Der Titel sagt ja eigentlich schon alles. Ich hatte über die Idee auf der SF Con Nord kurz mit einem Besucher gesprochen und wollte es hier nochmal aufgreifen.
Also: was haltet ihr davon, wenn auch mal (berühmte/berüchtigte) wirklich „schlechte“ Spiele besprochen werden? Ich rede hier z. B. von einem „Trespasser“ , „Daikatana“ , „Rise of the Robots“ oder einem „Superman 64“ , „Plumbers Don’t Wear Ties“ , „Night Trap“ , " „E.T. the Extra-Terrestrial“ , usw. Also augenscheinlich „große“ Titel ihrer Zeit, die dann aber völlig gescheitert sind.
Hmja, Besprechungen von schlechten Spielen gibt es auf YouTube in Massen. Aber das ist ja dann meist eher so ein „darüber lustig machen“.
Wie wäre es, wenn genau solche Spiele auch mal eine ähm… Seriöse Besprechung bekommen könnten? Wie Christian doch sinngemäß gerne mal sagt: „Auch hinter einem schlechten Spiel verbirgt sich oft eine interessante Geschichte“. Allein z. B. die Fragen aufzuarbeiten: „Ja warum ist es denn gescheitert? Wie ist es dazu gekommen? Was ist in der Entwicklung schief gelaufen? Warum funktioniert es nicht? Was wollte man eigentlich erreichen?“ halte ich für sehr spannend.
Meist werden ja nur die großen Klassiker und Spielehits besprochen bzw. Spiele die eher am oberen Ende der Bewertungsskala angesiedelt sind. Zu meiner persönlichen hm… „Retro“ Erinnerung gehören aber auch die schlechten Spiele, die mit all ihren Schwächen ja trotzdem irgendwie einen Einfluss auf die Spielegeschichte und -Entwicklung genommen haben und damit in Erinnerung geblieben sind (ach was hatte ich mich z. B. damals auf ein „Rise of the Robots“ gefreut…).
Hätte sowas potential? Oder meint ihr das läuft sich dann doch schnell tot?
Ich denke, die meisten der von dir genannten Beispiele haben das Potenzial für eine ganz normale SF-Folge. Ja, ein Trespasser, Rise of the Robots oder Night Trap waren keine guten Spiele, aber allesamt technologisch ambitionierte Titel, die in ihrer Zeit viel Aufmerksamkeit bekommen haben. Im Zweifel ist das ausschlaggebende Argument die historische Relevanz, nicht unbedingt die Spielqualität. Insofern würde ich sagen: Ja, können wir besprechen, aber im Rahmen von normalen SF-Folgen.
Ja danke für die schnelle Einschätzung. Ja klar, sowas könnte auch im normalen Format laufen. Habt ihr denn schonmal darüber nachgedacht sowas zu machen? Spiele, die über ihre eigenen Ambitionen hart gestolpert sind, aber trotzdem einen Fußstapfen hinterlassen haben? Ich scrolle gerade durch den aktuellen Folgenkatalog und so richtig ist da nix dabei, oder? Vielleicht sehe ich es auch nur gerade nicht.
War der Tenor der letzten wo wir stehen Folge nicht, dass das Team keine weiteren Formate machen wird, weil sie bereits am Limit sind? Insofern ist doch jede weitere Diskussion unnötig.
So habe ich das auch verstanden, und ich finde es gut, wenn SF nicht durch weitere Formate „verwässert“ oder strukturell verkompliziert wird (hust The Pod hust).
Das heißt ja aber nicht, dass man nicht dennoch Ideen sammeln kann für den Fall, dass ein bestehendes Format mal nicht (mehr) funktioniert und potentiell durch eine gute neue Idee abgelöst werden könnte.
Vor vielen Jahren haben wir mal eine Folge Hugo gemacht, die fiel damals explizit unter das Rubrum “Nicht gut, aber relevant”. Darüber hatten wir sogar abstimmen lassen, die anderen beiden Kandidaten waren der Autobahn Raser und Deer Hunter.
Aber stimmt schon, so einen Titel könnten wir mal wieder auf die Agenda setzen.
