Zukunftspläne

Liebe Freunde,

diese Community ist mir wichtig, auch wenn ich nicht viel schreibe, aber viele der Diskussionen hier geben mir das Gefühl, daß nicht die ganze Welt völlig verrückt geworden ist, und ich hätte gern Eure Meinungen gehört zu einem Thema, das mich und meine Familie in letzter Zeit sehr beschäftigt.

So, jetzt kommt die Triggerwarnung: Es geht hierbei auch um Politik. Wenn ihr Euch damit nicht die Laune verderben wollt, lest bitte woanders weiter, das ist kein Wohlfühlthema. Oder wenn ihr, Gunnar oder Christopher diese Diskussion nicht hier haben wollt, bitte ich darum sie kommentarlos zu löschen. Danke.

Mein Problem ist, ich habe Angst was passiert wenn die AfD nach der nächsten Bundestagswahl an die Macht kommt, und ich würde gern wissen wie ihr dazu denkt. Ich fürchte Merz serviert D grade den Rechten auf dem Silbertablett, und ich möchte auf keinen Fall in einem Land leben, das von solchen Menschen regiert wird, und sei es auch nur als Koalitionspartner. Andererseits sehe ich kein (halbwegs realistisches) Szenario, in dem das nicht der Fall ist. Ich bereite mich grade darauf vor Auszuwandern, sollte das passieren. Hier meine Frage:
Habt ihr Euch darüber Gedanken gemacht? Zu welchem Schluss seit ihr gekommen? Habt ihr Pläne? Oder vielleicht kann mich ja jemand von Euch auch beruhigen, und es gibt eine Möglichkeit, an die ich noch nicht gedacht habe?
Hier im Forum sind viele kluge Menschen, und ich bin gespannt auf Eure Meinungen.

9 „Gefällt mir“

Schweres Thema, wie ich finde. Und es spielt so viel mit rein:

Ich glaube, jeder der AfD wählt, weiß, was er da macht. Unzufriedenheit rechtfertigt derlei unanständige Taten einfach nicht. Aktuell geht ein Riss durch die Gesellschaft. Unsicherheit auf sozialer und wirtschaftlicher Ebene. Klimawandel. Auch Merz. :slight_smile: Russland kippt noch Öl drauf, KI mischt den Arbeitsmarkt auf…

Ich bin eine alter weißer Mann, der sich selten der Kritik ausgesetzt sieht - aber ich bin auch mit einer nicht-binären Person verheiratet, da bekomme ich mit, wieviel grundloser Hass einem entgegenschlagen kann, einfach nur, weil jemand „anders“ ist oder einen Schlüsselanhänger in Regenbogenfarben trägt. Einige meiner Arbeitskollegen haben ausländische Wurzeln, da kommt jetzt in deren Familien über die Kinder die Angst hoch, das Land verlassen zu müssen. Dinge, die vor ein paar Jahren undenkbar waren.

Aber ich glaube dennoch an einen guten Ausgang. Alles wurde jetzt 20 oder 30 Jahre lang verwaltet, Innovationen brauchte es nicht - und das Ergebnis sehen wir jetzt. Dass bei Änderungen Spannungen auftauchen ist verständlich. Das wird sich regeln, denke ich. Politik braucht Jahre, teils Jahrzehnte, um zu wirken und da sind wir gerade in einer Findungsphase. Und es gibt eine stabile soziale Basis über alle Schichten hinweg, die sich gegen sowas wie eine AfD zur Wehr setzt.

Der Mensch ist gut, nur die Leut’ sind schlecht, sagt man hier. Und diese Leut’, die jetzt so laut sind, werden auch wieder verschwinden. Man muss nur etwas nachhelfen und darf nicht still sein. :slight_smile:

7 „Gefällt mir“

Ich wünsche mir so sehr, daß du Recht hast. Meine Nichte ist auch nonbinär, Freunde von uns haben einen Trans-Sohn und ich mache mir um diese Menschen mehr Sorgen als um mich selbst und meine Frau. Natürlich werde ich (demokratisch) kämpfen so lang und so hart ich kann, aber das mache ich seit Jahren und ich habe das Gefühl daß die Windmühlen gegen die wir antreten nur noch grösser und bedrohlicher werden. Und so langsam geht mir die Kraft aus.

