Ja da hast du recht. Nachmittags war ich draußen oder habe Videospiele gespielt. Samstag und Sonntagmorgen war so meine Hauptzeit. Klar kann man He-Man nicht so gut schauen. Aber weißt du, was es gemacht hat? Es hat eine Geschichte erzählt. Fantasy beflügelt vielleicht, mit den Figuren deine eigene Folge zu spielen. Bei den ganzen YouTubern gibt es nur wenige, die wo was können. Lieber ein Beef oder stumpfen Zocken und dabei zusehen. Das regt doch keinen Geist an.
Vielleicht willst Du aber gerade keine Geschichte sondern nur mit Kumpels abhängen? Ich meine, ich habe safe Jahre meines Lebens mit Freunden auf und vor der Couch vor Amiga, SNES und PC verbracht. Das gibt es jetzt halt digital.
Und ein “Beef” ist letztlich ja auch eine Geschichte und macht irgendwas mit einem, Profi-Wrestling nach amerikanischer Bauart lebt bspw. genau davon und inspiriert und fasziniert die Menschen genauso (mich nicht, ich finde es hochgradig albern). Ich glaube das ist nich alles so s/w bzw. eine Form ist besser oder schlechter als die andere.
Was denn jetzt? Gezielt Wissens-Sendungen oder Zufalls-Interessen?
Zum Spielen: Es sind tatsächlich eher die Multiplayer-Sachen. Schlicht, weil er sich dabei parallel mit seinen Kumpels unterhalten kann. Wie wir damals gemeinsam vor dem 8-Bit-Rechner.
Du gehst bei den aktuellen Sendungen anscheinend immer nur von stumpfen Youtube-Videos aus. Ja, so was läuft auch bei meinen Kindern (und ich kriege schon von der Tonspur Ausschlag). Aber wie gesagt: Sie haben weitere Interessen, die sie auch mit Videos unterfüttern. Bücher waren schon in meiner Generation auf dem Rückzug. Der jüngere Bruder einer Klassenkameradin hat damals nur Motorrad-Zeitschriften durchgeblättert. Gefällt mir natürlich nicht, lässt sich aber nicht verhindern. Und zur Phantasie: So in sich versunken wie mein Jüngster habe ich nie gespielt. Der lebt in seiner eigenen Welt, wenn er spielt.
Aber merkst du was du gemacht hast. Du hast mit deinen Freunden vor Konsolen gehangen und ich habt verschiedenste Spiele und Genre erlebt. Anstatt bei Fortnite zum 100 Mal das selbe Erlebnis zu haben. Oder Roblox oder ein anderes repetitives Spiel.
Das ist klingt mir etwas nach einer OMYAC-mäßige Einstellung (Disclaimer: ich habe noch nie Fortnite gespielt). Die Vielfältigkeit kam weil wir damals mit irgendwelchen Raubkopien geschachert haben (was in sich schon mal hochproblematisch ist, imho), mit rechtschaffenen Neukäufen hätte ich auch nur 3,5 Spiele gehabt. Und je älter ich wurde desto mehr spitzten sich die Genre-Vorlieben meiner Kumpels zu (RTS, ARPG, Shooter, Manager, Anno) - bis jeder nur noch 1-2 Genres / Spiele gezockt hat (wir erinnern uns an den großen WoW-Exodus, plötzlich waren Menschen lost in diesem einen, großen Spiel). Ich habe immer querbeet gespielt, aber weil ICH diese Exploration mochte und das medium an sich - das hat sich wie gesagt in meinem Umfeld komplett gegenteilig entwickelt, also auch wenn wir einen vermeintlich besseren Start hatten, kommt das Endergebnis auch bei heutigen Zuständen an. Das hat wenig bis gar nichts mit den Umständen und mehr mit dem Typus Mensch zu tun, imo.
