Portable Retrozockecke für den Stammtisch in der Kneipe

Für den Stammtisch in der lokalen Kneipe wollte ich Retrospiele mitnehmen mit einem kleinen portablen HDMI Monitor. Da ich mit dem Fahrrad fahre, muss alles in den Rucksack passen. Einen Raspberry Pi 5 hatte ich eh noch rumliegen, und wollte den auch benutzen, aber ein Minicomputer (Beelink oder ähnliches) würde genauso gut oder besser gehen. Als System habe ich Batocera installiert. Als Monitor habe ich den Ingnok 15.6 Zoll 1080p Monitor von Amazon für $60 genommen.

Ich liebe zwar meinen MiSTer FPGA, aber für die Leute in der Kneipe, die die Spielenamen nicht alle kennen, ist so ein buntes Emulationstation Menü mit Vorschaubildern denke ich besser geeignet.

So sieht das jetzt aus:

Das Batocera Theme ist Art-Book-Next (ganz oben in der Liste unter Updates->Download Themes).

Da der kleine Monitor in der Halterung nur liegt, kann man ihn wunderbar umdrehen um Spielhallenshmups wie Raiden 2 vertikal zu spielen:

Ein kurzer Test mit dem MiSTer FPGA hat zu meiner Überraschung ergeben, dass der Ingnok Monitor tatsächlich 50 Hz (für C64 und Amiga) flüssig wiedergeben kann, obwohl er in der EDID über HDMI nur 60 Hz angibt.

Wenn man einmal Uridium auf dem emulierten C64 in perfekten 50 Hz scrollen gesehen hat, dann kann man nicht mehr zurück.

Um 50 Hz nun an dem portablen Monitor auch für den Pi5 freizuschalten, habe ich mir ein „HDMI EDID Emulator“ Passthrough Dongle gekauft. Das sitzt in der HDMI Signalleitung und gaukelt dem angeschlossenen Gerät eine zuvor von einem anderen Gerät geklonte EDID vor. So konnte ich die EDID meines LG Freesync Schreibtischmonitors klonen, der 1080p50 als verfügbaren Modus korrekt in der EDID listet. Es funktionierte! An dem kleinen Monitor kann ich jetzt 1920x1080p (50 Hz) in den Emulationstation System Settings als möglichen Bildschirmmodus auswählen. Die Systeme C64, Amiga, Spectrum und CPC habe ich jetzt fest auf 1080p50 gestellt, und für die anderen Systeme nehme ich die Standardeinstellung 1080p60.

Eine kleine Hürde gab es aber: Wenn man das Dongle nach dem Kopieren der EDID zum ersten Mal am Pi 5 anschliesst, startet Batocera automatisch in der höchsten in der EDID verfügbaren Frequenz. Das waren bei mir aber 75 Hz, die der Ingnok Bildschirm nicht darstellen kann. Der Monitor blieb also schwarz. Ich musste den Pi5 einmalig an meinem Schreibtischmonitor betreiben, von wo ich die EDID geklont hatte. Der war dann nicht schwarz, weil er 75 Hz unterstützt. Das hat mir erlaubt, bei Emulationstation in die System Settings zu gehen, und von 1080p75 auf 1080p60 zu wechseln. Ab da ging dann auch alles am Ingnok Monitor.

Man kann 1080p50 übrigens auch softwareseitig freischalten, indem man eine fake EDID in Batocera aktiviert. Das habe ich auch probiert, und es geht auch, ist aber etwas frickelig. Hier sind die Schritte:

Steps for Batocera on RPi5 to enable 50 Hz via fake edid on small display:
Use Windows Tool MonitorInfoView to save binary EDID from Ingnok monitor as ingnok.bin
Edit ingnok.bin using the free AW EDID Editor for Windows, and 
- edit Detailed Descriptor Block 2
- enable "Detailed Timing"
- Click "use predefined format" and select 1920x1080p 50Hz
- enable "Digital Separate", OFF V. Sync polarity (+), ON H. Sync Polarity (+)
- File -> Save As "ingnokmodded.bin"
- FTP upload ingnokmodded.bin EDID file to Batocera on RPi5 into /lib/firmware/edid/ingnokmodded.bin
(NOT in /usr/lib/... this is a typo in the docs)
- ssh into batocera with user:root and pw:linux
- type batocera-save-overlay
- type mount -o remount,rw /boot
- type nano /boot/cmdline.txt
- append this to the first row:
drm.edid_firmware=HDMI-A-1:edid/ingnokmodded.bin
- save via CTRL-X

MonitorInfoView Software

AW EDID Editor Software

Falls jemand den exakt gleichen Monitor hat, kann natürlich meine gemoddete EDID direkt genommen werden, hier ist ein Link dazu:
https://files.coolatoms.org/ingnokmodded.bin

Das EDID Dongle ist finde ich die elegantere Lösung, weil man damit flexibel bleibt und alles extern regelt.