4 „Gefällt mir“

Ich teile deine Sorgen, zumindest insofern, dass die theoretische Aussicht mich im Strahl kotzen lassen könnte. Allerdings ist es noch nicht so weit und nicht sicher ob es so kommen wird.
Da sollte man sich nicht von dem Bild, welches die Medien vermitteln, entmutigen lassen. Knapp 44% in ST ist natürlich widerlich, jedoch heißt es aber doch auch 56% dagegen. Und das ist, grob überschlagen: mehr!
Bis es so weit sein sollte, sollte man mit Leuten reden und Aufklären. Auch wenn es oft viel Kraft kostet, weil man das Gefühl hat mit einer (aggressiven) Wand zu reden.
Und auf Veranstaltungen (Demonstrationen, Kundgebungen usw.) gehen um anderen Menschen denen es vielleicht ähnlich geht wie dir zu zeigen, dass sie nicht alleine sind.

Vom Auswandern bin ich noch weit entfernt. Man will doch den Idioten nicht das Feld überlassen! :slight_smile:

7 „Gefällt mir“

Alles schwierig gerade, aber meine unqualifizierten 2cents dazu:

Noch haben wir keine AFD Regierung - vllt. bleibt uns das erspart. Es ist gut, sich vorab über sowas Gedanken zu machen. Aber ich rede jetzt für mich: ich habe soviel um die Ohren grad (Job, Kids, demente Mutter), da kann ich mir nicht über alle Eventualitäten Gedanken machen. Frei nach dem Motto, lets Cross the Bridge when we get there. Vllt. werde ich morgen auch vom Bus überfahren - mir hilft das aktuell , mich nur mit ganz konkreten Dingen zu beschäftigen.

Zudem kann man auch auf Länder wie Ungarn, Italien, teils Polen oder auch die USA schauen. Auch da geht das Leben mit teils sehr rechten Regierungen weiter, es wurde niemand deportiert etc. Und sogar ein Orban wurde wieder abgewählt. Da habe ich Vertrauen in unser Land und das gibt mir Kraft.

Nach Regen folgt Sonnenschein.

In den USA wurde niemand deportiert?!
In den USA, in denen die Einwanderungsbehörde ICE komplett freidreht?
In den USA, in denen ICE sich über geltendes Recht und Richterbeschlüsse hinwegsetzt?
In den USA, in denen ICE auf offener Straße Leute erschossen hat?
In den USA, in denen Leute aus dem Land gebracht werden, die explizit nicht aus dem Land gebracht werden durften?
Für einen Großteil der weißen Bevölkerung geht das Leben weiter. Für einige wenige verändert es sich radikal oder endet einfach.

Das ist natürlich sehr optimistisch, aber das sagt sich halt auch leicht, wenn man Teil der Gruppe ist, die vom Regen nicht weggeschwemmt wurde. Auch COVID war ein Regen, auf den Sonnenschein folgte…der aber ganz schön viel zerstört und viele Menschen getötet hat.
Ich hoffe natürlich, dass es bei uns nicht (wieder) so extrem wird wie bei COVID oder ähnlichem, aber ich finde so eine „Ach, wird kurz doof, aber danach bestimmt wieder super!“-Parole irgendwie sehr…naiv? Zu sehr in die Zukunft gerichtet?
Weiß nicht, finde das richtige Wort nicht. Sie blendet einfach ein bisschen aus, wie viel Schaden das kurzfristig anrichten kann.

25 „Gefällt mir“

Natürlich, aber das ist ja auch eine Art Selbstschutz.

Und dem Punkt mit den USA gebe ich dir - für die anderen Länder bleibt meine Aussage ja bestehen - natürlich aus Sicht eines alten, weißen Mannes. Wollte halt nur etwas Optimismus verbreiten.

7 „Gefällt mir“

Also das ist leider das schlecht möglichste Beispiel. Seit der aktuellen Trump Regierung wird durch ICE so radikal und wahllos abgeschoben wie lange nicht mehr. Hinzu kommen unzählige Todesfälle in Gewahrsam (wo zigtausende Menschen vergammeln) und natürlich auch die öffentlichen Tötungen (bisher mind. 4). Da spielen unausgebildete Männchen ein bizarres Rollenspiel.