Ob Fortnite 100x das gleiche Erlebnis ist, möchte ich auch anzweifeln - auch bei einem Street Fighter oder Schach ist das nicht so, weil du immer gegen andere Menschen spielst und kein Mensch genauso tickt wie der andere. Mal von der viel größeren, sozialen Komponente (Team-Spiel, Chat whatever) abgesehen - die gab es bei uns schlicht nicht oder nur auf LANs (die es aber auch nicht immer gab). Und nur weil dir die Wiederholung nichts gibt, heißt das ja nicht das es für andere nicht anders ist, es denen Halt gibt oder man irgendwie runterkommt oder was weiß ich. Finde wie gesagt keine Form davon besser oder schlechter als die andere, jeder soll machen was er will.
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kann ich nicht mitgehen. Warten im Allgemeinen muss ich ja immernoch, nur halt nicht mehr auf Medien. Ich find das nicht schlüssig, dass auf die Medien zu schieben. Genauso könnte ich behaupten, Kinder verlernen das Warten, weil der Spielzeugdino dauernd im Spielzimmer liegt. Der Streaminganbieter oder Fernsehsender ist nicht das regulierende Element.
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Da gehe ich mich: Corona hat zu einer ganzen Menge schwieriger Probleme geführt, die vor allem Eltern vor riesige Probleme gestellt haben, wie sie denn das Kind ruhig halten, das u.U. 2 Wochen wegen einer COVID-Erkrankung im Haus nicht raus darf. Das hat aber wieder nix mit Medien zu tun, das greift mir zu kurz.
Und? Erstmal: schnelle Schnitte ziehen sich durch alle Medien-Formen in allen Altersgruppen. Wir haben allerdings auch einen Trend zu viel epischeren Dingen. Ich geh zum Beispiel nicht mehr ins Kino, weil ich 90 Minuten eine coole Laufzeit für einen Film finde und danach wirkts für mich gestreckt. Geht vielen Leuten um mich rum anders, da kann der Film nicht lang genug sein.
Medienformate sind nicht gottgegeben, nur angewöhnt.
Mal hart anders ausgedrückt: dadurch, dass wir inzwischen auf einem hohen Qualitätsniveau auch bei kurz-Unterhaltung/YouTube unterwegs sind, finde ich es nur konsequent, hart auszusortieren und Medien auch durchaus abzubrechen. Ich seh das als Skill.
Dazu haben wir auch bei Erwachsenen ein Umfeld, indem dauerhafte Verfügbarkeit/Unterbrechbarkeit und Kontext-Wechsel erwartet werden. Ich stell mal die Gegenthese auf: wir erziehen unsere Kinder eigentlich sehr gut auf die Welt, die auf sie wartet.
Ich denke allen Ernstes, das “the kids are alright” heute so wahr ist wie damals.
Ich mag hier nicht Probleme wegdiskutieren, aber ich sehe die große Gefahr, den Kampf der Erwachsenen mit der modernen Welt auf Kinder zu projezieren.
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Wenn man sich überlegt, dass vieles- wenn nicht gar alles - medial ist, ist das Warten auf Medien etwas essentielles. Kinder und Jugendliche verbringen viel Zeit im Internet oder mit Streaming. Warten kann auch heißen, warten auf Belohnungen. Medienangebote, auch im Gaming, werden oft zugeschnitten, dass für jede lapidare Handlungen Verstärker (Belohnungen im weitesten Sinne) erscheinen. Man gewöhnt sich daran, dauernd beklatscht zu werden und sofort alles bekommen zu können. Grinding ist sogar in unserer Altersgruppe inzwischen verpönt, obwohl es einen grundlegenden Aspekt des Lebens spiegelt: Vorbereitung, Übung.
