The Interactive Fiction Competition 2026

Hi zusammen,

aus gegebenem Anlass würde ich gerne auf die diesjährige Interactive Fiction Competition 2026 hinweisen.

71 Beiträge warten in diesem Jahr darauf angespielt oder komplett durchgespielt zu werden. Anschließend mindestens fünf Titel bewerten und deine Wertungen fließen in das Gesamtergebnis ein.

Aus der Erfahrung der letzten Jahre kann ich nur sagen: "Es lohnt sich. Ist immer was für jeden dabei (also wenn man IF mag :slight_smile: )

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Danke für den Hinweis! Vielleicht schaffen wir es ja, hier auch ein paar zu spielen und Eindrücke zu sammeln? Ich fange mal an mit Ryan Veeder’s Agatha Christie’s the Murder on the Orient Express.

Wie der Titel schon erahnen lässt, ist das eine Mischung aus Hommage und Parodie an bzw. auf Agatha Christie und bedient sich gekonnt an deren Tropes, Ausdruck und Stilmitteln:

Wo auch immer Poirot ist, kennt er jemanden - selbst im Leichenschauhaus in Istanbul:

Und er hat die Angewohnheit, Dinge zu erkennen, dem Lesenden bzw. Spielenden die Information jedoch nicht mitzuteilen:

Letzteres ist dann auch tatsächlich eine gleichermaßen clevere wie nervtötende Spielmechanik: Poirot merkt zwar regelmäßig an, dass er mal wieder einen wichtigen Hinweis gefunden hat - vergisst dabei jedoch, zu erwähnen, worum zur Hölle es sich dabei handelt.

So dienen die Clues hier dann auch nicht der Deduktion, sondern als Gates. Um beispielsweise in den Wagen der zweiten Klasse zu kommen, muss Poirot eine bestimmte Anzahl an Hinweisen gesammelt haben, sonst geht es nicht weiter.

Das ist insofern durchaus witzig, als dass Poirot aus jedem Wagen des Orient-Express aussteigen kann und dann jeweils in einer unterschiedlichen Stadt landet: Das Dining Car führt nach Istanbul, die erste Klasse nach Jugoslawien, die zweite Klasse nach Wien, und so weiter.

Der Haken: Man macht im Grunde nichts anderes, als sämtliche Gegenstände anzuschauen - in der Hoffnung, einen weiteren Clue zu finden, der einem die nächste Tür öffnet. Spielerisch ist das leider arg dünn, Detektivarbeit kaum vorhanden.

Wenn man Christie/Poirot mag, kann man’s für die Gags mal anspielen. Muss man aber nicht.

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Ich mach einfach mal weiter mit New Captain (Joshua Kaden, Twine).

New Captain versucht nichts Geringeres, als die klassische Star-Trek-Fantasie zu bedienen. Spielende schlüpfen in die Rolle eines Starfleet- Spacegroup-Kommandanten, der (oder die) kurzfristig auf das Science Vessel Athena abberufen wurde, um den scheidenden Captain Chowder zu ersetzen.

Den Aufbau des Raumschiffs kennt jeder Star-Trek-Fan aus dem Effeff, die Bewegung erfolgt weitgehend per Turbolift, der Computer füttert einen mit Informationen. Offiziere tragen Namen in Bond-Manier, von Science Officer Monitory über Chief Engineer Shouldbe bis hin zu Admiral Yukyuk.

Letztere erteilt uns dann auch die Mission, ihre Zielsetzung: simpel. Zügig in ein nicht allzu fernes System fliegen. Zwischen zwei verfeindeten Parteien vermitteln, die sich um Land streiten. Nebenbei den Prototypen eines Scanners an einem Pulsar ausprobieren.

TNG-gestählt liegt die Vermutung nahe, dass nichts davon so einfach sein wird, wie es klingt - dennoch arbeitet man natürlich einen Plan aus, weist den Offizieren die wichtigsten Aufgaben zu und schlägt ihre Warnungen in den Wind, bei Warp 5 werde einem der Antrieb um die Ohren fliegen. Bis zur Ankunft darf man sich dann nach Belieben weiter mit dem Schiff, der Crew und der Mission vertraut machen.

New Captain ist dabei im Wesentlichen ein Spiel des quid pro quo. Im Captain’s Office etwa versteckt sich ein Microchip, der Hinweise darauf enthält, warum Captain Chowder spontan in den Ruhestand getreten ist - light treason? Ganz Ehrenmann ruft man Chowder also an und erwägt einen Deal: Vergisst man sein kleines Vergehen, wenn er im Gegenzug die Meinung eines Offiziers über den neuen Captain um einen Punkt erhöht?

Als Mensch des Volkes hebt man als Nächstes das Kaffeeverbot auf, das Chowder ausgesprochen hatte. Die Untergebenen stimmt das sogleich milder, nur First Officer Crumb lamentiert: DAS hätte es früher NICHT gegeben. Ab in Luftschleuse mit ihm! Zumindest darf man jetzt endlich Kaffee am Replikator bestellen, der den Alert-Level steigert.