Und nein, noch sind wir hier nicht an dem Punkt. Und hoffentlich schaffen wir es die AfD nicht komplett die Oberhand gewinnen zu lassen. Aber bei dem Zitat von Siegmund kann einem eigentlich nur schlecht werden: „Wir verteufeln nicht pauschal Produktion von Rüstungsgütern, weil wir bei (der) späteren Remigrations- und Abschiebeoffensive natürlich auch entsprechende Hilfsmittel brauchen…"

Also nicht den Kopf in den Sand und alles in der eigenen Hand mögliche dagegen unternehmen :slight_smile:

6 „Gefällt mir“

Okay, alles gut dann. :handshake:

Ich wollte dir da jetzt auch nicht komplett an den Karren fahren, Optimismus ist ja durchaus wichtig in diesen Zeiten. Nur die USA als Paradebeispiel dafür, wie das (ohnehin bei denen schon mehr als kaputte) System komplett auseinander genommen wird, das kann man einfach nicht stehen lassen als „Wird schon alles nicht so schlimm“.
Ungarn hingehen lässt ja wirklich hoffen!

6 „Gefällt mir“

Hey,

dein Beitrag, bzw. das Thema hier hat mich echt ein bisschen berührt, ich habe nämlich in den letzten Wochen selbst darüber nachgedacht genau so ein Thema hier zu eröffnen, weil es mir ähnlich wie dir geht.

Kurz zu mir: Ich bin selbst trans* und mir sieht man das „leider“ auch an. Ich wohne zum Glück in einer großen Stadt wo die AfD noch verhältnismäßig wenig Prozent hat (für meinen Geschmack trotzdem viel zu viel) und wo sehr viele Leute auf dem CSD waren usw.

Trotzdem wird die AfD auch hier bei jeder Wahl stärker und ich weiß nicht wie das Leben hier wird, falls die mal im Bund die Regierung stellen. Mir macht das auch viel Angst, nicht nur um mich, sondern auch um meine Familie, vor allem meine Frau und meine kleine Tochter, die in wenigen Jahren zur Schule kommt. Ich könnte es nicht ertragen wenn sie wegen mir angefeindet werden oder leiden müssen.

Trotzdem habe auch ich noch Hoffnung. Ich bin der festen Überzeugung, dass ein großer Teil der AfD-Wählenden keine überzeugten Nazis sind und kann aus meinem eigenen Erleben feststellen, dass wenn Menschen erstmal Personen kennenlernen die XYZ [ ← hier Feindbilder der AfD eintragen] sind und merken „oh, dass sind ja auch Menschen die nur leben wollen und im Grunde ganz normal sind“, dass sich dann viele Resentments auflösen.

Ich versuche momentan einfach nicht mehr zu weit Weg zu schauen, sondern mehr zu gucken, wie ist es in meinem Umfeld, meinem Viertel, meiner Stadt. Und ich dachte auch schon, wie hier bereits beschrieben wurde, dass in vielen anderen Ländern, die einen Rechtsruck durchmachen mussten, ja auch immer noch Menschen leben die von den Anfeindungen der jetzt dort regierenden Parteien betroffen sind. Das macht mir Hoffnung, dass man „uns“ nicht einfach alle „wegmachen“ kann.

Trotzdem finde ich Selbstschutz wichtig, deshalb ist meine Idee momentan, dass ich, sobald eine AfD Regierung im Bund vertreten sein sollte, und ich habe durchaus noch Hoffnung, dass das nicht passieren wird, ich schon mal alles für eine Auswanderung vorbereite damit es, wenn es dann bei mir vor Ort wirklich ungemütlich werden sollte, dann auch schnell geht.

Insofern bin ich hier auch für jeden Tipp was das Auswandern angeht dankbar. Ich bin eigentlich gar kein Mensch, der da Lust drauf hat, ich mag nicht mal wirklich gerne verreisen, aber wenn ich meine Familie schützen muss, dann würde ich das natürlich in Kauf nehmen.

