir das nur ein?

2 „Gefällt mir“

So spreche ich eigentlich immer :wink:

10 „Gefällt mir“

Eigentlich ist dieser Tanz der nonverbalen Diplomatie als Metapher sehr gut getroffen. Habe mir im letzten Jahr einige Filme zu dem Thema gegönnt. The Mission (1984), Die Bounty (1984) und 1492 – Die Eroberung des Paradieses (1992). Das Spiel lehrt hier sowas wie Feingefühl und Empathie. In jedem dieser Filme gibt es solche angenehmen und unangenehmen Aufeinandertreffen.

SevenCitiesOfGold_Ani1

1 „Gefällt mir“

Aye, war nicht sicher, steht (in Pocketcast) nämlich nicht in den Produktionscredits :pirate_flag:

Hab den cast noch nicht gehört, wird da also vielleicht ohnehin schon erwähnt, aber da bin ich gerade drüber gestolpert und da dachte ich mir ich empfehle mal wärmstens das Buch „Longitude“ von Dava Sobel, welches sich genau dieses Themas befasst und darstellt wie es schließlich von einem einzelnen genialen Uhrmacher gelöst wurde. :slight_smile:

3 „Gefällt mir“

Das war eine wirklich gute Folge! Ich habe zwar am C64 gespielt aber das war in den neunzigern und da wirkt der einfach schon alt. Daher fehlt mir bei C64 so ein bisschen der Bezug.

Da gab’s unlängst auch eine sehr gute Folge des Podcasts 99% Invisible dazu, auch die kann ich empfehlen. Where the F*** Are We? - 99% Invisible

2 „Gefällt mir“

Versuchen wir es mal wieder mit Ideologiekritik. Mal sehen, ob ihr es merkt.

In der Folge wird der friedliche Handel als sehr viel bessere Alternative zur Eroberung dargestellt. Klingt erstmal logisch.

Wie lange ist dieser Handel friedlich? Solange man es sich leisten kann.

Geht mal ohne Geld in den Supermarkt, weil ihr kein Geld habt, aber irgendwas essen müsst. Wenn ihr euch dann etwas zu essen einsteckt, ohne es bezahlen zu können….Spätestens dann kommt die Staatsgewalt. Verhungern ist straffrei.

Ja ich weiß…Im Knast wird dann natürlich für Kost und Logie gesorgt.

2 „Gefällt mir“

Das ist mal wieder ein echter Retro-Titel, diesmal von Programmierlegende Dan Bunten. Leider hatte ich auf dem C64 The Seven Cities of Gold damals ebenso wenig wie Heart of Africa. Beide Titel habe ich wegen ihrer besonderen Ähnlichkeit oft miteinander verwechselt. Anders als in den meisten geschlossenen Strategiespielen mit historischem Bezug und definiertem Ziel, spielt hier auch die Erkundung und Entdeckung eine tragende Rolle und verknüpft das Gameplay dadurch mit Adventure-Elementen. Das ist bis heute eine seltene und besondere Kombination, die so gut wie ausgestorben ist. Zugleich zeigt sich hier, dass diese unsägliche Einordnung in Schubladenkategorien schon damals nicht sehr gut funktionierte.

Derartige Strategie-Adventures welche die Kolonialzeit thematisieren und die Komplexität auf ein so ausgefeiltes System herunterbrechen, sind mir dann erst viel später mit „Pirates!“ begegnet. Dabei wird mir der besondere Einfluss, den das Spiel auf „Pirates!“ hat aber erst jetzt klar. Wenn ich so ein Spiel mit so vielen taktischen Möglichkeiten vorher gehabt hätte, dann hätte es bestimmt auch zu meinen Favoriten gezählt, vor allem auch wegen der Möglichkeit zufallsgenerierter Maps. Für mich blieb The Seven Cities of Gold aber ein Buch mit 7 Siegeln - nichts weiter als namhafter Titel, der irgendwie an mir vorbei gegangen ist. Das Spiel erschien eben noch in einer Zeit vor der ich anfing, für Computerspiele Geld auszugeben.

Bei Strategiespielen und Simulationen ist man auf der Abstraktionsebene des C64 und seiner 8-Bit Verwandten ohne eine Spielanleitung halt nicht sehr weit gekommen. Von einer Amiga-Version wusste ich bislang überhaupt nichts. Erstaunlich, dass das Spiel für den Amiga sogar noch im Erscheinungsjahr des Amiga portiert wurde. Das ist extrem früh und damit liegt es in der Zeit sogar noch vor Defender of the Crown, das wohl hauptsächlich durch seine spektakulären Grafiken einen höheren Bekanntheitsgrad erreichen konnte.

