Syndicate (SF 169)

Ja, so eine grundsätzliche Fantasie der Packungsrückseite ist ähnlich und man kann natürlich in einer Liste Ähnlichkeiten abstreichen, Cyberpunk, kleine Agentengruppe, Echtzeitsteuerung. Die Vibe-Ähnlichkeit ist ja auch beabsichtigt.

Aber das Spiel spielt sich imo komplett anders, eher wie eine Art Commandos durch diese vier benannten, spezialiserten Figuren. Das ist doch ein ganz anderer Gameloop, ganz anderes Tempo, ganz andere Missionsstruktur, ganz anderes Spielgefühl.

Aber ich habs nur 3-4 Stunden gespielt in der Recherche, zugegeben. Hast du das länger gespielt, wird es in späteren Missionen noch Syndicate-iger?

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Wenn man bei 2:02:40 genau hinhört, dann sagt Christian: „Und im Laufe des Jahres 1992 bekommt das Spiel dann auch den Namen Syndicat.“ :slight_smile:

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Tatsächlich bin ich über die Stelle im Podcast auch etwas gestolpert, weil ich ähnlich wie @mic dachte: „Das ist doch eine Art virtuelle Welt.“ Es war dann aber trotzdem klar, was gemeint ist.

Ich habe mal ins Handbuch geschaut. Dort steht:

Ein CHIP [eine Variante] konnte seinen Träger überzeugen, daß er in einem Park spazierenging, die Sonne schien und die Vögel in den Bäumen zwitscherten, während er durch einen permanenten Säure-Nieselregen stapfte.

Das ist für mich schon sehr virtuell, auch wenn es nur die Wahrnehmung ist, die sich offensichtlich auch auf das Schmerzempfinden bezieht. Und irgendwo muss der echte Körper ja sein, wenn sich der Geist in der virtuellen Realität befindet. In Syndicate betwegt er sich halt in der realen Welt, und liegt nicht irgendwo rum. Das macht für mich nicht so einen Unterschied.

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Ich habe das so verstanden (aber das ist jetzt Auslegungssache, ich glaube, das Handbuch gibt uns da nicht viele Infos zu), dass der CHIP eine individuelle virtuelle Realität erschafft, während ich den Cyberspace immer als eine geteilte virtuelle Realität begriffen habe, in dem sich mehrere / viele Menschen gleichzeitig aufhalten und interagieren können. In Syndicate geschieht alle Interaktion ja nach wie vor in der realen Welt, es wird nur eine Art Filter drübergelegt. Ist nicht sogar die Matrix in den Matrix-Filmen ein geteilter Ort, obwohl die Menschen alle in ihren Nährstoffbecken schwimmen?

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Tolle Folge, mir hat vorallem Rahels Erläuterungen zu Cyberpunk sehr gefallen. Da fühlte ich mich gut abgeholt und informiert.

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Der Unterschied ist hier „Realitätsfilter“ vs. „Virtuelle Realität“. Der CHIP ist eher so etwas wie die Drogen in Haze oder We Happy Few: Du latschst schon noch durch die echte Welt, du nimmst sie nur anders wahr. Das ist schon ein Trope, was auch in Cyberpunk immer mal wieder aufploppt, aber richtig allgegenwärtig ist es nicht. Es ist nicht, was gemeint ist, wenn man von „virtuellen Welten“ spricht, sondern die reale Welt mit neuem Anstrich.

Die Virtuelle Realität hingegen ist die „echte“ Matrix: Man stöpselt sich ein und tritt in eine vollständig virtuelle Welt ein, welche hier und da optisch der echten Welt sehr ähnlich ist, aber (in allen Geschichten und Welten, die ich kenne) doch immer eindeutig als virtuell wahrnehmbar ist. Das ist ein ganz starkes Cyberpunk-Trope und findet sich u.A. in System Shock oder Shadowrun. Salopp gesagt: „Das Internet, aber VR“. Die Welt, die man dort wahrnimmt, existiert nicht „wirklich“, sondern nur als Bits und Bytes (oder dem Äquivalent…bei Shadowrun ist das Ding mittlerweile so semi-magisch, aber das ignorieren wir mal gekonnt).

Der Matrix-Film ist hier eher so ein Mittelding. Ist schon eine geteilte Welt, aber fällt vom Trope her eher unter „Leuten eine falsche Realität vorgaukeln“ als „Das neue Internet wird vollimmersiv!“, wie es bei Cyberpunk immer wirkt.

Hmmm, da hast du einen interessanten Punkt. An der besagten Stelle sprecht ihr von Cyberspace und nicht von virtueller Realität. Ich habe bisher nicht dazwischen unterschieden bzw. überhaupt drüber nachgedacht.

