Film & Kino

Skyfall ist auch nicht so dolle, da sind wir einer Meinung. Spectre fällt nur gefühlt nochmal stärker ab, weil a) Blofeld wie der 08/15-Bondgegner rüberkommt, der er eigentlich nicht sein sollte und b) das schauspielerische Potential von Christoph Waltz komplett ungenutzt bleibt. Du hörst den Namen Christoph Waltz, denkst an Hans Landa und Dr. King Schultz, malst Dir aus, was das für ein Antiheld werden könnte… und dann bekommst Du diesen Blofeld. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht mal mehr erinnern, was genau die Bedrohung durch Blofeld war. Ich weiß nur, dass Moriarty im MI:6 war, Blofeld Bond die Eier weglasern wollte und er am Ende mit halben Gesicht auf der London Bridge liegen geblieben ist und es mich null tangiert hat.

So gesehen ist Skyfall auch der zweitbeste Bond von Craig. Aber eher, weil der Rest schlechter war. Und es lag am wenigsten an Daniel Craig.

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Jepp. Skyfall ist natürlich viel Fan-Service (nach dem wirren QoS imo auch nicht völlig verkehrt), aber recht unterhaltsam, für 007-Verhältnisse imo einigermaßen stringent erzählt und Silvas Motivation zwar nicht allzu einfallsreich, aber nachvollziehbar. Dass Bond am Ende nicht den Bösewicht in seiner Basis besucht und diese in die Luft jagt, sondern ihn auf sein bescheidenes Terrain lockt, fand ich eigentlich einen ganz netten Twist. Meinetwegen hätte die Reihe damit enden können.

Bei Spectre hingegen kann man das Ende tatsächlich nur als Fiebertraum, uh, ernstnehmen, aber die Story wirkt auch sonst von vorne bis hinten so, als hätten fünf verschiedene Autoren zehn verschiedene Ideen gehabt, und zum Schluss wusste keiner mehr, was eigentlich wessen Plan war.

Dazu Blofeld, der halt nicht Blofeld ist, sondern nur beiläufig erwähnt: “Achja, JAMES, ich nenn mich jetzt übrigens Blofeld!”, worauf Bond halt im Grunde nur mit den Schultern zucken und “Sonst alles gut bei Dir, Bro?” sagen kann. Wenn sie Blofeld spätestens in Skyfall fett als Strippenzieher im Hintergrund etabliert hätten, würde die Szene vielleicht einen Hauch von Impact haben. Aber so?

Für mich war bzw. ist das offensichtliche Problem der Bond-Reihe, dass sie nach dem Ende des Kalten Krieges (und sicher auch aufgrund der veralteten Rollenbilder) kaum Ideen hatten, wo sie mit dem Charakter und seiner Welt eigentlich hin wollten. Casino Royale funktioniert als einzelner Film noch am besten, weil es wirklich eine Art Neuanfang gewagt hat, Goldeneye und Skyfall taugen für mich als Rückgriffe, aber alles andere wirkt belanglos, planlos und aus der Zeit gefallen.

Aber, naja, wenn Amazon demnächst das BCU mit neuem Boomer-Bond, MI6 Academy, Miss(ion): Moneypenny, (untitled Q branch sitcom) und Feuerball 3D startet, werde ich mich nach Spectre und Brosnan wahrscheinlich noch zurücksehnen!1

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Warum so negativ? Amazon hat lediglich das Geld und die Rechte, der neue Regisseur ist Denis Villeneuve, der hat in den letzten drei Filme abgeliefert, also ist mir egal ob Onkel Bezos die Rechnung zahlt. Ich denke das wird ein richtig guter Bondfilm.

Die Besorgnis geht weniger darum, was Villeneuve drehen wird, sondern die dahinter stehenden Konzernpläne, daraus ein Multi-Level-Franchise zu bauen. Da hab ich ehrlich gesagt auch wenig Vertrauen, dass der CEO eines primär Rechenzentrum-Betreibers und in zweiter Linie LKW-Befüllers das mit einer entsprechenden Weitsicht führt. Wahrscheinlich wird der Gaul geritten, solange er die ersten beiden Geschäftszweige mit Nachfrage versorgen kann, bevor er dann zum Schlachter geführt wird. Nicht, dass die Broccolis keinen Gewinn machen wollten, aber es war ihr wichtigstes Rennpferd im Stall, da war die Achtsamkeit etwas höher.

