Als unser Kaufhof in Wuppertal die Tore schloss, fand ich das sehr traurig. Im Grunde ist dort kurz nach dem ersten Geschäft in Stralsund die Geschichte von Tietz, dem späteren Kaufhof, gestartet.
Wenn ich in einer größeren Stadt bin, muss ich einmal in jedes Kaufhaus. In der Regel werden dann nur Burlington Socken gekauft und ansonsten durch die Etagen geschlendert. In Paris, der Heimatstadt des Kaufhauskonzeptes, ist das besonders schön. Natürlich wirkt das manchmal aus der Zeit gefallen. Wenn das aber dereinst alles verschwindet, fällt wieder ein sozialer Raum der digitalen Vereinzelung anheim. In Düsseldorf und Dortmund gibt es noch zwei schöne Märkte, die auch rege von der Bevölkerung als Treffpunkt genutzt werden. Vermute aber, das wird auch noch verschwinden.
Gerade mit Klamotten in Kaufhäusern hab ich ein gespaltenes Verhältnis. Ich hab mal für einen Textilhersteller gearbeitet und der hatte die Produktion nach Asien verlegt. Wenn man durch die Hallen ging, sah man, das quasi jede Marke in der identischen Fabrik hergestellt und dann nur anders bepreist und mit Logo Badges versehen wurde. Die machten es auch viel Lizenzfertigung für echt teure Designer-Label.
Jetzt bleibt noch die Hoffnung, dass zumindest bessere Stoffe verwendet werden, wenn die Mütze statt 20€, 130€ kostet… aber daran hab ich persönlich Zweifel.
Aber da sind wir wieder beim Thema, das Waren nicht mehr protegiert werden, um eine qualitative Vorauswahl zu treffen, sondern eher Flächen an Marken abverkauft werden, die dann irgendwas hinstellen.
Hab ich heute mal qualitativ gute Sachen gefunden, leg ich mir die auf Halde, in der Hoffnung nicht wesentlich dicker zu werden. Aber dann weiß ich halt schon genau was ich will und kauf es online. Schlicht weil mir die Lust fehlt, ein Kaufhaus zu finden, in dem ich die gesuchte Ware bekomme.
Einzig bei Möbeln schau ich mir die Sachen vorher gern mal an. Einerseits weil sperrig und hin und herschicken ist so natürlich schwierig. Andererseits weil ich auch im Möbelhaus schon mal Belastungstest am Stück mache. Ist mir schon ein paar Mal passiert, dass ich das Furnier, auf der Presspappe, mit dem Daumen eindrücken konnte. Oder das Vorführmöbel so wackelig war, dass ich gar keinen Kaufanreiz mehr hatte.
Zurück zum Elektromarkt: Da bringt mir das Begutachten relativ wenig. Ja, ich kann evtl. das Bild vom Fernseher sehen, aber sowas wie App-Komptabilität zu testen wird schon wieder schwer. Also muss ich mich vorher doch online einlesen. Und Aussagen zur Haltbarkeit von Geräten findet man fast gar nicht. Klar, weil die Technik auch so kurzlebig ist.
Inzwischen bin ich sehr froh ein paar Küchengeräte von meiner Oma geerbt zu haben. Ich hab nen Handrührer, Küchenmaschine, Einkochautomat, etc. aus den späten 70ern und frühen 80ern. Und das Zeug wird noch immer funktionieren, wenn ich in Rente gehe. Den Handmixer hatte ich mal offen, um das Kabel zu tauschen (geht, weil das Gerät geschraubt und nicht geklebt oder verschweißt ist) und da drin ist alles aus Metall. Das wird nie sterben. Noch so ein Punkt, warum ich heute gar keinen Wert mehr auf Fachberatung lege. Egal was du kaufst, in ein paar Jahren ist das eh Fratze. Da brauch ich keine teure Miele Waschmaschine. Die günstige LG tut es auch und genau so lang.
Naja Waschmaschinen sind ja dann doch irgendwie in jedem MM und Saturn
Da fällt mir der urige Typ ein, der Waschmaschinen testet:
alles nur noch Plastik, keine Verschraubungen mehr sondern Vernietungen, Presspahn statt PVC oder Metall in der Oberabdeckung, Trommeln die sich nicht mehr herausschrauben lassen, etc.
Gottseidank größtenteils nur USA-Firmen, aber da sieht man wohin der Endzeitkapitalismus hinführt.
Erinnert mich an das TLG Gesetz in der DDR, was u.a. vorgeschrieben hat, wie lange etwas zu halten hat.
Meine Mutter nutzt heute noch Küchengeräte, die locker 40 Jahre alt sind, während ich meinen Braun Rührer nach 5 Jahren entsorgen konnte. Auch die DDR Waschmaschine meiner Eltern lief noch bis weit in die 2000er, während meine aktuell keine vier Jahre alte Bauknecht aufgrund von Materialfehlern bereits vor sich hin rostet. Immerhin hielt die vorhergehende Whirlpool 12 Jahre.
Darum schaue ich wenn eine Maschine den Geist aufgibt, ob es noch ältere Bestände von vor 5-10 jahren gibt. Da wurde es schon schlechter, aber gerade hochaktuelle Geräte fallen nach genau 2 Jahren gefühlt auseinander.
Zum Thema Beratung habe ich eine Anekdote vom Kieferchirurgen. Mir wurde von meinem Zahnarzt eine etwas aufwändigere Behandlung empfohlen. Termin beim Kieferchirurgen gemacht, analoges Röntgenbild mitgenommen.