Nach einigen Stunden erreicht die Athena schließlich ihr Ziel. Man fühlt sich wach. Informiert. Der Mission gewachsen. Und dann …

… endet das Spiel einfach mit einem nur wenige Zeilen umfassenden Fazit.

:disappointed_face:

Bis dahin ist New Captain ein einigermaßen komplex erscheinendes CYOA, das seinem großen Vorbild tatsächlich nahkommt. Es baut eine halbe Stunde lang eine vielversprechende Welt auf und verbindet sie mit einer stimmigen Spielmechanik, die Twine problemlos stemmen kann -, nur um zur gefühlten Mitte des ersten Akts den Stecker zu ziehen.

Ich war am Ende doch ziemlich ernüchtert. Andererseits: Hätte das Spiel kein Potential, wär’s mir egal gewesen. Vielleicht wird noch mehr daraus.

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Out by Midnight

von Arthur DiBianca

Klassisches Textadventure Szenario: Hier ist ein verwunschnes Haus, geh rein und hole zehn wertvolle Gegenstände raus. Und übrigens vor Mitternacht! Sonst kommen Probleme auf dich zu. Der Parser ist recht simpel (man sagt zum Beispiel nicht OPEN CHEST oder UNLOCK DOOR sonder einfach DEAL CHEST, DEAL DOOR). Das fand ich anfangs recht störend, aber wie gesagt, dass sind jetzt nicht alles super ausgefuchste Rätsel, sondern eher so einfach Fetch-Quests.
In der rechten unter Ecke gibt es noch eine. kleine Karte aus ASCII Zeichen und eine Uhr. Jede DEAL-Aktion verbraucht einige Minuten, so dass man immer einen Blick auf die Uhr werfen muss.

Hats mir gefallen? Eigentlich schon. Kann man auch gut ein paar mal hintereinander spielen und die Texte sind auch recht gut geschrieben.

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Ich mach die fünf noch voll! Triggerwarnung: Antikapitalistische Tendenzen.

The Count and the Communist (Tristan Pun, Inform 7):

Frankreich, gegen Ende des Ersten Weltkriegs: Wir spionieren als Hausmädchen getarnt in einem abgelegenen Herrenhaus, um herauszufinden, ob der Eigentümer des Anwesens - der russischen Graf Yakovlev - ein Feind der Bolschewiki ist.

Ausnahmsweise muss man hier, glaube ich, zunächst ein paar Worte zur Mechanik bzw. UX verlieren, denn auch wenn The Count and the Communist in Inform geschrieben ist und per Tastatur bedient wird, nutzt es eine Menü-Steuerung. Statt „x cupboard“ öffnet man hier mit x das Examine-Submenu und erhält eine Liste der Gegenstände im Raum, die man dann per Ziffer auswählt. Genauso bei den meisten anderen Verben sowie dem Inventar.

Das wirkt anfangs anstrengend - insbesondere in den Dialogen, in denen jede Zeile mit Punkt und Enter bestätigt werden muss -, nimmt einem aber auch eine gewisse Arbeit ab: Es ist immer klar, womit man interagieren kann, und der Parser kann Eingaben nie missverstehen. Dazu gibt’s eine praktische Automap.

Überhaupt legt das Spiel großen Wert auf seine Präsentation und stellt Personen/Dialoge sowie eine paar Gegenstände mithilfe von ASCII-Grafiken dar. Technisch sehr aufwendig bis beeindruckend, wenn man einen Blick auf den Sourcecode wagt.

Die Geschichte erstreckt sich über mehrere Tage. Während die Anfangszeit davon geprägt ist, vorsichtig das Personal auszuhorchen, durch Schlüssellöcher zu linsen und ansonsten unauffällig der Arbeit als Hausmädchen nachzugehen, ergreift man später zunehmend die Initiative, erkundet die verbotenen Bereiche des Anwesens, verschafft sich Zugang zu verschlossenen Zimmern und verfolgt konkrete Ziele, um dem Grafen auf die Schliche zu kommen. Man spioniert.

Jede Aktion kostet Zeit, die anderen Charaktere bewegen sich währenddessen munter durchs Haus und gehen ihren Aufgaben und ihrem Alltag nach. Es gibt allerdings keinen Zeitdruck, weshalb sich einzelne Abschnitte bei eigener Passivität anfangs ein wenig dröge anfühlen können. Im Gegenzug ist die Protagonistin hier klar die treibende Kraft der Geschichte; sie hat die Kontrolle über ihr eigenes Schicksal. Und, nun, das der russischen Revolution.

Das Spiel ist umfangreich, die Puzzles sind nicht gerade einfach, die Geschichte ist klar strukturiert und gut erzählt, Epoche und Tonalität erscheinen mir stimmig eingefangen. Schön sind auch die Momente, in denen die Hauptfigur ihrer Arbeit nachgeht und dabei über Kapitalismus und Kommunismus sinniert oder sich mit ihrer Handlerin austauscht, die sie nachts vor den Toren trifft.

Kurzum: für mich eines der besten Text-Adventures der jüngeren Vergangenheit.

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