Der Vergleich zwischen einem haptischen Spielzeug (der Dinosaurier) und einer ganzen Medienlandschaft hinkt in meinen Augen etwas.- Ich wüsste nicht, wieso das nichts mit Medien zu tun haben sollte. Was konnten die Kinder denn im Lockdown machen? Die haben nicht mit den Eltern illustre Gespräche am Küchentisch geführt. Es wurde von früh bis spät gespielt oder anderweitig Medien konsumiert. Das ging so weit, dass meine Schüler nach dem Lockdown für Filme im Unterricht Abscheu empfanden, weil sie es “nicht mehr sehen konnten”. Die Kinder wurden ruhig gehalten, mit exorbitanten Medienkonsum. Ich meine das nicht als Vorwurf, sondern lediglich als Fakt.
- Schnelle Schnitte ziehen sich in der Tat durch alle Medienformen und Altersgruppen, aber das hat durchaus Effekte auf den Geist. Dass Medieninhalte Strecken haben, ist völlig normal. Jede Erzählung hat Strecken, weil Geschichten mal langsamer, mal schneller sind. Langsame oder längere Kamerafahrten sind für viele inzwischen unangenehm, wirken langweilig, weil “da so wenig passiert.” Selbstverständlich sind Medienformate auch eine Frage der Gewöhnung, aber das macht ja keine Aussage über die Qualität der Erfahrung oder deren Konsequenzen. Ein Frosch kann schließlich auch lebendig gekocht werden, wenn die Temperatur langsam erhitzt wird - sprich, man kann sich auch an zerstörerische Effekte gewöhnen, ohne es unmittelbar zu merken.
Natürlich ist eine Auslese bei medialen Inhalten eine notwendige Kompetenz. Medien sollen oftmals unterhalten und wenn etwas aufregend wirkt, wird es angesehen (siehe die Verwendung von Thumbnails). Aufregung kann ich über schnelle Schnitte, emotionale Gesten und Soundeffekte generieren und leider haben Jugendliche oft nicht die Fähigkeit, zwischen Qualität und Schund zu unterscheiden. Das meine ich nicht mit Arroganz in der Stimme, sondern ist entwicklungsbedingt. Wieviele Menschen klicken auf Titel wie “…der Grund warum Skyrim 6 niemals erscheinen wird ist unfassbar!!1” ? Nicht umsonst benutzen zu viele Onlinejournale heute oftmals diese Arrousal induzierenden Überschriften. Wieviele aus unserer Generation klicken darauf? Ich nehme mich dabei nicht aus.
Die Aussage, wir würden die Kinder erfolgreich für dauerhafte Verfügbarkeit erziehen, halte ich bei allem Respekt für zynisch. Die Welt, die auf uns wartet, ist immer unbekannt. Deswegen hält die Gesellschaft viel von Humboldts Idee der Allgemeinbildung.
Die Aussage, “the kids are allright” ist zu unterkomplex. Manche sind wohlauf, viele nicht. Frag Eltern, Lehrer, Erzieher. Meine Erfahrung - die sich natürlich von deiner unterscheiden kann- ist die, dass sich jene Kinder positiv in Leistungs und Sozialverhalten hervortun, die einen geregelten bis nicht existierenden digitalen Medienkonsum haben.Natürlich kann man mir einen gewissen Kulturpessimismus unterstellen. Ich würde jedoch raten, sich bei Menschen umzuhören, die tagtäglich viel mit dem Verhalten und der Performanz von Kindern und Jugendlichen zu tun haben.
Zum Thread: Ich würde nicht behaupten, dass wir Zufallsinteressen haben. Wir haben Interessen, die in uns durch Vererbung und Erziehung angelegt sind. Wir könnten diesen Interessen auf unterschiedliche Art nachgehen. Jetzt könnte man einwerfen, dass das unglaublich diverse Angebot es leicht machen würde, diese Interessen zu erkunden. Ich glaube, das Gegenteil ist der Fall. Es fehlt Überblick. Je weniger Angebote es gibt, um so eher wird erkundet. Zu viele Wege sind keine Orientierung, sondern ein Irrgarten. Viele bleiben stehen, bevor sie sich verirren. Schaut in die Schulklassen. Gibt es da noch Popper, Punker, Skins, Rudeboys/girls, Emos, HipHopper?
