Das Format ohne Namen #17

Heute live gegangen auf Steady und Patreon: Format ohne Namen, Folge 17.

Wir sprechen über die Schule, Korridor-Kinder, Excel-Tabellen und DAUs, Amazon und englische Buchläden.

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Puh! Normalerweise höre ich FoN gerne mit meiner Frau. Die hört euch nämlich auch ganz gerne zu.
Aber die Lehrerschelte hat schon sehr großes Potential sie zu verärgern. :slightly_smiling_face:
Das muss ich mir gut überlegen. :grimacing:

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Lehrerschelte? Muss ich morgen direkt hören :wink:

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Oh oh oh…also ich bin ehrlich schockiert darüber wie über die Lehrer hergezogen wird in der Folge. Meine Frau ist Lehrerin für Chemie und Geographie am Gymnasium und betreut dort vor allem die großen Klassen und die Kurse. Ich erlebe es also tagtäglich aus erster Hand was da läuft.

Und ja mein lieber Herr Lott, das größte Problem sind die Eltern. Die haben leider so gut wie immer einen völlig verblendeten Blick auf die Leistungsfähigkeit des eigenen Kindes. Gerade am Gymnasium ist es doch so, dass ein großer Teil der Schüler eigentlich in der falschen Schulform ist. Die Schüler lernen null, hängen in jeder freien Sekunde nur am Handy, haben keinerlei Motivation sich mit den Inhalten zu beschäftigen und sind unterm Strich völlig überfordert. Zu Hause erzählen sie dann Märchen darüber, wie böse doch der Lehrer ist und wie unmenschlich die Anforderungen seien. Natürlich glauben die lieben Eltern jedes Wort des eigenen Sprösslings und der Lehrer ist natürlich nur damit beschäftigt Lügen zu erzählen über das Verhalten des jeweiligen Kindes.

Hinzu kommt oft, dass die allermeisten Lehrer völlig an ihrer Kotzgrenze sind, was die Arbeitsbelastung angeht. Die leistungsschwachen Schüler werden reihenweise durchgewunken, mit einfachen Arbeiten damit der Lehrer seine Ruhe vor nervenden Eltern hat, die ständig meinen ihr Kind wird ungerecht behandelt. Da sitzen dann irgendwann Schüler in Klasse 10, 11 oder 12 die die einfachsten naturwissenschaftlichen Grundlagen nicht drauf haben, weil sie eigentlich hätten in Klasse 7 schon aussortiert werden müssen. Aber heutzutage dürfen Lehrer das ja nicht aussprechen, dass das Kind auf gut deutsch „zu doof“ fürs Gymnasium ist. Die Schulleitung befiehlt sogar häufig die Schüler durchzuwinken um die Schülerzahlen oben zu halten, damit keine Klassen geschlossen werden und die lieben Kollegen nicht abgeordnet werden an andere Schulen, die dann wiederum weiter weg vom eigenen Wohnort sind. Das ist kein Witz, sondern Realität. Ich habe mehreren Dienstberatungen lauschen dürfen, während der Pandemie als meine Frau im Homeoffice war.

Ich könnte hier noch eine ganzes Buch darüber verfassen, was an den Gymnasien los ist. Meine Frau ist auf Lebenzeit verbeamtet, hat zwei Einser Staatsexamen und ist eine absolut enthusiastische Chemikerin und Naturwissenschaftlerin im Allgemeinen. Allerdings hat sie so dermaßen die Schnauze voll von dem ganzen Theater, dass sie aktuell ernsthaft überlegt in die Wirtschaft zu gehen.

Naja und wenn ich dann die Ausführungen von Herrn Lott höre, kann ich leider nur mit Kopf schütteln und werde schon fast ein bissel wütend.

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Ich bin selbst Lehrer und bin glücklich, dass an meiner Schule anders gearbeitet wird, als es Gunnar von seiner und der Schule seiner Tochter schildert. Alles weitere spare ich mir…

Bei der Amazon-Geschichte mit den Codes tun mir vor allem die Fahrer Leid, die sich jetzt auch noch den Mist angucken müssen, und dann bestimmt häufiger Leute haben, die das nicht parat haben.

