Inspiriert durch den Thread über das digitale Retro-Spiele-Archiv ( Habt ihr auch ein digitales Retro-Spiele Archiv? - #13 von Schreibgeist ) und Gunnars unvollendete Reise habe ich heute mal mit einem Archivierungs- und Unabhängigkeitsblick auf mein PC-Spiele-Regal geschaut. Und ab etwa 2015 kamen da nur noch ganz wenige neue Verpackungen von aktuellen Spielen hinzu. Und die, die dazukamen, sind zum größten Teil auch nur Verpackungen mit einem Steam-Key.
Der ganze Bereich der PC-Spiele ist ja noch mehr als Konsolenspiele ein DRM-limitierter Raum, der komplett wertlos wird, sollte Steam mal ins Gras beißen (nicht besonders realistisch, aber wer weiß?).
Wie geht ihr damit eigentlich so um? Immerhin bekommt man ja mittlerweile auch das eine oder andere Spiel auf GOG und damit einen Offline-Installer. Dafür fällt die Installation und der Support auf etwas wie dem Steam Deck (und bald der Steam Machine) etwas schwerer. Und wie kann man eigentlich Spiele in bestimmten Versionen archivieren?
Habt ihr bei modernen PC-Spielen überhaupt noch eine Art Sammelmotivation?
Ehrlich gesagt hab ich das aufgegeben. Ich hoffe dass Valve für mich nicht die selbe Enttäuschung wird wie Google mit Don’t be evil, aber momentan hab ich noch Vertrauen in Gabe Newell. Ich würde wahrscheinlich mehr Spiele bei Gog kaufen wenn nicht zwei Sachen währen:
Steam ist unglaublich bequem und da sind halt all meine Spiele
Ich bin Valve unglaublich dankbar (auch wenn es natürlich auch viel unternehmerische Motivation war) was sie fürs Spielen unter Linux getan haben. Zur Jahrtausendwende war da nichts zu holen und auch vor 15 Jahren war es ein riesen Kampf irgendwas zum laufen zu bekommen.
Das belohne ich mit meiner Geldbörse, genauso wie ich aufgehört habe bei Google und Amazon Geld zu lassen.
Sorry, ich komme vom Thema ab: Ja, ich sammel irgendwie immer noch und bin mir bewusst, dass ich nur Lizenzen sammel. Das ist ein Kompromiss mit dem ich lebe, da ich Valve mag. Ich prophezeie dass wenn Steam irgendwann mal alles Dicht macht (oder ähnliches passiert), dass dann der Piratenmarkt wieder größer wird. Und ein Spiel für das ich eine Lizenz gekauft hab, würde ich ohne jegliche Bauchschmerzen auch anderweitig besorgen.
Mit der Frage, wie Computerspiele archiviert werden können, setzen sich ja einige Kulturwissenschaftler auseinander, beispielsweise der nestor e.V..
Im Privaten halte ich es so, dass ich versuche von solchen Spielen, die ich mir wirklich für meine Rentnerzeit bewahren möchte, Offline-Installer zu speichern. Die gibt es aber auch nicht immer. Und bei Online-Spielen mit dynamischen Versionen ist es ohnehin zwecklos – meine Lieblingsmap von World of Tanks war dann einfach mal weg für immer Ich weiß, dass Hardcore-Fans sich Images von bestimmten Versionen abziehen, aber die laufen dann ja auch meistens nicht ohne eine passende Server-Version.
Ich bin mittlerweile zu der persönlichen Einsicht gelangt, dass einige Spiele einfach verschwinden werden Von Bigboxen bewahre ich mir auch nur noch die auf, wo ich die Box besonders schön finde.
Passt nicht zu 100% zum Thema, aber es geht in die Richtung, die Steam Games so zu präsentieren, wie es in den 90er mit den Big Boxen üblich war, nur eben digital. Über den Sinn kann man natürlich streiten.