Das muss auf Villeneuves Film alles noch nicht zutreffen, der hat sicherlich noch einige Freiheiten. Wobei Villeneuve ein Regisseur ist, der optisch stark ist, aber keine große Liebe für Dialoge empfindet. Da bin ich mir noch nicht so sicher, ob das zu Bond passt (hab aber auch noch keine abschließende Meinung dazu).

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Ja, dies. Villeneuve ist im besten Fall das Zuckerbrot, und dann kommt die Peitsche.

Dass Amazon - Home of Jack Reacher, Jack Ryan und zwölf verschiedenen Bosch-Serien - die Kohle nicht investiert hat, um alle vier Jahre mal was mit 007 zu machen, liegt auf der Hand.

Ich würde aber auch behaupten, dass der Regisseur bei einem Bond-Film gar nicht so entscheidend ist. Das Problem war doch fast immer das Drehbuch, nicht die Regie. Steven Knight halte ich zwar für kompetent - das weitgehend unterhaltsame SAS Rogue Heroes etwa trifft, sicher auch dank des hervoragenden Buchs von Ben Macintyre (*), den Tonfall schon ganz gut -, aber was davon am Ende übrig bleibt, steht auf einem anderen Blatt.

(*) Kann in dem Zusammenhang auch “The Spy and the Traitor” sehr empfehlen, das thematisch schön ins Bond- bzw. Cold-War-Thema passt.

Falls du den Film nochmal anschaust (ein ziemlich großes “falls”, ja), schau vielleicht mal ob das Ende nicht tatsächlich als Brazil-ähnliches Ende gedacht sein könnte. Im isolierten YouTube-Clip kommt das nicht so rüber, aber im tatsächlichen Film ist der plötzliche Bruch in der Tonalität des Films, und das Aufdrehen des Action-Klamauks bis ins lächerliche “up to 11”, schon relativ direkt.

Aber selbst wenn es Brazil sein soll, gut macht es damit nix. Weder den Film, noch das Ende selbst.

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Hmm, kann den Take nicht ganz nachvollziehen. Vielleicht war ich da auch zu unaufmerksam. Doch den Kalten Krieg hatte ich jetzt echt in den wenigsten Bond-Stories vor Augen. Für mich ist das auch im Großen und Ganzen eine Comic-Figur mit Comic-Bösewichten. Und da uns die aktuelle politische Landschaft ganz klar zeigt, dass Comic-Bösewichte vollkommen real sein können (was im Nachhinein einige absurde Geschichte aus Filmen, Spielen usw. plötzlich erschreckend glaubwürdig macht :upside_down_face:), sehe ich jetzt keine Sorge, sich für einen modernen Bond-Film ein passendes Szenario auszudenken. :man_shrugging:

Denis Villeneuve ist natürlich ein sehr guter Regisseur. Dass er keine große Liebe für Dialoge empfindet, ist mir jetzt noch nicht so aufgefallen. Geht’s um die Menge oder die Qualität?

Mir ist er tatsächlich visuell, wenngleich sehr ästhetisch, doch immer etwas zu farb- und detailarm, fast steril. (er hat’s echt geschafft, dass die Wüste in Dune kalt wirkt)

Aber er ist jemand, der sich echt lange Gedanken macht, wie man einen Stoff auf die Leinwand bringt. Und er kann Action inszenieren. Das ist schon mal vielversprechend. Am Ende bin ich aber auch der Meinung, dass das noch am Drehbuch und unsinnigen Studio-/Produzenteninterventionen scheitern kann.

Habe auch stark auf den Fukunaga-Bond gehofft. Das war auch berechtigt. Das Skript ist trotzdem messy und zieht einiges runter.

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Seine eigenen Worte:

Uff, finde ich schwer nachvollziehbar. In vielen meiner liebsten Filme und Filmszenen überhaupt ist der Dialog doch zumindest auch sehr wichtig. No Country for Old Men z.B. bietet einiges mehr als gute Dialoge, aber einige der besten Szenen bauen geradezu auf ihre starken Dialoge. Und das ist nur ein Beispiel von sehr vielen.

Dem kann ich nur zustimmen! Dialoge und das in ihnen nicht gesagte sind für mich das, was einen Film trägt. Aber irgendwie erklärt das auch mein Gefühl bei Dune, dass das irgendwie eher eine sehr lange Montage war :smiley: Trotzdem hat er mir sehr gut gefallen

Stimmt schon. Insbesondere in den Connery-Filmen haben sie die UdSSR als Gegner heruntergespielt, SMERSH (Sowjets) in SPECTRE (neutral) umbenannt und die meisten Verbindungen (Dr. No, Goldfinger, Mr. Big etc. als SMERSH-Agenten) gekappt. Erst ab den 70ern tritt der Osten wieder vermehrt auf.

