SFT Bits: Force Feedback Mouse

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In dieser Folge von Stay Forever Technik Bits geht es um ein kurzes, aber bemerkenswertes Kapitel der PC-Peripherie: Mäuse mit haptischem Feedback. Ende der 1990er und Anfang der 2000er versuchten Hersteller wie Logitech, das von Konsolen bekannte Rumble- und Force-Feedback-Gefühl auf Maus und Desktop zu übertragen.

Henner und Fabian sprechen über zwei konkrete Logitech-Modelle, die mit vibrierenden oder aktiv gegensteuernden Mechaniken experimentierten, und diskutieren, wie sich solche Effekte beim Spielen tatsächlich anfühlen. Dabei geht es um Erwartungen aus der Konsolenwelt, praktische Probleme am Schreibtisch, die technische Umsetzung und die Frage, ob Maus-Force-Feedback ein visionärer Irrweg oder einfach nur ein Gimmick war.

Credits der Folge:

Redaktion, Sprecher: Henner Thomsen, Fabian Käufer
Audioproduktion: Fabian Langer, Christian Schmidt
Titelbild: Johannes DuBois

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Vielen Dank für diese schön obskure Folge, vom Gerät selbst, über die üblichen Inkompatibilitäten (@Henner_Thomsen wollte doch hier noch einen Erfahrungsbericht geben) bis zum chinesischen Mäusemarkt war ja diesmal alles dabei. Von der großen iSens hatte ich damals glaub ich das Modell ohne Rumble, rückwirkend bin ich froh als Jugendlicher nicht extra für die Rumble Funktion noch draufgezahlt zu haben…

Und ich vermisse jetzt wieder meinen guten alten Force Feedback Wingman, zumindest in der Erinnerung war das mein letzter Joystick den man gut benutzen konnte, auch dank Force Feedback. Sowas gibts Leider heute nicht mehr. Aber space/flight sims sind ja auch nicht mehr so häufig. Und für was anderes braucht es ihn ja nie.

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Der Bericht kommt bald :slight_smile:

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Wie in der Folge erwähnt, hatte ich einige Schwierigkeiten damit, die Wingman-Force-Feedback-Maus zum Laufen zu bringen. Es folgt ein Einblick in den Technik-Trubel, der solchen Folgen manchmal vorausgeht. Eigentlich immer.

Die Wingman-Odyssee

Sie lief ja schon einmal bei mir, die Force-Feedback-Maus, bei meinen Versuchen für die Black-&-White-Bonusfolge. Damals nutzte ich die Maus an einem Windows-XP-System, denn sie ist zwar offiziell nur kompatibel mit Windows 98, Me und 2000, mit ein paar Tricks aber auch unter XP zu betreiben. Da ich damals noch von der 2024er Convention ein XP-System mit ein paar passenden Spielen parat hatte (und Windows 98 allergisch auf USB-Geräte reagiert), probierte ich es damit und hatte Erfolg. Diesen Erfolg wollte ich nun für die Bits-Folge wiederholen. Sollte kein Problem sein, ich habe damals schließlich alle nötigen Schritte dokumentiert. Ha!

Erster Versuch

Auf einem frisch aufgesetzten XP-System wiederholte ich die Schritte, die beim letzten Mal erfolgreich waren: Wingman-Software installieren, Force-Feedback-Erweiterung installieren, manuell im Gerätemanager die Treiber zuweisen, gelegentlich rebooten und im richtigen Moment die Maus anschließen. Doch Windows erkannte sie nicht, sie blinkte nicht mal. Ich versuchte es wieder und wieder, testete alle USB-Ports, tauschte das Netzteil. Eine ganze Nacht lang probierte ich es. Ohne Erfolg.

Zweiter Versuch

Nun, es hat ja schon einmal geklappt – mit einem anderen Rechner. Kehre ich doch einfach dazu zurück! Ich holte das bewährte XP-System aus dem Schrank. Doch die Treiber waren nicht mehr installiert. Ich spielte sie also wieder auf. Die Maus? Fanden sie nicht.

