Spy Party: Das beste Spiel, das keiner spielt – und ich verstehe bis heute nicht völlig, warum das so ist, weil sich Spy Party fast ein wenig (positiv) wie Streamer-Bait anfühlt.
Das Konzept ist so genial wie simpel: Ein Spieler lenkt einen Spion, der innerhalb einer kleinen Kulisse innerhalb weniger Minuten mehrere Missionen zu erfüllen hat – einen Doppelagenten kontaktieren, eine Statue austauschen, einen Mikrofilm verstecken, eine Wanze platzieren. Sein Gegenspieler steuert einen Scharfschützen, der die Location aus der Ferne beobachtet und den Spion korrekt identifizieren muss.
Der Clou ist, dass sich fünf bis fünfzehn verschiedene Charaktere in einem Level befinden, von denen alle bis auf den Spion von der KI gesteuert werden. Der Spion muss also nicht nur versteckt agieren, sondern auch die KI beobachten, sich ihrem Verhalten ein Stück weit anpassen und gleichzeitig den Scharfschützen im Auge behalten, dessen Blickwinkel grob anhand seines Laserpointers zu erkennen ist.
Spy Party ist ein Spiel wie kein zweites, das allerdings nur funktioniert, wenn man einen gleichwertigen Gegner findet. Und das war leider von Beginn an das Problem, es spielt halt sowieso kaum einer, aber dann sind auch noch die Lobby und das Matchmaking ziemlicher Mist, es ist seit 8 Jahren im Early Access, zuletzt ohne nennenswerte Updates, aber kostet immer noch 25 Teuros. What the heck, Chris Hecker?
Angeblich will er irgendwann mal wieder was dran machen – allein, mir fehlt der Glaube.
Return of the Obra Dinn: Hat bei mir einen ganz besonderen Stein im Brett, da es dieser neuen Ära der Detektivspiele den Weg bereitete, die mich als Spieler nicht nur einen Detektiv verkörpern lassen, sondern es mir tatsächlich erlauben, zu ermitteln, zu kombinieren und zu schlussfolgern. Ohne Obra Dinn gäbe es, glaube ich, kein Golden Idol, kein Roottrees und kein Type Help.
Type Help: Apropos! Steht für mich auf einem Level mit The Roottrees Are Dead und The Case of the Golden Idol – dem Original, nicht dem leider etwas überladenen und zu esoterischen Nachfolger. Ich hätte hier auch eines der beiden anderen Spiele wählen können, aber bei Type Help hat mich seine Reduziertheit begeistert. Ist das einzige Spiel, für das ich bereitwillig (oder überhaupt) mit Excel hantiert habe.
Rocket League: Nach Q3A, UT und CS hatte ich gut 15 Jahre keinen Online-Multiplayer mehr angerührt – und dann kam Rocket League. Laut Steam hab ich seit 2015 knapp 900 Stunden damit verbracht, mehr als mit Spelunky (200 Stunden), Strategic Command: World War I (160 Stunden), Slay the Spire (115 Stunden), Strategic Command WWII: War in Europe (115 Stunden), XCOM 2 (100 Stunden) und Spy Party (90 Stunden) auf den folgenden Plätzen zusammen. Fühlt sich für mich mehr nach Fußballspielen an als jedes FIFA.
Into the Breach: Wurde hier schon oft erwähnt. FTL war nett, aber lebte für mich in erster Linie von Setting und Atmosphäre, Into the Breach hingegen ist beinahe aufs Minimum reduzierte Puzzle-Strategie in Perfektion. Ein Meisterwerk.
Disco Elysium: Eines der am besten geschriebenen Spiele aller Zeiten (und derer, die noch kommen werden). Fantastische Dialoge (und Monologe), eine spannende Welt, dazu Figuren, die im Gedächtnis bleiben – und endlich mal ein Rollenspiel ohne echte Kämpfe!
War neben Obra Dinn auch eines der wenigen Spiele, deren Entwicklung ich wirklich aktiv verfolgt habe (beide bei TIGSource) und fand’s extrem beeindruckend, wie sich das in meiner Wahrnehmung peu à peu von „coole Idee, aber viel zu ambitioniert …“ zu „wtf, die haben’s echt drauf!“ verschoben hat.
Kingdom Come Deliverance II: Die faszinierendste und glaubwürdigste Welt, die ich je in einem Rollenspiel erkunden durfte. Unzählige durchdachte Systeme, abwechslungsreiche Quests, gut erzählt – und ausnahmsweise mal eine Geschichte um einen einigermaßen normalen Menschen mit nachvollziehbaren Zielen, dem es nicht um die Rettung der Welt vor dem Untergang geht.
Slay the Spire: Pure Sucht. Gibt so viele Spiele von der Sorte, aber hier stimmt für mich einfach alles, insbesondere das Balancing. Hab ein bisschen Angst vor dem Sequel.
XCOM 2: Ebenfalls schon x-mal in diesem Thread erwähnt – im Grunde das Gegenstück zu Into the Breach, nur eben am anderen Ende der Komplexitätsskala im Mainstream-Bereich.
Foolish Mortals: Wie andernorts geschrieben: für mich das gelungenste Adventure der letzten zehn Jahre.
Knapp an der Top 10 vorbei:
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Stardew Valley: Eines der schönsten, angenehmsten Spiele des letzten Jahrzehnts. Hab mich im Nachhinein allerdings ein bisschen geärgert, es gleich zum Release gespielt zu haben, da danach noch so viel dazugekommen ist.
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Lorelai and the Laser Eyes: Bewegt sich auf einem ähnlichen Niveau wie die oben genannten Deduktionsspiele.
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Strategic Command World War I: Bin eigentlich kein Wargamer, fand das entweder immer zu belanglos (Panzer General etc.) oder zu sperrig (War in the East, lol). Strategic Command ist die Ausnahme, vor allem der WWI-Teil findet einen guten Mittelweg zwischen Zugänglichkeit und Komplexität.
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Desperados 3: Für mich mit Abstand das beste der Mimimi-Spiele. Vielleicht sogar überhaupt das beste seines (kleinen) Genres.
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Jagged Alliance 3: Spielt in der gleichen Liga wie XCOM 2; ein äußerst kompetenter, längst überfällig gewesener Nachfolger.
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Command & Conquer Remastered: Neben Baphomets Fluch das beste Remaster, hat mir den Spaß an Echtzeitstrategie zurückgebracht.
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Loco Motive: Hervorragendes Adventure mit Animationen im Stil von LucasArts’ besten Zeiten.
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Balatro: Das einzige Spiel, das es für mich ansatzweise mit Slay the Spire aufnehmen kann.
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It Takes Two: Bestes Co-op-Spiel!
