Das Album-Gefühl

Ich habe neulich, nach langer Zeit, mal wieder ein spezielles Gefühl verspürt, das man möglicherweise fast nur mit Musikalben in dieser Form hat - und das vielleicht verloren geht in dieser Streaming-geprägten Zeit, in der Alben als solche in der Nutzung weit hinter die Einzelsongs zurückfallen. Meine Tochter etwa hört nie Alben am Stück oder ausschließlich, es geht mehr um raffiniert gebaute Playlists mit sinnvollen Übergängen und tollen Einzelsongs.

Also, dieses Gefühl ist, wenn man wegen einem Song ein Album hört, den gut findet, dann den Rest hört, denkt naja auch nicht übel aber nicht so gut wie der eine, beim nächsten Hören dann aber bemerkt, dass da noch ein toller Song drauf ist zwischen den Füllern, beim nächsten oder übernächsten Hören dann einen dritten Song entdeckt, und so hört man sich nach und nach immer wieder durch die Platte und es wechselt der aktuelle Lieblingssong. Das ist eine tolle Erfahrung!

Das ist mir kürzlich passiert: Ich kannte die schottische Band Sons & Daughters (die im ersten Jahrzehnt der 2000er aktiv war) nur von einem Lied, Johnny Cash von 2004. Ist ein ganz schlichter, treibender Indie-Rock-Song, den ich mir unbegrenzt oft anhören kann, auch 20 Jahre später noch.

Sportspielfans kenne vielleicht noch ihren Song Gilt Complex, der war auf dem Soundtrack von NHL 09, aber das habe ich nicht gespielt.

Vom restlichen Werk bin ich irgendwie abgeprallt, bis ich mich dann, nachdem ich irgendwo eine Lobeshymne auf die Band gelesen hatte, gezwungen habe, mal Repulsion Box zu hören, angeblich ihr bestes Album. Die Visions schrieb 2005 „Wenn dein von schlechtem Fusel betäubter Kopf am mit Koffeintabletten aufgeputscht-verkrampftem Körper noch im Rhythmus wippen kann, bist du hier richtig. Tut weh, muss sein, tut gut. Aber an dem Beat hier kommst du einfach nicht vorbei.“

Und was soll ich sagen, erst war da Rama Llama mein Lieblingslied, dann Dance me in, dann Taste the Last Girl, dann Red Receiver und die anderen kommen sicher auch noch.

Sehr schöne Platte, energisch und kraftvoll, sehr britisch, mit vielen hübschen Ideen im Songwriting, rhythmisch vielleicht ein bisschen anspruchslos, aber nun, ist halt Rock mit ein bisschen Einfluss von Folk, Wave und Punk. Und ich mag Bands, die eine Sängerin und einen Sänger haben, die sich bei den Songs abwechseln, aber sich gegenseitig auch die zweiten Stimmen und Backing Vocals singen.

Naja, egal, jedenfalls wollte ich dann auch eine Vinyl besitzen und die Platte nicht nur im Streaming hören, aber das war… schwierig. Habe alle möglichen Seiten abgesurft, war sogar in einem Laden in der Stadt, aber nüschte. Hab dann auf Ebay UK ein Angebot von einem japanischen Laden gefunden, die für 3,50$ ersteigert und mir für 33,50$ schicken lassen. Das hat problemlos geklappt, erstaunlicherweise, war in einer Woche hier und in exzellentem Zustand.

So, die Geschichte führt nirgends hin, jedenfalls nicht zu einer Pointe, aber ich wollte euch an meinem Konsumglück teilhaben lassen :slight_smile:


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Ich mag das Album-Gefühl auch sehr. Dieses Bauen von Playlisten geht mir völlig ab, für mich gehört ein Lied in der Regel konzeptionell zu seinen Geschwistern. Man nennt eine Platte ja nicht umsonst Album. Kann natürlich gut sein, dass jüngere Musik oft gar nicht mehr darauf getrimmt ist, innerhalb eines Albums wie aus einem Guss zu wirken, aber kommt vermutlich auch immer darauf an, wie die jeweiligen Künstler selbst musikalisch sozialisiert wurden.