Trotzdem möchte ich mich hier auch noch mal für die Hoffnung aussprechen. Es gibt in diesem Land immer noch sehr sehr viele Menschen die absolut gegen die AfD sind, das ist sogar die Mehrheit (nicht vergessen: Sachsen Anhalt hat gerade mal 2,1 Millionen Einwohner und von denen haben gerade mal 500.000 die AfD gewählt, nur um die 44% mal ins Verhältnis zu setzen).

Sehe auch die Chance, dass wir auch noch ein paar Naturkatastrophen erleben werden in nächster Zeit, was ja traditionell die Grünen stärker werden lässt.

12 „Gefällt mir“

Ich möchte auch niemanden die Hoffnung nehmen, falls das so rüber kam. Sondern eher den Mut zusprechen sich zu fragen ob man nicht doch etwas aktiv dagegen unternehmen möchte. Und sei es noch so vermeintlich klein. Niemand muss im Alleingang alles allein machen.

Meine Schwester ist auch Trans und ich habe für mich fest gestellt, das es nicht reicht nur im Stillen zu bleiben und hoffen das wird schon. Selbst hier im Westen berichtet sie von zunehmenden Situationen, die mindestens ein Unbehagen bereiten. Und ich möchte natürlich das sie (und auch alle anderen) unbehelligt, ohne Stigmatisierung ihr Leben leben können.

Genau so kann ich meine Beobachtung hinsichtlich Menschen mit (geistig und psychischen) Behinderungen teilen, da ich im Sozialwesen arbeite. Nachdem es eine gewisse Zeit zumindest einen gewissen AufwärtsTrend zu verzeichnen gab, so wird dieser gerade langsam wieder eingerissen. Und das nur dank der CDU. Ich will mir gar nicht ausmalen wie das unter einer AFD aussehen würde.

6 „Gefällt mir“

Danke!

Mein Beitrag war nicht direkt auf deinen Bezogen, sondern eher allgemein, auch wegen Auswandern und so.

Ich denke auch das wir noch viel unternehmen können. Ich denke es ist auch wichtig sich so gut es geht nicht spalten zu lassen und zu versuchen mit Leuten die kritische Meinungen haben ins Gespräch zu kommen (so lange man sich selbst nicht gefährdet und wo es Sinn macht natürlich).

7 „Gefällt mir“

Die derzeitige politische Stimmungslage gibt eine AfD Regierung selbst als Junior ja noch nicht zwingend her.

Und ich glaube es muss auch gar nicht soviel passieren um die AfD im Bund zu verhindern.

Die CDU z.b. sollte nicht den denkbar schlechtesten Kandidaten zum Kanzler nehmen …

Das auswandern ist, wie ich finde, viel spannender. Damit das klappt, muss ja einiges zusammenkommen, z.b das ideale Zielland (politisch ja auch nicht leicht), Sprache, eigener Beruf, familiäre Bindung…

Haste dir dazu Gedanken gemacht?

2 „Gefällt mir“

Nicht zwingend, aber ich fürchte die CDU/CSU ist Machtgeil genug um sich vor deren Karren spannen zu lassen. Die Diskussionen über die Brandmauer finde ich gruselig.

Ja, die Gedanken habe ich mir gemacht, und bin auch schon einen ziemlichen Schritt weiter. Ich befinde mich grade im Moment auf den Azoren, wo wir ein Haus kaufen/gekauft haben. Wir klopfen grade den Vertrag fertig, das sind nur noch Formalitäten (Kredit steht, Haus ist ausgewählt und reserviert, Vertrag wird vom Anwalt bearbeitet).
Wenn alles gut läuft wird das hier ein tolles Ferienhaus, das wir dann über AirBnB vermieten und hier im Urlaub herfahren, wenn alles so läuft wie ich befürchte habe ich eine Exit Strategie.
Hier hat die „portugiesische AfD“ noch grade mal 10%, und das sind tatsächlich Protestwähler. Wir wurden hier vorher mehrfach von Einheimischen angesprochen, ob wir nicht herkommen wollen. Wir sind Physiotherapeuten, also wird unser Job hier auf der Insel gebraucht, Portugiesisch habe ich angefangen zu lernen und komme voran. Meine nonbinäre Nichte würde gleich mitkommen, meine Eltern dann später, wenn sie Hilfe brauchen. Alles geklärt.
@Brainworm: Schreib mir gerne eine PM, wenn du privater reden willst, dann erzähl ich dir was ich weiss, und werde versuchen dir so gut wie möglich zu helfen.

