Ich habe die Folge gerade auf den Ohren und da hängen wirklich eine Menge Erinnerungen dran. Bei meinen ersten LANs ca. 1996 war ich 16 Jahre alt und wir haben eigentlich nur im privaten Kreis aus Mitschülern, Freunden und dem Abiturjahrganges meines Bruders gespielt. Zumeist waren wir eine Gruppe aus 6-12 junger Typen zwischen 15-20 Jahreund haben in wechselnden Konstellationen zumeist dort gezockt, wo die Eltern eben gerade über den Abend nicht im Haus waren. Die Klischees: Jugendzimmer, Keller, Wohnzimmer passten also voll bei uns.
Ungewöhnlichster Ort war mal das sogenannte „Medico-Center“. Das war ein Gebäude speziell für kleine Medizinkongresse. für ca. 20 Teilnehmer. Nicht super abgefahren, aber war schon cool, dass wir da so einen professionellen Ort zur privaten Nutzung hatten. Der Vater des Veranstalters (Apotheker) hat auch abends stets 1x nachgesehen, ob wir da nicht irgendwas abgefahren, illegales machen. Was sich Eltern eben so bei so einem neuen Hobby eben Schlimmstes vorstellen konnten.
Kleine Anekdoten:
Aufgrund eines Tippfehlers waren all unsere Rechner standardmäßig in der Gruppe „Window“ statt „Windows“. Die Gruppe hat sich tatsächlich einige Zeit gehalten. Jeder Neue musste seine Gruppe stets unserer anpassen.
Einmal bin ich beim Abbauen auf ein LAN Kabel getreten und habe so versehentlich eine stundenlange Partie Warcraft 2 abgebrochen.
Einer hatte einen notorisch langsamen Rechner. Er konnte knapp Duke3D mit minimalen Einstellungen spielen. Wenn man aber über die F-Tasten Sounds abgespielt hat, ruckelte sein Spiel so sehr, sodass man ihm oft entkommen konnte.
Apropos Sounds. Bei Duke3D ließen sich die Sounds wunderbar manipulieren, indem man in einer Datei die Namen der Sounddateien raussuchte und dann Wav-Files einfach hineinkopierte, passend umbenannte und die Endung in *voc änderte. So hatten wir beim Ballern alle möglichen witzigen Sounds aus Helge Schneider, Star Trek usw. Die Standardpistole hatte z.B. den Schusseffekt aus dem Intro des Songs Body Count’s in the House von Body Count und in der Strip Bar lief ein Riff von Rammsteins Asche zu Asche in Dauerschleife. Hat man einer Stripperin Geld gegeben, sagte Duke „Komm her, du alte Hippe!“. Es war pures Vergnügen, wenn dann auf unzähligen Boxen diese ganzen Quatschsounds liefen.
Für Duke3D habe ich auch eine Karte für den Multiplayer gebaut, die eigentlich allen total Spaß gemacht hat, weil sie so schön simpel aufgebaut war und jeder mal eine Weile dominieren konnte.
Das Level glich im Prinzip einer großen Acht. Die langen Wege waren mit den leichteren Waffen und Munition gespickt, aber von rotierenden Türen immer mal kurz abgetrennt. So konnte man nie quer durch das längliche Level von A nach C schießen und Gegner auf dem anderen fernen Ende erlegen. Man konnte auch immer nur ganz kurz sehen, ob jemand auf der anderen Seite war.
Man musste sich schon richtig jagen. Jedoch waren die Türen gnadenlos. Wenn Jäger oder Gejagter sich verschätzt hat, stand man vor der geschlossen Tür - wurde schlimmstenfalls sogar einfach zermalmt. Eine große Gaudi, wenn dann ein Gejagter so einen bis an die Zähne bewaffneten Jäger entkommen konnte. In der Mitte (rotes X) befand sich das einzige Jetpack im Level. Ein äußerst umkämpfter Ort. Jeder kam hier vorbei und wollte das Jetpack, dann mit diesem konnte man auf die Hochhäuser und dort die wertvollsten Items (Atomic Health, Multi-RPG, etc.) finden. Mit dem Jetpack konnte man auch die gefährlichen Drehtüren ignorieren - allerdings boten sie nun auch keinen Schutz mehr.
Am Boden waren nur leichte Waffen und deren Munition. Die waren aber so verteilt, sodass z.B. das MG im Bereich A ist, aber die Munition in C. Die Schrotflinte ist in C, aber deren Muni in A. So musste man stets in Bewegung bleiben.
Viel Action, wenig Deckung.
Ich habe mal versucht, mein Level schematisch mit Paint grob darzustellen:
Viel zu lange über mein Level geschrieben.
Einmal haben wir GTA im Multi gespielt und ein Kumpel war schon den ganzen Abend von seiner eigenen spielerischen Leistung genervt. Irgendwann war er dann voll bewaffnet und wollte Jagd auf uns mache. „Na wartet! Jetzt krieg ich euch!“ Stieg in ein Polizeiauto ein, wurde aber im selben Moment von mir wieder rausgezogen, auf den Boden geworfen und ein anderer Mitspieler raste zufällig gerade rückwärts vorbei, machte einen J-Turn über ihn und hinterließ nur eine rote Spur von ihm. Es hatte so etwas richtig Monty Python-haftes. Als wäre der große bedrohliche Mann plötzlich von einem riesigen Fuß zerquetscht worden.
Er wurde also voller Bewaffnung aus seinem Auto geboxt, auf die Straße geworfen, um das Auto beklaut und zu einem Matschhaufen überfahren. Waffen weg, Auto weg und gedemütigt. Alles innerhalb von vielleicht 3 Sekunden. 
Wir haben laut gelacht über diese absurde Szene, aber der Typ ist durchgedreht! Er schlug wie wild auf seine Tastatur ein und die einzelnen Tasten flogen durch den Raum. So ein Wutanfall war aber einmalig auf unseren LANs und war nach wenigen Sekunden wieder vorbei.
War schon eine schöne Zeit, die vielleicht nur 2 Jahre intensiv waren und insgesamt vielleicht 5 Jahre dauerte (Leute wurden volljährig und zogen weg), aber in der Coronazeit machten wir ein Minirevival. 3 Leute, 3 Xbox One Konsolen, 1 Fernseher, 2 Monitore, 3 Accounts und dann zusammen Online zocken bis in den Morgen. Remnant: From the Ashes eignete sich perfekt für eine Koop-Dreierrunde.
Vielleicht fällt mir noch mehr ein, aber es ist schon nach 3 morgens.
