Rainbow Six (SF 162)

Original Post: Rainbow Six (SF 162) | Stayforever



Worum geht’s? 1998 erscheint ein Spiel, das (gemeinsam mit anderen Titeln) ein neues Genre etabliert, Taktik-Shooter. Das Spiel ist Tom Clancy’s Rainbow Six, kein einfacher Action-Shooter, sondern ein brutaler, planungsintensiver Einsatzsimulator, in dem ein einziger Schuss tödlich sein kann. Ein neues Genre ist geboren, der Taktik-Shooter.

Gunnar und Christian sprechen über das einzigartige, unbarmherzige Gameplay und analysieren, was Rainbow Six so einzigartig macht: die tödliche Spielmechanik, die strategische Planung vor jedem Einsatz und die sperrige, aber faszinierende KI, die selbst einfache Befehle manchmal in Chaos verwandelt. Die Entstehungsgeschichte reicht von Ronald Reagans Einfluss auf Tom Clancys Karriere, über die Gründung von Red Storm Entertainment, die Nutzung einer ungeeigneten Technologie bis zur Parallelentwicklung zum gleichnamigen Roman. Es geht um die Frage, warum das Spiel trotz seiner technischen Mängel und nervigen Eigenheiten bis heute eine treue Fangemeinde hat – und warum moderne Taktik-Shooter wie Rainbow Six Siege zwar den Namen tragen, aber kaum noch etwas mit dem Original gemein haben.

Infos zum Spiel:
Thema: Tom Clancy’s Rainbow Six
Erscheinungstermin: 21. August 1998
Plattform: Windows (später Portierungen für PlayStation, N64, Mac, Dreamcast)
Entwickler: Red Storm Entertainment
Publisher: Ubisoft, Take-Two Interactive, Red Storm Entertainment
Genre: Taktik-Shooter
Designer: Brian Upton, Carl Schnurr
Musik: Bill Brown


Produktions-Credits:

Sprecher, Redaktion: Christian Schmidt, Gunnar Lott
Gast in dieser Folge: Dr. Michael Flintrop
Audioproduktion: Christian Schmidt
Titelgrafik: Paul Schmidt
Intro & Outro: Nino Kerl (Ansage); Chris Hülsbeck (Musik)

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Habe die Folge noch nicht gehört, ist auch Wurscht, da erfahrungsgemäß von hoher Qualität. Ich freue mich riesig drauf, da Rainbow Six damals eines meiner Lieblingsspiele (wenn auch auf der PlayStation) war.

Vielen Dank an die Herren Podcaster.

Bin noch nicht sooo weit, aber möchte den Experten gerne ein bisschen wiedersprechen :wink:

Abgesehen davon das “Im Sturm” gerade mit der ganzen Nachschubproblematik interessant und mit der Masse an Parallelen Handlungssträngen nicht nur Technisch faszinierend ist (dazu kommt noch das vorherige Nachstellen von Schlachten in Wargames um das Buch “realistischer” zu machen).

Ist das FBI und Vorallen Daniel Murray selten in der ersten Liga dabei (ist ja auch ein Inlands Dienst :wink: ) aber hätte jetzt nicht das gefühl das es schlecht geredet wird.

1 „Gefällt mir“

Sehr schöne Folge!

Ich möchte dem Experten aber ebenfalls widersprechen. :slight_smile:

„Im Sturm“ wurde im Verlauf von 2022 ziemlich rehabilitiert. Bei Erscheinen wurde Clancy vorgeworfen, die Fähigkeiten der Sowjets massiv zu verharmlosen. Wie der Angriff auf die Ukraine gezeigt hat, war er hingegen prophetisch. Russland scheitert in der Ukraine exakt an den im Roman genannten Dingen.

Und das FBI kommt durchaus gut weg - Gus Werner ist zum Beispiel ein FBI Charakter und er und sein Geiselrettungsteam werden laufend gelobt und als Vorbild für Rainbow genommen. Als Inlandsdienst kommt das FBI aber schlicht wenig vor, weil die Romane ja weltweit spielen.

Winzdetail / Fun Fact: Der Roman heißt im Deutschen nicht Rainbow Six, sondern Operation Rainbow. Macht auch mehr Sinn, denn Rainbow Six ist eine Person - der Chef der Einheit hat Six als Rufnamen.