Es gibt keine/kaum noch Subkulturen. Abgesehen von Oldmoney oder Talahons. Das war vor 40 Jahren anders. Je mehr “Mainstream” in einer Gesellschaft herrscht, um so eher haben Jugendliche Bock auf Subkulturen. Je weniger Mainstream proklamiert wird (wie nach dem Ableben von MTV und VIVA oder der Hitparade im ZDF), kommt es zu Verunsicherung. “There is no culture without subculture”. Aber ohne Tonangeber, ohne “Leitkultur” bekommen Jugendliche oftmals nicht den Drang sich abgrenzen oder abheben zu wollen. Wenn man alles werden kann, wird man nichts.
Ich kann das durch nichts belegen, es ist nur meine Erfahrung und meine Gedanken dazu.
Nicht unbedingt an Musik geknüpft, mir fallen folgende Tribes auf und ein: Manga-Mädchen, Gamer (im modernen Sinne, also so Streamer-Fans), Goth-Mädels, Skater, so Etsy-Craft-DIY-Mädels und natürlich die große Menge an “Digger, Alder, Huso”-Kandidaten. Und meinem Verständnis nach gibt es innerhalb dieser Gruppen auch noch ganz viel Varianz und Sub-Klassen (bspw. Cosplay oder Doujin-Krams bei den Manga-Mädchen) - muss man unter Umständen bisschen näher hingucken.
EDIT: Und das Schöne ist, heute gibt es mehr Überschneidung - man kann mehrere Sachen gut finden und das ist für den Großteil in Ordnung, fühlt sich meinem Eindruck nach alles viel flexibler und fluider an als zu meiner Zeit. Da warste halt deine Subkultur und alle anderen waren doof.
Davon ab, bei uns auf dem Dorf war das höchste der Gefühle mal ein Bandshirt, obwohl wir von Grunge, (extrem) Metal, Punk, HipHop und Elektro-Zeug alles dabei hatten an Fans - das war schon alles ziemlich homogen und war auch relativ egal, manchmal hat man halt einen Spruch gemacht wie schwach HipHop gegenüber feinstem Schwedentod ist und dann wars das auch schon wieder. Will sagen, das Leute ihre Subkultur krass nach außen tragen kenne ich nur aus wirklich großen Städten.
Unter Gatekeeper versteht man aber Leute die einen von etwas fernhalten, z.B. in Fandoms und Communities, wo Neulinge gezielt ausgeschlossen werden durch überhebliches Verhalten.
Seh ich ähnlich. Hab mich da schon ab 1995 immer mehr abgekoppelt von dem, was so im Mainstream vorgelebt wird, was einem zu gefallen hat was Musik angeht und 2003 hab ich aufgehört Fernsehen zu schauen (obwohl ich Fernsehen geliebt habe! aber es ist einfach nur noch für Idioten und viiiiel zu viel Werbung. Und ich meine den Stand von 2003, das was heute so gezeigt wird, da würde ich Wahnsinnig werden, wenn ich das bei Freunden sehe). Gab ne kurze Unterbrechung wo ich dann über Unitymedia Sci-Fi und Animax geguckt hab, aber dann als Kabelanschluss teurer wurde hab ich Sonderkündigungsrecht genutzt. Es ist viiiiel angenehmer als diese Berieselungskacke die fast nur noch aus Werbung besteht und total unflexibel an mir vorbei läuft.
Und ich kenne Taylor Swift, obwohl ich mich nicht am Mainstream orientiere, aber ihre Musik mag ich teilweise trotzdem. Ist halt komplett anders als das was ich sonst höre, aber macht ja nix. Hauptsache es gefällt.
