Nachdem ich nun wieder ein paar „Die Welt von“ fertig gehört habe, muss ich einen Punkt ansprechen, der mich nun schon etwas länger beschäftigt und lange zögerte ihn zu posten.
Zunächst aber erst einmal ein grosses Lob. Ich find die meisten Folgen sehr gut, v.a. ein solider roter Faden, viele Hintergrundinfos, gute Recherche, passende Gäste und auch wenn man in einem der Themen schon sehr gut drin ist, man lernt trotzdem wieder neue Aspekte.
Auch ist die tolle Harmonie zwischen Rahel und Mháire zu spüren. Daher den kommenden Punkt weder persönlich nehmen noch als böse Kritik verstehen, sondern lediglich als Denkanreiz.
Worum es mir geht ist der „politische Kommentar“, leider finde ich keine bessere Formulierung, der bei manchen Folgen mit dabei ist. Ich muss das ein klein wenig ausführen, damit es nicht falsch verstanden wird.
Nehmen wir mal die Folgen zu Shadowrun und Alien, da es da eine gut vergleichbare Parallele gibt. In beiden Welten werden starke Monopole von Unternehmen eingebettet und die Auswirkungen davon, wobei das schon sehr kurzgegriffen ist. In den Folgen wird das u.a. als Kapitalismuskritik erwähnt. Das ist etwas sehr oberflächlich es so zu klassifizieren aber kann man mit leben. Ein anderer Aspekt war z.B. die Geschlechterrollen. Wir haben es somit also mit Themen zu tun die zu einem relevanten Teil auch im politischen Spektrum zuzuordnen sind.
Nun ist es natürlich sinnvoll das in den Folgen anzusprechen, dass das Teil der Welten ist und wie es behandelt wird. Da bin ich ganz bei euch. Das haben wir ja auch in anderen Formaten, z.B. wenn ich mich an die Folge zu Pirates erinnere als Gunnar und Chris auch eine Wissenschaftlerin dazu interviewed haben.
Was ist nun also mein „Kritikpunkt“? Die Art und Weise wie es angesprochen wird und daraus ergeben sich meine Anmerkungen.
- Es wird teilweise nur sehr kurz und sehr oberflächlich angesprochen ohne auf die Details einzugehen. Ist es wirklich pauschale Kritik am Kapitalsimus oder geht es eher um starke Monopolbildung. Welche Hintergründe hat es, welche Position hatten die Autoren dazu, wie ordnet die Wissenschaft das ein usw. Da kann man natürlich nicht endlos in die Tiefe gehen aber in anderen Aspekten werden die Folgen ja genau um diese Tiefe erweitert.
- Die Formulierungen oder Ausführungen dazu. Da es oft nur so grob angesprochen wird sind die Formulierungen der beiden Podcasterinnen oft eher sehr lasch oder ziehen das Thema gefühlt eher ins Lächerliche. Das ist jetzt natürlich rein subjektiv wie es bei mir akustisch ankommt. Das passt irgendwie nicht ganz in das restliche Format das sehr nüchtern und sachlich formuliert wird.
- Die „Belehrung“ die mitschwingt. Ich kann mir grob vorstellen wie die beiden Podcasterinnen politisch grob positioniert sind, daher kann ich durchaus verstehen warum und wie sie die Kommentare so hinzufügen. Es ist für mich als Zuhörer aber durchaus so, dass es dann z.B. so ankommt als sei Kapitalismus pauschal schlecht und das würden ja alle wissen. Oder Gewerkschaften (siehe Alien Folge) sind ein Heilmittel. Fairerweise wurde es im Fall der Gewerkschaften ja auch so formuliert, dass die Podcasterin das als ihre Meinung ansieht. Auch der Verweis an einer Stelle in der Alien Folge, dass es „natürlich ein Mann war“, der dann destruktiv auftrat.
- Referenzen zu unserer heutigen Zeit. Immer wieder gibt es mal Formulieren wie „wir sind da ja auch schon“ bzw. „wir sind da ja auch nicht weit entfernt/kurz davor“. Aber es wird dann nicht näher drauf eingegangen oder es mit Fakten untermauert.
- Es ist ein leichter Bruch im Hörfluss. Das lockert natürlich auch auf, aber es lenkt teilweise vom eigentlich Thema ab, welches gerade im Kapitel angesprochen wurde. Das ist aber jetzt nur ein Randaspekt und auch sehr subjektiv. ( Ich bin ja u.a. auch froh, dass das Gendern in den Weltfolgen weniger geworden ist, da es teilweise sogar dazu führte, dass ich zurückspulen musste weil manches unverständlich war. Aber das ist ein anderes Thema)
Ist das jetzt wirklich ein tiefgreifendes Problem? Nein, natürlich nicht.
Hör ich deswegen die Folgen nicht mehr? Nein, auch das nicht.
Da mag ich auch in einer Minderheit sein, aber gerade beim Hörfluss stört mich das schon, weil man dann leicht genervt ist. Und da geht es nicht um ein vermeintliches Privileg, dass man von Politik verschont werden will, sondern es sollte eben inhaltlich gut argumentativ und mit Fakten eingebettet sein, so wie z.B. bei der Pirates Folge. Anders sehe ich es z.B. in den FON Folgen, da hat v.a. ja Gunnar auch ab und zu politische Aspekte aus subjektiver/persönlicher Sicht angebracht. Da passt das aber zum Format.
Wenn die Einbettung v.a. mit mehr Tiefe, Argumenten und Fakten erfolgt, dann kann man auch viel besser konkrete Punkte im Nachgang ansprechen und diskutieren. Und ich würde behaupten, dass die StayForever Community auch politisch durchaus sehr bunt gemischt ist
Insofern wird es da durchaus unterschiedliche Ansichten geben und auch Interpretationen der Welten, die in den Folgen betrachtet werden. Wer eher dem linken, sozialen, etatistischen Spektrum sich zuordnet wird das was ich angesprochen habe weniger stören, außer evtl. beim Hörfluss. Aber wenn man eher liberal oder konservativ eingestellt ist, dann kann man es evtl. eher nachvollziehen.
Und sollte jemand eine Formulierung unangenehm hier auffallen, bitte erst einmal nachfragen. Ich habe es mehrmals umgeschrieben um möglichst niemandem auf den Schlips zu treten.
Wie schon am Anfang gesagt, der überwiegende Teil der Folgen ist super, toll anzuhören und bereichert sehr. Gerade deswegen ist dieser vermeintliche Aspekt für mich so „nervig“, weil dann beim Hören die Stimmung schwankt. Evtl. bin ich da aber auch in einer extremen Minderheit und die Mehrheit der Hörer findet es gut so. Und bestimmt hab ich irgendeinen Punkt nun doch vergessen, den ich ansprechen wollte
Seht es mir nach.