Noch zum Thema “Schlechte Spiele als neues Format” - ich finde, das ghettoisiert solche Spiele und gibt sie fast automatisch dem Spott frei. Wie Dominik oben schon gesagt hat, ich bin der Meinung, dass niemand morgens aufsteht uns sagt: “Heute mache ich ein mieses Spiel”, sondern da immer eine Geschichte dahintersteckt. Wir haben bereits Möglichkeiten, solche Geschichten in existierenden Formaten zu erzählen - in Hauptfolgen oder in Ein Spiel und seine Geschichte zum Beispiel, je nach Relevanz des Titels.
Passiert doch ständig, IT came from the desert ist kein gutes Spiel, wurde besprochen, Ablion, das taucht in keiner Top 100 der RPG auf, wurde besprochen. Genauso Ambermoon. Weil obwohl das alles durchschnittliche Spiele sind, die halt für eine bestimmte Nische „Kult“ sind und halt aus Deutschland kommen.
Hm ach ne, zu den von dir genannten Titeln sehe ich da schon nochmal einen großen Unterschied. Die Kluft im Wertungsspiegel wäre da schon nochmal eine eine ganze Ecke größer, als jetzt nur „Durchschnitt“. Aber gut, das kann ja jeder sehen wie er will.
Ach du weißt doch, es einfach unterhaltsamer euch „leiden“ zu sehen.
Aber ne das ist wirklich ein guter Punkt: bei mir persönlich ist das z. B. schon so, dass ich gar nicht mehr so scharf auf die Besprechung von den großen Top-Titeln bin, weil das irgendwie jeder macht bzw. schon zu oft gemacht wurde (wobei Stay Forver da natürlich nochmal eine ganze andere Liga und damit wieder doch sehr lohnenswert ist).
Aber gerade das (untere) Mittelfeld und der Bodensatz fehlen mir bisher total bei der historischen Aufarbeitung. Daher die Idee.
Ich bin da zwiegespalten. Also, erstmal: ja, einfach normales SF. Wenns nicht historisch relevant ist, solls draussen bleiben. Zur Not gibts da die Altbiere bei The Pod, die solche Sachen abfrühstücken. Auch mit ganz gutem Aufwand.
Wenn der Fehlschlag aber phänomenal und mit historischer Relevanz ist, fänd ichs schon cool. Aber so Sachen werden ja schon besprochen.
Aaaber, da birgt sich eine ziemliche Gefahr: war Daikatana wirklich etwas, was einen bleibenden EIndruck ausserhalb der Bubble derer hinterlassen hat, die sich heute noch ins Fäustchen lachen, wenn sie „John Romero…“ sehen? Genauso bei Rise of the Robots. Flachköpper, aber halt irgendwie halt einfach schlecht gemanaged.
Schwierige und kantige und nicht so erfolgreiche Spiele wie z.B. Bioforge werden hier ja schon regelmässig besprochen.
Mir fällt an dem Rande gerade auf, das Vampire: Bloodlines jetzt so grob in den SF-Zeitraum fällt. Das ist zwar nicht schlecht, aber… gebeutelt und unerfolgreich. Das wär mal sehr cool.
Ich finde auch dass man hin und wieder solche Spiele besprechen sollten aber auch wirklich nur wenn sie historischen Relevant sind, in der Stay Forever Anfangszeit gab es ja mal eine sehr grobe Behandlung über die Bandbreite was ein schlechtes Spiel ist.
Tatsächlich würde mich hier am meisten “Autobahn Raser” interessiere, das war enorm erfolgreich hatte zahlreiche Nachfolger und war halt wirklich nicht gut.
Ich denke auch die Aufarbeitung der Historie von Davilex könnte hier einen guten Mehrwert bieten.
Zu Daikatana ließe sich soooo viel erzählen, was weit über „John Romero’s about to make you his bitch“ und das Ion-Storm-Chaos hinausgeht. Mir fiele spontan das Thema Engine-Lizenzierung ein. Oder der Shift im FPS-Genre durch Half-Life und Daikatanas Verortung darin.
Hm, der Begriff „schlecht“ war vielleicht blöd gewählt als Opener. Vielleicht „ambitioniert gescheiterte Spiele von historischer Relevanz“? Irgendwie so…