Dritter Versuch

Ich musste mich den Tatsachen stellen: Alte Hardware ist nicht unsterblich. Vermutlich war die Maus einfach hinüber, ich brauchte Ersatz. Und fand noch ein einzelnes Exemplar bei eBay, das einzige in ganz Europa, angeblich funktionstüchtig. Ich kaufte die Maus, wartete ungeduldig auf die Lieferung, packte sie sofort aus, schloss sie an. Nichts.

Vierter Versuch

Wenn es nicht an der Hardware liegt, dann an der Software. Diesmal machte ich es genau wie von Logitech vorgesehen, startete mein Windows-98-System. Die Treiberinstallation lief nach einigen Fehlschlägen durch und, siehe da, die Maus-LED blinkte! Ein Erfolg! Fehlte nur noch ein Neustart.

Doch der blieb aus. Windows 98 startete nicht mehr. Reparaturversuche über den Abgesicherten Modus halfen nicht, das System war hinüber.

Fünfter Versuch

Windows 98 mag nun mal keine USB-Geräte. Aber vielleicht in einer kontrollierten Umgebung? Also setzte ich unter Windows 11 einen Emulator auf. Nach ein paar Versuchen mit PCem erfuhr ich, dass dieses Programm kein USB-Passthrough unterstützt, die Maus also wahrscheinlich gar nicht erkennen würde. Aber es gibt eine Alternative:

Sechster Versuch

Mit VirtualBox erstellte ich eine virtuelle Maschine, in der ich Windows 98 SE installierte – solch ein System soll auch mit exotischer USB-Hardware am Host arbeiten können. Kann es auch bestimmt, wenn es denn läuft. Und es lief: extrem langsam. Aber warum!? Auch eine virtuelle Maschine arbeitet auf echter Hardware und meine NVMe-SSD schafft 7.000 Megabyte pro Sekunde, der lächerlich kleine Maustreiber sollte also in zwei Nanosekunden installiert sein. Nicht in einer halben Stunde.

Es begann eine weitere Nacht der Fehlersuche. Am Ende wusste ich nicht mehr über Windows 98 oder obskure Mäuse als vorher, wohl aber über Windows 11 und Hardware-Virtualisierung wie AMD-V. Ich erfuhr, dass unter Windows ein halbes Dutzend Virtualisierungs-Hilfsfunktionen abgeschaltet werden muss, damit die virtuelle Umgebung sie nutzen kann. Wenig intuitiv, aber einen Versuch wert. Abschalten kann man diese Funktionen aber nicht ohne Weiteres, will man sie restlos loswerden, muss man tief ins System eingreifen, die Registry manipulieren und diverse Powershell-Skripte laufen lassen.

Ja, das ist riskant. Aber in meiner Verzweiflung wagte ich es. Dann startete Windows 11 nicht mehr.

Zu viele Stunden später war das System wieder einsetzbar und alle Virtualisierungsfunktionen waren entfernt. Und siehe da: VirtualBox rannte! Sogar 3D-Spiele liefen im virtuellen Windows 98 in annehmbarer Geschwindigkeit. Indes: Die Maus erkannte das System nicht.

Siebter Versuch

In der nächsten Nacht griff ich nach dem letzten verbliebenen Strohhalm: Nichts geht über echte Hardware, ich musste mein Windows-98-System wiederherstellen. Aber nicht noch einmal mit Windows 98. Nein, diesmal würde ich ein ebenso kompatibles, aber USB-freundlicheres System nutzen. Es wäre das erste Mal in meiner Computerlaufbahn, dass Windows ME ein Problem lösen würde.

Und das tat es. Zehn Treiberinstallationen und fünf Bluescreens später lief sie, die Maus. Dann die Spiele. Schließlich auch beides zusammen. Erleichterung. Endlich geschafft? Von wegen! Jetzt konnte die eigentliche Arbeit beginnen.