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Persönliche Erfahrung: Schule hat sich in den letzten Jahrzehnten massiv verändert, allerdings nicht so sehr die Vermittlung der Lehrinhalte, sondern das Drumherum, die „Atmosphäre“.

Zu meiner Schulzeit in den 80ern und 90ern waren herumbrüllende Lehrer noch normal. Beim kleinsten Mucks stand man in der Ecke oder kam in die „Eselsbank“. Schüler wurden von (manchen) Lehrern offen bevorzugt oder gemobbt, was sich auch unter den Schülern selbst fortgesetzt hat. So homogen, wie die Klassen damals waren, konnte schon die kleinste Andersartigkeit ein Grund für Mobbing sein – wenn man zum Beispiel in einem anderen Bundesland aufgewachsen war und daher einen leicht anderen Dialekt hatte, wie ein Mitschüler von mir. :grimacing:

Wenn ich das mit den Erfahrungen meines Sohnes vergleiche, muss ich sagen, das ist alles dramatisch besser geworden. Die Klassen sind viel diverser und Schüler wie Lehrer sind gewöhnt, dass alle unterschiedlich sind. Mobbing wird es wohl immer geben, aber verglichen mit früher ist es viel weniger krass. Einmal kam mein Sohn während seiner Volksschulzeit nach Hause und erzählte ganz aufgeregt, dass einer seiner Mitschüler „etwas ganz Schreckliches“ getan habe. Ich hab mir weiß Gott was ausgemalt, aber letztlich stellte sich heraus, dass ein Schüler das Federpennal eines anderen runtergeworfen hatte. Da musste ich aufpassen, nicht laut loszulachen. :see_no_evil:

Aber was die Unterrichtsmethoden angeht, hat sich tatsächlich nicht viel geändert – Schularbeiten und Tests, auf die man hinlernen muss und nach deren Absolvierung man alles wieder vergessen kann. Man fühlt sich wie ein Durchlauferhitzer für Wissen. Nur sind die Lehrpläne heute viel vollgestopfter als vor 30 Jahren – mein Sohn lernt in der Mittelschule Dinge, die wir damals im Gymnasium erst Jahre später oder gar nicht behandelt haben. Ob das alles sinnvoll ist, würde ich bezweifeln. Damals wie heute lernt man die Dinge, für die man sich wirklich interessiert, eher abseits der Schule.

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Ah, ich verstehe vollkommen, dass meine sehr persönliche Sicht auf den Lehrbetrieb im Großen und Ganzen ungerecht ist.

Aber ehrlich, die pauschale Eltern- und Schülerschelte, die du hier äußerst, ist nochmal ein Stück weniger hilfreich. An den Gymnasien in BW liegt der Anteil der Schüler ohne Gymnasialempfehlung bei 11%. Klar ist das nicht perfekt, aber zu konstruieren, dass da massenhaft überforderte Schüler den Betrieb aufhalten, ist imho zumindest für BW und Karlsruhe nicht korrekt.

In der Klasse meiner Tochter sind die Eltern im Gegenteil äußerst bemüht, den Lehrern wird nie die Schuld zu geschoben, im Zweifel ist das Kind schuld. Die Elternschaft ist wirklich bemüht, das System am Laufen zu halten - und die Klasse wird von den meisten Lehrern als „brav“ und „motiviert“ beschrieben.

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Ich mag diese Folgen immer sehr. Bei mir regt das häufig eine Selbstreflexion an (hinsichtlich der angesprochenen Themen und Gedanken, ich bin kein Lehrer).

In Sachen Amazon und Schule will ich mal eigene Beispiele beisteuern:

Zum Thema Amazon-Codes:
Die Einführung dieses Code-Systems - wie neu das genau ist vermag ich auch nicht zu sagen - möchte ich vergleichen mit den fiesen Serienbissen und den Rückwärtsgleitkünsten der Wölfe aus Gothic 3 zu Release. Ich habe zweimal etwas in dem Wertbereich bestellt, der diese Methode offenbar auslöst.
Beim ersten Mal war ich mäßig irritiert. Weder beim Bestellvorgang noch in der Bestellbestätigung, noch auf der Webseite wurde klar, wann man den Code bekommt. Ich habe also erstmal den Support via Chat kontaktiert und dumm nachgefragt. Die Antwort: Der Code wird erst versendet, wenn die Lieferung erfolgt. Vor Lieferung am kommenden Tag war das dann auch so. Gegen den Code erhielt ich meine Xbox Series X und war glücklich.