4 „Gefällt mir“

Nach Kings Field kann euch scheinbar nichts mehr schocken. An Rainbow Six bin ich total abgeprallt, dann nochmal mit dem wenig vergleichbaren, aber hübscheren VEGAS eingestiegen, um die letzte Mission nicht zu schaffen.

Dann höre ich es lieber

Endlich mal wieder ein Podcast zu einem Spiel, was ich sogar kenne! Rainbow Six habe ich gern gespielt, also die PC-Version. Die Playstation-Version habe ich mal anspielen können, und die hat mir längst nicht so gefallen, weil sie sich doch mehr, wie ein 0815-Ego-Shooter spielte, als wie das taktische PC-Spiel. Den Nachfolger Rouge Spear und Raven Shield finde ich übrigens besser. Vor allem Rouge Spear hat mir aufgrund der Levels am Besten gefallen und ist meiner Meinung nach das Highlight der Serie. Der letzte Teil, den ich gespielt habe, war Lockdown, den fand ich ganz nett, war aber mehr ein klassischer Shooter, was ich schade fand.

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Ich finde auch, dass Rogue Spear auf Grundlage von Story, Leveldesign und Atmosphäre mit großem Abstand das beste Spiel der gesamten Serie ist.

Uff, ich hatte völlig verdrängt, dass dieses Spiel existiert. Da das mitten in meine LAN-Party Zeit fällt, haben wir entweder das oder Rogue Spear recht intensiv gespielt (bevor Counter Strike existierte). Mir war gar nicht bewusst, dass diese Spiele einen Plot haben. Lag vielleicht an den fehlenden Cutscenes und Missionsbeschreibungen unserer *hust* Sicherungskopien. Vielleicht wäre mir dann schon früher aufgefallen, welcher Gesinnungs Kind Tom Clancy war.

Folge noch nicht zu Ende gehört, aber schließe ich mich dem ebenfalls an.

Red Storm Rising ist ein ziemliches Schwergewicht - um nicht zu sagen: tatsächlich arg zäh -, aber ich habe das beim Lesen eher als zu realistisch empfunden. (Reagan wird es Thatcher wohl nicht umsonst empfohlen haben.) Und es ist imo schon bis heute recht bekannt, eben weil es diesen klaren Fokus besitzt und einen potenziellen Dritten Weltkrieg glaubwürdiger erzählt als wahrscheinlich jedes andere Buch.

Ich fand Clancys Schreibe bis inklusive Executive Order für das, was es ist, ohnehin recht erträglich. Als Ubisoft ein paar Jahre später mit Splinter Cell um die Ecke kam, galt er meiner Erinnerung nach ja schon als Personifikation des Rah-Rah-Patriotismus, aber rückblickend erscheint mir das doch ein Stück weit wie eine Projektion der Dabbelju-Ära auf seine Werke.

Klar, am Ende gewinnt fast immer das US-amerikanische Militär, aber die Russen kommen in seinen Romanen aus dem Kalten Krieg (wie Cardinal of the Kremlin) überwiegend “fair” weg, bei den Amis ist längst nicht alles Gold, was glänzt, und er kritisiert beispielsweise in Clear and Present Danger ja zumeist nicht die Senatoren oder Präsidenten als störend an sich, sondern ihren fehlenden Rückhalt und die “Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass”-Haltung gepaart mit den parteipolitischen Rangeleien.

Dabei blickt er natürlich durch die Linse des Militärs - aber dass der gemeine amerikanische Politiker auf der einen Seite das Militär vermeintlich verehrt und nur zu gerne benutzt, sich für die (Ex-)Soldaten aber einen Dreck interessiert, ist ja nun auch kein großes Geheimnis.

Rainbow Six ist für meine Begriffe der erste wirklich schlechte Clancy-Roman, weil er sich wie eine eher lose Aneinanderreihung von Missionen liest, seine politische Haltung gegenüber den Grüüüünen am stärksten durchschimmert und er dabei doch ein bisschen dümmlich wirkt.

