Stay Forever Spielt: Neuromancer #7

So, heute ist der Abschluss der Neuromancer-Staffel live gegangen (Unterstützer-exklusiv).

Es war grundsätzlich ein faszinierendes Spiel, bisschen viel Grind in der Mitte vielleicht. Leider wohl nicht die alleransprechendste Hörerfahrung, wenn wir dem Feedback glauben dürfen.

Wie ist es euch ergangen, vor allem denen, die mitgespielt haben.

Äh, hat jemand mitgespielt?

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Ich hab’s versucht, aber die Spielmechanik (in der DOS version) hat mir leider keinen Spaß gemacht, insbesondere wegen der unerträglich langsamen Laufgeschwindigkeit meines Protagonisten. War vielleicht auch ein Konfigurationsproblem mit der Dosbox. Und die Tonalität hat mir im Vergleich zum Buch nicht so recht gepasst. Spätestens beim Cyberspacegrind wäre ich aber auch sonst vermutlich raus gewesen…

Ansonsten bin ich aber gespannt auf den Abschluss. :slight_smile:

Nicht mitgespielt, aber ich bin so dankbar, dass IHR es gespielt habt.

Es ist irre, dass ich mich an nicht viel Details aus dem Buch erinnern kann, obwohl ich das zweimal gelesen habe. Ist anscheinend - zumindest für mich - nicht sehr haftend. Gerade noch die Namen Molly, Armitage und Chase sind mir geblieben.

Danke Euch Beiden. Mr. Johnson wäre zufrieden.

Ich möchte durch meine Interpretation des Romans ein bisschen zum Verständnis bei den Fragen beitragen, die Christian und Gunnar am Ende der Staffel aufgestellt haben. Alle Informationen stammen aus dem Buch, das Spiel habe ich nicht gespielt.

Was ist der Strand?

Der Strand kommt auch im Buch vor. Er ist eine Halluzination, die Neuromancer mit Hilfe des SimStim-Geräts aufrechterhält. SimStim ist eine Technologie, über die man die Sinne eines anderen Menschen auf sich übertragen lässt. Case nutzt es im Buch, um Molly zu verfolgen, während sie einen Einbruch auf das Sense/NET-Gebäude durchführt, um den Dixie-Konstrukt zu stehlen. So fühlt er ihre Schmerzen, sieht aus ihren Augen usw. Neuromancer hackt das Gerät, um Case zum „Strand“ zu bringen.

Der Strand ist übrigens nicht irgendein Strand, sondern befindet sich an der Küste nahe Rio. Rio ist der Standort der Hardware von Neuromancer.

Was ist der Cyberspace?

Cyberspace, oder die Matrix, ist kein abgesonderter Segment des weltweiten Netzes. Es ist einfach eine Darstellungsform dieses Netzes, die durch programmierbare Halluzinationen aufrechterhalten wird. In der Matrix hat man dieselben Systeme und Datenbanken, wie wenn man das Netz über einen Computerterminal besucht. Der Vorteil ist allerdings, dass durch den direkten Interface des Gehirns zum Netz alles viel schneller geht. Cowboys sind Menschen, deren Gehirne und Nerven empfänglich für die Technologie des Cyberspace sind. Sie nutzen die Vorteile des Interfaces, um Systeme zu knacken.

Was sind die Motive von Wintermute und Neuromancer?

Beide sind KIs, deren Möglichkeiten stark eingeschränkt sind. Sobald eine KI nur darüber nachdenkt, sich zu verbessern, wird sie von der Turing-Polizei aus Sicherheitsgründen gelöscht. Sowohl Wintermute als auch Neuromancer befinen sich im Besitz der Familie Tessier-Ashpool. Wintermutes Hardware ist in Bern, Neuromancers - in Rio. Beide sind getrennte Aspekte desselben Systems. Der erstere steht für Logik und Rationalität, der letztere für Kreativität und Improvisation. Ihre Verschmelzung ist strengstens untersagt, da sie die Entstehung einer neuen, viel schlaueren Entität bedeuten würde. Die KIs nutzen Case und sein Team, um diese Verschmelzung indirekt zu erreichen. Das gelingt ihnen auch im Buch.

Können KIs sich im Cyberspace bewegen?

KIs sind durch die Turing-Polizei sehr eingeschränkt, können aber ansonsten alle ans Netz angeschlossenen Geräte steuern. Zum Beispiel lässt Neuromancer alle Telefone klingeln, an denen Case vorbei geht. Wintermute geht sogar so weit, dass er den an Lebenserhaltungssysteme angeschlossenen Corto manipuliert, bis seine Identität durch eine andere (Armitage) ersetzt wird. Im Buch werden die KIs oft mit Göttern verglichen. Die göttliche Thematik zieht sich durch die ganze Trilogie. Rastafarians und Voodoo-Priester sehen in den KIs zum Beispiel ihre Götter. Cyberspace wird mit Babylon verglichen.

Wie unterscheidet sich ein Konstrukt (z.B. Dixie) von einer KI?