Zu den jungen Leuten… kA, die jüngsten die ich kenne sind mitte 30 und ich find schon krass wieviel die an ihren Telefonen hängen, so war das bei mir nur, als ich mein erstes Android hatte und dann anfing das zu rooten und Custom Firmware drauf zu machen und sowas.
Ich finde ein wenig besorgniserregend, dass sich junge Leute nicht mehr langweilen können. Man hat weltweites Entertainment rund um die Uhr immer dabei. Gerade Langeweile kann ein Quell der Kreativität sein. Wenn ich daran denke, dass ich in meiner Kindheit 3 Wochen mit meinen Eltern in einem kleinen Ferienhaus in Dänemark saß. Bei Regen, keine Freunde in der Nähe, kein Spielplatz, winziger Fernseher mit dänischen Programm, kaum Spielsachen dabei und nur eine Handvoll Comics.
Da muss man zwangsweise kreativ werden.
Ich stromerte an einem regenfreien Tag ums Haus und entdeckte, dass der nahe Hügel über und über mit Islandmoos bewachsen war. Ich kannte das Zeug aus dem Modellbau und fing an etwas davon einzusammeln, damit ich es für die Modelleisenbahn zuhause nutzen könnte. Aber wozu warten? Warum nicht hier an Ort und Stelle etwas bauen. Also fing ich an in den Hügel winzige Höhlen, Plätze und Häuser zu bauen. Kleine Stöckchen und Steine waren das Baumaterial und Moos für Dächer und Wälle hatte ich genug. Es war ein wenig wie ein Steinzeit Sim City. Ich habe dann Stunden auf diesem Hügel verbracht um eine Miniaturstadt zu bauen und war echt traurig als der Urlaub endete und ich meine Bauwerke der Umwelt preisgeben musste.
Ein Jahr später sind wir wieder eher zufällig bei dem Haus gewesen und Teile meiner Minisiedlung standen tatsächlich noch, was mich verwundert, aber natürlich auch sehr gefreut hat.
Ich möchte mal behaupten, dass ich so tolle Urlaubserinnerungen nicht gehabt hätte, wenn ein Smart Phone damals dabei gewesen wäre.
Aber es merkt inzwischen ja auch jeder. Man muss irgendwo warten - Smart Phone raus. Irgendwo sitzen 5 Minuten nichts machen können ist richtig qualvoll. Nur unsere Generation musste kreativ werden - die Neuere muss es nicht mehr.
Die jüngere Generation hat ganz neue Freiheiten, aber auch ganz neue Einschränkungen. Die neuen Freiheiten sind relativ offensichtlich. Jeder kann heute sein Programm frei wählen, jede Musik jederzeit überall hören, Videos machen und Spiele spielen. Ich hätte mir gewünscht, dass es zu meiner Schulzeit Youtube Erklärvideos zu Mathe oder Physik gegeben hätte, die mir schwierige Sachen noch einmal anders/bildlich und unendlich Geduld erklärt hätten.
Die Einschränkungen sind da eher unterschwellig. Man kann jederzeit überall gefilmt, unabsichtlich ein Meme und noch gemeiner gemobbt und gezielter fertiggemacht werden. Selbstentfaltung wird schwieriger, weil auf allen Kanälen gesagt wird, dass man schön, sportlich, witzig, geschminkt oder aufgepumpt sein muss - was man als Jugendliche/r aber nun mal nicht immer ist., sondern eher voller Selbstzweifel steckt und die eigene Rolle noch sucht. Schwierig, wenn dann Influencer einem sagen, was man alles tun muss, um auch einen Lamborghini zu haben oder das Penthouse in Dubai.
Ich habe so ein wenig das Gefühl, dass die Kids heute in so einer Zwanglage stecken, dass sie gleichzeitig eingeflüstert bekommen: “Du sollst sportlich sein, aber 10 Stunden Zocken mit Energy und Käsepizza ist auch geil! Sei sexy, aber sei keine Schlampe! Du sollst stark sein, aber auch deine Schwächen zeigen!”
