Welche Gaming-Ära war besser: "Spieletausch" auf Disketten oder Steam und co?

Inspiriert von the der SF/the Pod Folge „Auf ein Altbier: Der C64“ würde ich gerne euch Retro Gamer fragen, welche Spiele-Ära ihr „besser“ findet und warum:

1.) 80er/90er: Spiele wurden auf Disketten/CDs/DVDs „getauscht“. Es war immer wieder spannend, welche Spiele da zum Vorschein kamen. Oft konnte man sich nicht mal unter dem Namen etwas vorstellen und wurde dann positiv oder negativ überrascht. In diese Ära fällt auch, dass man sich auch legal Spiele gekauft hat, aber teilweise recherchieren musste, wo man das gute Stück herbekommt. „Indizierte“ Spiele hat man unter der Ladentheke gekauft oder teilweise aus dem Ausland bestellt. Bestimmte Spiele waren teilweise garnicht so leicht zu bekommen.

  1. Heute: Alles Spiele die man haben möchte, kann man sich leicht via Steam und co. kaufen. Möchte man Spiele physikalisch, ist es mit Amazon und co. auch meist einfach. Außerdem gibt es ständig Sales, Bundles und Abos. Allerdings weiß man meist vor dem Kauf des Spiels schon, um was es geht, da man an der Berichterstattung via Youtube, Social Media, etc. garnicht mehr herum kommt.

Eventuell nostalgisch verklärt, aber ich finde 1) besser und bin froh, dass ich in den 90ern mit Games sozialisiert wurde. Ich könnte mir vorstellen, dass 2) auch für heutige (junge) Gamer nicht so optimal ist. Es gibt einfach zu viel Auswahl.

Wie seht ihr das?

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Ich weiß ja nicht. Kann man das nicht einfach mit der Frage „würde man wieder zurück zur Diskette wollen?“ beantworten?

Ich für meinen Teil auf gar keinen Fall. Tauschen ist für mich aber natürlich auch kein relevantes Ding im Alltag mehr.

Was ich eher vermisse, ist der Mensch-zu-Mensch Austausch über Dinge, die man in Spielen entdeckt hat oder nicht versteht. Bevor man alles einfach googeln konnte, hat man sich ja untereinander beraten. Mysterien gibt es ja gar nicht mehr. Das macht für mich auch einen Teil des Reizes von Stay Forever Spielt aus.

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Ich finde, den „Überraschungsfaktor“ gab es doch nur in den 80ern und frühen 90ern in der Diskettenzeit. Ein guter Freund von mir hatte z.B. Anfang der 90er seinen C64 von einem Cousin „geerbt“, zusammen mit Dutzenden Disketten. Sich da Diskette für Diskette durchzuprobieren (mehrere Spiele pro Diskette!) war tatsächlich ein Abenteuer – die Disketten waren kaum beschriftet.

In der (frühen) CD-Phase war es dann doch eher so, dass man ein Spiel bei einem Freund sah und den gebeten hat, dass er das Spiel für einen auch besorgt (von seiner Spielequelle, die einen Brenner hatte). Von Abenteuer und Überraschung war da nicht mehr viel zu spüren, zudem musste man die gebrannten Kopien ja zahlen (250 Schilling am Anfang – zum Vergleich: ein Vollpreisspiel kostete original im Laden 700-800), weil die Rohlinge teuer waren.

Zudem war man in dieser Zeit dann durch Spielezeitschriften schon halbwegs am Laufenden, welche Spiele es überhaupt gab.

Was Steam angeht: Da stört mich vor allem, dass man die Spiele nicht weiterverkaufen kann. In der CD/DVD-Zeit habe ich durchgespielte Spiele immer verkauft (wenn sie nicht gerade absolut super waren).

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Was war nochmal Steam? Ich habe keine Diskettenlaufwerke mehr. Beides schlecht.