Das Sammeln von aktuellen PC-Spielen in physischer Form macht für mich in den meisten Fällen keinen Sinn mehr, da es in sehr vielen Fällen mit einem Steam-Account oder anderen Launchern zwangsverknüpft ist. Da ich aber im Wesentlichen nur noch bei GOG kaufe, schließt sich das von vornherein aus. Steam nutze ich nur, wenn es mich absolut reizt und gar nicht anders geht. In den allermeisten Fällen sind es dann allerdings Spiele, die sich auch auf Konsolen finden, dann landen sie am ehesten noch in meiner PlayStation- oder Nintendo-Bibliothek. Da hab ich dann auch keinen Händel wegen irgendwelcher Publisher-Zusatzshops.
Richtige Sammlerboxen, mit Big Box, Goodies etc., kaufe ich nur noch von handverlesenen Titeln. Das sind im Wesentlichen die Kickstarter-Kampagnen von den beiden Baphomets Fluch Reforged gewesen. Die PC-Sammleredition von Outcast: A New Beginning hab ich gekauft, weil sie auf Amazon verramscht wurde und ich die Spielereihe trotz ihrer Schwäche einfach mag. Aber danach wird’s dann schon dünne. Das höchste der Gefühle sind da noch irgendwelche Deluxe Editions von Switch-Spielen, die in marginal größeren Pappboxen kommen, wo vll noch eine Soundtrack-CD oder ein kleines Artbook drin ist.
Switch ist das einzige, wo ich noch Datenträger sammle. Bei der Switch 2 mit den Schlüsselkarten ohne Software fällt mir das schon schwerer, weil sich das zunehmend falsch anfühlt. (ja, auch die Switch-1-Spiele sind ohne Updates teilweise unspielbar - aber auch nicht alle). Bei PlayStation hängt es davon ab, wo ich das Spiel günstiger bekomme. Da sowieso immer alles auf Konsole kopiert werden muss und der Datenträger nur noch als Kopierschutz-Identifikator dient, machte das bisher auch keinen großen Unterschied. Obwohl sich Sony mit seinen neuen Authentifizierungsregeln gerade wieder alle Mühe gibt, das zu hinterfragen.
Das ist so mit das einzige Projekt, was ich vom Anspruch auf einem Niveau, vergleichbar mit editionsphilologischen Aufarbeitungen anderer Medien (Buch, Musik, Film), sehe. Die Video Game History Foundation arbeitet sogar mit digitaler Forensik eine Entstehungsgeschichte von Spielen auf und bekommt z.B. Archivmaterial von Spielefirmen mit Entstehungsvarianten, auch Paratext- und Epitext-Material.
Für den Amiga gibt es das IPF-Format. Ein älteres Projekt für die digitale Konservierung von originalen Amiga-Disketten nebst Kopierschutz.
Interessant, danke.
Da wird die Software Preservation Society auch erwähnt.
Die Archivierung ist wichtig. Wichtig ist aber auch die kulturwissenschaftliche Aufarbeitung des Materials. Das steckt im Computerspiel noch komplett in den Kinderschuhen. Hinzu kommt, dass der Überlieferungszustand, abseits von Artworks und Printmaterial, in der Regel digital ist.
Es wäre aber wichtig, dass jetzt schon, auch in den Spielefirmen, das Bewusstsein entsteht, Material zu sammeln, zu erhalten, und zur gegebenen Zeit an öffentliche Einrichtungen zu überlassen.
Um mal ein Schlagwort zu nennen: Digital Humanities
Bei aktuell 200 erscheinenden Titeln alleine auf Steam, dazu noch der gesamtes Zeug aus den App Stores halte ich das für eine unmögliche Aufgabe. Funktioniert bei Bücher und Musik auch nicht mehr lückenlos, weil es ja Selbstpublishing gibt, da bekommen die großen Archive keine Kopie zugeschickt. Und was das Thema öffentliche Einrichtungen angeht, die werden in den nächsten Jahren mit dem Rasiermesser gestutzt, das nächste große Thema in ganz Europa ist die Rente und das Gesundheitssystem, da brauchst du nicht mit Kultur ums Eck kommen. Denke in Zukunft wird das ein Geschäft für die Titanen der Spieleindustrie, die ähnlich wie MS genügend Geld haben und dann natürlich bevorzugt ihre Games „archivieren“.