Achja, und versteht mich nicht falsch: Ich liebe es hier in Deutschland. Ich habe eine tolle Familie, ein schönes Haus, einen klasse Job den ich sehr liebe und ein fantastisches soziales Umfeld. Ich will hier nicht weg. Aber „davon wusste ich nichts, wer hätte denn das ahnen können“ war schon 1945 eine schlechte Ausrede.

5 „Gefällt mir“

Die Zukunftsaussichten sind nun nicht gerade rosig. Vielleicht kommt die NSAfD an die Macht, vielleicht siegt in Frankreich nächstes Jahr ein linksextremer Kandidat oder eine rechtsextreme Kandidatin und die EU zerfällt, vielleicht greifen uns die Russen oder Amerikaner an, vielleicht versiegt in den nächsten Jahrzehnten der Nordatlantikstrom und Europa wird im Winter unbewohnbar. Das klingt jetzt fatalistischer, als ich es meine, aber das sind einfach zu viele potentielle Katastrophen, über die ich mir zwar den Kopf zerbrechen aber rein gar nichts daran ändern könnte, dass ich es einfach sein lasse, ohne jedoch den Kopf in den Sand zu stecken oder Nachrichten auszublenden.

Ernstgemeinte Frage: Wo soll’s hingehen? Gibt es gerade irgendwo ein Land, das Ausländer mit offenen Armen empfängt?

4 „Gefällt mir“

Wir haben uns für die Azoren entschieden. Unter anderem aus folgenden Gründen:
1.) EU (wichtig wegen Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis)
2.) Viel verfügbarer Wohnraum (viele sind von hier Ausgewandert als in den 50er der Vulkan ausgebrochen ist und in den 90er ein Erdbeben war und wir wollen niemandem eine Wohnung wegnehmen
3.) Sehr freundliche Menschen (Wir wurden bei unserem 2. Urlaub hier von mehreren Einheimischen unabhängig voneinander angesprochen ob wir nicht bleiben wollen, wenn wir schon zum 2. Mal hier sind)
4.) Die Chega („Portugiesische AfD“) hat hier nur 10%, und die meisten davon sind Protestwähler. Ausserdem: 10% Deppen gibt es überall
5.) Wir haben hier einige offensichtlich queere Menschen gesehen, die ganz offen so leben wie sie wollen
6.) Die Insel, die wir uns ausgesucht haben (Faial) hat ca. 15.000 Einwohner, und in einer so kleinen Gemeinde kennt man sich, und der Ausländer den man persönlich kennt ist keine Bedrohung
7.) Die Natur und Landschaft insgesamt ist einfach atemberaubend schön

Mir ist bewusst, was für ein Privileg es ist, diese Möglichkeit zu haben und dafür bin ich unendlich dankbar. Und damit können wir hier quasi so etwas wie einen Brückenkopf schaffen (Mir fällt kein besserer Begriff als der militärische ein) um, wenn es soweit ist, unseren Freunden und Bekannten ein Sprungbrett zu schaffen, falls sie auch aus Deutschland weg wollen oder müssen.

Ich verstehe Deine Haltung gut, und kann sie nachvollziehen. Es ist alles sehr viel, und gegen das meiste sind wir völlig machtlos. Aber das hier, das kann ich tun, und damit zumindest wieder ein bisschen das Gefühl bekommen diesem ganzen Scheissdreck (sorry) nicht völlig hilflos gegenüber zu stehen.

2 „Gefällt mir“

Schweres aber ich glaube uns alle umtreibendes Thema. Eine pauschale Antwort a la „Hey, alles wird gut“ kann dir / uns da niemand geben - kein Historiker und kein Wahrsager.