Auf Jugendliche prasseln so viele positive und negative Eindrücke ein, wie noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte. Man kann sich als Jugendliche bequem von zuhause aus zum Experten für Aquaristik, zu Kunsthistorikerin, Grafittikünstler oder auch zum Geldhai, Schnösel, It-Girl oder politischen Extremisten ausbilden lassen.
So etwas gab es noch nie. Früher musste man aktiv und zu den Leuten. Heute kann man das passiv und von den eigenen vier Wänden aus.
Also ich sehe schon einen nachvollziehbaren Punkt in dem Thema: nämlich dass einem kuratierte Medien auch Themen links und rechts vom Kerninteresse nahebringen und damit ab und zu den Horizont erweitern können. Ich finde das hat schon auch seinen Wert.
Inzwischen gibt es halt zu jeder Nische so viel speziellen Content, dass man sich leicht non-stop mit den Dingen beschäftigen kann, die man eh schon mochte. Aber da wir uns hier in einem Forum für Leute befinden, die sich bevorzugt mit Spielen und Technik von vor 30 Jahren beschäftigen, passen wir da ja gut rein ![]()
Ich habe schon das Gefühl, dass sich einige Wege der zufälligen Entdeckungen geschlossen haben, weil sich Medien und deren Verbreitung im Allgemeinen total verändert haben. Auch, wenn hier stellenweise (zurecht) sehr negativ auf MTVIVA geschielt wird, so hatte ich letztens eine interessante Situation, die mich hat grübeln lassen: Ich saß alleine in einer Kneipe und dort lief auf den Fernsehern und aus den Lautsprechern YouTube-Videos. Das war keine Playlist, das war der Algorithmus, der immerfort neue Videos aus dem Äther zog. Aber eben das, was sowieso ankommt und in dem Falle war das ein stetiger Stream aus Rock-Klassikern. Das ist schön und gut, lief aber einfach nur vor sich hin.
Würde da jetzt MTV von damals™ laufen, würden dort irgendwann eben doch redaktionelle Inhalte laufen. Wenn Markus Kavka dann für eine Stunde interessante Videos ausgräbt, könnte man dort dann vielleicht doch mal zufällig ein interessantes Video aufschnappen, das man sonst nicht gesehen oder gehört hat.
Genau dasselbe passiert übrigens auch mit Spotify-Autoplaylisten in Kneipen. (Randfrage: Ist das überhaupt erlaubt? Das ist ja letztlich eine kommerzielle Nutzung des Privatabos…)
Klar, die Gatekeeper-Diskussion kann man schon führen, doch was früher Personen waren, sind heute intransparente Algorithmen der Tech-Konzerne. Das ist nicht viel anders.
Und was auch ein wenig reinspielt, ist die absolute Menge und sofortige Verfügbarkeit von neuem Zeug. Wir alle sind gefühlt ungeduldiger geworden und viele setzen sich nicht mehr als x Sekunden/Minuten mit etwas auseinander, um es möglicherweise lieben zu lernen. Das heißt, dass wenn mal ein Zufallsinteresse aufkommt, es einen auch wirklich sofort packen muss (das Viral-Geh-Dilemma), damit es vielleicht wirklich zu einem Interesse erwachsen kann. Das hat durchaus auch Vorteile. Bei Videospielen möchte sich doch z.B. keiner von uns mehr durch eine verbuggte Welt oder durch eine unintuitive Steuerung durchkämpfen. Dafür haben viele keine Zeit mehr und das nächste Spiel wartet um die Ecke. Umso dankbarer bin ich dafür, dass das Stay-Forever-Team das ganz oft für uns macht ;).