Den Überraschungsfaktor gibt es heut auch noch, aber in anderer Form. Hab auf itch.io Bundles gekauft und das Durchstöbern der Downloadliste erinnert mich sehr an die Zeit als ich die Diskettenboxen von Freunden durchgeblättert hab.
Wie bei itch.io waren das dann vor allem am C64 und Amiga auch Spiele, von denen ich vorher nie etwas gehört hatte und auf gut Glück durchprobiert wurden.

Die CD- und Zeitschriftenära war aus heutiger Sicht eigentlich die schlechteste, weil man zwar wusste was es alles gab und genug Zeit hatte sich alles vorzustellen wie es sich spielt, aber man konnte sich die meisten nicht leisten, kopieren oder ausleihen.
Bevor ich ein 60-75% Spiel kauf, geb ich mein Geld lieber für das mit der besten Bewertung aus. Is ja wohl klar! :slight_smile:

Heute ist es als Retrofan ja voll super dass man von nem Spiel hört und theoretisch innerhalb weniger Minuten die Möglichkeit hat es selbst auszuprobieren.
Insofern bin ich froh das früher alles miterlebt zu haben, damit ich mich heute freuen kann im digitalen Spiele-Schlaraffenland zu leben.

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Ab und zu hatte mal einer der Freunde was neues zum kopieren. Oder ab und an gingen auch richtig umfangreiche Diskettenboxen rum die man dann sichtete und sich beim Escom wieder ne Packung Leerdisketten für nen 10er holte.
Es gab natürlich Kracher wie Lemmings oder Civilization, aber das war doch eher selten. Das Meiste war Müll und die guten Sachen hat man immer und immer wieder gespielt.

Die 4te Monkey Island Diskette hatte bei mir einen Schreib/Lesefehler. Ich habe Wochen gebraucht, um ein funktionierendes Exemplar aufzutreiben. Denn fast jeder hatte auch die Version mit dem Fehler …

CD Ära war nervig, da stimme ich zu. Ich kannte einen Typen mit nem Brennen. Klar, da lagen dann auch günstige Compilations im Trend. Ich denke da z.B. an die Pearl Magazine oder die Gold Games.

Aber alles in allem sind das Sachen die ich heute so nicht mehr haben wollte.

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Der Diskettentausch war lustig solange es irgendwie eine Wunderbox mit Disketten war, die sich auf magische Art und Weise vervielfältigte. Für mich ist das mehr die Zeit der Heimcomputer (C64, Amiga, Atari) als die des PCs.

Die Endphase der Diskettenwirtschaft verdrängen wir nämlich gerne. Alles wurde auf Festplatten gemacht; Disketten waren nur noch ein Kopiermedium, dass man zum Austausch beschrieben hat. Je höher die Anforderungen bezüglich der Diskettenmenge wurde, desto mehr packte man auch Spiele. Meistens gabs zusammenhänge ZIP-Archive oder noch schlimmer… irgendwas, das übergreifend über 7 Disketten mit PC-Tools gepackt wurde.

Dann beim Entpacken → Diskette 7 hat den Geist aufgegeben… Was macht man? Retry bis das Entpackprogramm aussteigt? Klappt manchmal! Oder mit Ignore die kaputte Diskette auf eine heile kopieren… klappt auch manchmal. Ein mehrstündiger Entpack- und Installationsprozess war hier keine Seltenheit. Am Ende hat man die kaputte Diskette 7 aber leider nicht aussortiert, sondern gleich wieder mitgegeben wenn das nächste Spiel vervielfältigt werden sollte - Ein Teufelskreis!