Freue mich jedenfalls auch immer sehr, wenn ich auch mal jüngere Interpreten entdecke, die Musik so aufbauen, dass es nicht so wirkt, als hätten sie neben diesem einen Hit noch ein paar Lieder mit auf die Platte klatschen müssen, sondern als hätten sie sich was im Gesamtwerk gedacht. Jüngste Entdeckung bei mir war The Warning, eine Rockband aus Mexiko. Die sind vor ein paar Jahren mal mit einem Metallica-Cover viral gegangen. Und bei denen wirken die Alben Nummer zwei und drei genau so: Das sind richtige Alben, die man von vorn bis hinten hören kann. Leider zerfasert das vierte dann ein bisschen.

Finde jedenfalls auch, sowas kann man ruhig mal wertschätzen, wenn das nicht nur alte Haudegen wie Iron Maiden machen oder so.

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Ich höre in der Regel auch gerne das ganze Album. Alleine schon deswegen, weil sich die Übergänge bzw. Folgetitel so eingebrannt haben, dass es mich völlig aus dem Konzept bringt, wenn plötzlich ein anderes Lied als das erwartete anfängt. Wobei es auch ein paar Playlists gibt, die ich zum Autofahren oder zum Gitarrespielen zusammengestellt habe, welche für mich mittlerweile eine untrennbare Klangeinheit ergeben.

Die Entzückung, wenn von ursprünglich einem guten Titel nach und nach das komplette Album ein „like-Herzchen“ bekommt hatte ich zuletzt bei dem ersten Album von Sarah Lesch, welches ich eigentlich nur so gekauft hatte und bei dem letzten Swiss und die Andern Album. Mittlerweile liebe ich wirklich jeden track. …Ja, ok, vielleicht hat die bunte Scheibe mich auch ein wenig beeinflusst. :thinking:

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Es ist immer wieder schön, wenn man merkt, dass man mit seiner Schrulligkeit nicht allein auf der Welt ist. :sweat_smile:

5 „Gefällt mir“

Ich höre sehr viel Musik und ausschließlich auf Vinyl.

Vorwiegend aus Qualitätsgründen, aber auch aus atmosphärischen.

So ein Album in der Hand zu haben, lesen zu können wer daran gearbeitet hat usw.

Und ja ich höre Musik ausschließlich in Alben Form.

Genau so wenig wie ich ein Buch aufschlage um ausschließlich Kapitel 13 zu lesen, lege ich auch nicht eine Platte auf um Lied 3 von Seite B anzusteuern. Ich schau mir auch nicht Szene 7 in Film XY losgelöst an. Oder nur den Mund von der Mona Lisa und den Rest schneide ich heraus (Anspielung auf Ringo Starr).

Kunst funktioniert immer nur in seiner Ganzheit, egal ob musikalisch, belletristisch, cineastisch oder bildend.

4 „Gefällt mir“

Mixtapes waren früher ja auch ein Thing, aber ja, gut möglich, dass (Klischee) die jüngeren Generationen kürzere Aufmerksamkeitsspannen haben und die Bereitschaft nicht mehr so da ist, dementsprechend zu „committen“.

Alben waren außerdem immer der Standard für die Anhänger spezifischer Genres (ob Metal oder Indie oder auch Jazz), aber auch da ist oft die Debatte dass das immer weniger der Fall ist, auch weil die Subkulturen nicht mehr so sind wie früher, viel mehr vom Mainstream absorbiert. Früher war halt alles besser.

Pragmatischer Grund jedoch heutzutage ganze Alben zu hören: Man wird weniger schnell geblockt, wenn man YouTube-Proxies nutzt als bei Einzel-Songs. :slight_smile:

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Ich denke, die Auswahl an Musik ist viel breiter, die Exposure viel größer und somit werden die Geschmäcker eklektischer. Meine Tochter hört Gangster-Rap, Raggaeton, K-Pop, Elektropop und Powermetal, je nachdem, wonach ihr ist. Früher war das sauberer getrennt, iirc :slight_smile:

Ich denke Grundsätzlich ist die Art des Konsums von Musik ja auch einfach ein Resultat der Verfügbarkeit und womit man vielleicht selber aufgewachsen ist. Und manchmal wandelt sich die eigene Konsumform ja auch mit der Zeit gerne noch einmal.