Manche sind ja heute noch auf der Suche nach El Dorado. Jedenfalls bin ich angenehm überrascht, dass das Spiel zur Besprechung gewählt wurde und finde es gut, zu erfahren wie man solche gemütlichen Klassiker aus moderner Sicht bewertet und auch kontrovers diskutieren kann. Erkennbar ist für mich hier vor allem die Ambition, Realismus in Form von historischen Bezügen in einem Spiel möglichst gut umzusetzen und das war für das Jahr 1984 schon sehr einfallsreich.

Der Publisher ECA stand damals noch für Innovation und Qualität und brachte eine ganze Menge anspruchsvolle und für mich unvergessene Titel auf den Markt, darunter auch The Seven Cities of Gold. Auf jeden Fall gäbe es auch noch einige andere gelungene ECA-Spiele von damals zu besprechen. The Seven Cities of Gold ist nur eines von ihnen, aber es ist schon mal ein guter Anfang!

Die Spiele von ECA waren aber nicht gerade billig und man musste sich schon genau informieren und überlegen, was man sich da kauft. Zum Glück hatte man da mit Leuten wie Heinrich Lenhardt die passenden Ratgeber. Ich frage mich auch gerade, ob Heinrich das Spiel damals getestet hat. Seine Urteile waren beliebt und gefürchtet, aber fast unverzichtbar wenn man sich ein Spiel kaufen wollte und das sind sie hier wohl auch am Ende des Podcasts. Schön, dass ihr hier auch mal einen Veteranen zu Wort kommen lasst! :disguised_face:

1984 war Heinrich Praktikant bei Happy Computer und durfte die erste Zeit Drucker & Co testen. In seinem Buch 1984 schreibt er über Seven Citizes of Gold. Testen dürfte der Jungspund das 1985 nicht. Er zitiert aus dem Test von Manfred Kohlen aus der Happy Computer Heft 3/1985. Daraus schließe ich das 1985 niemand den Heinrich kannte und auch der extra Spieleteil kam in der Happy erst später.

Könnte ja sein, dass er irgendeine spätere Konvertierung getestet hat. Aber das hätte er dann wahrscheinlich in seinem Buch geschrieben.

Kannst ja auch den Podcast der SV dazu anhören, ich hör mir immer gerne die jeweilige andere Folge zu den gleichen Titeln von Stay Forever und den SV an.

Ja, das mache ich vielleicht. Danke für den Tipp! Dann hat man auch einen direkten Vergleich.

Also, mir war „hl“ 1985 schon ein Begriff. Und in diesem Jahr erschienen auch Tests in der HC, unter denen sein Kürzel alleinig zu sehen war. Siehe bspw. „Rocket Ball“.

Mi Niemand habe ich natürlich nicht die Leser der ersten Stunde gemeint, sondern Publisher wie EA oder Entwickler wie Bunten und ich hab ja nicht geschrieben das 1985 keine Tests von Heinrich erschienen, sondern das der Extraspieleteil der Happy erst später, das Internetz sagt 11/1986 in der Happy erschien.

Ok, dann hab ich den falschen Kontext erwischt. Liegt vielleicht daran, dass ich die Episode noch nicht gehört habe.

Seven Cities of Gold für den Amiga ist sehr unbekannt, weil es nämlich nur auf einem Amiga 1000 lief. Es setzt zwingend die frühe Betriebssystem-Version Kickstart 1.1 voraus und nutzt die nur beim Amiga 1000 vorhandenen 256KB RAM des Writable Control Stores. Vom Amiga 1000 wurden schätzungsweise 100.000 Geräte weltweit verkauft, weswegen der Markt für Software sehr klein war. Offenbar waren die Verkaufszahlen von Seven Cities of Gold für den Amiga so gering, dass EA die Version niemals an die wesentlich populäreren Amigas 500 und 2000 anpasste.

Heute kann man die Version Dank Ubiquitous Amiga Emulator und WHDLoad wesentlich einfacher spielen.

2 „Gefällt mir“

Interessant, das erklärt es. Ich habe mich schon gewundert, warum das Spiel für den Amiga kaum irgendwo erwähnt und angeboten wurde. Der Aufwand für eine Anpassung an Kickstart 1.2 hätte sich wohl in Grenzen gehalten und hätte sich bei der späteren Erfolgsgeschichte der Amiga Reihe bestimmt rentiert, vor allem wenn man sich die Verkaufszahlen der 8-Bit Versionen ansieht. In diesem Fall war die Portierung wohl einfach ZU früh und wenn es nur 256KB RAM nutzt, wird es auch kein großer Sprung gewesen sein. Aber das mit der Kompatibilität der Kickstart-Versionen war bei Amiga-Software schon immer problematisch. Mit den Konfigurationsmöglichkeiten von UAE ist das natürlich kein Problem mehr sofern man weiß, welches Programm unter welcher Version läuft.