Persönlich, als Vater eine jungen, linken Tochter (angehende Journalistin) und eigener langer Antifa-Aktivität, versuche ich meine durch eine gewisse Dauerbelastung eingeschlichene Ermüdung, mit immer wieder mobilisiertem Aktivismus (Demos, etc.) und weiterhin privater Aufklärungsarbeit wo es nur geht, zu kontern.

Ich glaube fest daran, dass es möglich ist, sich diesem ‚Rechtsruck‘ (hasse den Begriff, denn eigentlich ist das kein isoliertes neues Phänomen sondern ein seit dem Ende des 2 WW bestehender permanenter gesellschaftlicher Kampf) zu erwehren. Dazu kann jeder seines beitragen und wenn es nur ist im privaten Umfeld, als vllt. priviligierterer weißer Mann, den Menschen Solidarität zu zeigen, die von Ausgrenzung stark betroffen sind. Und sich auch den ganz normalen eigenen Ängsten vor Veränderungen zu stellen und stetig selbskritisch zu hinterfragen.

Neben diesen Dingen, glaube ich auch immer noch - und da würden mich viele meiner noch linkeren Freunde als naiv bezeichnen - dass es NOCH bestehende legislative / judikative Sicherheitsmechanismen in unserem Land gibt, die eine völlige Wiederholung der faschistischen Machtergreifung in den 30ern, verhindern KÖNNEN. Diese zu erhalten, durch eine wehrhafte Demokratie, ist aber unser aller Aufgabe und wird nicht durch Dritte aus diesen Ebenen erfolgen, sondern muss durch den mündigen Bürger immer und immer wieder eingefordert werden.

tl’dr: Nicht verzagen! Weitermachen, Empathie zeigen wenn es jemand durch oder wegen all dem schlecht geht. Wenn die Kraft besteht, Flagge zeigen und wenn es ‚nur‘ privat ist. Und wenn es psychisch oder durch eine wirkliche Bedrohungslage (und die gibt es, been there had that) zu heiß wird - durchaus Ausstiegs oder Umzugsszenarien durchspielen. Wir haben aktuell noch genug Safespaces is GER und in der EU Freizügigkeit.

Bleib stabil und Kopf hoch! :slightly_smiling_face:

13 „Gefällt mir“

Bleib stark. Du bist nicht alleine. :rainbow_flag:

8 „Gefällt mir“

Für mich ist die Maxime: Maul aufmachen!
Mit Leuten ins Gespräch kommen, Meinungen austauschen, zuhören und Widersprüche vom rechten Rand klar benennen. Gerade mit jungen Leuten! Viele sind noch nicht gefestigt in der Meinung, daher ist es wichtig Alternativen aufzuzeigen. Die Rechten machen das auch: kümmern sich um junge Leute, daher ist es wichtig, dass auch Menschen die klar demokratisch Denken sich um die Belange der jungen Menschen kümmern.
Als Privatperson kann man das oft nicht jeden Tag. Es ist anstrengend, es ist belastend, es ist oftmals frustrierend. Wenn man an einem Tag, in einer Woche oder einem Monat nicht die Kraft hat für Diskussionen, dann ist es ok aus Selbstschutz mal eine Pause einzulegen. Aber wann immer man sich bereit fühlt, muss man reden und klare Kante zeigen. Keine klare Kante für eine spezifische Partei - sondern klare Kante Pro Demokratie und Pro freiheitlichem Weltbild!

Ich selbst stehe oft genug zwischen den Welten. Ich bin groß, kurzrasierte Haare, trage in der Freizeit Doc Martens, Army Hosen, Bomberjacke.
Working Class. Skinhead.
Ich werde oft genug als Nazi beschimpft - mal hinter vorgehaltener Hand, mal offen und direkt. Ich weiß wie verlockend das rechte Milieu gerade für junge Männer sein kann, ich stand selbst mal an der Schwelle aber mein gutes Umfeld hat mich rausziehen können bevor ich im braunen Sumpf versinken konnte.