Das Spiel wiederum hab ich damals all seiner Macken zum Trotz zusammen mit einem Kumpel wirklich gerne gespielt, eben weil es das erste seiner Art war. Die Planungsphase simpel, aber spannend (erinnerte mich an das tolle Der Clou!), die realistischen Kulissen eine angenehme Abwechslung zu den Sci-Fi- und Fantasy-Shootern der Vorjahre, und über die Story haben wir, glaube ich, schlichtweg nicht wirklich nachgedacht. Wahrscheinlich hab ich das damals ob seines Tonfalls bzw. seiner Ansprache in der Tradition eines Command & Conquer gesehen, aber kann ich nicht mehr wirklich sagen.

Aus spielerischer Sicht schade jedenfalls, dass außer Rogue Spear und mit Abstrichen noch SWAT 3/4 nie wieder wirklich etwas in diese Richtung kam. Selbst das anfangs angesprochene Delta Force fühlte sich dann doch ganz anders an.

Mit Rainbow Six habe ich ehrlich gesagt so gar keine Berührpunkte und auch sonst habe ich nur ein paar Splinter Cell-Teile gespielt…und H.A.W.X. bei meinem Cousin auf der PlayStation. Tom Clancy berührt mich also wenig und auch diese ganze „taktische Action“ habe ich nur durch die Linse von SWAT 4 erlebt, wo es aber dafür so richtig Freude gemacht hat, gemeinsam mit Freunden behutsam vorzugehen. Das ist überhaupt etwas, was ich bei diesen Taktik-Shootern am spannendsten finde: Kooperatives Spiel.

Im Podcast wurde auch gesagt, dass diese Rainbow Six-Blutlinie quasi ausgestorben ist zugunsten der SWAT-Blutlinie, wo man während der Mission Befehle vergibt statt vorher groß zu planen. Das mag alles so sein, aber das auch das andere Extrem gibt es noch stellenweise:

  • Bei Doorkickers kann die ganze Mission entweder in Echtzeit gestalten (was zu einem relativ hektischen verkommen kann) oder das Vorgehen von Anfang an komplett durchplanen und einfach nur zuschauen, wie es abläuft. Aber auf der Draufsicht, es ist halt ein kleiner Indie-Titel.
  • Bei No Plan B hingegen ist man quasi im „Extremfall“ des Planens: Man plant die ganze Mission durch und kann dann nur noch hilflos zusehen, wie die Truppen mit Bravour durchmarschieren…oder komplett zerlegt werden. Bei Release war da auch nix mit Savescumming, wenn man komplett versagt hat, musste man halt das Kapitel von vorne machen…wobei das mit Patch 1.1 abgedämpft wurde, mit der Option, es einfach nochmal zu versuchen, wenn auch mit leich randomisierten Gegnern.

Was es aber tatsächlich anscheinend nicht gibt, ist dieses komplette Mischding zwischen „Ich plane vorher alles und lasse den Plan ablaufen“ und „Ich bin mittendrin statt nur dabei“. Ich muss aber auch sagen, dass ich das ohnehin sehr unorganisch finde - ist die Fantasie wirklich, eine Truppe von Experten um sich zu scharen, die komplett unfähig sind, vom vorher zurechtgelegten Plan abzuweichen, wenn etwas schief geht…?

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Ja, Door Kickers ist gut, hab vor allem den zweiten Teil recht lang gespielt. Es gab auch vor vielleicht zehn Jahren noch sowas mit Multiplayer-Fokus, bei dem beide Spieler ihren Zug planten und der dann in Echtzeit parallel ablief. Das war ganz lustig, hatte so eine simplen 3D-Blutprint-Look, aber mir fällt der Name leider nicht mehr ein. (Edit: Frozen Synapse.)

Du hast sicher Recht, dass sich die Planungsphase (oder dieses Mischding) unorganisch anfühlen kann. Selbst bei "Der Clou!”, das ich eigentlich sehr schätze, war das auch immer ein bisschen seltsam, den Einbruch quasi im Voraus virtuell aufzunehmen und dann nur noch mehr oder weniger abspielen zu lassen. Trotzdem fehlen mir solche Spiele mit Planungsphase - man müsste sich vielleicht Ausweichpläne zurechtlegen oder während der Mission besser improvisieren können.

