Monster Menagerie: Spinnen

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Liebe Leute,

in der neuen Folge der Monster-Menagerie krabbelt es gewaltig – Rahel und Christian nehmen sich diesmal einem Gegner an, der so alt wie die Menschheit ist: der Spinne. Kaum ein Tier ruft so viele Emotionen hervor, kaum ein Motiv ist so tief in Mythen, Geschichten, Spielen und Ängsten verankert.

Woher stammt unsere kollektive Angst vor Spinnen? Wie wandelte sich ihr Bild von der göttlichen Weltenweberin zur bösartigen Femme fatale? Und was hat eigentlich Arachne mit all dem zu tun? Die beiden besprechen, wie die Spinne als Metapher, literarisches Motiv und Spielgegner funktioniert – von der schwarzen Witwe bis zur Minecraft-Spinne, von westafrikanischen Mythen über japanische Dämonenspinnen bis zu literarischen Horror-Klassikern wie Die schwarze Spinne oder The Ashtree.

Natürlich steht auch die Frage im Raum: Warum gibt es in so vielen Spielen eigentlich immer Spinnen als Gegner? Und was sagt das über ihre Rolle im popkulturellen Kanon aus?

Am Ende muss sich natürlich auch die Spinne den bekannten Kriterien der Monster-Menagerie stellen: Bedrohlichkeit, Intelligenz, Gruselfaktor – wie schlägt sich das achtbeinige Ungeheuer im Ranking?

Rahel + Christian

Produktions-Credits:

Redaktion, Sprecher: Rahel Schmitz, Christian Beuster
Audioproduktion: Fabian Langer, Christian Schmidt
Folgen-Cover: Paul Schmidt

Literaturliste:

Fach- und Sachliteratur:

· Creed, Barbara (1993): The Monstrous-Feminine: Film, Feminism, Psychoanalysis

· Michalski, Katarzyna / Michalski, Sergiusz (2010): Spider → Achtung, bebildert!

· Gregersdotter, Katarina / Höglund, Jörg / Hållén, Nicklas (Hrsg.) (2015): Animal Horror Cinema

Romane:

· Gotthelf, Jeremias (1842): Die schwarze Spinne

· Lord Dunsany (1908): The Fortress Unvanquishable, Save for Sacnoth

· James, M. R. (1931): The Collected Ghost Stories of M. R. James

· Smith, Clark Ashton (1934): Die siebenfache Bedingnis [“The Seven Geases”].

· Tolkien, J. R. R. (1937): Der kleine Hobbit

· Tolkien, J. R. R. (1954): Der Herr der Ringe

· Matheson, Richard (1957): Die unglaubliche Geschichte des Mr. C. [The Shrinking Man]

· Tolkien, J. R. R. (1977): Das Silmarillion

· King, Stephen (1986): ES

Filme:

· Das Spinnennest (1943). Regie: Roy William Neill

· Tarantula (1955). Regie: Jack Arnold

· Mörderspinnen (1977). Regie: John ‘Bud’ Cardos

· Arachnophobia (1990). Regie: Frank Marshall

· Itsy Bitsy (2019). Regie: Micah Gallo

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Ohne den Podcast gehört zu haben (wird mit großer Vorfreude natürlich gleich gemacht), aber als Biologe muss ich einfach was zum Text sagen: Spinnen sind wesentlich älter als die Menschheit. Die ältesten bekannten fossilen Nachweise sind 319 Millionen Jahre alt, die Menschheit (Homo sapiens) gibt es seit ca. 0,3 Millionen Jahren. Und jetzt ab zum hören :slight_smile:

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Ohne Biologe zu sein, fast alle anderen Tierarten sind älter als der Mensch.

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Klar, aber hier geht es nun mal um (Web)-Spinnen :slight_smile:

Interpretiere das so, dass die Angst beziehungsweise die Feindschaft mit den Spinnen eben so alt wie die Menschheit selber ist - nicht die Spinnen.

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Nach dem Hören der Folge ein generelles Feedback :slight_smile: Zusammen mit der Folge über Hexen ist das bisher meine Lieblingsfolge, insbesondere was die umfangreiche Herleitung der kultur- und gamehistorischen Bedeutung angeht. Gerade die Bedeutung von Spinnen bei Lovecraft war mir bisher nicht bewusst. Großes Lob :slight_smile:

Zum Vorkommen von Spinnen als Gegner in Strategiespielen sind mir spontan Dungeon Keeper ( als eine der frühen Kreaturen die man anlocken kann) und Warcraft 3 eingefallen. Die Gruftbestien sind in all ihren Merkmalen von Spinnen abgeleitet, außer was die Anzahl der Laufbeine betrifft (6 statt 8).