Also ich bin auch ziemlich sicher, das ich mit meiner Musik schon ewig nicht weiter gemacht habe, weil ich halt keine Langeweile mehr hab ![]()
Das unterstellt, dass Leute nicht aktiv auch mal um ihr Kerninteresse rumschauen, wenn man sie nicht zwingt. Und kuratierte Medien sind halt auch Elimination von vielen Sachen, die ausserhalb liegen. Ich will da garnicht gegen Wettern: aber wer kein Interesse hat, links und rechts zu schauen, der sucht sich eben halt auch den entsprechenden Kurator. Ich seh da die Wirkkette halt nicht so stark.
Hab mir jetzt mal den ganzen Thread durchgelesen (ha, so viel Geduld kann ich also noch aufbringen
) und finde hier durchaus interessante Punkte, selbst bei gegensätzlichen Meinungen.
Ich glaube, es ist schwierig hier allgemeine Aussagen über die Situation “der Jugend“ zu treffen, weil Menschen eben ganz unterschiedliche Erfahrungen machen.
Ich schaue auch schon lange kein TV mehr, wir haben auch gar keinen Kabelanschluss, aber wir waren gerade im Urlaub in einem Ferienhaus und dort gab es das und als wir den einen Abend unsere sehr aufgedrehte Tochter, die das erste Mal, seit sie bei uns ist, nicht zu Hause geschlafen hat, zum Einschlafen bringen wollten, haben wir einfach mal geschaut, ob wir was Langweiliges im TV finden (ja ich weiß, Rabeneltern-Style, wir waren aber auch echt durch). Wir sind dann bei einem Öffentlich-rechtlichen Sender bei “Merkels Erbe” hängengeblieben. Einer Doku, wie sich die Flüchtlingspolitik von Merkel bis heute auswirkt etc. pp. und auch wenn diese bei meiner Tochter schnell zu dem gewünschten Ergebnis geführt hat, fanden wir die Doku erstaunlich gut und haben sie auch zu Ende geschaut.
Es ist jetzt nicht so, dass das total außerhalb meines Interesses lag, aber dank mangelnder Zeit im Alltag und Überangebot sonstiger Medien hätte ich mir die sonst sicher nicht angeschaut. Ähnlich geht es mir inzwischen mit dem Bücherlesen, da habe ich schon das Gefühl, dass ich das eher mache, wenn ich wirklich Zeit dafür habe und möglichst nichts anderes, was mich ablenken könnte. Insofern deckt sich die These, dass ein Mangel dazu führt, dass man sich mit dem, was da ist, mehr beschäftigt, mit meiner Erfahrung. Ist ja aber auch irgendwie logisch. Ich denke da selber zu filtern und quasi freiwillig auf Dinge zu verzichten, um sich einer Sache tiefer zu widmen ist tatsächlich ein Skill, aber ich glaube, das gilt auch für ältere Menschen. Wer hat denn hier schon seine komplette Retrosammlung durchgespielt, na? ![]()
Was Social Media angeht, da bin ich inzwischen quasi komplett raus, (wenn man mal davon absieht, dass ich natürlich YouTube schaue und hier im Forum, so wie auf einigen sehr nieschigen Discord-Servern ein bisschen aktiv bin), und das sehe ich auch als problematisch, allerdings für alle Altersgruppen.
Übrigens: Schnelle Schnitte in Filmen usw. haben mit MTV und Musikvideos Einzug gehalten. Es gibt meines Wissens nach sogar Untersuchungen, dass Menschen der “MTV-Generation” schneller Bildinhalte erfassen können als solche, die davor geboren wurden. Es ist also kein ganz neues Phänomen.
Wie dem auch sei, ich denke, jede Generation hat so ihre eigenen neuen Chancen und Herausforderungen und ich persönlich glaube nicht daran, dass ein Medium an sich eine ganze Generation verhunzt. Wichtig ist, aus meiner Sicht, dass Menschen lernen, wie sie mit dem Medium umgehen, ohne dass es toxisch wird und ich glaube im Falle von Social Media haben viele Menschen aller Altersgruppen da noch Nachholbedarf. Ich nehme mich da auch nicht aus.
