Ok, lese ich sonst immer anders, ist dann wohl keine so geläufige Form im Internet. Aber wieder was neues gelernt.
Viele der angesprochenen Probleme, die sich Jugendlichen auftun, betreffen uns als Ältere genauso. Durch die Masse an Content und veränderte Familien/Erwerbssituatioenn haben wir immer mehr Zeitarmut. Ich selbst empfinde zumindest das Mediale als Überangebot und bin froh, dass ich nicht das Gefühl habe alles entdecken zu müssen.
Ich glaube aber, wie so oft, sind die beobachteten Phänomene (z.B. „wir hatten noch Zufallsinteressen“) eher eine Frage der Bubble und nicht der Generation. Ich bin auch noch teilweise ohne Internet aufgewachsen und in meinem Jahrgang war nicht jeder aufgeschlossen, neugierig, kreativ etc.
Sondern auch da gab es Leute, die etwas kennengelernt haben und nur das gemacht haben und weder durch Empfehlungen noch zufälliges Entdecken für neue Dinge zu begeistern waren.
Auch, dass Leute keine Langeweile mehr aushalten können beobachte ich durch alle Atersschichten. Ich habe z.B. einen absoluten Hass auf Leute, die Fahrrad fahren und dabei aufs Smartphone schauen. Das Smartphone macht es so leicht, parallel zwei Dinge zu tun, das sehe ich durchaus problematisch. Aber, wie gesagt, nicht nur bei jungen Leuten.
EDIT: da fällt mir noch ein, dass ich gerade das Internet genutzt habe um Zufallsinteressen nachzugehen. Z.B. indem ich ganze Abende auf Wikipedia verbracht habe und von Artikel zu Artikel gesprungen bin ![]()
Beim Fahrradfahren kann man Musik oder Podcasts hören ![]()
Ja, aber nicht sein Smartphone in der gottverdammten Hand halten und draufschauen!!!11!!
Nee, wozu auch ![]()
Oder das Leute das Telefon in die Hand nehmen beim Auto fahren. Find ich absolut unverständlich. Das hab ich nicht mal gemacht als wir noch physische Tasten hatten, aber mit einem Touchscreen?!?
Ich konnte T9 früher blind schreiben, wäre aber auch da nicht auf die Idee gekommen, das während der Fahrt zu machen.
Ich denke immer wieder über eine technische Lösung nach, die es Fahrern unmöglich machen würde, das Smartphone beim Fahren zu benutzen. Bis dahin mache ich mir manchmal einen Sport daraus, mir entgegenkommende Daddler anzuhupen, in der Hoffnung, sie mögen den Barren vor Schreck mal aus dem Fenster schmeißen.
Ist echt erschreckend, wenn man auf der Landstraße im Schnitt jeden 4. mit Handy im Schoß am Tippen beobachtet …
Imho verhält es sich genau gegenteilig.
Aktuelles Bespiel:
Ich sitze als Beifahrer im Auto und meine Tochter fährt uns zur Schwiegermutter. Wir haben schon große Teile ihrer Playlist gehört, viel Pop, R&B, Reggaeton, deutscher Rap, all sowas. Plötzlich springt die Playlist zu Sabaton und es kommt raus, dass sie Powermetal hört ohne zu wissen, was das überhaupt ist. Einfach wegen der epischen Refrains und der martialischen Texte. Sie tut so, als höre sie das ironisch, aber sie kann das erstaunlich textsicher mitsingen.
Das ist der typische eklektische Musikgeschmack der GenZ. Die stolpern durch Tests der Algos, durch kurzlebige Trends, durch Freunde außerhalb des eigenen Dorfes ständig über unterschiedliche Styles und haben immer neu die Chance, irgendwas zu adaptieren. Tun sie auch, weil damit nicht so stark Ideologien verknüpft sind.
Bei uns früher war man Punk oder Popper, Metalhead oder Mainstreamlusche, was man als Subkultur erwählt hat, hat man ausschließlich konsumiert. Das eine ist nicht besser als das andere, aber wo ich mit 17 Dutzende minimal unterschiedlicher Varianten von Punk gehört habe, sind es bei meiner Tochter Genres. Sie hört auch viel mehr internationale Musik, hier ein französischer Rap, da was Deutsches, dann ein bulgarischer Rocksong. Und zwischendurch auch mal einen Postpunk-Song aus Papas Playlist. Ich habe durch sie in den letzten Jahren so viel neue Musik gehört wie seit Dekaden nicht mehr.
Bei Musik mag das ja wirklich zutreffen, leuchtet mir auch ein.
Aber ich verstehe schon, worauf der Threadersteller hinauswill. Früher hat man aus purer Verzweiflung im Fernsehen auch mal Dinge geschaut, die einen auf Anhieb vielleicht nicht interessieren, weil es einfach nichts anderes gab. Das mögen Dokus über eine Tracht im Schwarzwald gewesen sein, ein Film Klassiker aus den Sechzigern oder etwas ganz anderes.
Sowas sehe ich heute gar nicht mehr.
Mein Sohn klickt sich durch Streaming Anbieter, aber ganz abstruse Dinge werden ihm da einfach nicht vorgeschlagen oder sind nicht im Angebot.
Ja, aber mir fällt gerade wenig ein wo ich dann dachte: Ach ist das cool. Meistens war es einfach gequirlte Scheiße ![]()
So auf Anhieb fallen mir Westworld ein und Fackeln im Sturm.
Heute stolpere ich auch noch über kurioses Zeug, das kommt dann eher aus Empfehlungen aus z.B. Foren.
Gerade Reportagen habe ich tolle gesehen. Und geile Filme aus den 60ern, die heute nirgends mehr laufen.