Ich persönlich höre zum einen auch sehr gerne das neue Album einer Band unheimlich gerne. Nach mehrmaligem Hören wandern dann aber auch nach und nach bestimmte Songs in eine entsprechende Playlist. Entweder nach Genre sortiert oder für ein bestimmtes Thema bzw. Stimmung (z.B. Boardgaming). Übergänge sind mir persönlich dabei recht egal.

Ich erinnere mich aber noch sehr gut daran wie ich damals in der guten alten MP3 Hochphase eigene Musik CD’s erstellt habe, wo ich tatsächlich auch auf die Übergänge geachtet habe. Davor waren es halt noch die Mixtapes.

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Ich höre inzwischen soo viel Podcasts. Wenn mir aber nach Musik ist (und ich schimpfe regelrecht mit mir selbst, wenn ich eine zu lange Pause gemacht habe), dann bevorzuge ich auch die Albumform. Das fühlt sich dann nicht nur wie ein einzelner Song an, sondern ein fast einstündiger Track. Bspw. Red Hot Chili Peppers, zumindest seit den 2000ern kann man da fast jede Platte hören, ohne dass Gefühl zu haben, auch nur einen Track skippen zu müssen.
Auch Alben wie die von Deichkind oder Fanta 4 erzählen ja gern mal eine Geschichte, auch wenn sie nur durch kurze Skits verbunden sind.

Augh auf Spotify höre ich definitiv viel öfter komplette Alben als nur einzelne Songs. Auch gern zu im Radio entdeckten Songs danach das zugehörige Album.

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Eindeutig Team Album - aber ich kann auch keine Musik nebenbei hören, sondern setze mich (fast) immer dediziert hin und höre Musik. Mir ist dabei aber nicht wichtig, dass ich da vorher eine CD aus der Hülle genommen habe (oder gar eine Schallplatte), auch wenn ich das sehr gut als Teil des Rituals nachvollziehen kann. Ich persönlich brauche es aber nicht. Finde es durchaus angenehm, dass es mittlerweile viele ehemals sündhaft teure SACDs bei Amazon Music als Atmos/5.1-Versionen gibt.

Da ich auch gerne Konzert-Blu-Rays schaue hier mal die Frage, ob zufällig jemand weiß, ob es Konzerte auch irgendwo im Streaming gibt. Ein paar wenige Ausnahmen sind bei Prime Video, aber nur sehr vereinzelt …

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Doch, doch, das tut sie. Jedenfalls kann ich sie mit etwas anekdotischer Evidenz stützen: Irgendwie bewege ich mich parallel zu dir in den Themen: privat von Big Tech loskommen und viel ausprobieren just in dem Moment, in dem du in den Podcastfolgen und auch hier sprichst. So ähnlich auch mit Vinyl zum bewussten Hören und auch genau diesem „Album-Gefühl“, was du beschreibst: Mitte der Woche habe ich mir selbst nen Plattenspieler zum Geburtstag geschenkt (heute kam die Karte von euch :heart:) und schon einmal meine „wichtigen“ Alben gejagt - und ich liebe gerade alles daran.

Ursprünglich kam der Wunsch beim Release des neuen Boards of Canada Albums Inferno Ende Mai. Die haben nach 13 Jahren zum ersten Mal wieder was released und ich habe mich schon 1998 mit ihrem Erstling Music has the Right to Children arg musikalisch sozialisieren lassen. Nun ist die Musik dieser Combo nun wahrlich nix, wo so richtige Chart-Banger alles bestimmen. Als ich dann um Mitternacht am Erscheinungtag draußen auf der Terasse in den Himmel starrend dann zum ersten Mal das Ding auf Spotify durchgehört habe, fehlte mir was. Ich wollte das Ding gerne besitzen und irgendwie in der Hand halten. Das großartige Artwork angucken und den beiden Schotten gerne einfach direkt ein paar Euro für etwas, was mich für Jahre begleiten wird, in die Hand drücken. Und ich habe die Stücke in ihrer Reihenfolge sowie ihrem Zusammenwirken mittlerweile wirklich als zusammengehörendes Album internalisiert und höre es auch tatsächlich nahezu ausschließlich so.