Später habe ich dann ein etwas teureres Weihnachtsgeschenk bei Amazon bestellt und wähnte mich aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen mit dem Amazon-Code-System sicher. Aber weit gefehlt: Ich hatte noch keine Liefer-Ankündigung und keinen Code erhalten, als der Fahrer unerwartet samt Paket vor meiner Tür stand. Aufgrund von sprachlichen Schwierigkeiten war es mir kaum möglich dem Fahrer begreiflich zu machen, dass er bitte kurz warten soll, damit ich den Support anrufen kann. Bei meiner ersten Erfahrung hatte der Support mich darauf hingeweisen, dass ich kurz anrufen soll, wenn bei Lieferung noch kein Code angekommen sein sollte.
Auf meinen Anruf hin sagte mir der Support ich solle dem Faherer sagen, dass er mit seinem Logistikleiter telefonieren soll. Der Support habe den Logistikleiter informiert, dass mir das Paket ohne Code ausgehändigt werden dürfe.
Aufgrund der Sprachbarriere scheiteren sämtliche Versuche dem Fahrer dies begreiflich zu machen. Spätestens als ich sagte, dass er seinen Chef anrufen soll muss der arme Kerl wohl gedacht haben, dass ich mich beschweren möchte (was nicht der Fall war) und verließ samt Paket fluchtartig und lachend das Grundstück.
Dieses Paket und den Code habe ich dann erst am nächsten Tag erhalten.

Zum Thema Schule und Lehrer kann ich mich aus meiner Realschulzeit an vergleichbare Erfahrungen erinnern. Negativbeispiel was professionaliserte Pädagogik angeht: Meine Mutter wollte mich wegen einer Mathearbeit selbst zur Schule fahren. Sie fand die Autoschlüssel nicht. Ein Nachbar fuhr mich dann, ich kam aber zu spät. Ich war wegen des Zuspätkommens bereits sehr aufgeregt. Im Klassenraum angekommen wurde mir ein Platz zugewiesen, die Klassenarbeit ausgehändigt und ich begann zu schreiben. Nach einiger Zeit - die Hälfte der Klassenarbeit war bereits geschrieben - wurde die ruhige und konzentrierte Atmosphäre durch gellendes Geschrei der Mathe-Lehrerin durchbrochen. Sie schrie mich an, wieso ich den Schulranzen nicht in der Mitte des Tisches zwischen mir und meinem Tischnachbarn platziert hatte. Meine Arbeit würde bis dahin mit einer 6 benotet werden.
Das führte bei mir zu Aufregung, Unsicherheit und einem generellen Gefühl des Unwohlseins. Der Witz dabei war, dass ich gar nicht abgeschrieben hatte oder abschrieben wollte. Ich hatte lediglich wegen des Zuspätkommens und der einhergehenden Nervosität nicht an diese Regelung gedacht.
Das Verhalt dieser Lehrkraft und das es diese Regelung überhaupt gab (Zweck: Abschreiben verhindern) rührt nach meiner heutigen Perspektive aus einer für einen Pädagogen völlig widersinnigen Denkweise her: Der Schüler als Feindbild.
Die Rekation selbst war in jeder Hinsicht unangemessen. Nicht nur mir gegenüber, sondern weil das elende Gezeter natürlich auch alle anderen Schüler:innen aufschrecken lies.
Das ist glücklicherweise das einzige negative Erlebenis aus meiner Schulzeit, an das ich mich heute noch relativ gut erinnern kann.

