It Came from the Desert (SF 156)

Den Filmexkurs zu Beginn fand ich deplatziert und dröge. Den szenischen Einstieg im Anschluss fand ich hingegen klasse und hat in mir tatsächlich Interesse am Spiel geweckt. Das ist schon eine Leistung, denn Amigaspiele interessieren mich ansonsten überhaupt nicht. Damit hätte ich die Folge ja begonnen.

Kann ich gut nachvollziehen. Die Bewertungen des Spiels in den Zeitschriften waren damals auch nicht schlecht. Die Grafik war über jede Kritik erhaben und das Film-Setting mit dem satirischen Hintergrund hatte auch seinen Reiz. Leider hatte ich das Spiel damals nicht in meiner Amiga-Disketten-Sammlung. Daher kann ich nicht genau sagen, ob es mir wirklich gefallen hätte. Aber für Leute wie mich, die gern Defender of the Crown gespielt haben, ist so ein Action Adventure immer was Interessantes.

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Als Relativist kann man das natürlich so sehen. Aber es zählt ja auch die Spielidee und wieviele Spiele dieser Art gibt es heute noch? Ich kenne kaum eines, das ein typisches Film Klischee so treffend behandelt und das so einfallsreich in ein Spielprinzip umsetzt. Das fehlt mir bei modernen Spielen total, weil die alle nach üblichen Mechanikmustern gestrickt sind.

Was meinst du denn mit „Relativist“, wenn ich fragen darf?

Das meinte ich bezüglich dem, was du über die Bedeutung der alten Spiele aus heutiger Sicht geschrieben hast. Damals sah man sie als bedeutender an, als unter den heutigen Maßstäben. Ist ja auch verständlich.

Ist nicht jedes Call of Duty heute ein spielbares Actionfilmklischee?
:sweat_smile:

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Äh Grounded und Grounded 2 kennst du schon? Gut hier wurden nicht die Insekten vergrössert, sondern der Mensch geschrumpft.Zudem ist das auch ein sehr erfolgreiches Onlinespiel.

Das ist doch reine Action, oder? Ich kann da keinen Bezug zu einer Film-Handlung erkennen, also verbale Interaktion oder so was.

Damals sah man sie als bedeutender an, als unter den heutigen Maßstäben.

Ist das so? Das ist ja auch erstmal eine Hypothese.
Mir fallen verschiedene Kriterien ein, mit denen man der zeitgenössischen Bedeutung nachspüren könnte, z.B.

  • Wertungen und positive Kritiken
  • Auszeichnungen und Position in Jahres-Hitlisten („Game of the Year“-Awards etc.)
  • Position und Verweildauer in Verkaufscharts
  • Position und Verweildauer in Lesercharts
  • Zahl von Folgespielen anderer Hersteller, die das Spiel kopieren / sich auf das Spiel beziehen
  • Menge und Dauer von Folge-Diskussionen (z.B. Leserbriefe, Tipps, Interviews, Making-ofs …)
  • Menge von Community-Folgewerken (Fan Art, Fan Fiction, Zitate & Derivate etc.)

Ich hab das bei It Came From the Desert jetzt nicht in der Tiefe nachvollzogen, aber meiner groben Übersicht nach kam das Spiel in der Presse (sehr) gut an, hat sich kurzzeitig ordentlich verkauft und vermutlich durch Raubkopien überdurchschnittlich weit verbreitet, ist dann aber relativ schnell aus der öffentlichen Diskussion verschwunden und hat in seiner Zeit keine Spiele nach sich gezogen, die die Formel kopieren oder sich spielmechanisch oder thematisch auf ICFTD beziehen (anders als z.B. bei Defender of the Crown).

Für mich ist die These, dass ICFTD damals für ein bedeutsames Spiel gehalten wurde, unbelegt.

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In meiner persönlichen Schublade lag es immer als geistiger Vorläufer für Elvira. Allerdings nur in meiner persönlichen. Wirkmächtig war dann eher Elvira. ICFTD war für mich anfangs ein Spiel, mit welchem ich angeben konnte. Später wurde es durch andere Amiga-Spiele in den Schatten gestellt. In seinem Jahr 1989 war es aber ein großes Ding, auch in Bezug auf Horror Games. Finde es heute noch etwas gruseliger als Elvira, wobei beide Spiele heute nicht mehr wirken. Elvira ist sicher besser als Spiel.

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Grounded ist eine Genremix aus Survival und narrativem Action-Adventure. Es bleibt natürlich im Kern ein Survival-Titel, bei dem es um Basenbau und Materialsammeln geht. Daneben gibt es aber prominente erzählerische Komponenten, oft in Form von Dialogen und Tonband-Aufnahmen, die ein Spielziel definieren und eine fortlaufende Handlung erzählen, aber auch Zwischenbosse, die für die Spielprogression Voraussetzung sind. Kleinere Gegenstandsrätsel und Labyrinthaufgaben gibt’s ebenfalls, sowie einen Endgegner und verschiedene Endsequenzen basierend auf Deinem Spielerfolg, die den Durchgang dann abschließen und Dich ins New Game Plus schicken. Das wiederum nimmt auf Grundlage Deiner Entscheidungen während des vorherigen Durchlaufs kleinere Variationen an der Spielwelt vor. Deswegen kann man es bspw. auch gut als Singleplayer spielen. Soll heißen, es ist kein interaktiver Film, aber es ist mehr als nur Spielmechanik. Wer außerdem „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ gesehen hat, erkennt den Einfluss auf den ersten Blick.