Hier die Liste der Teile:
Ingnok tragbarer Monitor 15.6 Zoll (HDMI Kabel, USB-C Kabel, Ständer und Stofftasche sind dabei):
https://a.co/d/5RwWg3N

Canakit Raspberry Pi 5 Starter Kit (hatte ich schon seit Jahren ungenutzt rumliegen)
https://a.co/d/cN45owA

GeekPi 5 Case with Fan (hatte ich auch noch rumliegen)
https://a.co/d/hnbPxRL

8BitDo Ultimate 2C Wireless Controller
https://a.co/d/hXQ7e0z

Zubehör:
Anker USB Netzteil für Monitor:
https://a.co/d/gLllWIr

Micro HDMI auf HDMI Adapter für Pi5
https://a.co/d/fzDB82r

THWT HDMI EDID Emulator 4K-EWB Hardware, um die 50 Hz Screenmodi am Monitor zu erlauben:
https://a.co/d/99CTfrZ

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Völlig unpassende Frage meinerseits: wie reagieren die Betreiber der Kneipe und die Umstehenden darauf?

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Das wird sich hoffentlich am Mittwoch zeigen. Wir hatten sowas ähnliches schonmal in einer anderen Kneipe, aber da hat das der Bartender direkt an der Theke installiert, ganz offiziell. Da lief das relativ gut. Fremde Leute haben sich dazugesetzt und dann kamen die Erinnerungen an Wave Race oder NHL oder NBA Jam hoch und es wurde gezockt, und man hat sich abgewechselt. Leider hat das Pub jetzt geschlossen und wir müssen es nun so ausprobieren.

Ich fand es interessant, wie populär anscheinend Sportspiele waren. Das war eigentlich die Hauptattraktion bei den Kunden: irgendwelche alten Sportspiele zocken.

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Super klasse Deine genauen Ausführungen :+1: Ich habe mir mal für einen ähnlichen Anwendungsfall –Spielen in der Bahn– eine transportable Zusammenstellung gemacht, die ebenso auf Software-Emulation aufsetzt. Dein Tipp zur Kopplung der Bildwiederholfrequenz an die jeweiligen Emulatoren ist toll und macht alles noch schöner!

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Hatte auch mal ähnliche Anforderungen - unterwegs beim Camping mit Freunden alte Spiele spielen. Deshalb hab ich mir auch ein transportables Retrospielgerät gebaut. Display, Raspberry, paar alte PC-Lautsprecher etwas Holz und 8bitDO-Gamepads - fertig. Momentan läuft noch Lakka als Oberfläche.
Teile für eine neue Version mit RPi 5 liegen schon bereit - hatte aber noch keine Zeit zum bauen, kennt man ja…
Mehr Infos unter Arcadomat v2 – Froetz Bastelkeller

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Der erste Einsatz meiner portablen Retrozockecke war ein voller Erfolg! Eine Steckdose war nicht vorhanden und auch gar nicht notwendig. Statt Netzteil habe ich einfach eine Anker PowerCore Select 20000 mAh Portable Powerbank Dual 5V/3A (Modellnr. A1363) verwendet, die ich hier noch rumliegen hatte:

Dazu zwei USB-A auf USB-C Kabel, um sowohl den Bildschirm als auch den RPi5 von der Powerbank mit Strom zu versorgen:

https://a.co/d/0T25Dm1

Zuerst wurde Armored Core (PS1) im Einzelspielermodus gezockt, dann eine lange Zeit Crash Team Racing (PS1) mit drei Spielern, und dann Ocarina of Time Master Quest (N64).

Die Batterie lief 3 Stunden lang in vollem Betrieb und ist immer noch zu mehr als 75% voll.

Hier ein paar Bilder, die Beteiligten habe ich alle nach Erlaubnis gefragt, die Bilder zu posten:

Crash Team Racing (PS1) ist ein geniales Spiel!

Jetzt habe ich mir noch zwei 8BitDo Ultimate 2 Controller bestellt, damit wir nächstes Mal auch zu viert oder vielleicht sogar zu fünft (vielleicht AirTaxi auf dem Amiga?) spielen können.