Der Kieferchirurg beschwert sich beim Beratungsgespräch erstmal über das analoge Röntgenbild, „begutachtet“ es dann, in dem er es Richtung Deckenleuchte hält. Empfiehlt mir dann eine andere Vorgehensweise (hat er zugegeben sauber erklärt). Dann meint er, dass ich noch eine Zusatzbehandlung zubuchen könne, die die Heilung verbessern kann. Als ich sagte, dass mir der Behandlungsname nichts sagt, meinte er „Das können Sie sich ja mal von ChatGPT erklären lassen.“
Auf meinen stutzigen Blick hat er es mir dann doch noch erklärt.
Ich sehe mich jetzt anderweitig um.
Das kann ich leider nicht bestätigen. Die Telekom hat sich noch nie bei mir gemeldet und das Finanzamt hat immer nur angefordert, und das per Brief oder Fax.
Aber wenn des so klappt, wie bei dir, finde ich das cool. Das ist ja auch das Endziel. Wo wohnst du denn?
Mein Flug: selbst gebucht, eingecheckt, Bordkarte aufs Handy geladen, die Koffer auf die Waage und aufs Band gewuchtet, die Anhänger ausdruckt, um den Griff geklebt und auf die Reise geschickt. Die schönste Zeit des Jahres ist zum Arbeitseinsatz verkommen.
Das Hotel in Göteborg hat das Personal abgeschafft. Ein Terminal heißt mich „Herzlich Willkommen“. Ich checke mich selbst ein, schalte meine Zimmerkarte selbst frei, bezahle und gebe mir quasi selbst Trinkgeld, indem ich den Betrag auf dem Bildschirm bestätige.
Im Supermarkt um die Ecke scanne ich meine schwedischen Zimtschnecken genannt „Kanelbullar“ und bezahle an einem Automaten.
In der schönsten Zeit des Jahres habe einiges weggearbeitet, ganz unentgeltlich.
Was uns als „Convenience“ verkauft wird, ist in Wahrheit eine große Arbeitsverschiebemaßnahme.
Unternehmen bürden ihre ureigene Arbeit dem Kunden auf und nennen es „Smart“, damit der Kunde nicht denkt er wird für dumm verkauft.
Ich bin da zwigespalten. Teilweise ist es so ein Gewohnheitsding teilweise auch einfach kaputt.
Ich vermisse es jetzt nicht im McDonalds bei einem Menschen zu bestellen. Ich frag mich zwar warum von 2 Monitren einer seit mindens einem Jahr kaputt ist und warum
meine Bestellnummer angezeigt wird, nix kommt und dann 5 minuten später jemand die Nummer schreit aber ich hab mich dran gewöhnt und irgendwie funktioniert es.
Gegenüber den SB Kassen bin ich da negativer eingestellt. Netto hat z.B. ja gerne die X% Sticker wenn sich was dem MHD nähert und benutzt die exzessiv.
Kann das die SB Kasse? Selbstverständlich nicht. Muss ein Mitarbeiter antraben (ist mittlerweile auch wieder weg)
Stehe ich im Lidl an der normalen Kasse (SB ist auch ignore) muss der Mitarbeiter ungefähr alle 2 Kunden rüber zu den SB Kassen was fixen.
Die SB-Kasse ist die logische Weiterentwicklung der Schnellkasse, an der man sich anstellen durfte, wenn man nur sieben (+/-) Artikel hatte. Deren Konzept ist scheinbar wieder ausgestorben, nachdem sich herausgestellt hat, dass zahlreiche Kundinnen und Kunden entweder des Lesens oder des Rechnens nicht fähig waren. An der SB-Kasse macht man das konsequenterweise dann direkt zum Problem der Einkaufenden - wer nur drei Artikel hat, ist flott durch, und wer versucht, stattdessen einen ganzen Einkaufskorb selbst von links nach rechts zu stapeln, ist halt selbst schuld.
Ich verstehe die Aussage, welche da getätigt wird, stimme ihr aber fast gar nicht zu.
Ich bin großer Fan von SB-Kassen oder so Scan&Go-Konzepten, da ich selten Großeinkäufe mache und ich damit meist schneller bin, als mich an einer regulären Kasse anzustellen.
Wie ich es früher am Flughafen verflucht habe, ewig in Schlangen zu stehen um mein Gepäck abzugeben. Jetzt, checke ich von zuhause per Smartphone entspannt ein, scanne nur noch meinen Boardingpass um den Gepäcksticker zu erhalten, lege mein Koffer aufs Band und fertig. Im Idealfall bin ich in weniger als 5 min fertig.
Hotel einchecken am Automaten ist auch entspannt und oft zügiger.
Ich freue mich persönlich daher wenn mir diese Optionen angeboten werden. Was natürlich kritisch ist, ist wenn die Technik spinnt und es keine Alternativen mehr gibt. Trotzdem hoffe ich, daß solche Angebote weiter ausgebaut werden, da sie für mich ehrlicherweise convenience bedeuten.
SB-Kassen haben einen ziemlich dominant primären Zweck: Personalkosten sparen. Gerade im LEH, wo die Margen ohnehin so dünn sind wie kaum irgendwo sonst.
Und auch zum Thema Schwund bzw. nicht vollständig erfasster Einkäufe an SB-Kassen meinte ein befreundeter Marktleiter nur trocken: Wenn ich in zwei Schichten drei Kassierer durch SB-Kassen einsparen kann, so viel können mir die Kunden gar nicht klauen.