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Das sind alles wahrscheinlich valide Kriterien, aber kein kompletter Ersatz dafür, damals dabei gewesen zu sein und das Spiel direkt im Zeitgeist erlebt zu haben. Es hat die Schulhofdiskussionen zumindest eine zeitlang dominiert.

Man könnte sagen, dass das gesamte Genre der FMV Spiele sich auf ICFTD zurückführen lässt. Damals hat man es als interaktiven Film wahrgenommen, von der Wirkung her, obwohl es keine FMV Sequenzen hatte.

Ich sehe bei ICFTD auch erste Anzeichen der typischen modernen Open World Spiele, mit dieser freien Erkundung und den Minispielen. Moderne Open World Spiele sind ja auch voll von mehr oder weniger bekloppten Minispielen, wie das Dronensteuern bei Yakuza usw.

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Pirates! (1987) :slightly_smiling_face:

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Ich habe auch starke Meinungen zu dem, was zu bestimmten Phasen „in“ war, deswegen bin ich da nicht frei von, aber… derlei Dinge sind total regional und können mit so absoluten Aussagen nicht gut gegriffen werden können. Das haben wir neulich wieder in einer anderen Diskussion hier im Forum gesehen, wo jemand aus einer Ecke Deutschlands kam, wo alle einen Schneider CPC hatten, während ich sicher sagen kann, dass in meinem Jahrgang exakt niemand so ein Ding hatte.

Ähnlich ist es mit Spielen, bei uns waren die Cinemaware-Sachen nach Defender einfach kein Thema, auch die Amiga-Freaks (zu denen ich mich ja zähle) haben die entweder gar nicht oder allenfalls halbherzig gespielt. Kann sicher sagen, dass da bei uns niemand auf dem Schulhof drüber geredet hat.

Die Themen nach Defender waren uns irgendwie zu weit weg, die Bezüge auf die alten Filme eher uncool als positiv campy. Das fanden nerdige Zeitschriftenredakteure toll, aber wir konnten mit Rocket Ranger oder den 3 Stooges nicht recht was anfangen. Große Monster wie bei ICftD gehen natürlich immer, aber der Kontext der US-Filme der 50er war an uns verschenkt, ehrlich gesagt.

Glaube Dir gern, dass das in deiner Schule anders war, aber für ein weltweites oder Deutschland-weites Phänomen gab es schon wenig Nachhall in den Leserbriefen oder Lesercharts der Zeitschriften, scheint mir.

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Höhö, Elite 1984 und Lords of Midnight auch 1984 und halt auch 84 The Seven Cities of Gold. Dagegen ist die „Open World“ von ICFTD ne Lachnummer. Selbst der olle Sid hat nur „abgekupfert“. Wie halten fest „Open Worlds“ das Konzept in 3D kommt aus good old England und in 2D aus den USA und das gab es schon seit 5 Jahren. Und die Macher von GTA3 kamen ja auch teilweise aus England. Open World, ein UK Phänomen. :grinning_face_with_smiling_eyes:

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Interessanter Punkt, aber ich tue mich ein bisschen schwer, einem Spiel, das ja selber einigermaßen genau der Formel seiner Vorgängerspiele folgt, plötzlich Vorreiterrollen in gleich zwei Gebieten zuzuschreiben. Wenn man das so sehen will, müsste doch Defender der Vorreiter sein, zumindest mal bei FMV?

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Defender of the Crown hatte nicht diese Filmwirkung, das war eher noch wie ein Brettspiel mit dieser Karte wie bei Risiko. Es fehlte auch das filmische Intro und die atmosphärische Musik wie bei einem Film, denke ich.

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Ich kann natürlich nur für mich und mein Umfeld sprechen, aber Defender of the Crown war für uns ein Film zum mitspielen. Cinemaware haben sich ja nicht erst nach ihrem ersten Spiel auf die Fahnen geschrieben, Cinema-Spiele zu entwickeln. Gerade die Fechterei samt der großen Schatten, die aus dem wunderbaren Flynn-Hood-Film stammen und der Beginn des Turniers (bevor es mich wieder mangels Maus-Kenntnissen vom Pferd gefegt hat) waren Kino pur.
Zum fehlenden filmischen Intro: Laut ASM-Test hatte DotC einen „kinogerechten Vorspann“.

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Aber es fehlten bei Defender of the Crown auch die Dialoge, die für mich zu einer filmartigen Erfahrung gehören.

Die Schatten waren natürlich genial, und auch die Kussszenen.

Ich kann nicht folgen. Dialogbäume mit Text sind doch das Gegenteil einer filmischen Erfahrung? Man könnte im Gegenteil argumentieren, dass Defender in allen Mini-Games sehr viel filmischer ist: die großen Figuren, die auf den ersten Blick vertrauten Szenen, die filmischen Mittel. Imho fühlen sich weder die Messerstechereien noch die Top-Down-Kämpfe noch die Dialoge sehr filmisch an, einzig das Schießen auf die Fühler bei den großen Ameisen erreicht das Gefühl von Defender.

Aber Wurscht, das empfindet sicher jeder anders.

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