Ich vermisse das nicht. Wer danach Sehnsucht hat kann sich gerne mal Videos mit Diskettenladezeiten anschauen. In der heutigen Zeit wird ja schon geklagt wenn Windows nicht in 10 Sekunden bootet. Aber naja - früher hatte man ja vor allem noch Zeit :slight_smile:

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Diskettentausch war allerdings auch eine wunderbare Art, sich mit allen möglichen Viren der Zeit einzudecken -.-

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Ich sehe das auch so wie du. Ich bin mega froh, dass ich die frühen 90er miterlebt hab mit der „Disketten-/Überraschungs-Ära“. Damals hatte ich als Kind ja eh kaum Geld, um Spiele zu kaufen. Außerdem haben mich fast alle Spiele begeistert, da war es teilweise fast egal, was da auf so einer Diskette war.
Jetzt hab ich viel mehr Geld aber weniger Zeit (zumindest nehm ich mir nicht mehr so viel) und von daher finde ich es auch gut, dass ich mir alles zulegen kann, was ich möchte. Außerdem bin ich jetzt auch legaler unterwegs in Sachen Spielen :slight_smile:

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Ach du Gott, du hast Recht. Bevor die CD 95 rum durchstartete, war das schon nervig mit den Disketten. Viele kennen das bestimmt, dass das „geliebte“ Spiel nicht installiert werden konnte, weil die 7. Diskette kaputt war.

Ich seh das so, als Kind hat mich das alles fasziniert. Ich hatte auch die Zeit - hatte ja nicht so viel Verpflichtungen neben Schule (und bissel Fussball spielen). Jetzt würde ich diese Situation als Erwachsener als eine Katastrophe ansehen und hätte vermutlich das Spielen an den Nagel gehängt.

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ich bin so froh, dass ich in den 2-3 Jahren, als ich den super-teuren Firmen Laptop von meinem Vater damit nicht infiziert hatte. Als ich dann meinen eigenen PC bekam, wars ja dann rein mein Problem :slight_smile:

Ich möchte Bigbox Spiele mit einem Datenträger und einem Code für Steam. Dazu bitte ein Handbuch, Aufkleber, Karten, Artbooks und lustige Dinge.

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Ah guter Punkt, das Kaufen von Originalspielen war so viel schöner mit diesen Bigboxes!

Kann ich begrenzt nachvollziehen. Ich habe unendlich viele Boxen weggeschmissen und auch Originalspiele aus den 90’ern entsorgt, bevor ich wusste, dass es eine Sammlerszene gibt. Da ich aber eh nicht sehr gut mit den Boxen umgegangen bin, ist das vermutlich kein großer Verlust.

Ich finde es sehr bequem die Spiele einfach herunterladen zu können. Auch hier wieder die Erinnerung an das CD-Zeitalter… stellt euch vor ihr seid nicht Adrian Monk der alles gut sortiert und ordnet… sondern eher so ein kleiner Kaffeetassensammler wie ich. Da werden CDs gerne mal durch sämtliche Hüllen geswitched (bei Musik war ich da sorgfältiger) und schon gar nicht in den Boxen, sondern in irgendwelchen Jewel-Case Ständern abgelegt. Bei Budgettiteln kam gerne auch nur mal ne Lasche mit - da habe ich die CD man dann auf eine Spindel gesteckt (manchmal).

Das Gute an Disketten? In einer Doppelbox kriegt man sicher 50+ davon unter. Hab ich jetzt 100 Spiele CDs zu Hause und möchte ein bestimmtes Spiel spielen → viel Spaß beim Suchen. Und selbstverständlich hatte man auch Spiele zu hause die… äh… sagen wir mal nicht gelabled waren.

Kurzum: Wenn ich meine Steam und GoG Bibliotheken als physische Medien mit Box daheim hätte, bräuchte ich dafür einen eigenen Raum und müsste jedes Mal suchen bevor ich was installieren könnte. Suchzeit > Installationszeit (bei meiner Ordnung).

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Die Technik von heute ist natürlich überragend und bietet nicht nur Vorteile, sondern geradezu ungeahnte Möglichkeiten.
Die Zeit aber, die wir damals erlebten, die Aufbruchstimmung, die rasante Entwicklung von allem und damals schon viel Nerdfaktor, kann man aber mit all dem nicht wieder aufleben lassen.