Ich denke für mich macht die Eigenschaft geteilte oder individuelle virtuelle Realität keinen großen Unterschied. Aber wenn die Interaktion in der realen Welt stattfindet, und eine Person somit gar keinen CHIP braucht, um mit einer Person in dessen virtuellen Realität normal zu interagieren, dann ist das schon ein Unterschied.

Wenn ich höre das der eigentliche Spieleentwickler nur irgendetwas mit töten und Terminatoren machen wollte, kann man in die „Lore“ alles oder nichts reininterpretieren​:joy: .

Würdest du die Matrix-Filme als Cyberpunk betrachten? Je länger ich darüber nachdenke, desto eher würde ich sagen: Ja.

  • High-Tech, Low-Life: Ja, auch wenn die meisten das gar nicht wissen.
  • Dystopische Note: Ja
  • Technologie und Kapitalismus: Ja/Nein :slight_smile:

Mir fehlt da diese Kapitalismus/Megacorpssache zu sehr um es als klassischen Cyberpunk zu betrachten, aber so insgesamt würde ich das schon hinzuzählen, insbesondere deine Aufzählung passt da sehr gut als Begründung.

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Zum einen gibt es MetaCortex als Megacorps direkt in der Simulation, zum anderen passiert ganz viel von den typischen Tropes in der Animatrix-Anthologie. Matrix selbst zeigt ja die Zeit nachdem die Konzerne (nach Wirtschaftsblockade und Krieg) gegen die Maschinen verloren haben. Die Erwachten erfüllen mMn das Punk-Element, in dem sie gegen die Wächter des Systems rebellieren. Und auch die Kapitalismuskritik ist massiv, auch hier hilft es Animatrix zu schauen - denn in Matrix selbst haben die Maschinen ja die perfekte Ausbeutungsmaschine erfunden und die Menschheit fast vollständig versklavt.

Ich habe die Folge auch erst heute Vormittag hören können und hatte exakt denselben Gedanken. Mir gefallen diese Einschübe immer sehr und ich finde es klasse, dass wir neben den fundierten Infos zum Spiel so auch immer die kultur-/medienwissenschaftliche Einbettung mitgeliefert bekommen.

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Da lass ich mal mein +1 dazu da.

Nachdem ich Syndicate durchgespielt habe, habe ich auf mehrfachen Hinweis geistiger Nachfolger usw. Satellite Reign gespielt. Gerade weil Syndicate (trotz des selbstinduzierten Frusts wg der Steuerung manchmal) mir doch ziemlich Spaß gemacht hat, sollte das „ja noch besser sein“. Und wie Gunnar empfinde ich es als komplett anderes Spiel.

Man kann schon sagen, es entspricht mehr dem Marketingversprechen von Syndicate, aber spielerisch würd ich das nicht empfehlen nur weil man Syndicate mag. Vll wenn man was in ähnlichem Setting spielen will, aber nicht des Spiels wegen.

Ehrlicherweise hatte ich bei Satellite Reign nicht sonderlich Spaß. Ich hab es dann auch nach einiger Zeit abgebrochen. Optisch/stilistisch ist es wunderschön, und ich denke es ist kompetent gemacht. Abgeholt hat es mich aber leider null.

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Das mag so stimmen, trotzdem finde ich halt nicht, das es nur den Vibe trägt. Gerade wenn man durch die ersten Missionen durch ist, werden die Missionen offener und man hat schon die Wahl zwischen verschiedenen Ansätzen - stumpf durchballern bis hin zu subtilen Setups. Da ist es halt schon das, was Syndicate halt machen wollte, aber nicht geschafft hat. Den Vergleich zu Commandos sehe ich gerade deswegen nicht, weil Commandos will eigentlich immer leise - bei Sattelite Reign kann mans ordentlich knallen lassen, aber sollte sich vorher überlegen, welchen Weg man dafür geht. Klassensystem ja, aber ich denke, dass ist einfach deren einfacher Weg dafür zu sorgen, dass nicht alle Figuren gleich ausgebaut werden.

Ich habs auch später abgebrochen, weils irgendwann hart anschraubt, aber wie gesagt, ich finds halt doch schon in derselben Linie stehend.

Laut Insider wird es ein „Wusstet ihr eigentlich“ Folge zu Syndicate geben.