Ein Aspekt, der aus meiner Sicht zum Ekel-/Gruselfaktor von Spinnen beiträgt, aber meiner Erinnerung nach nicht explizit im Podcast genannt wird, ist die Tatsache, dass Spinnen ihre Nahrung außerhalb ihres Körpers vorverdauen müssen um den entstandenen Nahrungsbrei anschließend aus dem durch das verabreichte Gift meist gelähmten Körper der Beute aufzusaugen, bis nur eine leere Hülle übrig bleibt. Das hat auf viele vermutlich eine abstoßende aber durchaus auch faszinierende Wirkung (zumindest auf mich). Ein Beispiel für ein Spiel in dem das aufgegriffen wird fällt mir spontan aber nicht ein, außer vllt. bei Kankra in Spielen mit HdR-Lizenz?

Noch einige Anmerkungen zur Biologie: An mehreren Stellen wird gesagt bzw. deutlich suggeriert, dass Spinnen Insekten seien, so bei 1:11:08 und 1:16:53. Dem ist natürlich nicht so. Das Hauptunterscheidungsmerkmal, neben vielen anderen, ist die Anzahl der Laufbeine: 8 vs. 6.

An einigen anderen Stellen werden Zugehörigkeiten von Tieren zu Organismengruppen durcheinander gebracht. Daher finde ich nochmal eine generelle Einordnung wichtig: Das Thema des Podcasts richtet sich, auf die Webspinnen, also die Spinnen im eigentlichen Sinne. Diese bilden innerhalb der Spinnentiere eine eigene distinkte Gruppe, andere Gruppen der Spinnentiere sind z. B. Skorpione, Milben und Weberknechte. Allen gemein sind u. a. die 8 Beine. Typische Eigenschaften der Webspinnen die man mit Spinnen im landläufigen Sinne verbindet und die auf diese Gruppe zutreffen sind z. B. das Vorhandensein von Spinndrüsen zum Netzbau, Giftdrüsen die Gift zum Beutefang/Verdauung produzieren, 8 Beine, meistens 8 Augen (wenige Gruppen haben 6), ein deutlich zweigeteilter Körper, ein meist sehr ausgeprägter Sexualdimorphismus (Geschlechter unterscheiden sich deutlich, bei den Webspinnen meist die Größe betreffend).

Bei 1:35:55 wird von übergroßen Insekten gesprochen und als Beispiele werden Skorpione und Tausendfüßer genannt. Skorpione bilden wie, schon erwähnt, eine eigene Gruppe innerhalb der Spinnentiere, sind aber keine echten Spinnen, aber mit diesen viel näher verwandt als mit Insekten. Wie Rahel an anderer Stelle richtig erwähnt sind können sie aufgrund dieser Ähnlichkeiten durchaus Arachnophobie auslösen. Tausendfüßer sind weder Insekten noch Spinnen(tiere), sondern bilden eine eigene Gruppe. Das sicherste Erkennungsmerkmal ist hier die Anzahl der Laufbeine.

Bei 2:17:18 werden Skorpione als Käfer eingeordnet (“Skorpione und andere Käfer”): Käfer sind eine Gruppe innerhalb der Insekten, Skorpione gehören zu den Spinnentieren.

Rahel erwähnt z. B. auch Weberknechte, die jedoch keine Spinnen sind, sie bilden eine eigene Gruppe und unterscheiden sich in mehrfacher Hinsicht von den Spinnen: Sie besitzen keine Spinndrüsen, können also keine Netze bauen. Weiterhin fehlen ihnen auch Giftdrüsen, sie haben 2 Augen, keinen zweigeteilten Körper (keine Teilung erkennbar) und keinen so ausgeprägten Sexualdimorphismus. Mit Weberknechten verwechselt (bzw. mit diesem Namen belegt) werden oft Zitterspinnen, die häufigsten Spinnen in mitteleuropäischen Behausungen und die echte Spinnen sind. Hier mal ein Vergleich zwischen Großer Zitterspinne (oben) und Hornweberknecht (unten) anhand von Bildern aus der deutschen und englischsprachigen Wikipedia. Beide Arten kommen in Mitteleuropa häufig vor; auf den Bildern (nachträglich mit Spoilermarkierung versehen) kann man einige der genannten Unterschiede erkennen:

Gefreut habe ich mich persönlich über die mehrfache Erwähnung der ökologischen Rolle von Spinnen, das kann man nicht genug betonen :slight_smile:

Neu für mich war der Hinweis von Christian, dass der Sexualkannibalismus von Schwarzen Witwen hauptsächlich in Gefangenschaft beobachtet wurde, was ja durchaus auch Sinn macht :+1: .

