Ich sag da mal noch meine informierte Meinung dazu - ich hab den Ticket-Verkauf für ca. 20 Konferenzen im semi-professionellen Niveau im In- und Ausland gemacht und dafür - immer wieder - Verkaufsplatformen evaluiert. Am Ende lande ich bei „schade mit diesem Tixel-Geraffel, aber naja“.
Wie Gunnar das ausgeführt hat, es gibt 2 Modelle - cut vom Ticket und Fixpreis. Ich bevorzuge Ersteres (weil sich das einfach in einer Margenkalkulation erfasst und damit das Verkaufsrisiko auch auf die Platform schiebt). Das die Con ausverkauft ist, ist allerdings sicher wie das berühmte Amen in der Kirche, insofern kann ich sehr nachvollziehen, dass man da nen Fixpreis will, der u.U. günstiger ist.
Meine 3 Anbieter, zwischen denen ich regelmässig hin und herschaue sind Eventbrite, ti.to, und pretix. Das Wichtigste für mich: ich will pro Event nicht mehr als 8 Stunden mit dem Ticketing-System verbringen. Das umfasst: Ticket einstellen/konfigurieren, Bezahlsystem anbinden, Testing, Export/Check am Event, Steuererklärung, und Support für Kaufende, inklusive Rückerstattung.
Rückerstattung ist mir wichtig, weil auch bei „all sales are final“ mal der Fall auftritt, das wir z.B. mal etwas nicht leisten können. Dann ist eine Rückerstattung ein guter Weg und sollte mir als Verkäufer einfch sein.
Alle Zeit, die das Ticketing fliesst, geht von anderen Arbeiten an der Konferenz ab
ti.to ist eigentlich meine bevorzugte Variante. Kleines, inhabergeführtes Unternehmen aus Irland, man kriegt auch mal den Chef an die Strippe. Man merkt, dass der Mensch Konferenzen veranstaltet hat und die Probleme kennt. Allerdings: Die sind auf der teuren Seite, wollen Geld pro Ticket - aber jeden Cent wert. Und lösen Problem, die die SF-Con wahrscheinlich (noch?) nicht hat, z.B. Verkauf mehrerer Services (denke: Konferenz-Ticket + Workshop).
Hat dafür einen ungemein guten Flow im Frontend durch alles, was man braucht - Ticket kaufen, personalisieren, umschreiben, Rechnungslegung und so weiter läuft super gut für die Käufer. Widget-Einbindung in die Webseite in schön, alles schick. Was ti.to super macht: Ticketweitergabe auf der Platform - aber eben nur Weitergabe, kein Verkauf. Das ist alles self-serving für die Person, die das Ticket hält. Für unsere Events läuft das super, wir kriegen dann am Eingang einfach eine Excel-Liste oder Barcode-Scanning.
Aber, wie gesagt: wahrscheinlich mit Kanonen auf Spatzen geschossen für jetzt.
Eventbrite checkt zwei Boxen: etwas billiger als die Konkurrenz, aber eigentlich auf Kleinevents ausgerichtet und eher schlecht in allen Features. Ich hab bisher niemanden erlebt, die nicht am Ende sagen „hätte ich doch 2 Euro mehr ausgegeben pro Ticket, dann hätte ich am Ende kein Huddel am Bein“.
Pretix fällt eigentlich immer raus. Das Ding ist sehr klar für den Selbstbetrieb gemacht - z.B. verkaufen die Berliner Bäder da damit inzwischen ihre Tickets. Das ist geil - wenn man basteln will und eventuell selbst hosten. Letzteres sollte man niemals tun, ausser man ist eine Software-Firma oder professioneller Ticket-Verkauf. Ticketshops handhaben zumindest indirekt (via z.B. Stripe und Paypal) Bezahldaten und zumindest Personendaten, das macht einen zum Angriffsziel - inzwischen reden wir da nach EU-Regularien auch über Haftungsfragen. Haste kein Bock drauf, die Sicherheit sollte ein Dienstleister gewähren. Oder man ist halt der CCC oder eine andere Hackerkonferenz und hat Security-Leute for free.
Für kleine Sachen ist Pretix zu komplex und fasert zu leicht aus, obendrein teuer. Für größere Sachen, gehostet, gibts bessere Lösungen - siehe oben, ti.to.
Lange Rede kurzer Sinn: wenn bei Tickettaylor nicht irgendwelche Probleme im Flow (Registrierung, Bezahlung, später die Steuerverwaltung) und so auftreten, warum wechseln?
Ticket-Zweitmarkt ist ein übelst schweres Problem und eigentlich garnicht in einem Flow/einer Platform abzubilden. Das liegt genau an den Anfragen da oben - manchmal wollen Leute einfach nur 2 Tickets loswerden und das über eine Platform regeln, die eine gewisse Missbrauchssicherheit anbietet. Gut. Dann gibts Leute, die ihr Hotelzimmer mit loswerden wollen. Dann gibts Leute, die in der Community Freunde haben und das Ticket in liebende Hände (aber nicht an jeden weitergeben wollen). Und und und.
Das nervige Problem: sobald die Tickets verkauft sind, sind Menschen und Orte und all ihre Komplexität involviert :).
Tixel löst eins dieser Probleme - den freien Ticketverkauf Person zu Person nach einem (fairen) Auswahlsystem. „Fair“ im Sinne von: es ist dokumentiert.
Ich will das nur mal niederschreiben, um ein bisschen Einblick zu geben, was für ein riesen Rattenschwanz da dranhängt.
Meiner Erfahrung nach ist es besser, eine Weile bei seinen Systemen zu bleiben und zu schauen, wie sie das natürlich Chaos eindämmen und wieviel Arbeit sie machen. Weg geht das Chaos nie, insbesondere das des „Zweitmarkts“.
Mein Fazit über die letzten Woche als jemand, der da von aussen ein wenig informiert draufschaut: das läuft schon ganz okay und neue Sachen (diesmal Ticket-Zweitverkauf) sind immer am Anfang buggy. Die Sache mit dem Link ist super-unglücklich, aber ey, Fuckups passieren. Meiner Erfahrung nach tut sowas am meisten der Event-Orga weh, weil die eigentlich richtig Bock haben, dass Leute von vorne bis hinten eine gute Zeit haben.
Seit also zärtlich zu eurer Orga, die wissen schon was sie tun :). (was nicht heisst, das man unliebsame/kaputte/schlechte Sachen melden sollte - sonst kann da niemand dran arbeiten)