Schöne Folge, hatte ich mich auch richtig drauf gefreut, da Gunnar und Fabian dann mal eine Visual Novel/ Adventure-Visual-Novel Hybrid anfassen müssen.
Erstmal: Schön zu sehen, dass Stay Forever dem westlichen Konsens folgt was eine Visual Novel überhaupt ist. Das ist ja heute ein Begriff der nur bei westlichen Fans benutzt wird (es gab Mal eine Zeit, da war das eine Marketing Bezeichnung der Firma Leaf, aber das ist schon über 30 Jahre her). Der Begriff hat sich im Laufe der Zeit auch gewandelt. In Japan laufen Visual Novels, aber auch Ace Attorney und andere Adventure Spiele unter dem „ADV“-Label, also „Adventure“, gerne auch „JADV“ wenn wir nicht von alten LucasArts Spielen reden.
So um 2009 galt Ace Attorney noch als Visual Novel, heute sieht das VNDB (die Visual Novel Data Base, die ich hier als Autorität sehe) anders, da es eben zu viele Spielelemente ausserhalb der reinen Textauswahl gibt. Ich hatte ja schonmal beschrieben, dass das schwer abgrenzbar ist, weil bspw. ein Danganronpa heute nochals VN gesehen wird obwohl das Spiel sehr vergleichbar mit Ace Attorney ist. Gunnar hatte es schon schön gesagt: Das Spiel will mehr Visual Novel sein, und das merkt man auch.
Ich hab da auch vollstes Verständnis für Fabian wenn er sagt „Ne, ich möchte in meinen Spielen Spielelemente haben, nicht nur reine Textauswahl“. Ging mir auch so bis etwa 2019/2020, bis dahin habe ich VNs auch gemieden. Für solche Leute kann man Ace Attorney gerade noch empfehlen, eben wegen der Adventure Elemente.
Wenn Gunnar sich wirklich mal eine Visual Novel für Stay Forever vornehmen wollen würde, dann würde ich eine Visual Arts/KEY Novel empfehlen. Und dann auch entweder den Klassiker „Clannad“ aus dem Jahr 2004, oder … wenn es etwas jünger sein darf … „Little Busters“ aus dem Jahr 2007.
Gerade die beiden Novels implementieren eigentlich alles was klassische Visual Novels ausgemacht haben, inklusive tiefer Implementierung des Genres in die Geschichte. Kann ich jetzt nicht tiefer erklären, das wäre ein Spoiler. Ich sage nur: Die Tatsache dass es eine Visual Novel ist wird im Spiel berücksichtigt. Ich würde sogar eher Richtung Little Busters tendieren, da dort auch noch einige spielerische Elemente wie ein Baseballspiel und eine Art „rundenbasiertes Street Fighter“ eingebaut wurde, was das ganze etwas auflockert. In der Expansion (die heute Teil der Englisch Edition ist) ist auch noch ein simpler Dungeon Crawler eingebaut.
Aber wie immer bei japanische Storygames: Das ist ne ziemlich lange Investition, beide Games dauern so an die 80 Stunden, vergleichbar mit den Final Fantasy Teilen aus der Zeit. Und es ist natürlich auch wieder sehr japanisch. Die Charaktere sind sehr ausdrucksstark und manchmal etwas überzeichnet. Das war ja auch schon in Ace Attorney der Fall.
Zwei kleine Fakten gebe ich noch mit: In der japanischen Version heißt Phoenix Wright „Naruhodo Ryuichi“ . Das ist ein kleines Wortspiel, weil „Naruhodo“ das japanische Wort für den Ausdruck „Ah, ich verstehe“ ist.
Und der andere Fakt: Das japanische Gerichtssytem ist im Grunde wirklich so wie in Ace Attorney beschrieben. Edgeworth hat noch nie einen Fall verloren? Das kann auch im echten Japan so sein, weil es dort eine Verurteilungsrate von über 99% gibt.
Die Tatsache, dass Phoenix Wright 5 Fälle in Folge gewinnt (im ersten Teil) ist komplett surreal wenn man sich das mal vor Augen hält.
Das hört sich jetzt böse an, ist aber weniger dramatisch als man denkt, weil man überhaupt nur vor Gericht kommt wenn man quasi zweifelsfrei schuldig ist.
So, entschuldigt die lange Ausführung, ich hatte mich doch sehr auf diese Folge gefreut, und bin auch am Ende nicht enttäsucht worden.