Positiv hingegen war meine Erfahrung im zweiten Bildungsweg. Ich habe mein Abitur nach abgeschlossener Berufsausbildung nachgemacht. Es gab wenige Lehrer die keinen Bock hatten und 20 Jahre alte Folien abarbeiteten. Aber es gab auch sehr positive Beispiele. Ich denke hier an meine Deutsch- und Geschichts-LKs. Insbesondere in Deutsch hatten wir eine junge Lehrerin, die es verstanden hat mich für Literatur zu begeistern, die mich zur damaligen Zeit kein Stück interessiert hätte. Sie hat es eben verstanden zu motivieren und zwar auf faire Art und Weise.
Besonders dankbar bin ich bis heute für die Förderung durch meinen damaligen Erdkundelehrer. Zur Vorbereitung der mündlichen Prüfung hat er sich außerhalb der normalen Unterrrichtszeit freiwillig einzeln mit den drei oder vier Prüfungskandidaten hingesetzt. Ich habe weder davor noch danach erlebt, dass sich jemand individuell und außerhalb des Systems so viel Zeit genommen hat, um Schüler zu fördern. Ich bedaure bis heute bzw. glaube, dass ich ihm gegenüber meine Dankbarkeit nie richtig gezeigt habe.

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Es gibt sicher Kinder, die kognitiv nicht mithalten können und zu Unrecht auf dem Gymnasium sind, seit 2011 die Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung abgeschafft wurde.

Aber meine persönliche Hypothese ist, dass kaum etwas so missbraucht wurde und so viel Schaden angerichtet hat, wie die Diagnose „Du bist zu dumm“. Dafür gibt es massenhaft anekdotische Beweise. Es gibt literally zehntausende Leute, die später erfolgreiche Karrieren in der Wissenschaft oder der Wirtschaft hatten, denen die Lehrer aber direkt gesagt haben, sie seien nun leider zu doof. Überdurchschnittlich oft traf es Mädchen, Kinder armer Eltern, Schüler(innen) mit Migrationshintergrund oder generell Schüler, die irgendwie nicht passend konform waren.

Ich kenn das in viel geringerem Maße selber – ich hatte in Mathe immer Fünfen. Mir hat niemand gesagt, ich sei zu doof fürs Gymnasium, aber die verwandte Diagnose „manche Leute können das nicht so, du bist halt eher ein sprachlicher Typ“ hab ich schon oft gehört.

Schuld an meinem Misserfolg waren sicher eine wie auch immer geartete geringere Eignung für mathematische Denkweisen, aber vermutlich zum größeren Teil die Tatsache, dass man mir/uns viele Dinge einfach schlecht erklärt hat. Und die self-fulfilling prophecy einer solchen Ansage. Habe dann später festgestellt, als ich nebenbei an der Uni öfter mit Mathematikern rumgehangen hab, dass es mir nicht wirklich an den kognitiven Fähigkeiten fehlte, eher an einer Methode. Und die hätte mir die Schule vielleicht vermitteln sollen, anstatt mich abzuschreiben als „sprachlichen Typ“.

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Ich war eindeutig zu doof für Mathe, für mich ist das bis heute Grammatik mit Zahlen :sweat_smile:
Aber ich war auch zu doof für Latein und Physik. Und in Latein hatte ich extra noch Nachhilfe und einen Asterix Comic auf Latein :joy:
Naja, aus mir ist trotzdem was geworden - nämlich Lehrer :grin:
Allerdings für Englisch (was ich als Kind gelernt habe, um mit Larry Kondome kaufen zu können und mit Roger Wilco sein Raumschiff zu reparieren und Thermo Unterhosen zu shoppen) und Geschichte (weil ich Ägypten cool fand).

Ich bin gespannt auf die Folge! Ich hab auf Gymi studiert, aber unterrichte an einer Realschule. Pauschal kann ich nur sagen, dass Unterricht am Gymi, der FOS und der Berufsschule deutlich entspannter ist als an einer Realschule :sweat_smile:

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Hot Take 1: Meine Arbeitshypothese ist, dass der Stoff am Gymnasium für die allermeisten nicht das Problem ist. Abseits von ein paar abstrakteren Konzepten, etwa in Mathe oder vielleicht in Chemie, ist ja echt vieles trivial, was gefordert wird. Es scheitert an der Unterrichtssystematik, der Stoffaufbereitung, am Personalschlüssel und sicherlich auch zuweilen an der Schülermotivation.