Es ist wie immer: Wenn mehrere Leute im Spiel sind, kann man es nicht vorhersagen, was passieren wird. Zum Beispiel hätte ich mir eine einstündige Armored Core Session hätte nicht träumen lassen, aber was für ein tolles Spiel das ist, und mir war es völlig unbekannt!

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Ich finde das ist ein ganz großartiges Vorhaben. Gaming aus dem Internet in das Soziale zurückzuholen. Ich spüre einen emergierenden Trend.

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Großartiger Thread, ich finde die Idee super und ein toller Weg neue Leute kennen zu lernen.

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Wow, dass Du das inkl. Monitor komplett aus einer Powerbank speist und es trotzdem über 3 Stunden hält (theoretisch dann ja 12 Stunden wenn ich es richtig rechne) :+1: Das muss ich mit meinem Equipment auch hinkriegen…

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Ja ich war auch überrascht, wie gut so eine Batterie funktioniert.

Ich habe mit einem USB Tester mal nachgemessen: Der Pi5 zieht 0.6 A und der Monitor 0.8 A bei 5V Spannung. Den Pi habe ich für den Test Jim Power auf dem Amiga emulieren lassen (PUA2021 Core), mit nur einem Controller. Bluetooth und Wifi waren deaktiviert, um Strom zu sparen. Den Monitor habe ich beim Test auf 75% Helligkeit und 50% Lautstärke gestellt. Wenn man die Helligkeit höher dreht, oder zum Beispiel N64 statt Amiga emuliert, geht wahrscheinlich auch der Verbrauch hoch, das muss ich nochmal testen.

Da die Powerbank 20000 mAh bereitstellt, also 20 Amperestunden, müsste es so oder so viele Stunden reichen.

Der Pi5 sollte laut Webpage am besten mit einem Netzteil betrieben werden, welches 5V und 5A liefern kann. Das könnte die Powerbank gar nicht liefern. Das Maximum ist bei dem Ding laut Beschriftung 5V 3A pro Port. Aber diese obige Empfehlung von der Webseite ist für volle Last, wenn man also an den USB Ports des Pi noch irgendwelche Festplatten oder andere Geräte anschließen würde, und dazu noch die CPU und GPU auf Anschlag laufen lässt (siehe Raspberry Pi 5 Power Requirements and Management). In der Praxis mit Batocera wird viel weniger Leistung benötigt.

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Die zusätzlichen 8BitDo Ultimate 2 Wireless Controller sind angekommen. Die beigelegten Dongles haben neuerdings eine USB-C Schnittstelle. Daher habe ich noch farblich passende USB-A auf USB-C Adapter gekauft, um sie an den Pi anzuschliessen.

Ein Bluetooth Mini Keyboard habe ich auch noch beigelegt, damit ich notfalls in die lokale Batocera Shell gehen kann und dort auch etwas eintippen.

Abgesehen von dem Monitor und Ständer passt alles schön in einen Plastikschuhkarton, und so auch mit Deckel drauf dann in meinen Rucksack.

8BitDo Ultimate 2 Wireless Controller in verschiedenen Farben:
https://a.co/d/8i27Vye

Basesailer USB to USB-C Adapter um die USB-C Controller Dongle an den Pi anzuschliessen, in verschiedenen Farben:
https://a.co/d/1vpTwLk

Jelly Comb Mini Bluetooth Keyboard (falls man bei Batocera auch mal in die Shell will)

Eversame 2 in 1 USB Tester (zum Testen des Stromverbrauchs via USB rein aus Neugier)
https://a.co/d/f7QTrjd

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Auch der zweite Einsatz war wieder ein Erfolg. Diesmal wurde der Spielhallenklassiker Galaga auf dem Retroarch Mame (Latest) Core gespielt. Wir haben immer abwechselnd versucht, unseren Highscore zu überbieten. Das Spiel hat derartig süchtig gemacht, dass wir ganze drei Stunden lang nichts anderes spielen wollten.

Am Ende lag unser Highscore bei 62000. Da ist noch Luft nach oben.

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Sowas könnte in manchen Kneipen die lokalen Barden oder Stripper ersetzen. Man wird gebucht um Retrostimmung ins Haus zu bringen.

Diese Geschäftsidee gebe ich dir kostenlos, aber als Ehrenmann erwarte ich gönnerhafte Gewinnbeteiligung oder Nennung meines Namens. Make me famous. :heart:

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