Einzelfälle ist ein schwer zu greifendes Wort. Ich beschreibe, was ich an zwei Schulen erlebt habe, einem Provinzgymnasium in den 80er und einer Großstadtschule Anno jetzt. Dazu kommen meine Erfahrungen im Lehramtsstudium, in Gesprächen mit dem Schwiegervater, in Gesprächen mit befreundeten Lehrern.
Was mich irritiert (und der Grund für den Rant im Podcast war), ist, dass es sehr viel gibt, im Selbstverständnis der Lehrer, in der Methodik (von Pädagogik können wir hier kaum reden), im Tonfall, was sehr ähnlich ist zwischen den beiden Schulerfahrungen von mir und meiner Tochter, die immerhin 500 km und 35 Jahre auseinander liegen.
Das ist zumindest beunruhigend und ein eigenartiger Zufall.
Und, gestützt auf meine weiteren Recherchen, nehme ich an, dass das auf ein methodisches Problem hindeutet und dass das Narrativ, Schulen unterfinanziert, aber trotzdem super Unterricht, leider 1-2 schwarze Schafe nicht trägt, sondern dass es umgekehrt ist, wie ich oben schrieb: weitreichende strukturelle Probleme, kaum Kontrolle oder Hilfe für Lehrende, null Führung und, ganz ehrlich, ein komplett falsches Selbstverständnis – abgemildert durch einzelne Schulen mit engagierten Kollegien oder Schulleiter(innen) oder einzelne Lehrer(innen).
Ich glaube auch, aber again: anekdotisch, dass das Problem nicht hysterische reiche Eltern sind, die zu viel Druck auf Lehrkräfte ausüben. Sondern dass andere Eltern, vielleicht solche, die armutsbetroffen sind oder Migranten der ersten oder zweiten Generation, die falsches Feedback, schlechte Lernergebnisse und tradierte Lehrer-Vorurteile internalisieren und eben kein Feedback geben. Aus Angst vor Repressalien, aus Scham wegen mangelnder Sprachkenntnisse etc. Auch dafür hab ich eine Reihe Beispiele aus den letzten Jahren, aber es reicht jetzt mit Beispielen (ich hab weiter oben, glaube ich, irgendwas der Art angedeutet).
Wenn ich nun aber irgendwo irgendwas in der Art sage (und meine anekdotische Einschätzung kann ja falsch sein), gibt es zwei zentrale Gegenargumente von Lehrern, die mich leider beide nicht überzeugen:
Aber X (Schule an sich, Fach) ist wichtig und wenn es super wäre, wäre es super, also ist Generalkritik falsch.
Aber X (meine Schule, jemand, den ich kenne, ich) ist anders, also ist Generalkritik falsch.
Hmtja.