Aber:

Hot Take 2: Ich finde eigentlich, Motivation ist die Aufgabe des/der Lehrer(in). Auch des Elternhauses, okay, das die Aufgabe hat, eine adäquate Arbeitshaltung zu vermitteln wenn es denn dazu in der Lage ist. Aber mein Hauptzeuge ist die Tatsache, dass jeder schon erlebt hat, dass Lehrerwechsel oft enorme Leistungsunterschiede in beide Richtungen erzeugen. Wenn es nur um den Stoff, die Schule an sich und das Elternhaus ginge, dürfte das nicht so sein, oder?

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Isso.
Ich hatte im Englisch LK plötzlich statt der üblichen 1 eine 3. Und der Lehrer hat Mädchen bevorzugt bewertet. Dann war er für ein halbes Jahr krank, weil er sich einen Muskelfaserriß zugezogen hatte, und bei der Vertretung stand ich plötzlich auf einer 1. Dummerweise war er zum ABI wieder gesund :sweat_smile:
Ich hab aber auch mobbing durch Lehrer mitbekommen: Mein Lateinlehrer konnte mich nicht leiden und ich stand im 1. Halbjahr der 8. Klasse zwischen 4 und 5. Er hat mich dann bei der Notenvergabe an die Tafel zitiert, um die Note zu entscheiden. Ich stand da vor der ganzen Klasse, wusste natürlich nix und er hat weiter gemacht, bis ich geweint habe. Danach hab ich dann die Schule gewechselt.

Ich kenne den ganzen Mist. Ich war ne Laberbacke, der Quatschkopf in der Klasse, bin ständig aus dem Unterricht geflogen - und ich glaube deswegen bin ich heute ein recht empathischer Lehrer :blush:

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Lustige Anekdote aus meiner Gymnasialzeit: Lehrer beginnt die Stunde mit dem Einstieg in ein neues Thema. Was es war, weiß ich nicht mehr – lass es Differentialgleichungen oder etwas ähnlich Komplexes gewesen sein. Dann rechnet er ein erstes Beispiel an der Tafel vor, schaut dabei immer wieder ins Buch und wirkt generell unsicher. Am Ende kommt kein sinnvolles Ergebnis raus. Er versucht es noch mehrmals, ohne Erfolg. Als die 50 Minuten vorbei sind, gibt er auf und sagt, da müsse er einen Kollegen fragen, wie das genau geht. :clown_face: In der nächsten Mathestunde hatte er dann einen A4-Zettel mit Erklärungen des Kollegen dabei und hat das Thema dann richtig, nunja, „erklärt“.

Das kann ich zumindest zum Teil aus eigener Erfahrung bestätigen. Gerade die verpflichtenden Grundschulempfehlungen halte ich für einen massiven Fehler. Ich habe persönlich kaum Erinnerungen dran, aber meine Grundschullehrerin war wohl der Ansicht ich sei kaum fähig die Hauptschule zu schaffen, wohl weil sie Dummheit nicht von Langeweile unterscheiden konnte. Es lief zu meinem großen Glück dann stattdessen auf eine Gesamtschulempfehlung hinaus, wo ich’s dann auch mit den Lehrern im Großen und Ganzen sehr gut getroffen hatte. Heute hab ich „Dr“ auf’m Personalausweis stehen… Ob das berechtigt ist kann man zwar sicherlich auch diskutieren, aber die Einschätzung kann da nicht korrekt gewesen sein.

Selbst werde ich in meinem Alter wohl keine Kinder mehr kriegen und hab daher nur noch einen recht eingeschränkten Blick auf’s Schulsystem, aber meine persönliche Erfahrung hat mich definitiv dahingehend geprägt, dass ich nichts von der (zumal sehr frühen) Selektion hierzulande halte.

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Da habt ihr ja mal echt viel gemeckert xD Ich muss ne Lanze brechen für meinen lokalen Thalia, der recht gut sortiert ist und auch schöne Leseecken hat. Ist aber wohl nicht die Norm. (Ich dachte btw immer man würde das auf dem i betonen?)

