Ich stelle mir halt die Frage, in wie weit sich ein Ridley Scott so unter Druck setzen lässt? Der Mann hatte seinen Durchbruch nicht unbedingt im jugendlichen Alter, hat sich akribisch hochgearbeitet und konnte 2014 enormes Renomee plus Kassenerfolge vorweisen. Meines Wissens bleibt er üblicherweise auch immer in Budget und hat sehr genaue Vorstellungen, wie er seine Filme umsetzt. Dass sich so jemand vom Studio und der Fanbase treiben lässt, fällt mir irgendwie schwer zu glauben.
Das finde ich tatsächlich problematisch. Das wirkt so, als wolle ein alter Mann rückblickend nochmal sein zwei größten, nennen wir es mal kulturellen Erfolge nachträglich miteinander verknüpfen. Dabei ignorierend, dass Blade Runner nur von Philip K. Dick geborgt ist und beide Franchises unterschiedlichen Konzernen gehören. Er kann sie bereits auf der verbalen Ebene nicht gut miteinander verbinden, weil er bspw. den zentralen Begriff Replikant nicht nutzen kann. Dann kann man sich natürlich streiten, wie gut sich die eher philosophische Gedankenwelt eines Dick, für den immer die Frage nach der Realität und Manipulation unserer Wahrnehmung im Zentrum stand, sich mit der Welt von Alien verknüpfen lässt, die stark von der Tech-Pornographie eines H. R. Giger beeinflusst ist und sich mit sehr grundlegenden Fragen des Überlebens und des Miteinanders dabei auseinandersetzt. Auf dem Weg zu der von Dir skizzierten Interpretation sind mir da ehrlich gesagt zu viele Abbruchkanten drin.
Und dann hat Prometheus natürlich das Problem, dass der Film kein emotional positiv besetztes Zentrum hat, oder zumindest kein gutes. Wie sauzwerg schon gut beschrieben hat, ist das in den Alien-Filmen Ripley, die erkennbar darunter leidet fast schon Übermenschliches erdulden und bewältigen zu müssen und dabei trotzdem stets ihre Handlungsfähigkeit und nicht zuletzt ihre Menschlichkeit bewahren kann (imho auch in Alien: Resurrection noch gelungen). Bei Prometheus und Covenant gibt es niemanden, der die Sympathien in ähnlichem Maße auf sich vereint. Bei Prometheus sollte das offensichtlich Naomi Rapaces Rolle zufallen, aber sie konnte Ripley in dem Punkt nicht ersetzen, auch weil der Cast zu groß und zu viele potentielle Hauptdarsteller dabei waren. Stattdessen rückt mit David ein emotionsloser, unsympathischer Antagonist ins Zentrum. Was auch massiv auffällt, dass Scott mit The Crossing einen Kurzfilm als Übergang zum Prometheus-Nachfolger abgedreht hat, der von Covenant in keinem Punkt aufgriffen wird. Stattdessen wurde Elizabeth Shaw ähnlich wie Hicks und Newt einfach mit einem Halbsatz rausgeschrieben. Das ist irgendwie alles erkennbar Flickwerk.

