Neben Kathy Rain 2 würde ich gerne auch noch Foolish Mortals empfehlen, ein (weiteres) klassisches Point & Click Adventure, das sich allerdings nicht an Gabriel Knight, sondern an Monkey Island sowie Baphomets Fluch orientiert - und etwas hat, das ich in vielen modernen Spielen seines Genres vermisse: Charme.
Charme ist natürlich etwas, das sich schwer definieren lässt, aber für mich kann das im Kontext von Adventures bedeuten: ein ambitionierter, optimistischer Protagonist mit einer nachvollziehbaren Motivation, der sich selbst nicht zu ernst nimmt. Unterhaltsame NPCs, die mir im Gedächtnis bleiben. Und eine sich glaubwürdig anfühlende Welt, die ich gerne anschaue und erkunde.
Foolish Mortals hat all das.
Man spielt den jungen Murphy McCallan, der im Jahre 1933 auf der Insel Devil’s Rock in Louisiana nach dem Schatz einer verschwundenen Hochzeitsgesellschaft sucht, und sich dabei vorrangig mit den verschrobenen Bewohnern des Ortes sowie dem ein oder anderen Geist herumschlagen muss.
Die Figuren und Dialoge sind intelligent geschrieben; nicht urkomisch, aber sympathisch und durchweg mit Charakter.
Strukturell orientiert sich das Spiel stark an Monkey Island; im ersten Kapitel etwa sucht man die Insel nach Zutaten für einen Voodoo-Zauber ab, später besucht man andere Schauplätze, aber mit ähnlich klar definierten Aufgaben.
So vertraut das auch klingt, gelingt es dem Spiel interessanterweise, eigenständig zu wirken - vielleicht, weil es sich zwar zweifellos als Hommage versteht, es jedoch nicht notwendig empfindet, das dem Spielenden mit einem ständigen nudge-nudge-wink-wink mitzuteilen, wie es so viele andere Adventures tun.
Die Rätsel erschienen mir weitgehend logisch, der Schwierigkeitsgrad ist eher so mittel.
Von den Production Values her wirkt Foolish Mortals wie ein dtp-Titel aus dem Jahr 2004 oder so. Die Hintergründe, mit ihrer angenehmen Farbpalette, sind ordentlich gezeichnet, aber ein bisschen zu “gradlinig” und zu statisch, die Charaktere schön animiert, aber kämpfen mit der Skalierung und treffen nicht ganz den Stil der restlichen Grafik.
Wirklich stark ist dafür die englische Sprachausgabe, und auch die Musik ist mir positiv aufgefallen - etwas, das ich von nur ganz wenigen Spielen behaupten kann.
Überrascht war ich vom Umfang, der es sicher mit dem originalen Baphomet oder CMI aufnehmen kann, zumal die Spielzeit hier nicht gestreckt wirkt, sondern tatsächlich viel (in Form von Locations etc.) in dem Spiel steckt. Und das Ding kostet nicht einmal 20 Teuros!
Neben Loco Motive für mich das gelungenste Adventure im LucasArts-/Revolution-Stil der letzten zehn oder vielleicht sogar zwanzig Jahre.




