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Es wird mal wieder unheimlich in der Monster Menagerie, denn wir widmen uns einem besonders verstörenden Gegnertyp: der Puppe. Oft niedlich, auf den ersten Blick harmlos – und doch oft die Quelle tiefsitzender Albträume.
Was macht Puppen so gruselig? Warum wirken gerade Spielzeuge wie perfekte Hüllen für das Böse? Und wie hat sich das Bild der unheimlichen Puppe in Literatur, Film und Spielen entwickelt – von Chucky über Annabelle bis zu bizarren Game-Gegnern mit Porzellangesicht?
Die beiden gehen den psychologischen, kulturellen und ästhetischen Aspekten auf den Grund – und natürlich wird auch diesmal wieder scharf bewertet: Wie gefährlich sind Puppen wirklich? Wie steht es um ihre Intelligenz, ihren Schockfaktor – und ihre Chancen im Ranking der Monster Menagerie?
Ich bin noch nicht ganz durch, aber ich glaube es wird meine neue Lieblingsfolge von diesem Format.
Ich hätte nicht gedacht, dass das Thema Puppenso interessant und spannend ist.
Ihr habt es hervorragend aufgearbeitet und eine tolle Folge aufgenommen!
Bei Puppen, so mein Eindruck, verhält sich der Gruselfaktor reziprok zur Stärke/Gefährlichkeit: Die Puppe ist vor allem gruselig, wenn sie sich noch weitgehend puppenartig und leblos verhält und nur subtile Anzeichen von Aktivität oder Intelligenz zeigt - also etwa, wie oft genannt, über Nacht ihre Position zu ändern scheint. Solange sie derart passiv ist, gefährdet sie aber niemanden. Sobald sie nach der Waffe greift und Menschen meuchelt, hat sie fast nichts Puppenhaftes mehr, sie ist dann “nur” noch ein Monster in menschenähnlicher Gestalt. Das fällt besonders bei Chucky auf: Für mich ist der Höhepunkt im Film jener Moment der Erkenntnis, in dem die Mutter die Batterien in der Puppenschachtel findet - die Puppe hat doch gesprochen, wieso sind die Batterien nicht eingelegt!? Danach agiert sie wie ein Mensch und verliert das Gespenstische.
Eine sehr unterhaltsame Folge. Hatte Puppen als Gegner bzw. Horrorfiguren nicht wirklich auf dem Schirm.
Bin eine Zeitlang auf dem Weg zur Arbeit an einem Fenster vorbeigekommen, da waren auch etliche Puppen mit Porzelanköpfen zu sehen. Da kann ich Rahel gut verstehen, dass war schön recht creepy. Besonders so im Herbst, wenn es noch gleich neblig war.
Könntet ihr eine Bibliographie der zitierten Bücher bzw. der Bücher, die ihr für eure Recherche verwendet habt, teilen? Ich würde gerne ein, zwei Sachen nachschlagen, aber möchte nicht nochmals die ganze Folge durchskippen. das wär echt lieb!
Ich musste während der Folge noch vor der Erwähnung dessen an die kleinen Puppen aus Zombies (einem meiner Lieblingsspiele auffem MD) denken. Hab mich dementsprechend über die detaillierte Erwähnung gefreut. :-D
In einer Fan Mission für Thief II namens “Rose Cottage” (sehr empfehlenswerte Mission übrigens, sehr atmosphärisch) kommt auch eine Puppe vor, die gern plötzlich hinter einem im Gang erscheint. Sie tut weiter nichts, aber hat mir ordentliche Jump Scares beschert. Ich finde Puppen sowieso sehr gruselig, aus meiner Sicht haben sie ihren Platz in der Monster Menagerie wirklich redlich verdient. Schöne Folge wieder!
Meine Schwiegermutter hatte als gelernte Schneiderin das Hobby Porzellanpuppen für sich entdeckt - und später wieder sein gelassen. In ihrem Haus lagerten also an allen Ecken und Enden verstaubte und von Spinnweben übersäte Puppenköpfe, -arme und -beine sowie die passenden Kleidungsstücke, die nach Ende 19. Jahrhundert aussahen. Das ganze Arrangement in einem denkmalgeschützten kleinen Fachwerkhaus, das immer knarzte.