Der Kalte Krieg dient schon häufig als Hintergrund - Liebesgrüße aus Moskau mit seinen Ex-KGB-Agenten, bei In tödlicher Mission (Suche nach dem ATAC), Octopussy (Ex-General mit Atombombe) und Der Hauch des Todes (KGB-Überläufer) trifft Bond direkt auf die Sowjets, bei Im Angesicht des Todes wurde Christopher Walken vom KGB ausgebildet, in mehreren Filmen will der Bösewicht einen Krieg zwischen West und Ost anzetteln … und dann Goldeneye natürlich.

Aber, ja, dazwischen sind auch viele gänzlich überzeichnete und nicht von einer politischen Ideologie getriebene Bösewichte wie Goldfinger oder Drax.

Vielleicht ist das Ausschlaggebende mehr das mit dieser Zeit verbundene Feind- und Weltbild im Allgemeinen. Zu Bonds Anfangszeiten konnte man sicher noch irgendwie daran glauben, dass ein einzelner Mensch den Unterschied machen kann. Aber ist das heute noch zeitgemäß, wo Kriege mit Drohnen geführt werden und Spionage vermutlich in erster Linie Computeranalyse/KI und Hacking bedeutet? Dass Comic-Bösewichte ein Schlüssel zum Erfolg wären, glaube ich nicht so recht; einen Goldfinger oder Mr. Big würde heute doch keiner mehr ernstnehmen.

Es gibt ja - wenn ich mich nicht täusche - auch kein wirkliches modernes Gegenstück zu Bond. Jason Bourne ist eine Figur der 80er und hat nur einen Film lang so wirklich funktioniert, Mission: Impossible stammt aus den 60ern und Tom Cruise braucht da schon ein komplettes Team inklusive Hackern um sich. Kingsman ist mehr Comedy, John Wick noch weitgehend Einzelkämpfer, aber in einem doch anderen Szenario …

Langer Rede kurzer Sinn: Ich glaube, Du hast Recht - der Kalte Krieg an sich ist nicht das Entscheidende, mehr Bonds Platz in unserer Welt.

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Das ist jetzt ein kleines bisschen Off-Topic, gleichzeitig aber auch nicht: Auf der Süd-Con hat mich jemand gefragt, ob es im Horrorfilm der letzten Jahre irgendwelche erkennbaren thematischen Trends gibt. Da habe ich dann ein bisschen zum Thema „Perspektivenwechsel“ und „Marginalisierung“ geschwafelt.
Aber eigentlich gibt’s ein wirklich gut geschriebenes Sachbuch, dass diesen Punkt viel besser transportiert: Feeding the Monster: Why Horror Has a Hold on Us von Anna Bogutskaya. Darin befasst sich die Autorin vorwiegend mit dem Horrorfilm ab 2014 und stellt unter anderem die Frage, wo eigentlich die ganzen klassischen Monster (Vampire unc Co.) hin sind - und was ihren Platz eingenommen hat. Ich würde nicht allem im Buch zustimmen, aber genau deswegen mag ich es sehr gerne. Es regt eben zum diskutieren an und stellt dabei viele exzellente Beobachtungen an.
Anna Bogutskaya betreibt übrigens auch den Filmpodcast The Final Girls.

Sowohl Buch als auch Podcast sind allerdings ausschließlich englischsprachig.

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Das ist natürlich auch eine sehr starke Meinungsäußerung, die möglicherweise weniger heiß gegessen wie gekocht wird. Es könnte auch einfach eine übersteigerte Version der anerkannten Regel „Show, don’t tell“ sein. Dennoch wird bei Bond es vermutlich die Bedeutung des Drehbuchautors steigern, weil Villeneuve da tendenziell weniger Fokus drauf legen wird.

Als Film mit primärem Bildfokus und nachrangigen Dialogen würde mir Spiel mir das Lied vom Tod einfallen. Aber ja, ich bin da auch eher anderer Meinung, selbst wenn ich da keine Ausschließeritis betreiben möchte. In den meisten Fällen wäre etwas mehr Sorgfalt bei den Dialogen sicher die am günstigsten zu erreichende Verbesserung. Man muss manchmal auch ans Schauspiel-Personal denken, die auch einen Sinn in ihrer Tätigkeit suchen und an deren Mehr- oder Minderleistung ein Film eben auch scheitern kann.