Ein Konstrukt ist eine aufgezeichnete menschliche Persönlichkeit. Man kann ihn im Cyberspace verwenden, um mit der Persönlichkeit zu kommunizieren. Der Konstrukt verhält sich wie der Mensch, von dem er kopiert wurde, spricht auch so, hat dieselben Informationen, die der Person zur Verfügung standen, hat aber kein Selbstbewusstsein. Die KIs sind dagegen echte Persönlichkeiten, die von der Turing-Polizei in Geiselschaft gehalten werden. Sie haben ihre Motive, Ziele und auch Charaktereigenschaften.

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Bin froh, dass ihr es gespielt habt. Habe selbst nicht mitgespielt, aber ich finde dieses zweiteilige Spielergebnis (erst Stadt und dann Cyberspace) ziemlich befremdlich und uninspiriert :thinking:

Habe fertig! Die Folgen, nicht das Spiel.

:innocent: :headphones:

Ich hatte ja angefangen zu spielen, aber bin circa so bei Folge 4 oder 5 ausgestiegen. Mir erschien es zu trocken und sperrig, was ich aber auch darauf zurückführte, dass ich das Buch (glaube ich) nie gelesen habe und ständig das Gefühl hatte, wie der Ochs vorm Berg zu stehen und nicht zu wissen, was das Spiel eigentlich von mir will.
Habe heute Morgen die letzten sfs Folge zu Ende gehört und möchte nochmal ein großes Dankeschön an Chris und Gunnar aussprechen. Ihr haucht mit euren Erzählungen der Sache immer so viel Leben ein, dass es eine wahre Freude ist! Und bitte entschuldigt euch nicht, wenn ihr das Gefühl habt, nicht geliefert zu haben. Ihr habt die Sache durchgezogen und woher soll man auch vorher wissen, dass ein vielversprechendes Abenteuer nach wenigen Metern lahmt?!

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Tolle Erklärungen, vielen Dank dafür!

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Vielen Dank, jetzt wird mir auch einige Kleinigkeiten im Roman etwas klarer.

Ich fand beim Lesen spannend, wie viele Konzepte von späteren Cyberpunk-Werken wieder aufgegriffen wurden. Zum Beispiel spielt die Idee des „Konstrukts“ in Cyberpunk 2077 eine zentrale Rolle. Als wäre das Spiel Neuromancer-Fan-Fiction :smiley:

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Ist es gewissermaßen. Und nicht nur, weil Neuromancer das Genre im Wesentlichen begründet hat. Auch das Cyberpunk 2077 zugrunde liegende Pen & Paper Regelwerk ist mehr als nur ein bisschen von der Sprawl Trilogie… „inspiriert“ um’s freundlich zu sagen. :smiley:

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Ich hab auch irgendwo mal gelesen Cyberpunk (also das P&P) spiele in der gleichen Welt (Quelle: Internet :smile: ). So ganz passt das im Detail aber auch nicht. „Fanfiction“ trifft es dann wohl wirklich am besten.

Stimmt. Auch Die Matrix und Shadowrun haben ihren Ursprung in Neuromancer :slight_smile:

Ja, Matrix auch. Shadowrun kann ich nicht beurteilen, weil kenne ich nicht gut genug. Aber muss ja da auch seine Wurzeln haben, weil Cyberpunk :smiley:

Ich hatte Neuromancer neulich ja auch nur gelesen um diesem „Cyberpunk“ von dem alle reden mal auf den Grund zu gehen, also den Ursprung des Genre zu erkunden. Wie damals, als ich Herr der Ringe gelesen habe nachdem ich Diablo und Baldurs Gate gespielt hatte :laughing:

Ich habe mir auch vorgenommen in meinem kommenden Urlaub die weiteren Neuromancer-Romane zu lesen. Neben so viel anderen. Haben wir einen Roman-Thread? Wir haben keinen Roman-Thread!

Ich gleite schon wieder ins Off-Topic ab :pleading_face: Ich bin in meinem Podcatcher schon wieder 1 Woche im Rückstand und hab grad Folge #6 gehört. Bin auf #7 sehr gespannt.

Ach, ich fand die Staffel jetzt nicht sooo schlecht. Der Anfang war vielversprechend aber dann wurde es sehr äh mechanisch und die „Story“ war leider zu fragmentiert um eine spannende Erzählung daraus zu machen.

Chris hat ja Demoniak und Jonathan als Negativbeispiele herangezogen. Und ja, auch wenn z. B. Demoniak wohl die deutlich frustrierendere Erfahrung war, macht das ja auch oft irgendwie genau den Reiz als Hörer aus. Die absurden Situationen, die aus kaputten Spielmechaniken entstehen und eure Kommentare dazu sind für mich regelmäßig ein Highlight. Vor allem auch, weil ihr euch dabei trotzdem stets um einen restpektvollen und sachlichen Umgang mit dem Spiel bemüht. Ich finde das unterscheidet euch sehr zum positiven von anderen Lets Play Formaten, die dann gerne nur noch auf das Spiel draufhauen.

Und dann gibt es natürlich Spiele wie z. B. Anchorhead die einfach in sich eine gute Erzählung liefern können.

