Ach ist die Folge auch schon wieder einen Monat alt. Aber ich will auch mal meinen Senf dazugeben. Nicht zu der Lehrerdebatte, aber zu Buchläden und vor allem zu Buchläden in England. Hier, lieber Gunnar, kann ich leider nicht zustimmen.
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Als langjähriger Norddeutscher, der vor kurzem nach München gezogen ist (ziehen musste?), kann ich nur sagen, Hugendubel ist natürlich ein billiger Abklatsch von Thalia und nicht umgekehrt. (Warum gibt es keine drei ???-Socken?! Ich versuche zu Triggern, hat es geklappt?!)
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Als langjähriger Norddeutscher, der vor dem Umzug nach München mehrere Jahre in London gelebt hat, kann ich Gunnars Lob nicht zustimmen, eher im Gegenteil. Ja, man findet tolle Buchläden. Neben manchem Kleinodladen, stehen in London auch die Flagship-Stores der beiden großen britischen Ketten, mit mehreren Kilometern an Bücher-Regalen. Einer der beiden ist gar der größte Buchladen Europas.
Aber die Standartbuchläden sind eine Katastrophe. Sie sind klein, ein Viertel der Fläche ist Kinderbüchern vorbehalten (was absolut auch nicht viel ist) und ein anderes Viertel ist für Reiseführer reserviert. Auf der Restfläche bleibt nur noch Platz für eine kleine Auswahl an der von Gunnar verschmähten Bestseller-Literatur. Gemütliche Sitzgelegenheiten zum Schmökern gibt es natürlich gar nicht.
Die englische Kultur ist keine des Lesens, ein Umstand der auch viel mit dem Bildungssystem zu tun hat. „Bildung“ ist schon das falsche Wort, eigentlich müsste „Education“ mit „Ausbildung" übersetzt werden. Englische Schüler werden durch das System darauf gedrillt alleine an die Karriere und das Geldversdienen zu denken. Zum Beispiel durch die Fächerauswahl in den höheren Klassen: Wer an einer besseren Universität ein bestimmtes Fach studieren will, sagen wir mal Mathematik, sollte dies bereits in der englischen Abiturstufe (A-Levels) belegt haben. Im Fall von Mathematik wären dies „Mathematics“ und „Further Mathematics“, welche zusammen ungefähr den Umfang eines deutschen Leistungskurses ausmachen, sowie ein verwandtes Fach, wie Physik oder Chemie. Der Knackpunkt: Typischerweise haben englische Schüler im letzten Jahr nur drei Fächer belegt, im vorletzten vier und auch davor wird schon viel ausgesiebt. Dazu sollen Lehrer auf einer gewöhnlichen Schule ihren Schülern auch nichts weiter vermitteln, als: denk daran dass du Geld verdienen musst, wähle die entsprechenden Fächer.
In gewisser Weise macht der Drill Sinn, den britische Gehälter sind knapp 25% niedriger als deutsche, bei wesentlich höheren Lebenshaltungskosten. Aber auf diese Weise werden natürlich nur Arbeiterdrohnen bzw. Geschäftsleute herangezogen. Die einzigen Ausnahmen, die mir in Großbritannien begegnet sind, waren die Absolventen von Privatschulen. Dort werden Schüler nicht nur auf Überleben gedrillt, sondern dürfen sich entfalten. Kein Wunder ist dort durch die Familie Geld vorhanden, bzw. später durch die bessere Karriere. (Sie bekommen bessere Noten, besuchen daher bessere Unis, kommen auch dort in die richtigen Netzwerke.)
Aber um zurück auf mein Thema zu kommen. Der Mangel an Bildung und die Lebensumstände können auch die allgemein kleineren Buchläden und die Auswahl der Bücher erklären: Es gibt weniger Menschen, die bildungsnah aufgewachsen sind und das nötige Kleingeld übrig haben. Die versorgen dann ihre Kinder mit Büchern, kaufen eventuell noch eines für sich selbst und benötigen natürlich Reiseführer, da sie auch für Urlaube über entsprechende Mittel verfügen.
Als Abschluss schamlose Eigenwerbung: Wer mehr über das Leben in Großbritannien erfahren möchte, sollte mal auf meinem Blog vorbeischauen: www.lostbritannia.com
PS: Ich habe Stay Forever kurz nach meiner Ankunft in London entdeckt. Danke für das Heimatgefühl in der Ferne 