Das Album-Gefühl

Ich bin als jemand, der so um den Mauerfall herum geboren ist, ja vollständig mit CDs und MP3-Playern aufgewachsen. Schallplatten im Elternhaus waren noch vorhanden und wurden hin und wieder auch gehört, aber selbst aufgelegt haben ich die nie und auch, dass die „anspruchsvollen“ Songs eher früh im Album drankommen müssen, weil die „Auflösung“ der Schallplatte dort noch besser ist, war mir völlig fremd. Musik wurde in der Jugend dann oft über YouTube in grausiger Auflösung konsumiert, oder in grantigen 128 kbit/s-MP3s…

Aber. Schon als Kind war mir immer völlig klar, dass man halt ein Album hört. Gebrannte CDs der Toten Hosen trugen da vermutlich ihren Teil zu bei, oder auch die später dann die MP3-Sammlungen von Mittelalterrock- und Powermetal-Bands, aber ich habe Alben schon immer von vorne nach hinten gehört. Nie im Ohrensessel, mit Booklet und ausschließlich auf das Album konzentriert, aber Mixtapes oder Playlists waren immer eher die Ausnahme. Selbst meine ersten Original-CDs (Europop und Contact von Eiffel65) wurden immer komplett gehört, auch wenn Blue natürlich trotzdem das Highlight war. Klar, einzelne Lieder wurden dann schonmal auf YouTube gejagt und gehört, wenn sie empfohlen wurden und ich habe auch schonmal spontane Playlists in foobar2000 gebaut…aber es blieb eigentlich immer die Ausnahme. Eine kleine Handvoll habe ich gebaut, aber großartig nicht.

Erst mit Spotify habe ich überhaupt das Gegenteil getan: Playlists gebaut, die aus mehr bestanden als nur dem Best-Of einer Band. Da kamen dann Playlists für Kneipenabende bei rum (Wer hinter der Theke stand, durfte die Musik bestimmen, großer Benefit!), oder für Freunde, die Empfehlungen wollten, oder für eine Autofahrt, oder…

Privat höre ich immer noch fast ausschließlich Alben. Das fügt sich einfach so schön zusammen. Es gibt eine Handvoll Playlists, die stetig wachsen, und auch die automatisch generierten Playlists von Spotify/Tidal mag ich ganz gerne (This is XYZ oder der Mix der Woche oder so) und auch als Beifahrer mit Musik-Kontrolle mische ich gerne durch, aber wenn ich eine Band dann richtig kennenlernen will, werden Alben gehört, gekauft, gerippt, Bands zur Signatur vorgelegt, in den Schrank gelegt. Oder enttäuscht festgestellt, dass die Band wohl doch nur einen guten Song hat und der Rest nicht taugt. Versuche es trotzdem dann oft ein paar Monate später nochmal.
Auch, weil ich das „Warmhören“ extrem gut kenne. Gibt Alben, die sofort hörbar klick gemacht haben, und Alben, die erst nach 20 Jahren wiederholter Versuche dann endlich den richtigen Effekt erzielen (die frühen Blind Guardian-Alben sind da so ein typisches Beispiel).

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