Heute kam dann eine in Dänemark noch gefundene Special Edition der Monster von The Midnight an - ein für mich wirklich wichtiges Album während meiner ersten Elternzeit. Das Cover und auch die Songs fangen für mich die letzten beiden Sommer in meinem Elternhaus vorm Studium Ende der 90er ein - irgendwie unbeschwert mit Röhrenmonitor und Lavalampe zwischen Teenager-Problemen und viel Neuem, was es zu entdecken gab. Dieses Hauntology-Gefühl schafft auch kein einzelner Song auf der Platte, sondern das kontinuierliche Hören des gesamten Albums.

Ok, hab zuviel versprochen. Ne Pointe gibts hier auch nicht. Nur die Bestätigung deines Gefühls. Aber immerhin das.

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Oh, jetzt ein bisschen abdriftend: Ich war zu einer der wenigen Releasepartys (ein Tag vor Digital Release) in Dortmund und habe mir die Platte im Anschluss auch mitgenommen. Sehr schönes Ding, in allen Belangen, auch wenn ich zunächst erstmal teilweise bisschen irritiert reinkommen musste. Aber auch wenn ich dann recht selten dann noch eine Vinyl erstehe musste ich mir das hier auch zur „Vollendung“ einverleiben :slight_smile:

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War nie so der große Musik Käufer, dafür mag ich Hörspiele :slight_smile:

Davon hab ich allerdings einige. Kassette, LP (leider nur neue) auf CD und neuerdings auch auf dem ein oder anderen Tonie…

Falls das auch als Album zählen sollte, bin ich da au mit im Boot - wenn ich auch das allermeiste am Handy über Bluetooth Kopfhörer höre :wink:

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Zu Hause bin ich auch Team Album, doch unterwegs eher Team Playlist. Aber bei Playlists gibt’s ja auch zwei Lager.

Einmal die einfach auf einen random Genre Mix klicken (mein heutiges Ich unterwegs) und einmal die fein kuratierten Playlists aus einer Zeit, wo Speicher noch Mangelware war (mein altes Ich von 2000 bis es mehr als 5GB Volumen günstig gab). Auf meinen ersten mp3 Playern hatte ich die Musik sorgfältig ausgesucht und immer wieder weiter optimiert. Auch habe ich viele Mixtape CDs fürs Auto zusammengestellt. Ich finde schon, dass dies seine Daseinsberechtigung hatte.

Zu Hause bin ich dann aber durch und durch Team Album und hier vorrangig seit einer Weile Vinyl (wobei ich hier bei ca. 50 Platten bin). Hier bin ich erst Dezember 25 eingestiegen, doch nimmt es mittlerweile am Abend mehr Platz ein, als z. B. Gaming. Wenn ich Musik höre, sitze ich auch ruhig auf dem Sofa und genieße. Ist die Verpackung noch schön, um so besser und man entdeckt ja immer mal was neues. Letztens bei der Platte „Outrun“ von Kavensky unter Danksagungen Yu Suzuki und Sega entdeckt. Nice.

Zu Hause höre ich aber Teils andere Musik als Live oder in der Playlist. Ich mag echt Metal in diversen Genre, aber gescherbel kann ich mir zu Hause nicht geben. So wandern z. B. Kreator oder Napalm Death eher nur sporadisch auf den Plattenteller. Hier muss es dann eher ruhiger zugehen.

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Magst du schräge Sachen?

Charles Bukowski - Ausgeträumt
Eugen Egner - Aldartenrahl

Mein erstes Album war Michael Jackson’s Bad.