Ich musste darüber nachdenken (viel zu lange), warum Spiele so lange auf die Darstellung von Gruselpuppen verzichteten - und vermute, dass Kollege Beuster Recht hat mit seiner Vermutung, die er eher als Scherz in den Raum wirft: In 8-Bit-Grafik sind Puppen gar nicht als solche erkennbar. Sie unterscheiden sich nicht von Menschen, noch dazu würden sie ob ihrer Größe wohl stets für Kinder gehalten - und die wollten Entwickler vermutlich nicht als Gegner in ihr Spiel einbauen. Selbst auf den 16-Bit-Plattformen wäre eine Puppe nur schwer erkennbar, noch dazu wäre sie als aktiver Gegner nicht sonderlich gruselig.
Auf modernen Plattformen ist das ganz anders, in einem VR-Horrorspiel funktioniert das perfekt: Kaum wendet man den Blick ab, bewegt sich die Puppe, die eben noch friedlich in ihrem Schaukelstuhl saß.
Schon lustig: Ein animierter, fliegender, Feuer speiender Drache ist für ein NES leichter darzustellen als eine kleine Stoffpuppe.
exakt so, die Soundbeispiele der frühen Folge mit der sprechenden Puppe, die mal säuselte “ i love you" und dann plötzlich im selben hohen süßlichen Ton "i kill you" ist das perfekte Beispiel.
Wie überhaupt, was das “Gruseln” betrifft, häufig weniger mehr ist, einfach ein still verharrender Schatten, durchs Fenster draußen im Dunkeln oder am Ende des Flures, das Knarren usw. gut wenn man im Hinterkopf hat, das KANN schlimm und grauenhaft werden, aber gerade dann sind diese Andeutungen Nervenzwirbler.
oh ja, vielen Dank, bitte immer machen, gerade die erwähnten Sachbücher usw. bei Euren Menagerie-Folgen herrscht bei mir sowieso dauernd dieser Gedanke, das müßtste nochmal lesen und das nachsehen und dann fällt mir ein und dann macht Ihr einen Querverweis, was ich wahnsinnig gerne mag an Euren Folgen ist, daß Ihr einem ein Wissensgebiet erschließt, herumführt, ganz viel Lust auf weitere Erkundungen macht und lauter Hinweise aufstellt `dort könntste nochmal weitergucken´ und ich dazu auch noch wirklich Lust habe! Gerne hätte ich, Ihr würdet da einfach immer weiter mit uns Hörern drin herumlaufen und uns immer noch mehr zeigen, Eure Folgen könnten von mir aus, gerade im allegemeinen kulturtheoretischen Teil einfach noch gaaanz lange weitergehen, vielen Dank.
so, wahnsinnig lahmer Kommentar zur Folge: wie immer! richtig richtig schön, für mich gingen viel mehr Folgen Monster-Menagerie, noch lieber ist mir aber, die bleiben einfach so gut!
Aber noch eine Idee, der Herr Beuster arbeitet also im Spielzeughandel… ich hätte echt gerne einen toysthatmadeusartigen von Euch beiden, ich weiß das paßt nicht zu stayforever, es gibt schon so viel undundund, ich hätte den halt einfach gerne, macht ansonsten bitte gerne einfach so weiter!
Wenn ich Dich richtig verstehe, geht es Dir hauptsächlich um die Sach- und Fachliteratur, richtig?
Da sind die wichtigsten Texte für die Folge in meinen Augen diese:
Freud, Sigmund (1919): “Das Unheimliche”.
From Ants to Zombies: Six Decades of Video Game Horror (2024) - eher ein generelles Nachschlagewerk, um schnell einen ersten Eindruck von bestimmten Horrorspielen zu erhalten
Lauwaert, Maaike (2009): The Place of Play: Toys and Digital Cultures.
Mori, Masahiro (1970): The Uncanny Valley.
Mills, Sandra (2018): “Discussing Dolls: Horror and the Human Double”. Erschienen in: The Palgrave Handbook of Horror Literature.
Sartre, Jean-Paul (1943): Das Sein und das Nichts.