Aber in einem Kneipensetting? Wenn die Bar / Kneipe nicht gerade ein konkretes Thema hat warum sollten die nicht gefälliges Gedudel spielen? Du sollst saufen und nicht Musikvideos entdecken ![]()
Und so haste wenigstens das Glück das nicht alle 60 Minuten das gleiche Lied kommt (so wie früher, wo dann einfach Scheiße in Schleife gespielt wurde, gerne auch bei Burger King oder McD). Wenn die Betreiber das wollten, könnten die ja zudem auch eigene Playlists erstellen oder anderweitig kuratierte Playlists abspielen.
Worüber ich tatsächlich traurig bin sind die teils verstörenden Videos die bei VIVA2 (eh ein prägender Sender, millionenfach geiler als MTVIVA und bis heute schmerzlicher Verlust) so in der toten Zeit zwischen 1.30 bis 3.00 früh liefen - da war so mancher trippy shit dabei. Ansonsten überwiegen imo nur die Vorteile. Kuratierte Playlists von Freaks in einem Genre oder einmal alle “Klassiker” gesammelt durchhören. Megaaa! Die Verfügbarkeit ermöglicht einfach so sehr sowohl in die Breite und in die Tiefe zu schauen - das gab es so früher einfach nicht und das will ich echt nicht mehr missen. Manchmal muss ich mich fast schon bremsen neben dem Entdecken die Sachen auch noch anzugucken/zocken/hören/lesen - haha!
Nö, in der Industrie versteht man darunter Unternehmen\Personen die an Schlüsselpositionen sitzen und marktrelevante Macht besitzen (Steam & Google, Finanzdienstleister und Banken). Gibt halt oft mehrere Bedeutung von Begriffen.
Ich weiß nicht, ob ich direkt von Zufallsinteressen sprechen würde, aber ich habe schon den Eindruck, dass weitaus weniger über den Tellerrand geschaut wird als früher - sowohl bei Jüngeren als auch bei Älteren.
Persönlich merke ich das nicht nur beim Fernsehen oder Radio, sondern auch sehr stark beim Lesen. Früher habe ich mir Zeitschriften gekauft und die dann in der Regel unzählige Male durchgeblättert, wenn nicht sogar komplett durchgelesen. Dadurch kannte ich in den 90ern zum Beispiel so gut wie jedes Spiel und hab auch öfter mal eins entdeckt, das sich außerhalb meiner üblichen Komfortzone befand. Genauso haben es meine Eltern täglich mit der Zeitung gemacht und andere wahrscheinlich mit der Bravo, der Basket oder der Cinema.
Heute verbringe ich zwar wahrscheinlich ähnlich viel Zeit auf Newsseiten wie früher mit Zeitungen und Zeitschriften, aber mehr als die Überschriften lese ich ehrlicherweise dann doch selten - insbesondere bei Artikeln, die mich auf den ersten Blick nicht zu interessieren scheinen.
Vor ein paar Jahren hab ich deswegen sogar mal versucht, wieder auf Zeitungen und Zeitschriften umzustellen, weil mir dieses “Entdecken” irgendwie fehlte. Aber die wenigen, die es noch gibt, wirken mittlerweile doch überwiegend so lieblos, dass das keinen großen Spaß mehr macht.
Finde ich schon schade und bin definitiv froh, vor Algos und dem ganzen Social-Media-Gedöns aufgewachsen zu sein.
Ich finde es heftig “alte” Filme dann zu schauen. Mein HIrn ist an diese langsame Art gar nicht mehr gewöhnt.
Ich hab mir vor ner Weile mal “Welt am Draht” angeschaut und fand ihn durchaus faszinierend, aber wenn man dann Matrix dagegen hält … krasser Unterschied