Ein besonderes Erlebnis war zu meiner Zivizeit in Münster im damaligen Lunaclub. Ein ehemaliger Tabledance. Noch mit Stange und rotem Plüsch. Ich war wegen der Johanniter Schule in Münster und der Lunaclub hat mir die Abende versüßt. Plötzlich kostet es Eintritt und ich wäre fast nicht reingegangen. Es gab Livemusik. Bazooka Cain spielten und am Ende hat die Kohle im Portemonnaie noch gerade so für die CD gereicht. Ich liebe dieses Album abgöttisch, natürlich weil all diese Erlebnisse damit verknüpft sind.

Ganz allgemein: krass oder, wie sich das Musikhören verändert hat. Es gibt Dinge, die waren wirklich mal besser. :sweat_smile: Ich genieße trotzdem die Möglichkeiten, die wir nun haben. Und mit etwas Selbstdisziplin kann man sich das ja auch wieder zurückholen. Siehe Retrogaming.

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Was Gajan sagt, früher gab es sicher eine intensivere Beziehung an Musik, auch weil der Scheiß zu teuer war und man nicht so viele Alben hatte. Wenn eine „heiße Scheibe“ rauskam, wie die hippen Moderatoren im Fernsehen das nannten, dann musste man eben mal das Taschengeld eines Monats investieren, um mitreden zu können. (Ich habe die 1983er „Heiße Zeiten“ von Geier Sturzflug, eine meiner ersten eigenen Schallplatten, sicher Hunderte und Aberhunderte von Malen gehört.)

Heute ist die Teilhabe viel größer, weil man (auch ohne kostenpflichtigen Spotify-Account) auf YT alles eben anhören kann. Ist schon ganz schön.

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Es ist halt schon ein besonderes Gefühl, in den Laden zu gehen, sich dort ein Album auszusuchen, daß mit Bargeld zu bezahlen, auf dem Nachhauseweg das Booklet zu studieren und endlich zu Hause sich das anzuhören. Das gibt es halt mit MP3, oder rein digitalen Alben aus dem Internet halt nicht. Aus das Bezahlen im Internet fühlt sich anders an, finde ich. Hinzu kommt, daß CDs und Schallplatten besser klingen als MPs, was zugegebenermaßen wahrscheinlich den meisten Hörern nicht auffallen wird. Ich habe viele CDs zu Hause im Regal, von Blues, über Rock bis Hard-Rock und bin froh darüber. Vinyl ist jetzt nicht so mein Ding, ich habe auch kein Schallplattenspieler. Aber CDs sind ja mittlerweile ja auch schon Retro.

Es mag sicher sein, weil ich „online“ selbst so stark praktiziere, dass mir das so arg auffällt: die Zeiten waren früher viel langsamer und zwischenmenschlicher. Wie du sagst, du musstest dich auf in den Laden machen, hoffen, dass noch ein Exemplar für dich da liegt, mit Menschen reden, Menschen begegnen.

Heute klicke ich, das dauert ein paar Sekunden. Soviel Zeit gewonnen. Soviel Alleinsein gewonnen. :sweat_smile: Ok, ich bin gerne allein. Macht mir jetzt nicht so viel aus. Das grundlegende Feeling ist einfach ein anderes.

Andererseits, jetzt hast du halt alle Läden der Welt. Was ziemlich geil ist, wenn du nieschig unterwegs bist. Oder den einen Händler gefunden hast, der deine Lieblingsoutdoorklamotten immer 20% günstiger hat. In der Regel sind die nie in der eigenen Stadt zum mal eben hin latschen.

Hm, ich merke gerade, es kommt immer aufs gleiche raus: früher hatte ich Zeit statt Geld. Jetzt habe ich weniger Zeit und … naja, zumindest mehr Geld als damals. :joy_cat:

Das einzige Album, bei dem ich dieses Gefühl habe, ist Bizarre Ride II the Pharcyde. Die einzelnen Tracks funktionieren für mich fast nicht als eigenständige Songs, sie erzeugen alleine gehört fast schon Unbehagen. Erst im Kontext des gesamten Albums entfalten sie ihren Sinn – es lebt von seinen Übergängen und erst zusammen angehört entsteht ein tolles Album, wenn nicht sogar eines der besten Hip Hop Alben.

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