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Danke für den Tipp!

Bin in Hinblick auf Horror leider so gar nicht bewandert, aber spannend zu lesen, auch wenn es in Teilen ehrlicherweise meinen Horizont übersteigt - außer Get Out, The Menu, Yellowjackets und dem sehr amüsanten Bodies Bodies Bodies kannte ich von den neueren genannten Filmen und Serien nicht viel. (Immerhin fasst die Autorin den Begriff des Horrors recht großzügig; Filme wie Rope, Rebecca, Sunset Boulevard und selbst Der weiße Hai oder Das Schweigen der Lämmer wären mir wahrscheinlich gar nicht erst in den Sinn gekommen.)

Überhaupt viele interessante Beobachtungen, insbesondere die Veränderung des Horror-Genres über die Jahrzehnte hinweg als Reflexion der Ängste ihrer Zeit, und gerade in Hinblick auf die Gegenwart:

„With this new horror output enjoying its natural cycle of cultural popularity and relevance because of the free-floating anxieties we’re experiencing – the constant threat of war, the everyday demonstrations of government corruption, the genocides that the media attempt to rebrand – how are these manifesting in the work? If our monsters tell us what we’re afraid of, why are there no true monsters any more? All the vampires are sad and horny. The zombies are masses enslaved by capitalism. The witches are busy casting spells on TikTok, and the beast now belongs to blockbusters. Controversially, this new horror of ours doesn’t have a defining monster. If horror draws us a map of our fears, what are we afraid of now? Perhaps so many of our fears have turned into realities – life imitating horror movies – that monsters have lost their meaning. Maybe it’s easier to ask: what are we not afraid of now?“

Die Schlussfolgerung, warum klassische Monster verschwunden sind - der nach innen gerichtete Blick (Trauma, Nostalgie), neue Autoren und damit Ängste, das umgehende Karikieren und Entzaubern von Monstern auf Social Media, die Empathie zu ihnen - fand ich stark argumentiert und verständlich.

Auch das liest sich erschreckend einleuchtend:

„Traditionally, after the monster is vanquished, the status quo is restored. That’s not the case any more. We are more interested in – and scared of – the perversion of power, how we can twist even the supernatural to maintain the status quo. We no longer have a supernatural monster that defines us, because we’ve explained it away, therapised it out of being scary. The toppling of our idols and protectors, of systems we were instructed to trust implicitly, has left us, as audiences and makers of horror, in a state of profound disconnect and mistrust. We’ve aligned ourselves with the monster, and instead we are interested in the why of the monster in order, hopefully, maybe, to forgive it and, by extension, ourselves. We are so desperately in need of validation of our own righteousness that we have forgotten how to make monsters. We’re not as terrified of Vecna as we are of the Armitages, the Aunts and the Beverly Keanes, enforcers of a view of the world that leaves some people in charge and others at their mercy. Monsters used to demand awe. Now, they demand honesty. What could possibly make us so frightened of that?“

Hie und da trägt das Buch meinem Empfinden nach etwas zu dick auf. Dass Vampirgeschichten wie True Blood und Twilight das strukturelle Überleben der Vampire in Verbindung mit dem ungezügelten Kapitalismus brächten, erschien mir recht weit hergeholt - oder auch kleinere Behauptung wie das ‘eat the rich’-Genre dominiere Prestige TV. Aber, naja, das sind reine Details.

Um zum Ursprungsthema zurückzukommen: Lässt sich etwas davon auf die Bond-Reihe übertragen?

Dass die Filme oft die Ängste ihrer Zeit widerspiegeln, ist offensichtlich, auch wenn sie dafür kaum Metaphern bemühen müssen: Wenn die Welt einen Atomkrieg fürchtet, dann erzählen sie eben eine Story über einen drohenden Atomkrieg. Oder drei Storys. Und wenn die vorherrschende Angst gerade die vor Terrorismus und Biowaffen ist, dann kommen sie vielleicht mit einer Geschichte über ein Virus um die Ecke.

Die Erklärungen bzgl. der klassischen Monster auf Bonds Welt und seine Bösewichte zu beziehen hingegen, fällt mir schwer: Neue Stimmen und Themen gab es kaum, die Persiflage von jeher, und dass man sich in den Filmen mit dem Bösen identifizieren würde oder zumindest auf dessen Seite stünde, würde ich bestreiten.

Wenn, dann ist Bond selbst das entzauberte Monster. Aber das ist ja auch bloß eine andere Umschreibung für: Der Charakter ist aus der Zeit gefallen.