Wie in der Folge erwähnt, hatte ich einige Schwierigkeiten damit, die Wingman-Force-Feedback-Maus zum Laufen zu bringen. Es folgt ein Einblick in den Technik-Trubel, der solchen Folgen manchmal vorausgeht. Eigentlich immer.
Die Wingman-Odyssee
Sie lief ja schon einmal bei mir, die Force-Feedback-Maus, bei meinen Versuchen für die Black-&-White-Bonusfolge. Damals nutzte ich die Maus an einem Windows-XP-System, denn sie ist zwar offiziell nur kompatibel mit Windows 98, Me und 2000, mit ein paar Tricks aber auch unter XP zu betreiben. Da ich damals noch von der 2024er Convention ein XP-System mit ein paar passenden Spielen parat hatte (und Windows 98 allergisch auf USB-Geräte reagiert), probierte ich es damit und hatte Erfolg. Diesen Erfolg wollte ich nun für die Bits-Folge wiederholen. Sollte kein Problem sein, ich habe damals schließlich alle nötigen Schritte dokumentiert. Ha!
Erster Versuch
Auf einem frisch aufgesetzten XP-System wiederholte ich die Schritte, die beim letzten Mal erfolgreich waren: Wingman-Software installieren, Force-Feedback-Erweiterung installieren, manuell im Gerätemanager die Treiber zuweisen, gelegentlich rebooten und im richtigen Moment die Maus anschließen. Doch Windows erkannte sie nicht, sie blinkte nicht mal. Ich versuchte es wieder und wieder, testete alle USB-Ports, tauschte das Netzteil. Eine ganze Nacht lang probierte ich es. Ohne Erfolg.
Zweiter Versuch
Nun, es hat ja schon einmal geklappt – mit einem anderen Rechner. Kehre ich doch einfach dazu zurück! Ich holte das bewährte XP-System aus dem Schrank. Doch die Treiber waren nicht mehr installiert. Ich spielte sie also wieder auf. Die Maus? Fanden sie nicht.
Dritter Versuch
Ich musste mich den Tatsachen stellen: Alte Hardware ist nicht unsterblich. Vermutlich war die Maus einfach hinüber, ich brauchte Ersatz. Und fand noch ein einzelnes Exemplar bei eBay, das einzige in ganz Europa, angeblich funktionstüchtig. Ich kaufte die Maus, wartete ungeduldig auf die Lieferung, packte sie sofort aus, schloss sie an. Nichts.
Vierter Versuch
Wenn es nicht an der Hardware liegt, dann an der Software. Diesmal machte ich es genau wie von Logitech vorgesehen, startete mein Windows-98-System. Die Treiberinstallation lief nach einigen Fehlschlägen durch und, siehe da, die Maus-LED blinkte! Ein Erfolg! Fehlte nur noch ein Neustart.
Doch der blieb aus. Windows 98 startete nicht mehr. Reparaturversuche über den Abgesicherten Modus halfen nicht, das System war hinüber.
Fünfter Versuch
Windows 98 mag nun mal keine USB-Geräte. Aber vielleicht in einer kontrollierten Umgebung? Also setzte ich unter Windows 11 einen Emulator auf. Nach ein paar Versuchen mit PCem erfuhr ich, dass dieses Programm kein USB-Passthrough unterstützt, die Maus also wahrscheinlich gar nicht erkennen würde. Aber es gibt eine Alternative:
Sechster Versuch
Mit VirtualBox erstellte ich eine virtuelle Maschine, in der ich Windows 98 SE installierte – solch ein System soll auch mit exotischer USB-Hardware am Host arbeiten können. Kann es auch bestimmt, wenn es denn läuft. Und es lief: extrem langsam. Aber warum!? Auch eine virtuelle Maschine arbeitet auf echter Hardware und meine NVMe-SSD schafft 7.000 Megabyte pro Sekunde, der lächerlich kleine Maustreiber sollte also in zwei Nanosekunden installiert sein. Nicht in einer halben Stunde.
Es begann eine weitere Nacht der Fehlersuche. Am Ende wusste ich nicht mehr über Windows 98 oder obskure Mäuse als vorher, wohl aber über Windows 11 und Hardware-Virtualisierung wie AMD-V. Ich erfuhr, dass unter Windows ein halbes Dutzend Virtualisierungs-Hilfsfunktionen abgeschaltet werden muss, damit die virtuelle Umgebung sie nutzen kann. Wenig intuitiv, aber einen Versuch wert. Abschalten kann man diese Funktionen aber nicht ohne Weiteres, will man sie restlos loswerden, muss man tief ins System eingreifen, die Registry manipulieren und diverse Powershell-Skripte laufen lassen.
Ja, das ist riskant. Aber in meiner Verzweiflung wagte ich es. Dann startete Windows 11 nicht mehr.
Zu viele Stunden später war das System wieder einsetzbar und alle Virtualisierungsfunktionen waren entfernt. Und siehe da: VirtualBox rannte! Sogar 3D-Spiele liefen im virtuellen Windows 98 in annehmbarer Geschwindigkeit. Indes: Die Maus erkannte das System nicht.
Siebter Versuch
In der nächsten Nacht griff ich nach dem letzten verbliebenen Strohhalm: Nichts geht über echte Hardware, ich musste mein Windows-98-System wiederherstellen. Aber nicht noch einmal mit Windows 98. Nein, diesmal würde ich ein ebenso kompatibles, aber USB-freundlicheres System nutzen. Es wäre das erste Mal in meiner Computerlaufbahn, dass Windows ME ein Problem lösen würde.
Und das tat es. Zehn Treiberinstallationen und fünf Bluescreens später lief sie, die Maus. Dann die Spiele. Schließlich auch beides zusammen. Erleichterung. Endlich geschafft? Von wegen! Jetzt konnte die eigentliche Arbeit beginnen.