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I’ll be damned.
:-D

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Ich hätte schon nach Versuch 3 mit viel Force die Maus gegen Wand geworfen.

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Meine Frau verdreht immer die Augen, wenn ich Stunden in eine Problemlösung versenke. Dieses Gefühl “Es muss einfach gehen, was mache ich falsch…” ist einfach zu groß. Und dann kommt der Tunnel/Flow, mit noch einer Idee, und noch einer, und… schwupps sind 3 Stunden vorüber.

Schön zu sehen, dass ich nicht allein bin. :smiling_face:

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Jetzt hab ich die wiedermal sehr schöne Folge gehört.

Ich musste auch gleich an die Logitech iFeel Mouse denken, die ich um 2000 irgendwann hatte. Müsste meine zweite optische Mouse gewesen sein, nach der IntelliMouse Explorer.

Optical mice have no balls!

Jedenfalls war ich damals mittelfristig dann auch unterweltigt. Ich hatte nur die mitgelieferte Software. Anfangs war’s ganz cool, den Desktop und die einzelnen Buttons zu spüren. Aber eigentlich kam es mir eher so vor, als hätte ich Krümel auf dem Mousepad. Die Funktion habe ich vermutlich dann bald wieder ausgeschaltet.
Was mich später noch angenehm überrascht hatte, war als ich dann mal wieder Star Trek: Voyager - Elite Force anwarf, und dort für jede Waffe ein eigenes Vibrationsmuster hinterlegt war. Das war schon cool.

Zig Jahre später hatte ich tatsächlich auch die erwähnten Steelseries Rival 700 und, als diese nach gerade mal 3 Jahren defekt ging, die Rival 710.
Dass es hier kein Feedback je nach Waffe gab war zwar ein bisschen schade, aber der angesprochene Informationsgewinn war tatsächlich produktiv nutzbar für mich: die Nachlade-Animationen in CS:GO waren insbesondere beim M4A1-S schneller vorbei als der Vorgang in der Spiellogik dauert(e). Heißt, ich bin oft genug wieder aus der Deckung hervorkommen, als ich noch gar nicht wieder schießen konnte. Mit der Rival wusste ich dann aber jeweils verlässlich, wann die Waffe soweit war. Als die Rival 710 dann aber auch nach 2-3 Jahren hinüber war, wollte ich nicht nochmal 90 Euro rausballern für eine Mouse, die so schnell kaputtzugehen schien. So wurde es dann ein günstigeres Modell von der Konkurrenz.

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Ach, ich habe ein Herz für die ungeliebten Windows-Versionen. Me, Vista, 8, ihnen wurde viel Unrecht getan. Okay, Windows Me etwas Gutes abzugewinnen fällt schwer, aber in meinem Fall war es einfach ein etwas USB-freundlicheres 98 - win!

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Auf unserem damaligen Familienrechner ist ME deutlich seltener abgestürzt als zuvor Windows 98. Das mag aber auch einfach nur an der zuvor erfolgten Formatierung gelegen haben.

Vielen Dank für die Folge, sehr nostalgische Erinnerungen an meine iFeel Mouse. Mir hat das damals ziemlich gut gefallen.
@Henner_Thomsen Als kleiner Tipp: Serious Sam: The First Encounter ausprobieren. Da gab es eine Kettensäge. Die hatte im “Leerlauf” schon ein beständiges ruckeln und beim Abzug ging es dann richtig los. Das fühlte sich richtig witzig an. Zumindest hoffe ich, dass mir meine Erinnerung da keinen Streich spielt.

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Schöne Folge. Ging damals völlig an mir vorbei.

@Fabian

Auf der Arbeit habe ich jetzt eine MX Master 4, die Daumentaste mit haptischem Feedback ist mit dem Schnellwahlring belegt. Den Ring finde ich super, das Feedback ist gut… aber eigentlich brauche ich es nicht, um zu verstehen, dass ich die Taste gedrückt habe und jetzt etwas aus dem Ring auswähle (ich sehe ja das Overlay :sweat_smile:). Wäre mein MX Master 3s nicht total abgenutzt gewesen, hätte ich nicht zur MX Master 4 gewechselt :+1:t2:

Das ist ja eine irre Geschichte! Danke, dass du sie so ausführlich und spannend aufgeschrieben hast.