Mich würde da noch die Geschichte zur Access Card interessieren. Die wird im Handbuch erwähnt, aber die Funktionen scheinen im Spiel nicht implementier bzw. wieder entfernt worden zu sein. Oder habe ich da was übersehen? Auch bei meiner Recherche im Internet habe ich keine nachweisbare Funktion gefunden.
Würde mich freuen, wenn ihr dazu was rauskriegen könntet.

Wie in der Folge erwähnt gibt es keine Endsequenz, wenn man gewonnen hat, sondern es starten einfach die Credits. Wenn man das Spiel verliert gibt es aber eine - wenn auch sehr kurze - Sequenz.

Eindeutig ein nein von meiner Seite. Matrix fehlen sowohl ästhetische als auch inhaltliche Punkte, die mMn im Cyberpunk essenziell sind.

  • Die fehlende Matrix. Die Matrix hier ist eher eine VR und näher am Holodeck von Star Trek oder dem klassischen SciFi-Plot von „Die Hauptcharaktere sind in einer virtuellen Realität und merken es nichtmal!“ als an der Cyberpunk-Matrix. Menschen in der Matrix „arbeiten“ dort ja nicht, es ist eine reine Beschäftigungstherapie, damit sie nicht versuchen auszubrechen.
  • Die Matrix ist in etwa die Welt der 90er. Die reale Welt ist ein postapokalyptischer Albtraum, in der Menschen in einer kleinen Industrie-Enklave mit der Hand vorm Mund leben. Beides ist nicht das typische Bild des Cyberpunk, was eher „unsere“ Welt in der nahen Zukunft ist, nur auf 11 gedreht. Es fehlt der Punk, die Neonbeleuchtung, die starke Urbanisierung, eben diese Blade Runner-Ästhetik.
  • Der Gegner ist nicht „the Man“, die großen Konzerne, sondern die Maschinen. Es gibt keine Masse an Lohnsklaven, die brav im System arbeiten, und eine „Unterschicht“, die vom System ausgestoßen wird und Opfer des Kapitalismus sind. Klar, im übertragenen Sinne kann man das schon so sehen, aber es geht mir um das „Aussehen“.
  • Die Encyclopaedia Britannica sagt: „Cyberpunk ist ein Subgenre der Science-Fiction, das sich durch in einer Gegenkultur angesiedelte Antihelden auszeichnet, die in einer unmenschlichen, hochtechnisierten Zukunft gefangen sind.“ Das kann man schon mit etwas Fantasie auf die Matrix münzen, aber der wichtige Begriff ist ich „Gegenkultur“. Um Gegenkultur zu sein, braucht es Kultur, und die gibt in der Matrix schlichtweg nicht mehr, weil es überhaupt keine Menschen mehr gibt.

Es werden ein paar Beats angeschlagen, die auch im Cyberpunk vorkommen. Von den behandelten Themen her fällt es vielleicht auch ins Genre. Aber von den oberflächlichen Elementen her fehlt da so ziemlich alles, was ich als wichtig für Cyberpunk empfinde.
Vielleicht als Analogie dazu einmal Star Wars: Wenn mich jemand nach einem geilen Fantasy-Film fragt, würde ich dem Star Wars nicht in die Hand drücken, ohne das zumindest stark einzuschränken. Ähnlich würde ich es mit der Matrix halten: Viele Elemente sind da, aber der ganze Anstrich ist ein völlig anderer.

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Aber auch in Commandos war es immer die einfachste Lösung, sich hinter eine Mauer zu stellen und einfach alle Gegner niederzuballern, bis alle Gebäude leer waren. Quasi Gunnars Flammenwerfer-Strategie aus Syndicate (die ich dort auch gern genutzt hab).

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Mhh ich hab mir mal die Kritik von Roger Ebert zu Matrix durchgelesen, der entdeckt im Gegensatz zu dir schon viele Parallelen zu den Cyperpunkgenre (Dark City, Stranger Days) in Zweifelsfall hat Ebert für mich das größte „Wissen“.

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„Ich hab mal irgendwo gelesen, dass irgendjemand irgendwas anderes gesagt hat“ ist natürlich ein unheimlich sinnvoller Beitrag zu einer Diskussion. Danke dafür.

Was heißt überhaupt „im Gegensatz zu dir“? Ich habe gesagt:

Dass da Parallelen sind, habe ich nie bestritten.

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Klar laut dir fällt es „vielleicht“ ins Genre, einer der renommiertesten Filmkritiker hat es halt genau dort eingeordnet. Geht hier nicht um gefallen oder nicht, sondern es ist „Cyperpunk“. Deswegen haben die ja auch Keanu Reaves wegen seiner Rolle in Matrix für Cyperpunk 2077 geholt. Weil Cyperpunk zu Cyperpunk.

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