Ich mach einfach mal weiter mit New Captain (Joshua Kaden, Twine).
New Captain versucht nichts Geringeres, als die klassische Star-Trek-Fantasie zu bedienen. Spielende schlüpfen in die Rolle eines Starfleet- Spacegroup-Kommandanten, der (oder die) kurzfristig auf das Science Vessel Athena abberufen wurde, um den scheidenden Captain Chowder zu ersetzen.
Den Aufbau des Raumschiffs kennt jeder Star-Trek-Fan aus dem Effeff, die Bewegung erfolgt weitgehend per Turbolift, der Computer füttert einen mit Informationen. Offiziere tragen Namen in Bond-Manier, von Science Officer Monitory über Chief Engineer Shouldbe bis hin zu Admiral Yukyuk.
Letztere erteilt uns dann auch die Mission, ihre Zielsetzung: simpel. Zügig in ein nicht allzu fernes System fliegen. Zwischen zwei verfeindeten Parteien vermitteln, die sich um Land streiten. Nebenbei den Prototypen eines Scanners an einem Pulsar ausprobieren.
TNG-gestählt liegt die Vermutung nahe, dass nichts davon so einfach sein wird, wie es klingt - dennoch arbeitet man natürlich einen Plan aus, weist den Offizieren die wichtigsten Aufgaben zu und schlägt ihre Warnungen in den Wind, bei Warp 5 werde einem der Antrieb um die Ohren fliegen. Bis zur Ankunft darf man sich dann nach Belieben weiter mit dem Schiff, der Crew und der Mission vertraut machen.
New Captain ist dabei im Wesentlichen ein Spiel des quid pro quo. Im Captain’s Office etwa versteckt sich ein Microchip, der Hinweise darauf enthält, warum Captain Chowder spontan in den Ruhestand getreten ist - light treason? Ganz Ehrenmann ruft man Chowder also an und erwägt einen Deal: Vergisst man sein kleines Vergehen, wenn er im Gegenzug die Meinung eines Offiziers über den neuen Captain um einen Punkt erhöht?
Als Mensch des Volkes hebt man als Nächstes das Kaffeeverbot auf, das Chowder ausgesprochen hatte. Die Untergebenen stimmt das sogleich milder, nur First Officer Crumb lamentiert: DAS hätte es früher NICHT gegeben. Ab in Luftschleuse mit ihm! Zumindest darf man jetzt endlich Kaffee am Replikator bestellen, der den Alert-Level steigert.
Nach einigen Stunden erreicht die Athena schließlich ihr Ziel. Man fühlt sich wach. Informiert. Der Mission gewachsen. Und dann …
… endet das Spiel einfach mit einem nur wenige Zeilen umfassenden Fazit.

Bis dahin ist New Captain ein einigermaßen komplex erscheinendes CYOA, das seinem großen Vorbild tatsächlich nahkommt. Es baut eine halbe Stunde lang eine vielversprechende Welt auf und verbindet sie mit einer stimmigen Spielmechanik, die Twine problemlos stemmen kann -, nur um zur gefühlten Mitte des ersten Akts den Stecker zu ziehen.
Ich war am Ende doch ziemlich ernüchtert. Andererseits: Hätte das Spiel kein Potential, wär’s mir egal gewesen. Vielleicht wird noch mehr daraus.