Aber eines verstehe ich nicht: Bei Versuch 2, bei dem XP System, wo es früher einmal lief, hätte es ja eigentlich auf Anhieb wieder laufen müssen. Warum waren da jetzt die Treiber nicht mehr drauf? Hast du die etwa selber wieder deinstalliert, und wenn ja, warum? Oder wurden die bei einem Update wieder deinstalliert? :slight_smile:

Bei alten Systemen wie Windows XP hat mir immer der Snappy Driver Installer aka SDI in der Full Version sehr geholfen. Damit werden automatisch und ohne Internet alle fehlenden Treiber installiert, auch die Treiber für die Komponenten der Hauptplatine, Treiber für Sound- und Grafikkarten, Logitech Treiber für Maus und Tastatur, alles was man eben angeschlossen oder eingebaut hat. Das Ding ist aber auch inzwischen fast 50 GB gross, und man muss bei der Installation mehrmals neu starten:

Mir fällt noch etwas ein: Bei Windows wurden die Treiber für USB Zubehör früher soweit ich weiss für jeden USB Port einzeln installiert. Es kann also sein, dass ein Gerät an einer USB Buchse funktioniert, an einer anderen aber nicht!

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Die habe ich damals selbst deinstalliert, der Ordnung wegen. Hätte trotzdem kein Problem sein sollen. Aber was ich auch tat, die Maus blieb unerkannt.

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Da kommen Erinneringen hoch. In dem Jahr als die Wingman Mouse erschien bin ich mit ein paar Schulfreunden vom Bodensee auf die CeBit gefahren und es gibt irgendwo noch ein analoges Foto von mir wie ich staunden dieses Gerät ausprobiere. In der Erinnerung war das Force Feedback wirklich gelungen und auf dem Windows Desktop ist die Maus lustig über die Ränder von Fenstern “geholpert” und Fenster hatten beim verschieben ein “Gewicht”. Ich wäre vermutlich sogar bescheuert genug gewesen 300 Mark auszgeben aber das fehlende Mausrad war schon damals nicht mehr akzeptabel.

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@Fabian
Ich wüsste einen guten Grund, Force-Feedback bei Office Produkten einzusetzen: Jedes Mal, wenn Word oder Excel unbemerkt die Formatierung verändert, soll das Gerät doch bitte um Aufmerksamkeit des Nutzers vibrieren. Also ziemlich oft!

Ansonsten eine tolle Folge wie immer :slight_smile:

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@Henner_Thomsen ich bin euch so dankbar, dass ihr all diese seltsamen Geräte durchdekliniert. Ich erinnere mich daran als kleiner (halbwüchsiger?) Bub im Laden vor dem einen oder anderen Device gestanden zu sein, ohne wirklich begriffen zu haben, was ich da sehe. Und obwohl ich damals immer bedauert habe, einfach kein Geld für derlei Spielzeug zu haben, reicht es jetzt absolut euren Berichten zu lauschen. In gewisser Hinsicht versöhnt ihr damit mein heutiges und mein jüngeres Ich miteinander.

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Oh ja, guter Vorschlag! Excel darf mir auch gern mit verschiedenen Rüttelmustern mitteilen, was ihm an meiner perfekten Formel wieder nicht passt.

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Finde ich auch. Es gibt allerdings aus dieser Ära mehrere Logitech-Mäuse mit derselben Bauform, also auch alle ohne Rad - vermutlich hat Logitech dieses Design für den Wingman einfach wiederverwendet.

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Immersion plant einen Preis von 100$ - das ist viel für eine Maus, nicht umsonst heißt sie “Feel it”

Absolut premium :ok_hand:

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