Simms, Eva-Maria (1996): “Uncanny Dolls: Images of Death in Rilke and Freud”. Erschienen in: New Literary History.
Sollte es Dir auch um Fiction gehen, käme noch ein ordentliches Brett hinzu. Daher hier einmal abgekürzt die weiterführenden Empfehlungen, die wir am Ende der Folge erwähnen:
Dearnley, Elizabeth (Hrsg., 2024): Deadly Dolls: Midnight Tales of Uncanny Playthings. (Kurzgeschichtensammlung)
Hendrix, Grady (2023): How to Sell a Haunted House. (Roman)
Wenn Du eine vollständige Literaturliste möchtest, würde das vermutlich ein ganzes Weilchen dauern. Ist aber eine Option - wobei ich Dir alternativ auch bei Deinen Nachschlagefragen helfen kann.
also ich fänd so eine Quellen- und Literaturliste zu den Menageriefolgen insgesamt richtig gut, was mich angeht sehr gerne mit Fiction-Lesetipps, denn das ist ja das Wesen der Menageriefolgen, daß man große Lust hat, mehr zu erfahren.
Vielleicht, wenn ich das überhaupt sagen kann, war die Hexen- meine Lieblingsfolge, da würde ich mich über so etwas sehr freuen, zumal mir kürzlich bei einer Rezension ein Roman zum Thema begegnete, der sehr interessant klang und ich nach so einer Folge schon Lust hätte etwas entsprechendes zu lesen. (Roman: Jeder weiß, daß Deine Mutter eine Hexe ist)
Für die Puppenfolge habe ich M.R.James als Literaturtipp mitgenommen, zumal ich gerade die Klassiker des Genres sehr mag, die Sprache, der Einblick in eine andere Zeit und eine andere Sicht auf die Welt sowie ein Schreiben noch ohne Gewohnheiten und Konventionen. So habe ich kürzlich Polidoris Vampyr gelesen, das ist ein bißchen wie Ahnenforschung, am Ende sagt es einem ein bißchen was über mich selbst, bzw. die Geschichte des/der Genres, die ich mag, wo die herkommen und wo die hingehen/gegangen sind. und so…
Zur Puppe ist mir noch jemand eingefallen: Batman-Schurke „Bauchredner“ Arnold Wesker und seine Puppe „Scarface“ Die passen sehr schön zum Thema der gruseligen Bauchrednerpuppen, zumal es hier diese Ambivalenz zwischen Puppe und Menschen bzw. wer ist “der Böse” bzw. überhaupt und was ist real je nach Autor der Geschichte immer wieder mal sehr schön inszeniert wird. Und überhaupt hat Batman nunmal das vollständigste Tableau an Schurken, die eigentlich für alles und jedes etwas bieten und auf die projeziert werden kann.
entschuldigt bitte, bin auch gleich fertig, ich wollte hier wirklich nicht den Thread zuspammen, aber mir geht noch durch den Kopf, wie auffällig, daß eigentlich in jeder etwas trashigen Serie früher oder später grundsätzlich IMMER das Thema mit den gruseligen Puppen kommt, läßt keiner liegen:
Ich habe bei Puppen sowohl Voodoopuppen (z.b in White Zombie von 1932) vermisst als auch
Schaufensterpuppen bzw. Wachspuppen die ebenfalls gerne Motive in Horrorfilmen sind.
Und das eine echte! Leiche 60 Jahre lang als Schaufensterpuppe quer durch Amerika reist finde ich noch schräger als die mexikanische Puppeninsel. Ich bin auf diesen Fall nur sraufgekommen weil ich zu der Serie “Der 6 Millionen Dollar Man” mit Lee Majors (ja. Der Colt Seavers) die aktuell auf Kabel 1 läuft nachgelesen habe.
Edith2 noch. Ich dachte das bei “Freaks” oder “Fas Cabinet des Dr. Caligali” Puppen vorkommen. Da lag ich aber nach kurzer Recherche falsch.
Tod Browning hatte Regie bei einem verschollenen Film namens “Puppets” von 1916. Er jhat u.a Die Horrorklassiker Freaks, Dracula und London after Midnight später gedreht.