Bin nun auch mit der Folge durch, habe das Spiel geliebt und infolge des Podcasts erneut aufgesucht. Leider. Denn die Erinnerungen sind doch viel verklärter als befürchtet.
Dabei gehöre ich dem Lager „ich möchte das Spiel mögen“ an und wollte nach ein bisschen Spielzeit gegen die von Ignoranz und Ahnungslosigkeit triefenden Aussagen der Herren Lott und Schmidt wettern. Doch wie in Antheads wachsen mir, Fühlern und Ameisenaugen gleich, die unterstellte Ignoranz und vermutete Ahnungslosigkeit selbst aus dem Kopf.
Schade, dass das Spiel tatsächlich so eine Gurke war. Ich meine, hey, sie lag im Supermarkt, toll angestrahlt, einzelne Wassertropfen auf ihrer Oberfläche, wie Tau, hach, muss die frisch und saftig sein. Und nach dem Reinbeißen stellte ich fest, dass sie dröge, ohne Kern, einfach abgeschmackt war.
So, „Kreatives Schreiben I - Bildhafte Sprache“ an der VHS beiseite. Die Folge war desillusionierend und hat mich insofern zweimal geärgert. Beim ersten Mal war es die harsche Kritik („was nehmen die sich raus?!?!!!1!!“), beim zweiten Mal die Erkenntnis, dass diese wirklich sehr berechtigt war und auch ist. Meine Erklärung dazu: ich neige wohl dazu, Spiele zu verklären, die in den ersten Spielminuten Präsentation (v.a. hohe Schauwerte in Grafik und Sound), eine gewisse Größe und/oder Erhabenheit der Welt sowie eine auch in Features und Mechaniken begründete Vielfalt an Handlungsoptionen suggerieren. Die wirklich guten Spielen brauchen vermutlich nicht mal alle drei Aspekte, die Blender blenden damit aber eben nur anfänglich. Und das Schlimme: sobald ich sie wieder „nur“ erinnere, liebe ich sie wieder. Gilt übrigens nicht nur für ICFTD, sondern auch für z.B. Kyrandia 3 und m.E. auch die paar Spiele der AC-Reihe, die ich gespielt habe.
Zur Diskussion der Einspieler (Christian Genzel und Rahel): für mich haben sie die Folge auch etwas unnötig gestreckt. Kam mir dabei eher als „dramaturgisches“ Problem vor, sowohl hinsichtlich des Zeitpunkts als auch der jeweiligen Längen der Einspieler. Während Rahel Zeit zum bedachten Ausbreiten von Themen sehr gut zu nutzen versteht (und diese daher auch benötigt), hat Christian zumindest in dieser Folge häufig konkret benannt und veranschaulicht (von Regisseuren, Filmen usw.), was zwar on point ist, aber mit weniger Zeit auskommen kann. Dass die Zeiten jeweils umgekehrt angesetzt waren (oder sich so anfühlten, müsste ich nochmal hören), also Christian mehr, Rahel weniger Zeit, hat m.E. die jeweiligen Stärken nicht zur Geltung gebracht. Dabei höre ich beide sehr gerne!
So, „Kreatives Schreiben II - Der erste eigene Roman“ beiseite: eine schonungslose Folge, die für mich aber insbesondere durch den szenischen Einstieg knapp nach Minute 30 in a nutshell ICFTD eingefangen hat, um es dann analytisch zu zerpflücken. Dafür höre ich SF - wenn ich nach dem Hören Lust auf das Spiel bekommen habe, ist zumindest bei mir etwas angekommen. Besten Dank dafür 