Neuromancer hatte halt weder das eine noch das andere bzw. von allem irgendwie zu wenig. Aber gut, sowas merkt man oft erst später.

Wie viele Spiele für SFS habt ihr eigentlich schon angefangen und ggf. auch schon eine erste Folge aufgenommen aber dann doch abgebrochen?

Bin jetzt auch mit der letzten Folge durch und sage erst mal Danke an die Herren für das Durchkämpfen, im Wortsinn. :wink:

Ich hatte beim Mithören den Eindruck, dass das Spiel zehn Jahre später vielleicht mit „Das Spiel zum Film“ oder „Das Spiel zum (Buch-)Phänomen“ beworben worden wäre. Das gab es dann ja durchaus häufiger. Ziel war es vielleicht auf der Erfolgswelle der Bücher zu reiten und den begeisterten Lesern ein „Du im Cyberspace“-Erlebnis zu bieten. Es setzt ja scheinbar doch sehr stark auf die Kenntnis der Romane (s. der Beitrag von @armitage81 ) , weniger wegen der Spielmechanik, sondern wegen des Flairs der Welt, die das Spiel selbst nicht so liefert. Vielleicht wird man aus dem Interview, wenn es denn klappt, noch mehr erfahren.

Trotzdem hatte ich wie immer Spaß beim Zuhören, da gibt es aus meiner Sicht nichts zu entschuldigen.

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Also ich habe es damals zusammen mit meinem Bruder am C64 durchgespielt. Euer Fazit war ja eher so mau, wir kamen uns damals vor wie die größten Hacker. Wir waren beide Fans des Buches und sind voll in dem Spiel aufgegangen. Was Ihr als Grind empfunden hattet, also z.B. das ständige Verbessern der Software, um gegen immer schwerere KIs zu bestehen, war für uns damals wahnsinnig spannend. Ich war auch fasziniert an wie viel ich mich noch erinnern konnte, nach all der Zeit. Ich habe die Staffel gerne gehört, obwohl Ihr meine damalige Begeisterung nicht geteilt habt.
Aber so ist das wohl wenn man mit dem Blick aus 2022 auf so ein Spiel schaut.
Damals kam es einem 24 jährigen Science Fiction Fan so vor, als hätte man einen Vorgeschmack auf die Zukunft erhalten.
Jetzt habe ich auch richtig Lust mal wieder die Trilogie zu lesen, mal schauen wie die mir mit über dreißig Jahren Abstand gefällt.

Danke für diese Staffel.

Bei mir wird sie wohl leider auch nicht bei den Staffeln landen, die ich mir irgendwann wieder anhören werde.

Für mich mach ich das einfach immer daran fest, wie gut ich in die Welt eintauchen kann. Die verregnete Welt von Anchorhead oder die Comicszenen bei Discworld (auch wenn ich die echte Grafik gar nicht vor Augen hab) kann ich mir einfach sehr gut vorstellen und bin bei euren Erzählungen dann mit dabei. Das fing auch bei Necromancer gut an. Die Kneipe, der Club, der Bodyshop, da war ich im Kopf noch richtig gut dabei. Irgendwann überwog dann der mechanische Teil und ich hatte im Kopf nur noch Browserseiten und die Kämpfe im Cyberspace.

Ein anderer großer Faktor sind dann die Emotionen und das gemeinsame Rätseln. Die legendären Unterhaltungen und das Live-Knobeln beim Tresorrätsel in Anchorhead bleibt im Kopf und bei jedem Hören von Die Drachen von Laas freue ich mich auf die Stelle, an der Gunnar dem Chris verrät, wie man denn an dem Brückentroll vorbei kommt (also das hätte man ja echt sehen können). Auch das fehlte hier leider komplett.

Das liegt am Ende natürlich am Spiel und nicht an euch und ich kann auch verstehen, warum man das Spiel, wenn man jetzt nur ein wenig reinspielt, ausgewählt hatte. Denn der Anfang war vielversprechend.

Freue mich schon auf die nächste Staffel.

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Toll, dass ihr das für uns gespielt habt - ich hätte das nie in die Hand genommen, geschweige denn durchgespielt. Das sind für mich die besten Staffeln SFS. Die, in denen ich gar nicht den Wunsch verspüre, das Spiel selbst zu erleben, sondern völlig mit eurer Erzählung zufrieden bin. Fand es auch nicht übermäßig schwer, den Abläufen zu folgen - da werfen mich komplexe Figurenbeziehungen oft viel schneller gedanklich raus.

Schade, dass ihr am Ende fast ein wenig niedergeschlagen und unglücklich mit eurer Wahl des Spiels klingt. Das hat diese schöne Staffel eigentlich nicht verdient.

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Nicht mitgespielt aber sehr gerne mitgehört. Auch wenn das Spiel hinten raus sehr enttäuschend war, habe ich die Staffel mit euren Ausführungen wie immer sehr genossen. Ein Circuit’s Edge kommt es halt leider nicht ran.

Ich wollte es seit seinem Erscheinen auf dem Amiga schon immer mal spielen - danke, dass ihr das für mich getan habt, das Zuhören habe ich sehr genossen!

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