Apropos Schwarze Witwe: der Name Mactans (Spinnendämon aus DSA), der sich vom wissenschaftlichen Namen der Amerikanischen Schwarzen Witwe (Latrodectus mactans) ableitet (wie im Podcast erwähnt), kommt aus dem Lateinischen und bedeutet “schlachtend” bzw. “der Schlächter”, also durchaus passend :slight_smile:

MfG

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Sehr schöne Folge. Besonders die kulturhistorische Herleitung fand ich gelungen und habe noch einiges gelernt.

Ich weiß, dass man immer noch andere Spiele nennen kann, eines finde ich jedoch ziemlich passend, da es Spinnen da eben nicht nur als Monster gibt, sondern auch Elemente der Herleitung aufgegriffen werden.

In den Zelda-Spielen gibt es schon lange Spinnengegner, eine größere Rolle spielen sie aber vor allem in Ocarina of Time:

Der erste Dungeon ist der Deku-Baum, der Hüter des Waldes und der Kokiri - also eine Art “Lebensbaum”. Im Spiel ist er dann von Spinnen befallen, eines der ersten “Rätsel” ist es, ein großes Spinnennetz am Boden des Baumes zu durchdringen.

Später stößt man im Ort Kakariko auf ein Haus, in dem eine Familie lebt, deren Mitglieder durch einen Fluch in Spinnen verwandelt wurden, aber noch menschliche Züge aufweisen.

Um den Fluch zu lösen, muss man bis zu 100 (vollkommen ungefährliche) Spinnen besiegen, die sog. “Goldenen Skulltulas”, die in der Spielwelt versteckt sind und ein Symbol hinterlassen. Hier werden Spinnen also zu Sammelobjekten.

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Müsste man hier den Spinnen als Ordnung nicht die Ordnung gegenüber stellen, zu denen die Art Homo Sapiens gehört? Wikipedia sagt mir als Nicht-Biologen, das wären dann die Primaten, die selbstverständlich auch jünger sind als die Spinnen, aber viel älter als Homo Sapiens.

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Eine sehr schöne Folge.

Ich habe alles daran verschlungen. Interssant finde ich auch das Thema Arachnophobie, wo bei mir ja gar nix zuckt, wenn ich Spinnen sehe. Egal ob in echt, oder auf dem Bildschirm. Vor allem in Computerspielen denke ich mir:” na, die kann mir ja nix… “. Ist halt einer von vielen generischen Gegnern. Nur blöd, wenn man keine Giftheiltränke mehr dabei hat.

Ich will auf keinem Fall die Ängste von Betroffenen despektierlich behandeln. Im Gegenteil. Mir ist durch Rahels Beschreibungen bewusster geworden, warum Leute zusammenzucken und Stress bekommen, wenn irgendwo eine “harmlose” Spinne hockt.

Keine Spinnen im Spielzeugladen?

Die “Schleich” Ecke sagt da was anderes :wink: haben hier einige “normale” Spinnen (Schleich, Papo, Bullyland) aber spätestens bei Schleich Eldrador kommen die gross zum Zuge.

Und Susi Spinne nicht vergessen :wink:

Echte und unechte Spinnen und Spinner gibt es da. Aber ich wollte da nicht schon wieder den Laden einbeziehen. Was aber irgendwie nicht geklappt hat haha.

Beim nächsten Monster gibt es 100pro keinen Bezug.

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Schöne, lange Ausführung, aber vielleicht möchtest du die Bilder mit Spoilern markieren, wenn wir schon bei Arachnophobie sind? Ich hab ja eigentlich echt keine Angst vor Spinnen, aber bei dem zweiten Bild hatte ich dann doch kurz auch ein Schaudern… :sweat_smile:

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Gute Idee, habs hinzugefügt :slight_smile: Aber Spinnen sind auf dem Bild keine zu sehen :smiley: … nur ein Weberknecht, an dessen einem Bein übrigens eine Larve einer parasitischen Milbe (auch ein Spinnentier) zu sehen ist.

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Du meinst wegen des zeitlichen Vergleichs? Auf der systematischen Ebene kann man das sicher machen, aber für sinnvoll halte ich das nicht. “Menschheit” ist ja der Begriff für die Gesamtheit aller Individuen der Art Homo sapiens. Zu den Primaten hingegen gehören neben, mit dem Homo sapiens nah verwandten Arten wie Gorilla und Schimpanse, beispielsweise auch Koboldmakis und das Fingertier, die viel weniger mit dem Mensch und der Menschheit gemein haben.