Die tollen Tanten Filme mit Rudi Carrell hatte ich jetzt auch eher unter nicht so wichtig eingeordnet ![]()
Aber ernsthaft: Ab und an bekomme ich heute den Rappel Filmklassiker nachzuholen. Das gezielt zu machen ist heute definitiv einfacher als in den 80ern. Allerdings muss ich dann auch zugeben, dass ich es nicht so einfach finde die alten Sachen anzusehen.
Ist aber auch unterschiedlich, Welt am Draht fand ich z.b. echt unterhaltsam.
Klar ist es einfacher, aber du machst das ja auch nur, weil du es damals ja zumindest am Rande mitbekommen hast. Und darum geht es ja hier, solche Zufallsfunde werden meiner Meinung nach dem Filmbereich eher weniger. Aber das ist nur meine Beobachtung.
Aber das was damals auf den 3 Programmen lief war doch primäre Mist und ab und an vielleicht mal ein Filmklassiker der Marke Captain Obvious. Was ich meine: Wir haben verhältlismäßig viel Müll geschaut aus purer Verzweiflung. Das war damals so, aber zumindest ich kann das nicht rückblickend super geil finden.
Ich habe nie pure Verzweiflung gespürt. Von Cartoons zu Dokus, zu Autotests, zu Sportübertragungen, zurück zu Löwenzahn, zur Maus und irgendwelchen Filmen wie Jason und die Argonauten, Asterix oder Indiana Jones. Und wenn es langweilig wurde, dann Fernseher aus, Game Boy an, Mangas lesen oder raus mit dem Fahrrad. Aber alles hat einen doch geprägt.
Nur mal ein Beispiel, auch wenn es vielleicht weit hergeholt ist: Angeblicher „Mist“ wie die Power Rangers führte vielleicht dazu, so etwas wie Kaiju-Kämpfe interessant zu finden. Godzilla wirkte dadurch dann auch cool, weil die Kämpfe ähnlich sind. Das führte vielleicht zu einem Interesse an Japan. Dieses wurde weiter ausgebaut über Spiele und Mangas/Animes.
Vor fünf Jahren bin ich dorthin gereist und war schwer begeistert. Nun lese ich einen Comic über Steve Jobs, der einen Zen-Meister hatte, mit dem er jahrelang zu tun gehabt hat. Und nun kommt in mir der Wunsch hoch, mich auch einmal mit Zen-Praktiken auseinanderzusetzen.
Will sagen: Von Power Rangers zur Zen-Philosophie. Wäre das auch ohne gegangen? Vielleicht. Aber genau dieser „Mist“ oder das zufällige Darüberstolpern kann viel auslösen.
Aber ist es nicht genau was jetzt noch besser funktioniert? Statt Fernsehchefs kuratieren jetzt mehr Freunde, Influencer und Algorithmen. Trotzdem findet man ja allerlei Kram. Und kann noch einfacher in rabbit holes fallen, weil man eben so viel direkt erreichen kann.
Ich sehe da kein vom vornherein enger werden als vorher, jeder probiert aus oder schränkt sich selbst ein. Die aus Verzweiflung angeguckte Fernsehsendung ist halt jetzt der 200. ausprobierte Podcast, der vom Algorithmus um 2 Uhr nachts reingespülte Clip/Video etc. beim Doomscrolling, der mal anderes abklopft. Statt einer random Doku verfängt man sich mal auf wikipedia in den Verknüpfungen, statt auf MTV bei Youtube Musikvideos im Autoplay.
Die ganze Threadprämisse ist für mich gemein gesagt “früher war alles besser, und die Jugend”. Als ob eine Generation die nachfolgende so gut beurteilen kann. Ich zweifle,dass man die eigene gut beurteilen kann, die außerhalb des eigenen Erlebens ist zB andere Freundeskreise
Und da wird jetzt genau kurratiert bei Influencern? Wird da nur Entertaiment geboten oder wirklich auch mal wissen vermittelt?
Was soll daran gut sein? Ist doch fürchterlich.
Nicht nur. Es ist eine These die ich zur Diskusson gestellt habe. Mehr nicht.
Äh siehe Stay Forever? Seit wann schließen sich Entertainment und Wissen aus?
Mein Verlobter findet btw nix langweiliger als eine Folge SFT, für mich ist es ein Fest. Und mein Hobby alte Technik und Spiele aus Zufall entstanden, weil ich random Spielepodcast durchgehört hab und bei SF kleben geblieben bin.
Ich könnte dasselbe über TV Programm sagen, das ist ja subjektiv.
Genau das sagte ich so hört es sich an. Und ich stimme nicht im geringsten zu.
Ja meine frage war was kurratieren Influencer. Bei Youtube z.b. Ich frage ja nicht dich wie Stay Forver wissen für dich vermittelt. Sonder wird der Jugend bei Youtube, Tik Tok usw. wissen vermittelt. Falls du Teenager hast in dem alter wäre es ja gut die erfahrungen zu teilen.
Gegenargumente wäre toll. Die würden weiter helfen.
Also so Sachen wie SF sind auch auf Youtube? Wenn du was willst was jüngere Demographie hat zB stundenlange Dokus zu Achterbahnen und Freizeitparks von Parkreview.
Und anektdotische Beweisführung soll ich mit anekdotischer Beweisführung kontern, wirklich?
Wenn du darauf bestehst hier ein Beispiel: wg random tiktoks, die eigtl fast nur zum Mittanzen genutzt werden, hat eine meiner Nichten total random ein Interesse für Näharbeiten entwickelt. Ich glaube der Haushalt hat vorher nie eine Nähmaschine gesehn. Ich weiß nicht wo das sonst herkommt.