10 Stunden habe ich gebraucht – jetzt ist die Platin-Trophäe meine.
Terminator 2D: No Fate ist für mich das polierteste Amiga-Spiel, das ich je gespielt habe.
Ähnlich wie viele Heimcomputerumsetzungen versucht T2D ganz hart, einen bestimmten Vibe einzufangen. Das Spiel tanzt immer wieder um Spielhallenatmosphäre und Konsolen-Run’n’Gun herum, kann aber nie das Niveau der Vorlagen erreichen. Und Vorlagen sind hier wirklich wörtlich zu verstehen: Was hier an Ideen/Patterns und teils sogar Designs verwurstet wurde, wird Kennern des Genres sofort bekannt vorkommen – gerade aus Contra und Metal Slug wird schon dreist geklaut. Kann man als Hommage abtun, ich finde es kreativ etwas schwach – ist aber für Bitmap Bureau auch nichts Neues; gab ja auch schon bei Final Vendetta Plagiatsvorwürfe, was die Sprites angeht.
Einen Großteil der Zeit verbringt man laufend und schießend, in der Gegenwart mit nur wenig Abwechslung, was Waffen und Ausrüstung angeht, in den wenigen Future-War-Abschnitten zusätzlich mit ein paar zeitlich begrenzten Extrawaffen und Pipe Bombs. Wer die alten NES-Contras kennt, sich dazu noch die Granatenfunktion von Metal Slug vorstellen kann und einen (teils) unverwundbaren Slide wie in Hard Corps, hat eine ziemlich gute Idee, was ihn erwartet. Das Level-Design ist unspektakulär bis langweilig; es gibt kaum nennenswertes Platforming. Wenige Collectibles in den mehr oder weniger komplett linearen Leveln laden auch nicht unbedingt zur Erkundung ein. Die recht stumpfe Ballerei wird nur durch eine Handvoll anders gearteter Abschnitte unterbrochen – auch hier gibt es keine großen Überraschungen: Highway-Verfolgung mit und ohne Geballer, Stealth-Segment in der Irrenanstalt und „Eskortmission“ im Stahlwerk.
Spielerisch ist T2D leider wirklich nicht der große Hit: Die Level sind samey, die Ideen durch die Bank bekannt bis geklaut, und immer wieder fallen kleine Ungereimtheiten bei Kollisionsabfragen und Hitbox-Design auf. Bei der Golden-Stealth-Trophy, die von einem erwartet, fehlerfrei durch die Heilanstalt zu kommen, zerfällt das ganze Spiel sogar regelrecht, weil das Ding ohne Sinn und Verstand designt ist. Das Gegner-Movement ist nicht synchronisiert: drei Anläufe, drei unterschiedliche Ausgänge, und zum Ende hin mit einem Gegner, der einen schon außerhalb des Screens sehen kann, man selbst ihn aber nicht – also auch noch mit einem designtechnischen Mittelfinger garniert (dass einen die anderen Gegner instakillen können, sei auch erwähnt, und der T-1000 ist sowieso sofortiges Game Over). Habe da einiges an Zeit reingesteckt und hatte überschaubar viel Spaß, ein Level, das vielleicht 3 Minuten dauert, ungefähr 3 Stunden lang immer wieder zu spielen, bis ich den Run dabei hatte, bei dem mir RNGesus hold war.
Klingt alles meh bis mid? Isses auch, allerdings hat das Spiel gegenüber vielen anderen Spielen einen entscheidenden Vorteil: Es hat die gottverdammte T2-Lizenz und eine audiovisuelle Präsentation, die mich richtig bei den Eiern hatte. Der „Attract Mode“ knüppelt gleich gut los, das Spiel hat einen verhältnismäßig hohen Bodycount, ist nicht gerade blutarm (allerdings auch kein Gorefest), es verwurstet diverse Terminator-Designs (T-800 in beiden Ausführungen, Hunter-Killer, Centurion, T-1000), fängt die Szenen und Sets des Films gut ein und bietet jede Menge Standbilder, von mal mehr und mal weniger guter Qualität, die den Plot wiedergeben. Die Musik mit diversen Remixen und Arrangements der bekannten T2-Klänge ist saugeil und passt oft gut zur Action. Besonders cool sind eingebaute „What if“-Bonusszenarien: Was wäre, wenn Sarah Miles Dyson getötet hätte? Was wäre, wenn der Terminator nicht umprogrammiert worden wäre? Diese Grundidee ist zwar in der Ausführung eher „undercooked“, wie man so sagt, aber die Idee ist nett und bringt noch einmal andere Routen mit anderen Schauplätzen und Gegnern mit sich. Auch finde ich es sehr erfrischend, wie oft man den alten John Connor und natürlich auch Sarah Connor spielt – tatsächlich ist der T-800 heftig unterpräsentiert.
Und während man es so spielt, fühlt sich das Spiel einfach wie diese Vorstellung davon an, wie Amiga- und diverse westliche Konsolen-Actionkost so war. Auf dem Papier und auf der Packungsrückseite richtige Banger – bis zum Realitycheck des eigentlichen Anspielens. Gerade weil T2 relativ stumpf und samey ist, die ganze 90er-Thematik fährt und so einen tollen Pixellook hat, fühlt es sich an wie das, was die Ocean- oder LJN-Version früher hätte sein sollen. So gesehen löst T2D jetzt endlich ein Versprechen ein, das viele Terminator- und Terminator-2-Spiele auf unterschiedlichsten Geräten früher nicht vermochten.
Dabei hat T2D aber, wie eingangs erwähnt, so einen Eurojank-Faktor: Es ist ein bisschen unsauber programmiert, es ist nicht sonderlich kreativ oder abwechslungsreich und erreicht in meinen Augen nie die Klasse eines japanischen Titels wie Contra, Gunstar Heroes oder Metal Slug – in Teilen wirkt es sogar eher wie mit einer Art Baukasten zusammengeklickt. Für die Dröhnung zum Feierabend trotzdem sehr brauchbar, auch weil Runs zwischen 15 und 60 Minuten liegen und damit zum vielfachen Spielen einladen. Auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad haut der Titel einem auch so richtig in die Nüsse, ganz so, wie alte Homecomputer-Titel, als Spieldesign noch etwas Unerhörtes und fiese Difficulty-Spikes oder direkt nicht vorhandene Spielbalance die normalste Sache der Welt waren.
Als reines Actionspiel betrachtet, würde ich das Teil als bestenfalls mittelprächtig verorten – macht nichts total falsch, aber ist auch schon eher das harte Brot vom Vortag. Die T2-Lizenz trägt das Ding allerdings, als gäbe es kein Morgen – wer dem Film nur irgendwas abgewinnen kann, sollte sich die Nummer mal anschauen. Die Umsetzung von bekannten Filmszenen fetzt, die Pixelart ist über weite Strecken wirklich geil (wobei die Standbilder und einige Animationen abfallen), und die Musik lässt die Szenen so viel atmosphärischer wirken, als sie eigentlich sind. Einzig das vollständige Fehlen von Soundschnipseln à la „I NEED YOUR CLOTHES, YOUR BOOTS AND YOUR MOTORCYCLE“ schmälert den Gesamteindruck etwas. Kein 90%-Spiel und imo auch knapp kein 80%-Kandidat, aber eine schöne Erinnerung an den ganzen Actionramsch von früher und die Zeiten, als man noch nach Bildern auf der Verpackung Kaufentscheidungen getroffen hat.