Über das Schulsystem kann man sicher trefflich diskutieren. Ich glaube wir haben größere Probleme als die fehlende Normierung und es ist zu einfach, den Lehrern Schuld zu geben. Der Föderalismus hilft hier nicht und das System belohnt m. E. viel zu sehr Konformität und Perfektionismus. Wir brauchen mehr Kreativität und die Fähigkeit, eigenständig und kritisch zu denken. Ich musste mir gefühlt mehrere Jahre lang Verhaltensmuster aus der Schulzeit wieder abtrainieren für das spätere Leben.

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Zur Amazon-Geschichte: Seitdem Amazon nicht mehr über die Post zustellt, sondern über Subunternehmen (zumindest in Großstädten), hat die Zustellqualität merklich abgenommen. Wenn man eine Abholstation in der Nähe hat, dann am besten immer direkt in diese liefern lassen, das geht dann über die Post mit der gewohnten Zuverlässigkeit. Ich mache das nur noch so, sofern es für den Artikel möglich ist.

Was diese Code-Geschichte angeht, das wäre mir in Österreich noch nicht untergekommen, aber mittelfristig kommt das sicher auch bei uns. Der Hintergrund ist natürlich, dass es eben auch Diebstähle durch die (schlecht bezahlten und behandelten) Subunternehmer-Zusteller gibt, die dann „zugestellt“ vermerken, aber der Kunde hat den Artikel nie erhalten. Früher hätte Amazon diese Kosten im Sinne der Kundenzufriedenheit geschluckt, aber mittlerweile sind sie im Markt so dominant, dass sie es nicht mehr müssen – Enshittification eben.

Online zu bestellen und dabei Amazon zu vermeiden ist in Deutschland übrigens wesentlich leichter als in Österreich, da es bei euch einfach viel mehr unabhängige, kleine Onlineshops gibt. Die versenden zwar großteils (nicht alle!) auch nach Österreich, aber oft mit unverschämten Versandkosten, à la „Deutschland: 3,90 Euro, Österreich: 20,50 Euro“. Dabei wollte ich ja nur was für 15 Euro bestellen … und naja, dann bestelle ich es eben bei Amazon, da kostet es zwar 18 Euro, aber ohne 20,50 Euro Versandkosten obendrauf.

(Bei uns gabs übrigens mal einen offiziellen Amazon-Konkurrenten namens „Kaufhaus Österreich“! Bitte nicht googeln. :see_no_evil:)

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So, bin nun mal durch und lasse noch einen schnellen Kommentar zu „Korridor-Kindern“ da (interessanter Begriff übrigens, hatte ich noch nie gehört): Ich bin Mitte Juni geboren und zähle da vermutlich auch zu und kann bestätigen, dass introvertiert und der kleinste in der Klasse, sagen wir mal, nicht so geil ist. Auf der anderen Seite hab ich dann einen großen Teil meines Lebens mit Ausbildung verschiedenster Art verbracht und weiß nicht, ob’s nicht doch was wert war, dass mir nicht noch ein Jahr verloren gegangen ist.

Volle Zustimmung bei den Buchläden. Mal vom Angebot abgesehen sind die Thalias die ich so kenne auch alle super hell und ungemütlich, da ist längerer Aufenthalt und stöbern offensichtlich nicht vorgesehen. Das dann auch fast alles nur in Übersetzung vorliegt ist der letzte Sargnagel. Mein Geld kriegen die zwar, aber eigentlich nur weil ich keine eBooks bei Amazon kaufen will.
Im direkten Vergleich nehme man bspw. Waterstones: Das ist auch nur eine gesichtslose Franchise-Kette, aber die Läden haben üblicherweise (mglw. sogar alle, aber das kann ich nicht sicher sagen) ein Cafe, viele gemütliche Sessel und Sitzecken, große Holzanteile im Design der Einrichtung, etc. Zusätzlich können die Briten halt nicht bauen, wodurch in eigentlich allen Läden mit Gastronomie im Winter die Fenster beschlagen und gemütlicher könnte es kaum sein… Und länger will ich da auch gar nicht drüber nachdenken, sonst ärgere ich mich nur wieder auf’s neue nach Deutschland zurück gezogen zu sein.