Sehr schöne und informative Folge, glücklicherweise habe ich keine Arachnophobie aber meine Mutter und als Kind dachte ich deswegen auch dass ich Angst vor Spinnen haben müsste aber das hat sich im Laufe der Jahre geändert.
Aber als die monströse Weiblichkeit in Bezug auf Spinnen erwähnt wurde, musste ich nur irgendwie an diesen Dark Souls Comic denken. :sweat_smile:


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Die beiden hatten aber auch einen echt schweren Start…. hitzig, aber schwer.

Werd mir das Unterstützer Abo erst im Januar holen, da ich ab da wieder 120 Minuten am Tag mit Pendeln verbringen werde, aber freue mich schon auf die Folge. Ich hab bei keinem Tier Berührungsängste (gut, Nacktschnecken muss ich jetzt nicht unbedingt anfassen) aber Spinnen find ich im Real Life schon super-räudig. Jetzt sind wir Bayern gar nicht so Spinnen-geplagt aber wenn da so ein Besucher im Haus ist, das ist schon :face_vomiting:. Leider geht’s allen anderen im Haushalt auch so und ich darf die Biester dann fangen und des Wohnsitzes verweisen. Töten (via Spray oder so) wäre zwar einfacher, aber das will ich dann auch nicht. Das Viech kann ja nichts dafür, dass es alle graust. Da ists oft schwer, den Mann im Haus zu markieren und die Aufgabe souverän zu erledigen, wenn der braune Stift schon in der Unterhose malt.
Ganz schlimm war es, als wir einen Hausbooturlaub auf der Havel gemacht haben. Da ist ja alles voll von den Tieren. Wir hatten das Boot, mit der ganzen Patchworkfamilie (6 Personen), etwas überbelegt und meine Tochter (damals 11) musste in ner „Höhle“ unter dem Tisch schlafen. Eines Abends, sie war total fertig vom Schwimmen, ist sie recht früh weggedröselt und dann kriecht eine handgroße Spinne über ihr Kissen Richtung ihr Gesicht. Sie hat es dann doch schneller gemerkt als ich was machen konnte, und hat sie dann einfach weggewischt. Und die Spinne krabbelt dann unter das Kissen und sie schläft weiter. Meine Stieftochter (damals 21), meine Partnerin und ich saßen auf dem Sofa gegenüber und haben echt gekämpft nicht BÄÄÄÄÄÄHHH zu schreien oder gleich zu brechen.
Alter, da schläft man fast automatisch in Schichten.
Krass wie sehr einem so ein kleines Tier Unwohlsein beschert. Das muss ja irgendwie genetisch sein.

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Recht ähnliches ist uns mal in einem Ferienhaus in Dänemark passiert. Schönes, rustikales Holzhaus. Etwas abseits, direkt am Waldrand. Sicherlich schon eine halbe Saison nicht bewohnt gewesen. Deswegen unterm Strich auch recht günstig.

Und ja, drinnen sah es dann in Sachen Spinnen genau so aus, wie man sich das vorstellen würde. Direkt begrüßt wurden wir von einem richtig dicken Exemplar, das sein Netz zwischen Fernseher und Zimmerwand gesponnen hatte, da ziemlich dreist mitten drin saß und uns (so kam es mir zumindest vor) herausfordernd anfunkelte aus seinen drölfzig Augen. Und seine zahlreichen, in allen Ecken des Hauses wohnenden Artgenossen taten es ihm gleich.

War insgesamt nen super Urlaub. Aber sobald es dunkel wurde und es Richtung Bett ging, wurde allen Beteiligten schon etwas flau im Bauch.

Ende vom Lied: Die letzten 3 Tage des Urlaubs haben wir uns ca. 140 Kilometer weiter nördlich in Kopenhagen in ein schickes Hotel einquartiert. Irgendwo im 13. Stock. Weit weg von Krabbelviechern :smiley:

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Krass wie sehr einem so ein kleines Tier Unwohlsein beschert. Das muss ja irgendwie genetisch sein.

Darauf deutet die aktuelle Erkenntnislage hin, hier eine Meldung zu einer Studie, in der die Reaktion von Babys auf den Anblick von Spinnen (und Schlangen) untersucht wurde. Damit es zu einer Arachnophobie kommt spielt dann aber die sozial-psychologische Komponente eine große Rolle: Kinder registrieren das Verhalten ihrer Eltern gegenüber den Tieren und übernehmen es. Das kann sich zu einem Meideverhalten weiterentwickeln, das Alltag und Sozialleben einschränken kann.

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Vielleicht hatten die Spinnen das Ferienhaus schon früher gebucht und haben euch deshalb böse angeschaut.:grin:

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