Leider ist eine unpolitische Haltung derzeit ein Luxus den man sich kaum leisten kann. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt war die Wahlbeteiligung auf Rekordhoch! In der Vergangenheit konnten extreme Parteien oft hohe Prozentzahlen erreichen, wenn die Wahlbeteiligung niedrig war. Das war dieses Mal anders und zeigt wie stark die rechte Szene ihre Wählerschaft aktivieren kann. Wenn die Demokratischen Kräfte hier nicht kontinuierlich dagegenhalten, wird es sehr, sehr schwierig!

Es liegt an jedem von uns die Welt ein bisschen besser zu machen. Das kann durch klare Kante pro Demokratie in einem Gespräch sein. Aber auch durch kleine Alltagsgesten. Jemandem die Tür aufhalten, einer Person helfen, ein nettes Wort, etwas Empathie… Und schon fühlt sich die Welt ein kleines bisschen weniger Grau an und zaubert ein kleines Lächeln hervor. Denn nichts mögen Rechte Wutbürger weniger als zufriedene, glückliche Menschen mit einem Lächeln auf dem Gesicht

14 „Gefällt mir“

Da bin ich völlig bei Dir, und ich mache exakt das seit Jahren. Als Physiotherapeuten reden sowohl meine Frau als auch ich täglich mit vielen Menschen und in den 30 min einer Behandlung kann man gute Diskussionen führen. Und manchmal funktioniert das auch echt gut. Ein Patient meiner Frau kam vor einigen Jahren als AfD Wähler zu ihr, war aber diskussionsbereit und ein kluger Mensch. Nach vielen langen und anstrengenden Diskussionen mit vielen Gedankenanstössen und Fakten hat er eingesehen daß das Mist ist, und wählt inzwischen tatsächlich die Grünen (Meine Frau witzelt dass er in 10 Jahren „die Linke“ wählt), aber das ist leider die Ausnahme. Ich fürchte, daß viele AfD Wähler inzwischen mit Diskussion nicht mehr zurückzuholen sind. Nichtsdestotrotz versuchen wir es weiter.
Aber als Beispiel, grade gestern Abend waren wir hier beim Essen in einer Taberna, die wenig Tische hat, deswegen sitzt man da mit Fremden an einem Tisch. So weit so gut, wir haben hier schon wirklich nette Abende gehabt, aber gestern hat die Wirtin ein deutsches Paar an unseren Tisch gesetzt, die einen ganz netten Eindruck machten. Später kam das Thema dann leider auf Politik. Meine Frau, seine Frau und ich haben versucht das Thema zu wechseln, aber der Mann war ein „letztes Wort Fetischist“ und konnte das Thema nicht gehen lassen. Und es gibt Kommentare die wir nicht so stehen lassen können (Wir haben viel zuviele Ausländer; die Syrer sind alle Verbrecher; die schicken nur die aggressiven zu uns; Asiaten begehen in D keine Verbrechen, nur Leute aus dem Mittleren Osten: denen wird unser Geld in den Arsch geschoben; das volle Programm, ihr kennt den Mist) und kein vernünftiges Argument, keine echte Statistik wurde akzeptiert. In diesen Diskussionen geht es nicht mehr darum was wahr ist, sondern nur noch darum Recht zu haben, und wir mussten gehen, weil ich die Taberna sehr mag und dort keine Prügelei vom Zaun brechen wollte, ganz davon abgesehen daß es nichts helfen würde. So sehr ich deinen Ansatz toll finde, er funktioniert leider nur sehr begrenzt.
Das grosse Problem ist, dass es ca. 10x mehr Energie kostet ein Bullshit Argument zu widerlegen, als es aufzustellen, und wenn man eins widerlegt hat, kommt direkt das nächste. Deswegen ist das für uns so kräftezehrend.
Bitte versteh mich nicht falsch: Mach das weiter, und ich danke dir sehr für diesen Einsatz. Wir machen auch weiter, aber das sind die Windmühlen, die ich weiter oben gemeint habe. Nach so vielen Jahren habe ich einfach das Gefühl, daß es immer schwerer wird mit diesen Menschen tatsächlich ein Gespräch zu führen, das nicht nur aus „Nein, das stimmt nicht! Doch die sind alle genau so!“ besteht. Und die führen leider nirgendwo hin.

1 „Gefällt mir“