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Zum Thema Excelsheets… was sich da bei euch abspielt kennt man auch so aus der betrieblichen Softwareentwicklung. Das sind 1 zu 1 die Situationen, die für gegenseitige Aufregung sorgen. Man kann sogar die Wortwahl nehmen und einfach andere Bugs / Gegebenheiten Copy-Pasten. Ein kleines bisschen Sympathie in Richtung @Chris - das Aufbringen der notwendigen Frustrationstoleranz um ein gewachsenes Excel-Werk zu veralten ist nicht immer ganz einfach.


Für mich ist das Hauptthema allerdings Schule. Ich könnte jetzt einen riesige Wall-Of-Text zu dem Thema hinterlassen. Ich versuche mich jedoch kurz zu fassen. Auch meine Schulkarriere war schwierig. Ich musste von der Introvertierung zur Extrovertierung wechseln um ein System zu spielen, dass ich so nicht spielen wollte - denn genau das ist es. Wiederholt man mündlich im Unterricht was die Lehrer hören wollen, steigen alle anderen Noten automatisch an - ausgenommen Sport :wink:

Der Nasenfaktor ist im deutschen Schulsystem unbenommen groß. Und das sage ich als urdeutsche Kartoffel. Ich kenne viele Leute die gegen das System gekämpft haben und es irgendwie geschafft haben. Insbesondere bei Menschen mit sichtbarem Migrationshintergrund die früher gerne in unserem Schulsystem aussortiert wurden, gibt es da Geschichten von Schulversagern, die jetzt seniore Expertenposition im IT-Sektor haben. Einige von denen haben nie ein Gymnasium von innen gesehen weil das System sie schon viel früher abgeurteilt hat. Das sind leider keine Einzelfälle, sodass ich mich oft frage, wie viele begabte und/oder talentierte Leute auf dem Weg zum Auswendiglernen und zur Gleichmacherei verlorengegangen sind.

In der Berufsschule ist es nicht besser. Ich betreue seit Jahren Auszubildende Fachinformatiker. Die Inhalte sind rückständig und für den Arbeitsbetrieb großteilig irrelevant. Neue Arbeitskonzepte wie SCRUM finden keinen Eingang. Stattdessen vermittelt man oberflächliches Programmierwissen und setzt auf Dokumentationstechniken die heute nicht mehr relevant sind. Dazu kommen Teilinhalte aus dem tradierten Wasserfall-Projektmanagement die entweder veraltet oder für die Rolle des Entwicklers gar nicht relevant sind. Klassische Softwareengineering oder Integrationsszenarien kommen gar nicht vor. Trotzdem wird auch in Prüfungen und Projekten stets nach einen gleichmacherischem System bewertet. Am Ende obliegt ALLEIN den Unternehmen, dass ausgebildete Fachinformatiker wirklich ihr Handwerkszeug beherrschen. Die Berufsschule ist in den Berufsanteilen komplett unfähig irgendwelche relevanten Inhalte zu vermitteln.

Soo - letzter Absatz. Ich spreche immer von dem System oder der Schule, weil ich es nicht persönlich auf die Lehrer runterdrücken möchte, die zwar Teil dieses Systems sind, aber sich vermutlich auch nur in einem bestimmten und abgesteckten Raum bewegen. Die Vorstellung das alle Lehrer schlecht sind ist ebenso unrealistisch wie die, dass alle Lehrer gut sind. Vermutlich stimmt an dieser Stelle der Rahmen einfach nicht. Die Freiheit der Lehre - wie sie im Studium besteht und auch von @Gunnar_Lott gepriesen wurde, ist auch mein bevorzugtes Lehrformat… eben weil es eine Eigenverantwortung voraussetzt. Und es ist auch lediglich die Hürde an der die Horden von 1er Abiturienten am Studium kollabieren. Allein dann wenn die Frage fällt ob man in der heutigen Vorlesung eher Schluss machen darf. Wie man das Alles besser macht? Keine Ahnung… für mich ist nur klar, dass wir es besser machen müssen weil wir sonst Menschen unglücklich machen und intellektuelles Potential verschwenden. Alternative Pädagogikformen wie Walldorf sind da für mich auch kein Argument und kein Ausweg. Vielleicht braucht es doch wieder mehrere und differenziertere Schulformen. Es sind halt nicht alle Schüler gut.

