Das ist ein Punkt, der noch kaum angesprochen wurde: Ich weiß nicht, wie es anderswo ist, aber in BY und BW gibt es diese obligatorischen Vorträge, die benotet werden wie Klassenarbeiten und die in der Regel selbstdesigntes/gedrucktes Handout-Material, eigene Recherche und eine schöne Powerpoint-Präse voraussetzen. Die Schule stellt dafür keine Computer und bringt auch Powerpoint nur rudimentär bei. Das führt, vor allem in Akademikerhaushalten, zu einem Wettrennen der Eltern.
Das preist eh marginalisierte Kinder aus.
Ich höre immer das Klagen der Lehrer(innen), dass sie so viele Erziehungsaufgaben übernehmen müssen, weil die Elternhäuser das kaum noch leisten. Sicher richtig, ich stelle das nicht in Abrede. Aber die andere Seite der Medaille ist, dass die Schule mehr und mehr Verantwortung für den lernerfolg in die Familien verlagert. Meine Tochter geht morgens um sieben aus dem Haus und kommt halb fünf heim. Danach noch zwei Stunden Hausaufgaben, Vokabeln, Lektüre, Arbeiten vorbereiten, wenigstens. In den Ferien konnten wir nichts unternehmen, weil sie „endlich in Ruhe den Vortrag vorbereiten“ musste.
Sie arbeitet mehr als ein normaler Arbeitnehmer, mit 14. Dazu kommen noch die Stunden, die ich leiste, indem ich ein bisschen Infrastruktur bereitstelle, technisch helfe, inhaltlich erkläre und einordne, weil der Stoff wieder so konfus vermittelt wurde, dass… aber egal.
Das ist ein massiver Einsatz, der da den Kids und ihren Familien abverlangt wird, ich würde mir wünschen, das System als Ganzes, aber auch die Schulen selber würde(n) sich stärker hinterfragen, ob das alles so die gewünschten Resultate zeitigt.
Ja, ich rechne da wieder meine Erfahrungen hoch, klar. Aber es ist ja nicht so, dass es darauf nicht offensichtliche Hinweise gäbe, dass da was nicht funktioniert.
Ich bin kein Freund davon, zu versuchen, alles in Zahlen zu fassen, aber wir leisten uns in einem Land, das auf Bildung angewiesen ist, ein Schulsystem, das eine überdurchschnittlich große Streuung produziert und in dem der Lernerfolg überdurchschnittlich stark vom Elternhaus abhängt (PISA-Studie, 2018). Das ist multifaktoriell, der Föderalismus, die Politik etc - aber es gibt auch Hinweise darauf, dass die Lehrkräfte auch ihren Teil zum Wachsen der Probleme beitragen: „Die Ergebnisse belegen, dass die zu Schuljahresbeginn geäußerten Leistungserwartungen im Fach Deutsch bei gleichen Ergebnissen in objektiven Leistungstests für Kinder mit einem türkischen Zuwanderungshintergrund, für Kinder aus sozial schwächeren Familien sowie für Jungen negativ verzerrt sind.“ (Studie)
Ich meine hey, die Unterschiede werden nicht weniger, die Arbeitgeber nicht zufriedener, die Lehrkräfte nicht glücklicher, die Familien nicht weniger gestresst - und wir haben uns irgendwie in einen deutlich spürbaren Lehrermangel manövriert, obwohl wir deutlich mehr Lehrer und deutlich weniger Schüler haben als 2010.
Ich hab da keine Lösung für, aber ich bin ja auch nur so ein random Typ.