So, jetzt habe ich die Folge auch zu Ende gehört und es war wirklich schön und hat meine Erfahrungen von damals gut wiedergegeben. Widerspruch habe ich eigentlich nur bei der Aussage, dass man eher Oblivion nachholen sollte als Morrowind.
Warum sehe ich das so? Grafisch und spielmechanisch ist Oblivion natürlich immens weiterentwickelt und besser als Morrowind, aber ich hatte in Oblivion größere Schwierigkeiten mit der suspension of disbelief, eben gerade weil das Spiel zugänglicher sein will und einen mehr an der Hand nehmen will. Das funktioniert nämlich nur dann halbwegs, wenn man sich auch an der Hand nehmen lässt, denn das Spiel verbreitet in der Hauptstory Hektik, die nicht zu einer von Anfang an offenen Spielwelt passt.
Man bekommt den Auftrag, die Stadtwache bei der Belagerung von Kvatch zu unterstützen. Macht man das per Schnellreise, stellt sich dieser Auftrag auch für einen Level 1 Helden als sehr einfach heraus. Macht man das nicht, ist es trotz der ganzen Hektik, die verbreitet wird, auch egal. Ich bin damals zunächst zu Fuß nach Kvatch, wurde von handelsüblichen Wegelagerern zu Brei gehauen, habe ein paar Dungeons erkundet und Nebenquests bearbeitet, bin dann nach vielen in-game-Tagen irgendwie auch nach Kvatch gekommen, wo die Stadtwache sagt “Oh, Du kommst genau richtig, wir greifen jetzt an!”
Fortan wird man in der Spielwelt der “Held von Kvatch” genannt, aber wenn ich einen Salatkopf klaue, keine Strafe zahle und mich der Festnahme widersetze, haut mich jede Stadtwache mühelos nieder, weil diese jederzeit 5 oder 10 Level höher sind als der “Held von Kvatch”.
Im Gegensatz dazu, wenn man in Morrowind direkt nach Balmora geht, wird man von Gaius aufgefordert, erstmal Erfahrung zu sammeln und sich vielleicht einer der Gilden anzuschließen. Kein Zeitdruck, nur eine Anregung, was man so machen könnte.
Dazu kommt, wie im Podcast ja auch mehrfach gesagt wurde, die Erfahrung in Morrowind, zu einem mächtigen Helden zu werden, die leider in Oblivion völlig fehlt. Mein Mitbewohner hat damals Oblivion 30 oder 40 Stunden gespielt und dann weggelegt mit den Worten “Leveln bringt hier leider nix” (Er war großer Gothic Fan und hatte nie Morrowind gespielt).
Unterm Strich ist mir Oblivion daher immer als große Enttäuschung im Gedächtnis geblieben, die Bewertungen (u.a. von Christian in der damals abonnierten Gamestar) als zu hoch. Das ist natürlich ein sehr persönlicher Eindruck, ich würde aber niemandem Oblivion empfehlen, wenn er sich fragt, ob er Morrowind nachholen sollte. Die Spielerfahrungen halte ich für grundlegend unterschiedlich. Wer Oblivion spielt, weiß eben nicht, wie sich ein Morrowind (und vielleicht auch Daggerfall, habe ich nie gespielt) anfühlt.
Trotzdem hatte ich übrigens kurz über den Kauf von Oblivion remastered nachgedacht - dann kam mir der Gedanke “Oh Gott, wieder 15 identische Oblivion Tore schließen, damit die halt endlich weg sind, nein, auf gar keinen Fall.”
Zur Musik sei gesagt, dass ich Jahre nach Morrowind, als ich in der Zwischenzeit eine kleine Tochter vor dem Bauch in der Trage hatte, die zahnend nachts um 3 nicht schlafen wollte, ich mit Erfolg das Main Theme leise gesummt habe - also ist die Musik gut! Ich freue mich auf Gunnars Ausführungen in der Unterstützerfolge.