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Bei dem was Du über Uni sagst, kann ich zustimmen.

Ich finde sogar allgemein ist es so, dass der/die Professorin/Lehrerin Ansätze geben kann, Fragen beantworten kann, Verbindungen zwischen verschiedenen Sachverhalten erläutern kann, und deutlich machen kann, warum etwas interessant ist, aber letztendlich setzt er/sie nur einen Rahmen für das eigene Lernen. Man lernt nicht in der Vorlesung oder in der Klasse. Das Lernen ist etwas Persönliches, was passiert, wenn man sich selber mit den Büchern alleine oder in kleinen Gruppen auseinandersetzt, hoffentlich motiviert von LehrerInnen/ProfessorInnen oder dem Unterricht/der Vorlesung.

Wenn ich so zurück denke, wann ich wirklich etwas gelernt und verstanden habe, dann waren das immer Momente wo ich selber aus Interesse in Büchern gelesen habe oder gezielte Fragen gestellt habe. Wobei das Interesse allerdings oft von Lehrkräften geweckt wurde. Die haben manchmal Begeisterung für Ihr Fach vermittelt, und erklärt, warum etwas überhaupt lernenswert ist.

Die Eltern spielen finde ich dabei bei kleineren Kindern eine große Rolle, weil sie Begeisterung vermitteln können und motivieren können. Kinder vertrauen Ihren Eltern denke ich mehr als Lehrern. Die Unwissenheit/Dummheit der eigenen Eltern hat mich auch zum selber Lernen später im Leben motiviert. „Warum hat mein Vater damals nicht verstanden, wie das Universum unendlich sein kann? Da lese ich selber mal nach“

Ein wenig Gedächtnistraining hilft schon im Leben, finde ich. Man will schließlich nicht zum Beispiel jeden Tag immer wieder seine Git Kommandos nachschlagen müssen, sondern die einfach im Gedächtnis haben. Sonst ist man denke ich zu langsam.

Meine Frau ist Vorschullehrerin hier in USA. Sie meinte mal, dass sie aus Ihrer eigenen Erfahrung das Gefühl hätte „Je reicher und privilegierter die Eltern, desto unausstehlicher sind sie Lehrern gegenüber.“

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Zwei Kommentare frisch aus dem Rückenmark: meine eigene Erfahrung deckt sich mit der von Gun, nämlich, dass die eigene Leistungsfähigkeit sehr von der Lehrkraft abhängt, ich wüsste auch nicht wie man das systemisch ändern könnte. Mein Eindruck aus dem Studium war: der einzige Faktor, den man zur Förderung tatsächlich angehen kann, ist die Lerngruppengröße. Daher müsste es spätestens nach einem Halbjahr eine Reaktion des Schulsystems auf die Leistungen geben. Ich habe eine 5 in Mathe im Halbjahr: im nächsten Halbjahr komme ich in den kleineren Förderkurs Mathe, der mich viel enger betreut, um eben nicht den Faden verlieren zu lassen. Die Lehrkraft des Kurses sollte nach Möglichkeit diejenige sein, die erfahrungsgemäß diesen Stoff am Besten vermitteln kann. Stattdessen bekommen diejenigen Kinder Nachhilfe, deren Eltern die Kapazitäten.

Und zur Thematik des Stresses introvertierter Schüler Unterricht: ich war immer sehr extrovertiert und konnte aktive Beiträge meine schlechteren Leistungen durch große Prüfungsangst (Black Outs) kompensieren. Auch hier würde man sich wünschen, dass eine schüler:innen Förderung und Forderung mit einem systematischen Ansatz gefunden würde. Bei dem Format ohne Namen will ich mich immer so gern mit an den Tisch setzen, schlimm ist das.

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