Ui auf die Folge freue ich mich. Teil 1 hatte ich bei mir Zuhause auf des Vaters PC gespielt, war aber als Kind zu doof dafür und ich bin nie über die erste Mission hinaus gekommen. Es hat eigentlich nie jemand meiner Leute überlebt. Das Buch dazu habe ich auch gelesen, mein bis hierhin einziger Clancy Roman. Die Meinungen über “Im Sturm” machen aber neugierig.

Rainbow Six erschien damals während meiner aktiven GameStar-Leser-Zeit. Wenn ich was spielte, dann eigentlich nur Spiele, die im Magazin einigermaßen gut wegkamen. Also eigentlich nichts unter 80 Prozent oder so.

Na ja, für Rainbow Six galt das ja mal ganz und gar nicht. Das lief im Testteil irgendwie so unter: „Joah, haben wir uns auch angeschaut“, irgendwo hinten im Magazin. Hab vorhin mal geschaut, die Wertung lag bei 63 Prozent. Das war ja eigentlich ziemlich vernichtend und was mich total erstaunt hat: Andere Magazine lagen doch deutlich darüber: Bei der PC Games wurden offenbar 86 Prozent vergeben.

Da hätte mich ja interessiert, wie diese Wertung damals zustande kam. Vielleicht was für die ergänzende Folge? :wink:

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Die Frage wird dir keiner beantworten können, der (Allein)Tester ist bereits verstorben also bleibt das Mysterium der 63 Prozent.

Ach okay, wer getestet hatte, konnte ich nicht finden, nur die Wertung. Aber mit ein bisschen mehr googeln dann doch. Nur hätt ja sein können, dass dieser große Abstand zu den anderen Testwertungen in der Redaktion hinterher ein Thema war. Ansonsten kann ich mir dem Mysterium auch gut weiterleben. Meine Erinnerung an die niedrige Wertung hat aber sofort dazu geführt, dass ich mich gewundert hatte, weshalb ausgerechnet diese vermeintliche Gurke hier eine Folge bekommt. Aber wurde ja dann ganz gut erarbeitet, was das Spiel ausgemacht hat.

Ich fands schon gut, dass beleuchtet wurde, dass Clancy ein sehr problematischer Autor war.

Ich vermute, er wäre heute glühender MAGA Kultist. Das geben seine Bücher schon her.

Kannst Du das näher ausführen? Habe ich impliziert, ich fände es unangebracht, auf Clancys politische Haltung einzugehen?

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Das war ne tolle Folge zu einem absoluten Klassiker. Mein liebstes Rainbow Six ist und bleibt aber Vegas - das war die perfekte Mischung aus Ballern plus taktischem Vorgehen.
Wenn ich jetzt so darüber nachdenke habe ich echt viele der Clancy-Spiele sehr geliebt: Ghost Recon (da vor allem Wildlands) und vor allem Splinter Cell bis einschließlich Teil drei - Chaos Theory ist wohl das beste Schleichspiel überhaupt.

Ich habe den Podcast heute auf einer langen Autofahrt gehört und hatte mit dem Spiel vorher nie Kontakt. Ich fand gerade die ausführliche Herleitung von Clancy und seinem Werk super - aber auch generell wieder eine tolle Episode.

Was dann heute meine Aufmerksamkeit erregte: Der “heartbeat Sensor" war anscheinend doch nicht nur science fiction…. - Zufall oder nicht?!? :wink:

Viele Grüße und macht weiter so!

Tobias

Ha wollte ich eben auch gerade schreiben! Bereits beim Hören war ich skeptisch ob dieses Gerät wirklich so fiktiv ist wie angenommen, denn Clancy war wirklich absolut Detailversessen. Wenn der gesagt hat “Militär-Equipment XY gibt es” dann konnte man sich darauf verlassen. Es gibt auch bereits öffentliche zivile Patente wie z.B. dieses hier: Detection of Heart Rate through a Wall Using UWB Impulse Radar - PMC die exakt beschreiben was im Spiel vorkommt: Herzschlag durch Wände entdecken.

Jetzt die News über “Ghost Whisper” scheint Tom Clancy endgültig Recht zu geben.

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