Ich habe und hatte schon immer ein Problem mit Überangebot. Und schaut euch mal um auf Steam und Co … schon damals waren die Regale in den Kaufhäusern und Videotheken voll, aber immer noch überschaubar. Auf einen Blick konnte man erkennen, ob etwas neues dabei stand.
Ich war schon mit einer vollen Diskettenbox überfordert, ihr wisst schon, die Dinger, die sich auf magische Weise selbst füllten :smile: aber es gab immer etwas, auf das ich Bock hatte. Oder eben eine Neuerscheinung oder Fortsetzung, auf die man sich freuen konnte.

Heute wirkt für mich alles wie Einheitsbrei oder Aufguss. Es scheint nichts wirklich "Neues"zu geben.

Ungeachtet meines eigenen Alters, die 80er und 90er -Technik und die damaligen Spiele würde ich gegen nichts aus der Neuzeit eintauschen wollen.

Ja, „damals“ war wirklich alles besser :sweat_smile:

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Also ich kann nachvollziehen, wenn man die aktuelle Zeit bevorzugt. Ich persönlich habe aber exakt die selbe Einstellung wie du! Ich empfinde die heutigen Möglichkeiten und das riesige Angebot mehr als Belastung. Hat man mit dem Überangebot der neuen Spiele, Wiederauflagen von Hardware und Spiele und der vielen Formen von Berichterstattung kein Problem, ist das natürlich eine super Ära!

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Grundsätzlich leben wir ja in der richtigen Zeit. Wir hatten damals alles, oder zumindest war es in greifbarer Nähe, im Dunstkreis. Und heute … können wir alles haben. Selbst schuld, wenn man das dann nicht mehr will :sweat_smile:

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Andererseits muss man ja nur etwas an seinem Mindset ändern - man darf nicht „alles“ haben/spielen wollen. Wenn man sich ein gutes System zurecht legt, mit dem man dann ab und an zu einem neuen (oder alten) Spiel gelangt, dann ist das doch spitze in der heutigen Zeit. Ich habe tatsächlich in den letzten 1-2 Jahren die meisten Spiele mir deshalb zugelegt, weil sie hier bei SF besprochen wurden. Der Vorteil ist ja dann häufig bei alten (oder neuaufgelegten Spielen), dass sie günstig sind und man nicht die neuste Hardware braucht.

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Naja… Spiele sind heute super günstig. Kann mich noch erinnern, dass wir Spiele zur Heimcomputerzeit entweder telefonisch beim Händler bestellt haben oder mal was vom Karstadt mitgenommen haben. Da hat man schon mal 120 DM bezahlt.

Heute kann ich für 60 Euro eine Vielzahl guter Titel kaufen…
… Oder Stellaris mit 2 von gefühlt 20 Erweiterungen :frowning:

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Ich habe mit dem Amiga 500 angefangen. Mangels Geld war dann der „Spieletausch“ das Mittel der Wahl. Ich habe schnell herausgefunden, was gut und was nur Müll ist, bzw. welche Genre ich bevorzuge. Mit dem PC ging dann der „Spieletausch“ deutlich zurück (ich hatte mehr Geld, wusste, was mich interessiert, und ich hatte eine Spielezeitschrift gefunden, der ich vertraute).
Bei den derzeitigen Distributionsplattformen ist der Zugang natürlich sehr einfach und die Sales-Aktionen tun ihr Übriges. Auch ältere, gute Spiele gibt es zum günstigen Preis.

Ich kann nicht sagen, welche Zeit die beste ist. „Spieletausch“ ist illegal, d.h. ich wünsche mir die Zeit nicht zurück. Heutzutage kommt man günstig bis kostenlos an unzählige, gute Spiele heran. So kann sich auch ein Neuling ohne viel Geld seine Vorlieben erarbeiten.
Was ich aber schon vermisse, sind die Pappschuber und die ausführlichen Anleitungen. Nichts gegen gut gemachte Tutorials, aber das ist nicht die gleiche Wertigkeit. Zumal bei Steam und Epic auch nicht klar ist, was passiert, wenn einzelne Spiele entfernt werden oder die Plattform pleite geht.

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