Das hört man oft von Lehrern und Lehrerinnen, das scheint eine der größten Problematiken des Berufs zu sein. Und ich will das nicht in Abrede stellen, sicher gibt es reiche Helikoptereltern mit faulen, aber in ihren Augen unfehlbaren Kindern, die von Pontius zu Pilatus rennen, um Lehrern Stress zu machen.
Aber ich glaube, es gibt genauso viele, wenn nicht mehr Fälle, in den still gelitten wird oder Schulprobleme, die durch Lehrer oder Schule mitverursacht wurden, einfach aufs Kind projiziert werden. Gerade auch bei Eltern aus ärmeren Schichten oder mit Migrationshintergrund.
Wir hatten da zwei Fälle in der Klasse:
Einmal ein ausländisches Ehepaar, dass sich die Behandlung ihrer superlernwilligen Tochter durch die Lehrkraft nicht mehr erklären konnte, im Gespräch aber nicht weiterkam. Ich habe angeboten zu vermitteln, wegen Sprachbarrieren und so, aber die Angst vor der Rache der Lehrkraft auf dem restlichen Schulweg war so groß, dass man lieber einen Schulwechsel als Ausweg genommen hat.
Ein anderer Fall war ein leichtes Mobbing einer Schülerin durch die Lehrkraft, Bloßstellen vor der Klasse und so. Nicht superkrass, die Lehrerin war selber augenscheinlich generell überfordert, aber das Verhalten war schon so, dass man dafür fliegen kann in der freien Wirtschaft. Es gab nicht mal eine formelle Beschwerde der Eltern, nur ein diskretes Lobbying der Elternvertretung, dann erfolgte ein Gesichtswahrender Klassenwechsel der Lehrkraft zum Ende des Schuljahres. Was das mit der Klasse macht, die dann noch 4 Monate bei der Lehrkraft Unterricht hatte? Und der die Lehrkraft noch ordentlich aufs Brot geschmiert hat, dass sie eine schreckliche Klasse sei, die alle Lehrer hassen würden und dass sie jetzt freiwillig gehen würde. Wurscht. Ich bin jetzt auch nicht dafür, dass da wer gefeuert wird, aber den Schülern damit deutlich zu zeigen, dass sie machtlos sind und die Lehrkraft zumindest ihnen gegenüber die Deutungshoheit behält, ist auch eine Lektion, von der ich mir gewünscht hätte, dass sie die Schüler nicht lernen.
Helikoptereltern, die aggressiv auf Lehrkräfte losgehen, habe ich hingegen noch nie getroffen. Auch ich, der ich ein großer Beschwerer bin und ein starkes Empfinden für reale oder wahrgenommene Ungerechtigkeiten habe, habe in neun Schuljahren nur ein einziges Mal das Gespräch mit einer Lehrkraft gesucht, nach einem mittelschweren Zwischenfall.
Anekdotische Beweise, klar, eine Studie habe ich dazu nicht zur Hand.
Wie gesagt, es gibt diese stressigen Eltern sicher und die sind bestimmt ein emotionales Problem besonders für idealistische Lehrer, aber am Ende sind Lehrer fast überall Beamte. Und selbst Lehrer, die sich krass fehlverhalten, wie die eine Lehrerin an unserer Schule, die einfach wegen Covid aufgehört hat zu unterrichten, kein Computer und so, sind schwer zu sanktionieren. Im Zweifel können die das auch einfach aussitzen, würde ich denken. Oder ist das ein Trugschluss und/oder ein Vorurteil, dem ich da aufsitze?